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Stuttgart

Schwule Traditionsbar "potentielle Gefahr für die Sittlichkeit"?

Nach neuen Auflagen der Stadt musste das 1989 eröffnete Stuttgarter Szenelokal "Eagle" zum Jahreswechsel schließen. Untersagt wurde u.a. das Abspielen von Musik und der Aufenthalt teilweise entkleideter Personen.


"Mut zum Fetisch": Truck der bundesweit bekannten Szenebar "Eagle" beim Stuttgarter CSD

Nach über 30 Jahren sind im bekannten Stuttgarter Szenelokal "Eagle" die Lichter ausgegangen. Eigentlich sollte die 1989 eröffnete Traditionsbar in der Mozartstraße ab 1. Januar unter einer neuen Geschäftsleitung weitergeführt werden, doch die Stadt nutzte die Betriebsübernahme für einen "Schlag gegen die schwule Szene", wie es Kritiker in sozialen Netzwerken formulieren. Das "Eagle" gilt als Institution in Stuttgart und ist weit über die Leder- und Fetischszene hinaus beliebt.

Erst am 30. Dezember sei "nach monatelanger Prüfung" eine neue Gaststättenerlaubnis ausgestellt worden, heißt es in einer Mitteilung der neuen Betreiber auf Facebook. Allerdings sei "eine lange Liste von Auflagen" erstellt worden, "die es unmöglich macht, das Eagle weiterhin wie gewohnt zu betreiben". Untersagt worden sei unter anderem das Abspielen von Musik, der Aufenthalt teilweise entkleideter Personen in den Betriebsräumen, die Gewährung der Möglichkeit zum Dating sowie der Betrieb eines Darkrooms.

?Kennen Sie das EAGLE?? Wenn Sie ein homosexueller Mann sind und schon mal in Stuttgart waren, sagen Sie sicherlich ja…

Gepostet von EAGLE Stuttgart am Freitag, 3. Januar 2020
Facebook / EAGLE Stuttgart

Szenelokal nicht im öffentlichen Interesse?

Für den Darkroom sei seit vielen Jahren ordnungsgemäß Vergnügungssteuer an die Stadt Stuttgart gezahlt worden, wundern sich die Wirte – und vermuten eine gezielte Schikane. "Es wird angeführt, die seit 30 Jahren im Eagle verkehrenden Gäste seien eine potentielle Gefahr für die Sittlichkeit und eine mögliche Belästigung der Nachbarschaft. Der Betrieb eines Szenelokals widerspräche daher dem öffentlichen Interesse."

Die Stadt Stuttgart mit dem grünen Oberbürgermeister Fritz Kuhn an der Spitze hat auf eine Anfrage von queer.de bislang nicht reagiert. Die "Eagle"-Betreiber bitten die Community unterdessen um Solidarität: "Gerade in Zeiten der zunehmenden Intoleranz und Gewalt gegen Homosexuelle sehen wir ein sehr großes öffentliches Interesse, dass solch ein Schutzraum und eine Institution in der LSBTTIQ-Szene wie das Eagle erhalten bleibt".

Twitter / carhuezh | In sozialen Netzwerken hagelt es Kritik

Auch in Berlin kam es Ende 2018 zu einem Streit zwischen Verwaltung und Szenewirten. So wurden mehrere Darkrooms im Nollendorf-Kiez geschlossen, weil diese angeblich nicht den baurechtlichen Bestimmungen entsprachen (queer.de berichtete). Dem grünen Baustadtrat Jörn Oltmann und der Polizei wurden zudem unverhältnismäßige Razzien in schwulen Sexclubs bei laufendem Betrieb vorgeworfen (queer.de berichtete). (cw)



#1 PeerAnonym
#2 Ralph
  • 04.01.2020, 11:34h
  • Wer regiert in Baden-Württemberg? - Die Grünen. Wer ist OB von Stuttgart? - Ein Grüner. Die Grünen sind in der rechten Ecke angekommen. Vom freiheitsverliebten Bürgerschreck zum faschistoiden Spießer.
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#3 goddamn liberalAnonym
  • 04.01.2020, 11:54h
  • Antwort auf #2 von Ralph
  • "Vom freiheitsverliebten Bürgerschreck zum faschistoiden Spießer."

    Das Letzte gilt gerade für die schwäbelnde Öko-Mittelschicht von Anbeginn.

    Nix mit Bürgerschreck. Nix mit Bürgerrechten.

