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Shitstorm

Transphobie-Vorwürfe gegen Boy George

Der schillernde Ex-Popstar zeigt sich genervt von Personalpronomen – viele Twitter-Nutzer nehmen ihm das übel.


Boy George bei einem Auftritt an Silvester 2011 (Bild: Eva Rinaldi / flickr)

In sozialen Medien sind Transphobie-Vorwürfe gegen den 58-jährigen Künstler Boy George laut geworden. Anlass sind eine Reihe von Tweets des britischen Ex-Sängers der Band Culture Club, in denen er sich offenbar über die bevorzugten Personalpronomen von nicht-binären Menschen lustig macht.

So schrieb George am Montag ohne weiteren Kontext: "Lasst eure Personalpronomen vor der Tür stehen."

Twitter / BoyGeorge

Als ihn später ein 18-Jähriger fragte: "Weißt du, was zum Teufel Personalpronomen sind?", antwortete der Sänger: "Eine moderne Form, Aufmerksamkeit zu suchen?"

Twitter / BoyGeorge | Der Originaltweet mit der Frage wurde inzwischen gelöscht


Hintergrund ist die Nutzung des Einzahlpronomens "they/them", das viele nicht-binäre Menschen in englischsprachigen Ländern bevorzugen. "They" wurde kürzlich von amerikanischen Linguisten zum Wort des Jahrzehnts bestimmt (queer.de berichtete).

Popstar Sam Smith ist die bekannteste Person, die mit "they/them" angesprochen werden möchte – der Popstar betonte dies im September letzten Jahres in sozialen Netzwerken (queer.de berichtete). Ironischerweise sagte Smith 2017, dass Künstler wie Boy George, bei denen die Geschlechtergrenzen fließend gewesen seien, eine Inspiration gewesen seien (queer.de berichtete).

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Twitter-Nutzer werfen George Respektlosigkeit vor

Auf Twitter erklärten viele Nutzer, es sei respektlos von Boy George, sich über eine kleine Minderheit lustig zu machen. Sie wiesen darauf hin, dass viele nicht-binäre und transsexuelle Menschen jahrelang darunter leiden würden, als Mitglied eines anderen Geschlechts wahrgenommen zu werden. "Was ist nur aus dir geworden? Ich war mal ein großer Fan", schrieb ein enttäuschter Nutzer. Ein anderer erklärte: "Beschissene transphobe Witz-Versuche wie diese sind eine Form, Aufmerksamkeit zu suchen."

Twitter / notCursedE

Vereinzelt erhielt George auch Unterstützung – etwa von der schwul-lesbisch-bisexuellen Organisation LGB Alliance, die sich für Homosexuellenrechte einsetzt, aber gleichzeitig Trans-Rechte als "Gender-Extremismus" kritisiert (queer.de berichtete). George spreche aus, was viele Menschen denken würden, sich aber nicht zu sagen trauten. (cw)

Twitter / AllianceLGB



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#1 AmurPrideProfil
  • 09.01.2020, 14:26hKöln
  • Personalpronomen von nicht-binären Menschen, gerade auch in Deutschland ein "kniffeliges" Thema, denn in Deutschland kommt erschwerend hinzu, das, anders als im Englischen mit "they/them" oder im Schwedischen (keine Ahnung wie's sich schreibt), eben kein geschlechtsunspezifisches Einfachpronomen existiert.
    Nach meinen Beobachtungen scheinen sich weder das englische "they/them", das schwedische geschlechtsunspezifische Personalpronomen noch das deutsche "das" (übrigens das einzige, welches ich mich weigere zu benutzen, denn Menschen sind keine Sachen und wohin eine "Versachlichung" von Menschen führen kann haben uns die Nazis ja auf schrecklichste Art und Weise demonstriert) selbst unter Nicht-binären durchzusetzen zu können.
    Ursache hierfür scheint mir oftmals die Wahl des neuen Vornamens von Nicht-binären zu sein, der im alltäglichen Gebrauch oftmals bereits binär "besetzt" ist.
    Die Tom, der Anna und das Ben kommen einfach viel zu selten vor und wollen sich einfach deshalb sowie aufgrund der binären Vorbesetzung ums Verrecken nicht einprägen.

