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Heimkino

Ein Meisterwerk der schwulen Filmgeschichte

"Buddies" gilt als erster Film über Aids. Er erzählt von der innigen Freundschaft zwischen dem aidskranken Robert und dem ehrenamtlichen Pfleger David. Jetzt ist das Drama als restaurierte 2K-Fassung erschienen.


Das Drama "Buddies" war 1985 der erste Spielfilm über die Aids-Epidemie. (Bild: Edition Salzgeber)

Ein Krankenzimmer im St. Matthews Hospital in New York City. Weiße Vorhänge, weiße Wände, schwarz-weiß-karierte Fliesen, nur eine einzige lilafarbene Orchidee bringt etwas Farbe in den Raum. Der aidskranke Robert wird es später als "den ruhigsten Ort der Welt" beschreiben. David (David Schachter) betritt den Raum, ganz langsam, schüchtern, bis oben hin verhüllt in seinem Schutzanzug, dem Mundschutz, den Handschuhen.

Die subjektive Kamera kommt Roberts Gesicht näher, er liegt ganz unschuldig da, bis er die Augen öffnet. "Wer zum Teufel bist du?" Durch den Mundschutz kann er Davids Antwort nicht verstehen. Er wiederholt seinen Namen, dass er der vom Gay Center geschickte Buddy sei, überreicht ihm ein Geschenk und gibt ihm mit weit ausgestrecktem Arm die Hand. Mehr Distanz ist nicht möglich.

"Buddies" von US-Regisseur und Autor Arthur J. Bressan Jr. war bei seiner Veröffentlichung im Jahr 1985 der erste Film über Aids. Ein Drama auf dem Höhepunkt der Aids-Epidemie, das nur vereinzelt in die Kinos kam. Und das schon damals in seiner Unaufgeregtheit genau den richtigen Ton traf.

Regisseur Arthur J. Bressan Jr. starb zwei Jahre später an Aids


Die Edition Salzgeber hat die digital restaurierte Fassung mit deutschen Untertiteln auf DVD veröffentlicht

Denn den Schutzanzug legt David ganz bald ab. Er und Robert freunden sich schnell an, was auch an Roberts sehr persönlichen Fragen liegt, die den sieben Jahre jüngeren David angenehm über- und herausfordern. Die Begegnungen reflektiert der 25-jährige Buddy in einem Tagebuch. "Ich weiß nicht, was er braucht", notiert er etwa. Robert scheint es besser zu gehen, als er angenommen hatte. Vor allem hat Robert seinen Humor und seine Direktheit nicht verloren.

Doch natürlich ist Robert seine Krankheit bewusst. Eine Krankheit, für deren Erforschung nicht genug Geld zur Verfügung gestellt wird, kritisiert er. Und wenn er noch einen einzigen gesunden Tag hätte, würde er sich alleine vors Weiße Haus stellen und dagegen protestieren. "Ich will nicht sterben", sagt er später, und David hält dabei seine Hand.

"Buddies" ist ein Höhepunkt der schwulen Filmgeschichte, der auch 35 Jahre nach Erscheinen nicht an Kraft eingebüßt hat. Der Film bildet eine Krankheit ab, die so viel mehr ist als eine Infektion. Eine Krankheit, die ganze Generationen verunsichert hat, und die eine ganze Reihe von Menschen dahingerafft hat – so auch Regisseur und Autor Arthur J. Bressan Jr. selbst, der zwei Jahre nach "Buddies" starb.

Für David sind Prides eine "affige Freakshow"

Doch mehr: Schon 1985 macht der Film deutlich, dass mit Hysterie niemandem geholfen ist. Dass David seinen Schutzanzug ablegen kann, dass er Robert sogar ganz nahe kommen, mit ihm in einem Bett liegen kann. Dass Solidarität untereinander umso wichtiger ist, wenn die Mehrheit von Vorurteilen und Abneigung durchtränkt ist – ein Appell, der gerade heute trotz veränderter Vorzeichen seine Gültigkeit nicht verloren hat.