    Dazu gehört dann auch eine auf Dressur ausgerichtete Körper-Politik, die die pietistische Enthaltsamkeit verweltlicht und auch uns aufs Ehebett mit gestärkter blütenweißer Wäsche abrichten will.
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#4 MoKiAnonym
  • 04.01.2020, 11:55h
  • Die Grünen sind die neuen Moralapostel. Früher hieß es noch: "Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment". Jetzt sind sie evangelisch geworden und Hüter der Sittlichkeit.
    *lol*
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#5 QueerUserAnonym
  • 04.01.2020, 12:05h
  • Antwort auf #2 von Ralph
  • "Die Grünen sind am rechten Rand angekommen." Wo lebst Du denn? Sollen wir lieber die LGBT-freundliche CDU, oder die noch freundlichere AfD wählen? Man sollte nie von einer Tat auf jeden und alles schließen. Das hast Du offenbar nicht verstanden. Außerdem regieren Grüne und CDU in BW. Die Grünen setzen sich sehr stark für unsere Rechte ein, die CDU leider nicht.
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#6 qwertzuiopüAnonym
  • 04.01.2020, 12:11h
  • In Baden-Württemberg und gerade von Stuttgart an RIchtung Süden ist das Spießertum zuhause. Bin froh, da weg zu sein.
    Und ja, man wird sehen, wie sich die Grünen da in Zukunft so entwickeln.
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#7 marbelaAnonym
  • 04.01.2020, 12:16h
  • Geschichte wiederholt sich leider und bekanntlich lehrt uns die Geschichte, dass uns die Geschichte nichts lehrt.

    wie war das um 1920 rum? Bis dahin ging es den Homosexuellen doch auch nicht schlecht, was sich in den Jahrzehnten danach ereignete ist ja bekannt.

    Das kann sich leider wiederholen.

    Wohin soll man denn nur auswandern? Diese Frage beschäftigt mich schon seit geraumer Zeit.

    Das ist alles ein sehr langsamer schleichender Prozess.

    In meiner Umgebung sind die Orte für's Cruising (z. B. FKK-Badeseen) nach und nach von irgendwelchen Heinis Torpediert worden. Es gibt da NICHTS mehr (es sind mindestens 3 an der Zahl).

    Menschen, die sich früher dort (auch Anonym) immer mal wieder treffen konnten zum austauschen, Schwätzchen halten, haben sich aus den Augen verloren.

    Seit wachsam! Wie wird sich das noch weiter entwickeln? Das ist alles sehr, sehr traurig. Dass dabei die Grünen mitmischen (vielleicht auch nicht mit voller Absicht) stimmt mich, nach deren sonstigem Verhalten sehr nachdenklich.
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#8 goddamn liberalAnonym
  • 04.01.2020, 12:17h
  • Antwort auf #5 von QueerUser
  • "Wo lebst Du denn? Sollen wir lieber die LGBT-freundliche CDU, oder die noch freundlichere AfD wählen?"

    Deine Alternativen sind sehr verräterisch.

    Es gibt ja auch noch andere Parteien im Angebot.

    Die haben dann auch offen queere Politiker*innen in hohen öffentlichen Minister- oder Bürgermeisterämtern zu bieten.

    Bei den Grünen sitzt unsereiner meist in der Nische.

    Es sei denn die Nische wird wie in Stuttgart bei der frommen Kehrwoche besenrein ausgeräuchert.
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#9 BePrideAnonym
  • 04.01.2020, 12:36h
  • Die Auflagen der Stadt Stuttgart mit ihrer Begründung sind eindeutig verfassungswidrig. Das Bundesverfassungsgericht hat seine vielen Entscheide in nunmehr 10 Jahren damit begründet, dass nach Art. 3 Abs. 3 GG niemand wegen seiner sexuellen Orientierung benachteiligt werden darf. Das ist hier jedoch mit den Auflagen der Stadt Stuttgart der Fall. Die Stadt kann sich nicht mehr auf eine Sittlichkeit und damit auf den Begriff des Sittengesetzes in Art. 2 GG berufen, da diese(s) bezüglich der sexuellen Orientierung durch die Entscheide des Bundesverfassungsgerichts für immer obsolet geworden ist. Die Begründungen der Stadt selbst als auch noch nachgeschobene sind oder wären als verfassungswidrig zu entlarven und haben vor Gericht keinen Bestand.
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#10 Carsten ACAnonym
  • 04.01.2020, 12:44h
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    "Es wird angeführt, die seit 30 Jahren im Eagle verkehrenden Gäste seien eine potentielle Gefahr für die Sittlichkeit und eine mögliche Belästigung der Nachbarschaft.
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    Lächerlich!

    Wie kann etwas, was innerhalb von Räumlichkeiten, die von allen freiwillig und bewusst betreten werden, für andere Menschen eine Gefahr oder Belästigung sein?

    Und dann wieder dieser frömmelnde Begriff "Sittlichkeit", der eine Mischung aus Prüderie und religiöser Scheinheiligkeit widerspiegelt.

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    Der Betrieb eines Szenelokals widerspräche daher dem öffentlichen Interesse."
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    Ein Lokal dient auch nicht dem öffentlichen Interesse. Oder verlangen die Subventionen?

    Solange das erfolgreich läuft und die ihre Steuern und sonstigen Abgaben zahlen, ist alles in Ordnung.

    Aber dass in Stuttgart und ganz Baden-Württemberg "Demo für alle", "bibeltreue Christen", etc. besondern stark sind und viel Macht haben, haben wir ja schon oft genug gesehen.

    Ich meide dieses Bundesland und lasse mein Geld lieber woanders.
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