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Schwule Traditionsbar

Stuttgart: "Eagle" öffnet wieder – ohne Darkroom

An den Auflagen der Gaststättenbehörde hat sich bislang nichts geändert. Dennoch empfängt das "Eagle" ab Freitag wieder Gäste. Betreiber Rolf Steinacker will "die Aufregung erst mal beenden".


Auch der Stuttgarter CDU-Bundestagsabgeordnete Stefan Kaufmann (re.) stattete dem "Eagle" Anfang Januar einen Solidaritätsbesuch ab (Bild: Stefan Kaufmann / facebook)

Ab Freitag um 21 Uhr ist das Stuttgarter "Eagle" wieder geöffnet. Dies kündigte die schwule Traditionsbar auf Facebook an, obwohl die Auflagen der städtischen Gaststättenbehörde bislang nicht zurückgenommen wurden. Anfang des Jahres hatten die Betreiber noch in einem öffentlichen Hilferuf erklärt, dass ein Weiterbetrieb so nicht möglich sei.

"Wir wollen die Wogen etwas glätten und die Aufregung erst mal beenden", begründete Inhaber Rolf Steinacker den Sinneswandel gegenüber den "Stuttgarter Nachrichten" – und verzichtet deshalb auf den Betrieb des bisherigen Darkrooms. In den nächsten Wochen werde sich zeigen, ob man das Lokal in etwas veränderter Form wirtschaftlich sinnvoll weiterführen könne.

Stadt sah "Gefahren für die Sittlichkeit'

Das Lokal an der Mozartstraße war 1989 eröffnet worden und wechselte zum 1. Januar 2020 die Betreiber. Anfang des Jahres gab das "Eagle" in sozialen Netzwerken bekannt, dass man "nach monatelanger Prüfung" eine neue Gaststättenerlaubnis erhalten habe, die "mit einer langen Liste von Auflagen" den weiteren Betrieb unmöglich mache: Untersagt worden sei unter anderem das Abspielen von Musik, der Aufenthalt teilweise entkleideter Personen in den Betriebsräumen, die Gewährung der Möglichkeit zum Dating sowie der Betrieb eines Darkrooms (queer.de berichtete).

?Kennen Sie das EAGLE?? Wenn Sie ein homosexueller Mann sind und schon mal in Stuttgart waren, sagen Sie sicherlich ja…

Gepostet von EAGLE Stuttgart am Freitag, 3. Januar 2020
Facebook / EAGLE Stuttgart | Diese Mitteilung des "Eagle" hatte Anfang des Jahres für Entsetzen gesorgt

Das drohende Aus sorgte in sozialen Netzwerken ebenso für Empörung wie die Aussage der Bar, die Stadt führe aus, "die seit 30 Jahren im Eagle verkehrenden Gäste seien eine potentielle Gefahr für die Sittlichkeit und eine mögliche Belästigung der Nachbarschaft", weswegen ein weiterer Betrieb als Szenebar dem öffentlichen Interesse widerspreche. Die Bar liegt in einem Wohngebiet. Rechtlich war sie die letzten Jahre offiziell als Billardcenter angemeldet, führte aber auch für den Darkroom Vergnügungssteuer ab. Durch den Betreiberwechsel kam es zu einer Überprüfung des Status Quo.

Nachdem sich u.a. der CSD Stuttgart, der Grünen-Politiker Volker Beck und der Stuttgarter CDU-Bundestagsabgeordnete Stefan Kaufmann für das "Eagle" stark machten und in einer Online-Petition inzwischen knapp 5.000 Unterzeichner die Rettung forderten, gab sich die Stadt gesprächsbereit und versprach, "mit den Betreibern schnellstmöglich nach einer Lösung suchen", da man wisse, wie wichtig das "Eagle" als Treffpunkt für die Szene sei (queer.de berichtete).

