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Evangelische Kirche

Homophober Altbischof Wilckens war Mitglied der Waffen-SS

Ulrich Wilckens hat jahrelang Stimmung gegen die Gleichbehandlung Homosexueller gemacht. Mit 91 Jahren gibt er nun zu, als Jugendlicher freiwillig zur Waffen-SS gegangen zu sein.


Ulrich Wilckens in einem Interview mit dem Hessischen Rundfunk im Jahr 2011 (Bild: Screenshot hr)

Der Lübecker Altbischof Ulrich Wilckens hatte sich während des Zweiten Weltkriegs als 15-Jähriger zur Waffen-SS angemeldet. Dies machte der 91-Jährige in seinen gerade erschienenen Erinnerungen "Warum ich Christ wurde" (Lutherische Verlagsgesellschaft) öffentlich. Nach dem Vortrag eines SS-Offiziers habe er unterschrieben, um seinem Vater, einem Hitler-Verehrer, einen Gefallen zu tun und zugleich die Ehre seiner Schule zu retten. Denn Wilckens berichtet, er sei der Einzige gewesen. Da er eine jüdische Urgroßmutter hatte, hätte er gar nicht eintreten dürfen.

Wilckens gehört zum konservativen Flügel der evangelischen Nordkirche. So lehnt er Abtreibung und die Gleichbehandlung Homosexueller kategorisch ab. 2011 unterzeichnete er etwa einen Offenen Brief, in dem schwulen Pfarrern und lesbischen Pfarrerinnen vorgeworfen wurde, mit "Gott-widrigen Verhaltensweisen" die Ökumene zu gefährden (queer.de berichtete). Ein Christ müsse "sein sexuelles Verhalten ganz nach dem Willen Gottes ausrichten und daher wissen, dass gleichgeschlechtliches Zusammenleben – wie alle außereheliche Sexualität – dem Gotteswillen widerspricht", schrieb er damals auf evangelisch.de.

In seiner Landeskirche konnte sich Wilckens mit seiner kompromisslosen Haltung gegenüber sexuellen Minderheiten nicht durchsetzen: Die Nordkirche führte vergangenes Jahr die Trauung für Schwule und Lesben ein (queer.de berichtete).

Wilckens: Habe 1944 innerlich mit SS gebrochen

Wilckens behauptet in seinem Buch, dass er bereits bei der Vorausbildung 1944 einen "inneren Bruch mit der SS" vollzogen habe. Die Liedzeile "Wenn das Judenblut vom Messer spritzt" habe er nicht mitsingen können. Im Januar 1945 wurde Wilckens mit 16 Jahren zur Waffen-SS einberufen. Bei einem Einsatz bei München überrollte ihn ein Panzer. Wilckens überlebte unverletzt und beschreibt dies als Bekehrungserlebnis.

Warum er die Waffen-SS-Mitgliedschaft jetzt erst öffentlich macht? "Ich habe das nicht bewusst verschwiegen", sagte Wilckens den "Lübecker Nachrichten". "Ich habe das für mich selbst weggewischt, weil mir ganz anderes wichtig war, und weil ich von Anfang an innerlich nicht dazugehört habe." Ein Verlagssprecher sagte in Kiel, Wilckens habe mit seiner sehr reflektierten Autobiografie wohl ein Fazit seines Lebens ziehen wollen.

Wilckens stammt aus einem religionsfernen Elternhaus. Der gebürtige Hamburger lehrte als evangelischer Theologieprofessor für Neues Testament in Berlin und Hamburg. Von 1981 bis 1991 war er Bischof des Sprengels Holstein-Lübeck in der nordelbischen Kirche. Dass er eine schwere Krebserkrankung entgegen der Prognose der Ärzte überlebte, empfand Wilckens als zweites Wunder seines Lebens. (dpa/dk)



#1 Alexander_FAnonym
  • 06.01.2020, 12:51h
  • Erst Günter Grass, nun er. Irgendwie scheinen manche ehemalige SS-Anhänger einen Hang dazu zu haben, mit dem Finger auf andere zu zeigen, um sich selbst das Gewissen zu erleichtern.
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#2 goddamn liberalAnonym
  • 06.01.2020, 13:00h
  • Antwort auf #1 von Alexander_F
  • Manche junge SSler werden dann aber erwachsen zu Stützen demokratischer Werte (wie Grass, der sich auch für uns - und den Antifaschisten Willy Brandt- einsetzte), andere können sich nie so richtig aus der Uniform heraus häuten (wie der homphobe Wilckens).
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#3 JammerschadeAnonym
  • 06.01.2020, 13:48h
  • Hätte man bei der Entnazifizierung richtig durchgegriffen, wäre uns dieses Übel wohl erspart geblieben.
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#4 TomDarkProfil
#5 zundermxeAnonym
  • 06.01.2020, 20:07h
  • Antwort auf #4 von TomDark
  • Naja, tarnen mussten sich nur die wenigsten weil es die wenigsten nach 45 wirklich interessiert hat im Sinne einer Strafverfolgung (abgesehen vielleicht im Falle von sehr prominenten Nazis).
    Schon ob der Menge konnten sich viele schnell recht sicher sein, dass sie wohl eher nicht in irgendeiner Weise belangt werden würden.

    Öffentlich unausgesprochen (in aller Regel) aber doch erkennbar zu sein konnte sehr hilfreich für Karriere oder Geschäft nach 45 sein. Das hat so noch lange in die neue Republik hinein funktioniert...