    Wenn Boy George aber glaubt die herausgestellte Bedeutung der Personalpronomen von nicht-binären Menschen seinen einfach nur >>..a modern form of attention seeking..<<, dann sollten wir ihn ab sofort mal penetrant als weiblich behandeln. Wenn man ihn als "die Boy George" bezeichnet und permanent über ihn in der Form "sie hat..." erzählt, wird es wohl nicht allzu lange dauern, bis er die Wertig- und Wichtigkeit der Verwendung der richtigen Personalpronomen neu justieren dürfte.

    Und wenn die LGB Alliance in >>..Telling people your pronouns is telling them how they have to see you..<< eine Art der Bevormundung glaubt entdeckt zu haben, wie wäre es denn stattdessen damit, dies als eine Bitte nicht zu misgendern zu verstehen?
    "Telling people my pronom is telling them how I see myself and how I would like to be treated."

    Anderenfalls hätte das Ganze für mich nämlich ganz eindeutig einfach nur den Charakter des misgenderns aus persönlichen Bequemlichkeitsgründen.
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#2 JadugharProfil
  • 09.01.2020, 17:24hHamburg
  • Antwort auf #1 von AmurPride
  • Eine geschlechtsneutrale Sprache ist schwierig zu entwerfen, wenn die Muttersprache zwischen grammatikalischen Geschlechtern unterscheidet, weil die meisten indogermanischen Sprachen ein grammatikalisches Geschlecht besitzen, was aber mit den natürlichen Geschlecht nicht immer übereinstimmt. Eine gender-gerechte bzw. geschlechtsneutrale Sprache zu schaffen, bedeutet, daß vieles modifziert werden muß, so daß man im Prinzip eine neue Sprache lernen müßte.

    Ich spreche sehr gut chinesisch, wo ein grammatikalisches Geschlecht gar nicht existiert. Man könnte die chinesische Grammatik, die eh sehr minimal ist, auf europäische Sprachen übertragen. Z.B.
    "Frau Müller geht mit ihrer Tochter einkaufen." Es kommen in diesen Satz drei Wörter vor, die ein Geschlecht markieren, nämlich "Frau", "ihrer" und "Tochter"! Man kann darüber philosophieren, ob man nun ständig immer auf ein Geschlecht hinweisen muß und ob das nicht übertrieben ist, da die Betonung auf das Geschlecht den Sachverhalt nicht verändert. Mit chinesischer Grundlage würde man geschlechtsneutral sagen:
    "Mensch Müller geht mit (eigenen) Kind einkaufen." Das Wort (eigenes) kann entfallen, sofern es aus dem Kontext ersichtlich ist, was man meint. Obwohl das Wort "Mensch" ein grammatikalisches Geschlecht besitzt, nämlich "der Mensch", ist das Wort "Mensch" an sich geschlechtsneutral und kann für mehrere biologische Geschlechter bzw. für ein empfundenes Geschlecht verwendet werden.

    Will man das Geschlecht hervorheben, dann kann man das Wort "männlich" oder "weiblich" davorsetzen. Z.B. "Frau = weiblicher Mensch" wie in der chinesischen Sprache oder verkürzend auch nur mit "Frau", so daß man für die deutsche Sprache geschlechtsspezifische Wörter nicht streichen muß.

    Andere Wörter wie Leser/Leserin werden als geschlechtsneutral deklariert wobei man auf das Wort Leserin verzichtet. Als Artikel gibt es wie im Englischen oder nur noch einen Artikel, oder wie im Friesischen zwei Artikel z.B "di gles", und "dit gles". "Di gles" bedeutet in der syltringischen Sprache das Glas (z.B Trinkglas) und "dit gles" bezeichnet das Glas als Rohstoffmasse - sonst allgemein "di" für alle Substantive wie das englische "the" und "dit" zur Unterscheidung zweier gleichklingender Wörter.
    Ich finde es schon schwierig wie man Leser*in ausprechen soll. In etwa Leser-Sternchen-In? Das immer zu bedenken, überfordert die meisten Menschen!