Konkrete Ergebnisse gibt es bislang nicht. Für die Formulierung der Gaststättenbehörde, wonach von der Gaststätte "Gefahren für die Sittlichkeit" ausgehen könnten, hat sich der grüne Oberbürgermeister Fritz Kuhn allerdings bei den Betreibern entschuldigt (queer.de berichtete). Stuttgart sei eine "weltoffene Stadt, in der auch Homosexuelle Treffpunkte finden". Er räumte ein: "Die Terminologie des Schreibens hat weh getan." (cw)



#1 FliegenAnonym
#2 FliegenAnonym
  • 14.01.2020, 07:52h
  • ...übrigens ich hab noch nie von einer Schließung eines Darkrooms in einem Heteroclub gehört !!!
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#3 Dizzy71Anonym
  • 14.01.2020, 08:24h
  • Ich frage mich schon die ganze Zeit, was die Definition von "teilweise entkleideter Personen" ist. Mit dem Argument könntest Du jeden Technoclub schließen, in dem die druffen Jungs ab zwei kein Shirt mehr tragen. Und die schon beim Reinkommen teilentkleideten Frauen dürften dann auch erst gar nicht rein ;-)
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#4 FragezurPraxisAnonym
  • 14.01.2020, 08:30h
  • "An den Auflagen der Gaststättenbehörde hat sich bislang nichts geändert."

    So sieht es also aus, wenn der OB einer deutschen Großstadt eine schwule Kneipe "rettet".

    Nochmal zur Erinnerung: die Auflagen lauten:
    "Untersagt worden sei unter anderem das Abspielen von Musik, der Aufenthalt teilweise entkleideter Personen in den Betriebsräumen, die Gewährung der Möglichkeit zum Dating sowie der Betrieb eines Darkrooms."

    www.queer.de/detail.php?article_id=35213

    Wenn jetzt auf den Betrieb eines Darkrooms freiwillig verzichtet wird, bleiben immer noch die Untersagung des Abspielens von Musik, der Aufenthalt "teilweise entkleideter" Personen und die "Gewährung der Möglichkeit zum Dating", was eine "potentielle Gefahr für die Sittlichkeit" darstellen soll.

    Also ich als Gast würde mich in einer schwulen Kneipe, in der Grabesstille herrscht, weil keine Musik abgespielt werden darf, in der es ein Verbrechen ist, wenn jemand sein T-Shirt auszieht, und in der ich mich - vor allem - nicht verabreden darf (oder wie soll ich Dating sonst verstehen?), NICHT wohl fühlen.

    Das ist doch absurd: Wie will der neue Betreiber diese Auflagen, insbesondere die letzte, denn praktisch umsetzen? Natürlich kann er Leute darauf hinweisen, dass sie künftig ihre T-Shirts anbehalten müssen. Aber wie, bitteschön, will er ihnen nahelegen, man dürfte dort nicht mehr "daten" / sich dort nicht mehr verabreden?

    Wie hier schon einmal gesagt, wird es dann Polizeirazzien geben, bei denen die Gäste befragt werden, ob sie sich hier verabredet haben, ob das, was sie gerade tun, als Date einzustufen sei, welche Umstände es ergeben haben, dass sie hier gerade einander zugewandt dastehen oder -sitzen und sich miteinander unterhalten, vielleicht sogar anlächeln, oder vielleicht sogar Händchen halten?

    Wenn diese dann sagen, sie hätten sich auf ein Treffen im "Eagle" verabredet - werden sie dann mit auf die Wache genommen? Oder erhält der Wirt einen Bußgeldbescheid?

    Die Auflagen sind doch nach wie vor jenseits jeder Akzeptabilität - glaubt der neue Betreiber ernsthaft, die Gäste werden sich künftig so gängeln lassen?
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#5 Religioten-WatchAnonym
  • 14.01.2020, 10:36h
  • "weltoffene Stadt, in der auch Homosexuelle Treffpunkte finden"

    Wer es weltoffen findet, dass sich Homosexuelle nicht im Geheimen treffen, bezeugt nur, wie weit er hinterm Mond lebt und in welchem Jahrhundert er_sie stecken geblieben ist.
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#6 BePrideAnonym
  • 14.01.2020, 10:39h
  • Herr Kuhn, beseitigen Sie sofort die aktuellen Auflagen für das eagle, drängen sie es und die Gäste bzw. uns nicht in eine subkulturelle Ecke und berauben sie das eagle und uns nicht unserer Existenz!
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#7 PeerAnonym
  • 14.01.2020, 11:14h
  • "ohne Darkroom"

    Also haben sich die Sittlichkeits-Fanatiker durchgesetzt...

