https://queer.de/?35222
Evangelische Kirche
Homophober Altbischof Wilckens war Mitglied der Waffen-SS
Ulrich Wilckens hat jahrelang Stimmung gegen die Gleichbehandlung Homosexueller gemacht. Mit 91 Jahren gibt er nun zu, als Jugendlicher freiwillig zur Waffen-SS gegangen zu sein.

Ulrich Wilckens in einem Interview mit dem Hessischen Rundfunk im Jahr 2011 (Bild: Screenshot hr)
- 6. Januar 2020, 11:30h 2 Min.
Der Lübecker Altbischof Ulrich Wilckens hatte sich während des Zweiten Weltkriegs als 15-Jähriger zur Waffen-SS angemeldet. Dies machte der 91-Jährige in seinen gerade erschienenen Erinnerungen "Warum ich Christ wurde" (Lutherische Verlagsgesellschaft) öffentlich. Nach dem Vortrag eines SS-Offiziers habe er unterschrieben, um seinem Vater, einem Hitler-Verehrer, einen Gefallen zu tun und zugleich die Ehre seiner Schule zu retten. Denn Wilckens berichtet, er sei der Einzige gewesen. Da er eine jüdische Urgroßmutter hatte, hätte er gar nicht eintreten dürfen.
Wilckens gehört zum konservativen Flügel der evangelischen Nordkirche. So lehnt er Abtreibung und die Gleichbehandlung Homosexueller kategorisch ab. 2011 unterzeichnete er etwa einen Offenen Brief, in dem schwulen Pfarrern und lesbischen Pfarrerinnen vorgeworfen wurde, mit "Gott-widrigen Verhaltensweisen" die Ökumene zu gefährden (queer.de berichtete). Ein Christ müsse "sein sexuelles Verhalten ganz nach dem Willen Gottes ausrichten und daher wissen, dass gleichgeschlechtliches Zusammenleben – wie alle außereheliche Sexualität – dem Gotteswillen widerspricht", schrieb er damals auf evangelisch.de.
In seiner Landeskirche konnte sich Wilckens mit seiner kompromisslosen Haltung gegenüber sexuellen Minderheiten nicht durchsetzen: Die Nordkirche führte vergangenes Jahr die Trauung für Schwule und Lesben ein (queer.de berichtete).
Wilckens: Habe 1944 innerlich mit SS gebrochen
Wilckens behauptet in seinem Buch, dass er bereits bei der Vorausbildung 1944 einen "inneren Bruch mit der SS" vollzogen habe. Die Liedzeile "Wenn das Judenblut vom Messer spritzt" habe er nicht mitsingen können. Im Januar 1945 wurde Wilckens mit 16 Jahren zur Waffen-SS einberufen. Bei einem Einsatz bei München überrollte ihn ein Panzer. Wilckens überlebte unverletzt und beschreibt dies als Bekehrungserlebnis.
Warum er die Waffen-SS-Mitgliedschaft jetzt erst öffentlich macht? "Ich habe das nicht bewusst verschwiegen", sagte Wilckens den "Lübecker Nachrichten". "Ich habe das für mich selbst weggewischt, weil mir ganz anderes wichtig war, und weil ich von Anfang an innerlich nicht dazugehört habe." Ein Verlagssprecher sagte in Kiel, Wilckens habe mit seiner sehr reflektierten Autobiografie wohl ein Fazit seines Lebens ziehen wollen.
Wilckens stammt aus einem religionsfernen Elternhaus. Der gebürtige Hamburger lehrte als evangelischer Theologieprofessor für Neues Testament in Berlin und Hamburg. Von 1981 bis 1991 war er Bischof des Sprengels Holstein-Lübeck in der nordelbischen Kirche. Dass er eine schwere Krebserkrankung entgegen der Prognose der Ärzte überlebte, empfand Wilckens als zweites Wunder seines Lebens. (dpa/dk)