"Ich will nicht sterben" (Bild: Edition Salzgeber)

"Buddies" ist das äußerst intime Porträt einer Freundschaft zweier so unterschiedlicher Männer, die ähnliche Konflikte haben wie schwule Freundeskreise heute. Robert, der im Pride "den einzigen Moment, in dem ich mich zugehörig fühle" sieht, und David, für den das alles nur eine "affige Freakshow" ist. Robert, der niemanden mehr hat, und der monogam lebende David, dessen Eltern ihn und seinen Freund sogar nach Hause einladen – ein empowerndes, seine Wirkung nicht verfehlendes Detail.

"Buddies" ist ein immer noch aktuelles Drama

Ja, der Film sollte damals auch rühren – und die von Streichinstrumenten unterlegten Sterbelisten am Anfang und Ende wirken heute wohl zu melodramatisch. Die Namen, fast täglich einer mehr, sind schon ohne Untermalung eindrücklich genug. Trotzdem verliert sich "Buddies" nicht im Kitsch oder in Rührseligkeit.

Für die deutschsprachige queere Filmgeschichte ist "Buddies" vor allem aus einem weiteren Grund von großer Bedeutung: Weil kein anderer Verleih den Film ins Programm nehmen wollte, gründete Manfred Salzgeber, der damals die Info-Schau (heute Panorama) der Berlinale verantwortete, kurzerhand seinen eigenen Verleih. Bis heute, über 25 Jahre nach seinem Tod, ist der nach ihm benannte Verleih eine nicht wegzudenkende Größe, die das, was wir unter Queer Cinema verstehen, maßgeblich mitprägt.

Es ist ein großes Glück, dass "Buddies" jetzt restauriert und digital erhältlich ist. Ein Drama und wertvolles Dokument, das gerade heute wieder bewegt, wo uns Aids und seine Lebensrealität zunehmend weniger vertraut sind.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer

Infos zum Film

Buddies. Drama. USA 1985. Digital restaurierte Fassung 2019. Regie: Arthur J. Bressan Jr. Darsteller: David Schachter, Geoff Edholm. Laufzeit: 81. Minuten. Sprache: englische Originalfassung. Untertitel: Deutsch (optional). FSK 12. Edition Salzgeber


#1 Chefchen
#2 FinnAnonym
  • 11.01.2020, 17:34h
  • Ich würde mir wünschen, dass noch viel mehr der frühen Klassiker des LGBTI-Kinos neu remastered und digitalisiert werden und dann auf DVD, Bluray und Streaming wieder veröffentlicht werden.

    Da sind viele Filme dabei, die ganz hervorragend sind und die Meilensteine waren, die aber seit Jahren oder gar Jahrzehnten niemand mehr gesehen hat, weil sie in irgendwelchen Archiven vergammeln.
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#3 Carsten ACAnonym
  • 11.01.2020, 18:37h
  • Antwort auf #2 von Finn
  • Ja, mir fallen spontan einige Filme ein, die ich früher mal auf Videokassette hatte und die ich seit Jahren nicht mehr gesehen habe. Die ich mir aber sofort auf DVD kaufen würde, wenn sie denn erhältlich wären.

    So denke ich z.B. spontan an den Film "Das Kuckucksei" (Torch Song Trilogy) mit Harvey Fierstein, Matthew Broderick und Anne Bancroft aus dem Jahr 1988, der einige Jahre mein Lieblingsfilm war. Der ist weder synchronisiert noch im Original auf DVD erhältlich.

    Oder auch an "Maurice" mit Hugh Grant (einer seiner ersten Filme) aus dem Jahr 1987. Den gibt es nur als Import der OV ohne die deutsche Synchronfassung.

    Das sind zwei Klassiker, die zeitlos schön sind und die sich auch heute noch gut verkaufen würden.
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#4 LonerangerAnonym
  • 12.01.2020, 12:06h
  • Soweit ich mich erinnere, gab es mal eine herausragende Serie zum Thema Aids in den USA. Leider habe ich den Titel vergessen. Doch es kam das Wort Angel drin vor und Emma Thompson spielte selbigen. Für eine Info wäre ich sehr dankbar.
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#5 Taurus82
#6 LonerangerAnonym