    Ich selbst mag keine Darkrooms, aber ich würde es auch niemandem verbieten wollen.
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#8 ZackigAnonym
  • 14.01.2020, 11:40h
  • Die neuen Betreiber sind eingeknickt, trotz großer Unterstützung in den sozialen Medien...warum nur? Statt weiter zu machen, werden Wogen geglättet. Zu wessen Gunsten? Das Eagle ohne Darkroom wird keine Zukunft haben, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Das wird sich ganz bald zeigen. Un wer hat gewonnen: die Stadt Stuttgart mit ihren Auflagen.
    Danke an die Grünen. Habt jetzt schon wieder einen Wähler verloren!
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#9 RetroGayProfil
  • 14.01.2020, 11:59hDortmund
  • Antwort auf #4 von FragezurPraxis
  • Der Betreiber hat laufende Kosten, auch wenn das Lokal geschlossen ist.
    Dem bleiben unternehmerisch kaum andere Möglichkeiten.
    Und das wissen die von der Sittlichkeitsbehörde der Stadt Stuttgart auch ganz genau.
    Da kann man sich in den Amtsstuben der Sittlichkeitbehörde entspannt zurücklehnen,
    man muß nicht ein Jota vom Bescheid abrücken, "bleibt im Recht" und wartet, bis der Laden von selbst schließen muß.
    Sich mit Rechtsanwalt und Eingaben zur Wehr zu setzen kostet Geld, dass viele Selbstständige schlichtweg nicht haben.
    Nun hat der Betreiber sich zur Flucht nach vorn entschieden.
    Inwieweit seine Kundschaft solidarisch ist,und sich in einem Lokal aufhalten will, ohne Musik, ohne Darkroom....da sehe auch ich schwarz.
    (in einen Cruisingclub geht man eben nicht ausschließlich wegen der guten Gespräche)

    Zumindest hat der Betreiber mit seiner Facebook-Action dafür gesorgt, daß die Angelegenheit schnell bekannt wurde. In anderen Fällen stellt man einfach nur fest, daß ein Laden geschlossen wurde und über die Hintergründe nur wild spekuliert werden kann.
    Hier weiß man zumindest was Sache ist.
    Nun ist die Stuttgarter Community gefordert, sich mit Aktionen, hartnäckigem Nachfragen und vielleicht auch einmal mit innovativen Ideen zum Protest zusammenzufinden.
    Aber da sehe ich auch eher schwarz, gibt es doch hier in den Kommentaren genug Stimmen, die meinen, daß der Betreiber selbst schuld und die bisherige Auslegung des Bebauungsplans seit 30 Jahren unrecht sei und ein Billardcafé mit Darkroom in einem Wohngebiet gemäß gesundem Volksempfinden nichts zu suchen hat,

    Aber der nächste Sommer mit seinen Prides und CSDs ist ja nicht weit!
    Da labern Politiker auf den Podien über die tolle Arbeit, die sie für uns geleistet haben.
    Der Veranstalter unterbindet mit seiner Programmgestaltung schon im Vorhinein die Möglichkeit zu kontroversen Diskussionen, weil die Zunge eben tief im A*sch der Sponsoren steckt, die an solchen Diskursen kein Interesse haben.
    Und dann stehen wir wieder da mit offenem Mund und fassen es nicht, wie gut es uns geht, wie dankbar wir sein dürfen, ob des ganzen Engagements der Lokalpolitik.... auch wenn wir davon überhaupt nichts bemerkt haben!
    Aber vor dem Rathaus weht für einen Tag eine schöne Regenbogenflagge, bei deren Anblick wir uns vor lauter Rührung auf die Schuhe p*ssen.
    Leute, macht euch nichts vor:
    die restlichen 364 Tage im Jahr wischen sich die Reaktionären in den Rathäusern der Republik den A*sch damit ab!

    P.S.: Ich liebe Darkrooms, und fordere, diese unter Denkmalschutz zu stellen!
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#10 Patrick SAnonym
  • 14.01.2020, 12:02h
  • Finds immer wieder erstaunlich, dass man hier von "Verbrechen" spricht und auf den OB los geht und ganz offenbar weder die Defintion davon des Wortes kennt, noch von den Aufgaben und Kompetenzen eines Bürgermeisters weis.
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