Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?35266

Theater

Falk Richter: Viele Männer verhalten sich toxisch

Falk Richter gehört zu den wichtigsten zeitgenössischen Dramatikern. Gegen sein Stück "Fear" klagte die AfD-Politikerin von Storch. Nun widmet sich der schwule Theatermacher mit "In My Room" der Männlichkeit.


Falk Richter, Jahrgang 1969, gehört zu den wichtigsten zeitgenössischen Dramatikern und Theaterregisseuren (Bild: Esra Rotthoff)

Der Theatermacher Falk Richter sieht schädliche Männlichkeit als Wurzel vielen Übels in der Welt. "Nicht Männlichkeit an sich ist toxisch, aber viele Männer verhalten sich toxisch, auch deshalb, weil die Gesellschaft, in der wir leben, ihnen das Privileg zugesteht, sich zerstörerisch zu verhalten", sagte der schwule Autor und Regisseur der Deutschen Presse-Agentur vor der Premiere seines neuen Stücks "In My Room" am Berliner Gorki-Theater kommenden Mittwoch. Darin will Richter der Frage nachgehen, ob die Krise der Gegenwart eine Krise der Männlichkeit ist. Unter anderem spielt der Schauspieler Jonas Dassler ("Der goldene Handschuh") mit.

Unter toxischer/giftiger Männlichkeit verstehen Geschlechterforscher und Soziologen übertriebene Vorstellungen des Mannseins wie Konfliktlösung einzig durch Gewalt, das Verneinen von Regungen wie Angst und Zärtlichkeit, auch ständige Sexbereitschaft oder das Abwerten angeblich unmaskuliner – also weniger muskulöser – Männer.

Für den 50 Jahre alten Richter geht es um "Männer, die nicht zuhören, die keine Gefühle außer Wut zulassen können, die Frauen und Homosexuelle abwerten". Es gehe um Männer, die sich nie selbst in Frage stellten und falsches Verhalten weder zugäben noch änderten.

- Werbung - Video - Abheben und Frankreich und die Welt entdecken

Männlichkeitsgehabe auf dem Vormarsch


Richters Stück "In My Room" feiert am 15. Januar im Berliner Maxim-Gorki-Theater Premiere

Richter sieht dieses Männlichkeitsgehabe in der Weltpolitik wieder auf dem Vormarsch. "Autoritäre, unberechenbare Männer wie Trump, Putin, Bolsonaro kommen an die Macht, zerstören die Demokratie und läuten das Revival des wütenden, rücksichtslosen, weißen Mannes ein, der ausschließlich auf den eigenen Vorteil bedacht ist." Solche Leute leugneten auch den Klimawandel, schüchterten Kritiker ein und ebneten den Weg in repressive Regime.

Als Lösung sieht der Theatermacher mehr "Mitgefühl". "Die Männer müssen sich selbst befreien. Gefühle zu zeigen, verletzbar zu sein, darf nicht länger als Defizit missverstanden werden, sondern es muss ganz selbstbewusst zum Verständnis einer intakten Männlichkeit dazugehören." Männer könnten dabei eigentlich nur gewinnen: echte Beziehungen zu sich, zu anderen, die auf gegenseitigem Respekt beruhten, auf Kooperation statt Konkurrenz.

Bekannt durch das schwule Stück "Small Town Boy"

Der Autor Falk Richter ("Gott ist ein DJ", "Electronic City", "Je suis Fassbinder", "Small Town Boy") gehört zu den wichtigsten zeitgenössischen Dramatikern und Theaterregisseuren. Sein Stück "Fear" an der Berliner Schaubühne über das Erstarken rechtsnationaler Bewegungen brachte ihm unter anderem von der AfD-Politikerin Beatrix von Storch juristischen Ärger ein. Sie klagte jedoch vergeblich, nachdem sie sich von der satirischen Darstellung ihrer Person angegriffen gefühlt hatte (queer.de berichtete).

Ab der kommenden Spielzeit geht der gebürtige Hamburger eigenen Angaben zufolge als leitender Regisseur an die Münchner Kammerspiele. Zum Theatertreffen war er zuletzt 2018 mit seiner Inszenierung von Elfriede Jelineks "Am Königsweg" (Deutsches Schauspielhaus Hamburg) eingeladen. Richter unterrichtet als Professor für Performing Arts an der National School for Performing Arts in Kopenhagen. Die französische Regierung ernannte ihn 2018 zum Ritter des Ordens der Künste und Literatur (Chevalier de l'Ordre des Arts et des Lettres). 2019 bekam er bei der Berlinale den queeren Special Teddy Award (queer.de berichtete). (cw/dpa)

Infos zum Stück

"In My Room". Ein Projekt von Falk Richter mit Emre Aksizoglu, Knut Berger, Benny Claessens, Jonas Dassler, Lea Draeger, Taner Sahintürk. Premiere 15. Januar (19.30 Uhr). Weitere Termine 18.1., 19.1., 23.1., 1.2., 2.2., 7.2., 19.2. Ort: Maxim-Gorki-Theater, Am Festungsgraben 2, Berlin-Mitte


#1 BePrideAnonym
  • 12.01.2020, 15:17h
  • Der Slogan "Mehr Gefühl zeigen" bezüglich der Männlichkeit charakterisiert das Verständnis der sich selbst fälschlich so nennenden "Männerbewegung". Es ist ein reaktionäres Bestehen auf eine wesentlich absolute Heterosexualität und des sie bedingenden Rollenverständnisses von Mann und Frau. Ohne das Aufheben dieser Absolutheit besteht die Unterdrückung queerer Menschen fort. Erst das Sichselbsterkennen im gleichen Geschlecht, das Aufgehen in der gemeinsamen Sexualität, so wie sie vom gleichen Gefühl her zueinander ist, lässt uns in Liebe unsere eigene und ähnliche Persönlichkeit erkennen und den Cis-Menschen auch in uns überwinden.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 Taurus82
  • 12.01.2020, 16:57h
  • Also ich kenne so etwas, abgesehen von Film und Fernsehen, gar nicht und ich bin bei sehr konservativen Eltern aufgewachsen. Die Leute sollten einfach mal weniger Filme schauen oder auf Facebook abhängen und wieder echte Menschen treffen, dann stellt man nämlich fest, dass auch die meisten Männer freundlich, menschlich und hilfsbereit sind. Schlechte Menschen gibt es sowohl unter Männern als auch Frauen ;)
  • Antworten » | Direktlink »
#3 jochenProfil
  • 13.01.2020, 14:54hmünchen
  • Auch Frauen können , auf ihre Art, durchaus "toxisch" sein..... - ich erspare mir hier eine Aufzählung.
    Heutzutage kann man sich gewissen Applaus sicher wissen, wenn man Männer abwertet.

    Mir geht das Männerbashing auf die Nerven.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 Ein MannAnonym
  • 22.01.2020, 16:43h
  • Ich denke, ein bisschen Humor mit einem Schuss Selbstironie könnte einigen Männern nicht schaden, denn dass jeder eine weiche Seite haben darf, sollte selbstverständlich sein. Auf die meisten Kerle, die ich persönliche kenne, trifft das zu. Der Rest der "harten Jungs" sollte mal in den Song "Kaffee bei Mutti" reinhören, wo die Wahrheit über all die Raubeine verraten wird. ^^
  • Antworten » | Direktlink »