    Für nicht wenige der Opfer hingegen war es, vorsichtig ausgedrückt, teils doch höchst problematisch die berufliche Stellung oder den Besitz wieder vollständig zurück zu bekommen.
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#6 sanscapote
  • 07.01.2020, 08:48h
  • ...und dann hat er sich noch von den Kirchensteuern und Einkommensteuern anteilig aushalten lassen. Abartig ist das, wie bei allen diesen Gestalten in der BRD, die sich von uns bezahlen lassen.
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#7 Ralph
  • 07.01.2020, 10:50h
  • Na da hatte er ja schon sehr früh ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild. Immer wieder erstaunlich, mit welcher Selbstgerechtigkeit gerade solche Leute lebenslang den Moralapostel spielen. Der Name Grass ist zu Recht schon gefallen. Dem muss man immerhin zugute halten, dass er "nur" seine Vergangenheit verschwiegen, sich aber innerlich tatsächlich zum Demokraten gewandelt hatte. Bei Wilckens ist das nicht der Fall. Er blieb seiner minderheitlichen Gesinnung treu und missbrauchte sein Amt zur Durchsetzung dieser rechten Gesinnung in seiner Kirche. Auch staunt man doch immer wieder, dass solch eine Figur Bischof werden konnte. Entweder wird die Vorgeschichte von Kandidaten nicht angeschaut oder es für die Kirche ganz einfach egal, ob sie einen SS-Mann nach ganz oben befördert.
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#8 saltgay_nlProfil
  • 07.01.2020, 12:06hZutphen
  • Woran liegt das wohl, dass in der BRD eine geradezu devote Haltung, ja ein Stiefellecken der Bundesregierung, bzw. Westberliner Senates, gegenüber den USA als weiter Konsens in der Bevölkerung bestand?

    Es muss doch auch dem jüngsten Youtuber und Influencer einmal klar werden, dass das Nazireich herbeigewählt und -gesehnt wurde vom deutschen Volk. Es ist doch nur logisch, dass damit der allergrößte Teil der Deutschen dadurch eine Mitschuld an den Verbrechen trugen. Die USA in ihrem pathologischem Antikommunismus erteilten aber diesem Volk, den Meistern des Todes, die Absolution, als sie sich untertänig unter den Schutzschirm des Antikommunismus begaben. Im Ernstfall hätten sie damit ihr Todesurteil unterzeichnet. Das hat man aber in der BRD nie verstanden.

    Auch die beiden großen Kirchen haben nicht deutlich "nein" gesagt. Im Falle der katholischen Kirche war es das große Anliegen von Heinrich Böll, deutscher Schriftsteller und Nobelpreisträger, die Verstrickung mit dem Nazireich aufzuarbeiten. In der evangelischen Kirche gab es die Spaltung in die "Deutschen Christen", die besonders in der Braunschweigischen Landeskirche sehr stark vertreten waren und der "bekennenden Kirche". Doch die evangelischen Landeskirchen wurzelten noch fest im 19. Jahrhundert und besaßen ihren in Landesfarben angestrichenen Herrgott. (Kurt Tucholski). Deshalb setzten sie dem Nationalsozialismus nur wenig entgegen. Das sollte sich erst im Laufe der Naziherrschaft ändern.

    Also ist es nicht verwunderlich, dass so ein alter Knacker, wie dieser Bischof eben, in der Waffen-SS war.

    Viel schlimmer ist es wohl, dass dieses Volk nichts aus der Geschichte gelernt hat, wie die Parteien AfD,CDU/CSU beweisen.
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#9 MaternenlastAnonym
  • 07.01.2020, 13:15h
  • Antwort auf #8 von saltgay_nl
  • Ja zu allem, was die Mittäter:innenschaft betrifft. Aber du verschweigst, dass nach 1949 die Deutschen hautnah mitbekamen, was Kommunismus bedeutet: Studienverbote aus ideologischen Gründen; Deportation nach Sibirien von Studierenden, die gegen ihre Zwangsexmatrikulation friedlich protestierten; wilkürliche Inhaftierungen von Kritiker:innen; später dann die Ermordung derer, die die DDR verlassen wollten.

    Selbstverständlich führen kommunistische Gräueltaten dazu, dass sich die Westdeutschen und Westberliner:innen von der menschenverachtenden Ideologie des Kommunismus abgewendet haben.
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#10 Alexander_FAnonym
  • 07.01.2020, 13:22h
  • Antwort auf #8 von saltgay_nl
  • Und die proamerikanische Haltung der Bundesregierung in den 50ern bis 60ern hat nochmal was bitte damit zu tun, dass ein SS-Mann zum Bischof wurde?

    Ich bin der letzte, der die Missstände Deutschlands kleinreden will, aber es scheint mir hier, als ob du in einen Rundumschlag à la "und sowieso und überhaupt" gerätst, der nicht sehr zielführend ist, ebenso wie die Phrase des "Aus-der-Geschichte-Lernens", die mit der Zeit doch ziemlich ausgehöhlt wurde und die, man vergesse es nicht, gerade von den Amtskirchentheokraten immer wieder gedroschen wird, wohlwissend, dass sie sich in ihre dehnbaren Kaugummiworte vortrefflich einfügt.

    Dieser Fall beweist, dass die EKD keineswegs eine antifaschistische Organisation war und ist, und das ist für jeden ein offenes Geheimnis, der sich ein bisschen näher informiert.

    Dein Verweis auf die AfD ist hier zudem irreführend: das Amtskirchenwesen unterstützt die keineswegs, sie will es sogar abschaffen. Zumindest steht das im Programm. Das macht diese Partei nicht wählbarer, aber wir wollen hier auch nicht unsachlich werden. Fakt ist, dass das Amtskirchentum vor allem von den Parteien unterstützt wird, die der Macht am nächsten sind. Das ist einerseits die CDU, andererseits findet es aber auch bei SPD und bei vielen Grünen breite Unterstützung.
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