    Es gibt aber auch Leute, die führen neue geschlechtsneutrale Wörter ein, was die Sprache nur verkompliziert, entstellt und schwer verständlich macht. Da finde ich das chinesische Modell durch Reduktion viel einfacher.
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#3 Listen and repeatAnonym
  • 09.01.2020, 18:37h
  • Antwort auf #2 von Jadughar
  • "Ich finde es schon schwierig wie man Leser*in ausprechen soll."

    Sprich abwechselnd die Wörter "Tischlerinnen" und "Tischler-Innung" aus. Achte darauf, was direkt vor dem zweiten "i" jeweils passiert: Bei "Tischlerinnen" rollt das "r" direkt in den Vokal hinein, bei "Tischler-Innung" hebst du zum Vokal neu an, mit einem kurzen Verschluss dazwischen. Bei "Leser*innen" machst du es genauso: "Tischler*Innung" - "Leser*innen".

    Keine Hexerei. Kann fast jeder Mensch in einer Minute lernen, wenn er das will. Gern geschehen.
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#4 TheDadProfil
  • 09.01.2020, 23:08hHannover
  • Antwort auf #1 von AmurPride
  • ""Wenn Boy George aber glaubt die herausgestellte Bedeutung der Personalpronomen von nicht-binären Menschen seinen einfach nur >>..a modern form of attention seeking..<<, dann sollten wir ihn ab sofort mal penetrant als weiblich behandeln.""..

    Mal abgesehen davon, das Boy George diese "Behandlung schon vor mehr als 30 Jahren hinter sich gebracht hat, als er ständig miss-gendert wurde..

    So ganz unrecht hat er mit der Einschätzung einer
    ""a modern form of attention seeking"" NICHT, denn ohne korrektes Personalpronomen ist auch keine Wahrnehmung von Menschen mir Non-binärem Empfinden möglich..

    Ebenfalls mal davon abgesehen, das Non-Binäre Menschen nicht automatisch in die Gruppe der Trans*-Menschen zu verorten sind, denn das erfasst die Thematik nicht einmal im Ansatz..

    ""Wenn man ihn als "die Boy George" bezeichnet und permanent über ihn in der Form "sie hat..." erzählt, wird es wohl nicht allzu lange dauern, bis er die Wertig- und Wichtigkeit der Verwendung der richtigen Personalpronomen neu justieren dürfte.""..

    Ein völlig alter Hut..
    Schon in den Berliner Szene-Kneipen der Zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts hatten schon Menschen wie Magnus Hirschfeld diese Form der "gegengeschlechtlichen Anrede" genutzt, und sie ist eigentlich nie wirklich "aus der Mode gekommen", so lange man sich in den dazu passenden Kneipen bewegt hat..

    Das können so junge Menschen wie Du einer bist ja vielleicht gar nicht wissen..
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#5 Homonklin_NZAnonym
  • 10.01.2020, 15:34h
  • Antwort auf #1 von AmurPride
  • Der Baby, die Baby, würde aber schon sonderbar klingen, die oder der Kind auch. Der Maike oder die Maike, ja, meistens kann man es sehen. Die, äh, der Andrea Bocelli etwa wäre ziemlich irritiert, würde man ihn als "sie" betrachten. In Norwegen leben viele Männer mit dem klangvollen Namen "Inge". In D verwirren Namen wie Klaus Maria Brandauer. Was nun, der Klaus oder die Maria? Das ist also nicht immer eindeutig.

    Vielleicht wollte Boy George auch nur sagen, lasst das mal draußen, hier ist es nicht bedeutend, wie jemand gesehen wird, hier zählt bloß der Mensch. Und alle haben das in den falschen Hals gekriegt.
    Heute scheint eine Kultur Mode zu werden, in der man alles erst einmal auf etwaige Aspekte negativer Deutbarkeit untersucht, was dann gern dazu führt, dass sich alle gegenseitig be-shitstormen, und so den Gesprächsfluss und potenzielle Harmonie lahmlegen. Seltsames Phänomen, irgendwann traut sich keuiner mehr, "Piep" zu sagen, denn selbst "Piep" könnte mit etwas Anstrengung möglicher Weise diskriminierend empfunden werden. Von Piepmätzen vielleicht.

    Was jetzt hoffentlich nicht zum transphob orientierten Vergleich erhoben wird, sonst wäre man Philosoph geblieben, hätte man geschwiegen.
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