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Community-Richtlinien

Youtube: Kuss im Denkmal für homosexuelle NS-Opfer ist jugendgefährdend

Erneut sorgt Youtube mit seinem Jugendschutzfilter für Aufregung: Selbst ein Kuss, der an die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus erinnern soll, ist dem Streamingportal zu heikel.


Immer wieder kommt es zu Irritationen über Youtube, das scheinbar eher homo- als heterosexuelle Inhalte sperrt

Die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas erhielt vor wenigen Tagen eine englischsprachige E-Mail von Youtube: Demnach verstoße ein von der Stiftung in ihrem Kanal hochgeladenes Video gegen die Community-Richtlinien des Portals: "Nach einer Untersuchung haben wir entschieden, dass das Video möglicherweise nicht für alle Zuschauer geeignet ist. Es wurde daher mit einer Altersbeschränkung versehen." Damit können nur angemeldete Nutzer über 18 Jahre das Video sehen.



Bei dem Film handelt es sich um ein fünfminütiges Video, in dem sich zwei Männer küssen. Das Video wurde in der Vergangenheit in Dauerschleife in der Sichtscheibe des Denkmals für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen in Berlin abgespielt. Es wird von der Stiftung Denkmal betreut.

In der Mail des zum Google-Konzern gehörenden Videoportals heißt es ferner: "Inhalte, die verlängerten oralen Kontakt zeigen, der dazu gedacht ist, sexuell aufreizend zu sein, könnten mit einer Altersbeschränkung versehen werden, wenn der Inhalt nicht geeignet für alle Zuschauer ist." Warum ein Video, mit dem an die homosexuellen Opfer des Holocausts erinnert wird, von einem amerikanischen Dienst als "sexuell aufreizend" ausgelegt wird, verrät die Mail nicht.

Offenbar handelt es sich um eine Reaktion auf eine Beschwerde – obwohl das im letzten Jahr hochgeladene Video kaum angesehen wurde. Es ist unklar, ob eine tatsächliche Überprüfung durch einen Mitarbeiter erfolgte. Die Stiftung kann eine erneute Überprüfung der Entscheidung veranlassen.

Allerdings ist es nicht das erste Mal, dass Youtube dieses Video mit einer Altersbeschränkung versieht. Bereits seit Jahren ist eine im Kanal "Berliner Statement" hochgeladene abgefilmte Fassung der Kuss-Schleife mit einer Altersbeschränkung versehen.

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Wiederholte Kritik an Youtube

Das Streamingportal wurde bereits mehrfach dafür kritisiert, dass es zu hart gegen LGBTI-Inhalte vorgehe. So wurde 2018 ein queeres Antidiskriminierungsvideo für Jugendliche gesperrt, das von der deutschen Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft die Altersfreigabe "ab 0" (!) erhalten hatte (queer.de berichtete). Zuvor war ein Anti-Homophobie-Rap als "Hassrede" vollständig entfernt worden – nach Kritik wurde die Sperrung schließlich rückgängig gemacht (queer.de berichtete). Letztes Jahr verklagten zudem mehrere queere US-Youtuber das Streamingportal, weil das Portal sie wegen ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität diskriminiert habe – Einstufungen als jugendgefährend hätten etwa zu weniger Aufrufen und Werbeeinnahmen geführt (queer.de berichtete).


Ausschnitt aus den Community-Richtlinien von Youtube

Schuld an der Sperrungen könnten auch automatisch arbeitende Jugendschutzprogramme und Filtersysteme sein, die oft LGBTI-Inhalte als vermeintlich sexuell blockieren. Dies passiert manchnmal auch mit Videos oder Texten aus Orten, die scheinbar anstößige Namen tragen, etwa die der englischen Stadt Middlesex oder des oberösterreichischen Dorfes Fucking. Aufgrund ähnlicher automatischer Filter kann auch queer.de in manchen Netzwerken von Firmen, Landtagen oder Restaurants nicht aufgerufen werden.

Der für Jugendliche gesperrte Kuss ist übrigens nicht mehr im Berliner Mahnmal zu sehen, allerdings aus ganz anderen Gründen als denen von Youtube: 2017 kam heraus, dass einer der Darsteller ein Rassist ist, der sich für eine LGBTI-feindliche Rechtaußenpartei in Dänemark engagierte (queer.de berichtete). Daraufhin wurde das Video ausgetauscht (queer.de berichtete). (dk)



#1 FliegenAnonym
  • 14.01.2020, 10:11h
  • ...unter 18 jährige brauchen nur bestimmte Wörter ins Netz eingeben und sofort kommen "schlimmere" Filmchen als die wie am Mahnmal!!! LÄCHERLICH!!!
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#2 Ralph
  • 14.01.2020, 10:23h
  • Dieser Kuss erfüllt den Straftatbestand der widernatürlichen Unzucht gem. § 175 StGB Hitlerfassung (1935-69). Das Video ist eine gezielte Verletzung dieser Strafbestimmung und damit eine politische Demonstration gegen eine nationalsozialistische Verfolgungsmaßnahme und für die Menschenrechte von NS-Opfern. Indem Google und YouTube es sperren, ergreifen sie Partei für den Nationalsozialismus und gegen die Grundrechte von Schwulen.
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#3 Moralin-WatchAnonym
#4 PeerAnonym
  • 14.01.2020, 11:16h
  • Typisch prüder US-Konzern.

    Youtube und dessen Mutterkonzern Google fallen genau wie Facebook, Apple & Co immer wieder durch homo- und transphobe Zensur auf.
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#5 KussverbotAnonym
  • 14.01.2020, 12:04h
  • Wusste ich noch nicht, dass es Jugendlichen verboten ist, wen eim Küssen zu sehen.
    In was für einer saublöden Welt leben wir eigentlich? So einfache Filterblocken bestimmt auch Bierwerbung, zum Beispiel für die Sorte Fucking Hell. Das hat man alles den Amis mit ihrem bigotten Verhältnis zu Intimität zu verdanken.
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#6 FliegenAnonym
#7 Leon 4Anonym
  • 14.01.2020, 12:43h
  • Meine fresse, das sind Algorithmen die da greifen, das passiert ständig, jeder der sich ein wenig mit Youtube beschäftigt kennt das problem, von der entmonetarisierung gar nicht erst zu reden... Es steht im Text auch nicht wie das Video getagt wurde etc...

    Mal abgesehen davon.... Altersbeschränkung im Internet, lol, das war schon immer so hilfreich wie ne Glastür ohne Schloss...

    Wie wäre es wenn ihr einfach mal nach gay kiss sucht, die Millionen andere Videos sollten Beleg genug sein das diese selbstlernenden Algorithmen schlichtweg noch unsauber laufen ist bekannt....

    Aber nope, erstmal empören, fehlt egtl nur noch des zu tote gerittene buzzwort "heteronormativ" und bs Bingo is wieder voll
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#8 Ralph
  • 14.01.2020, 15:41h
  • Antwort auf #7 von Leon 4
  • Verstehen, verharmlosen.. jaja...nur die übereifrige Technik... alles nicht so schlimm... kann sowieso überlistet werden...

    Der § 175 auch in der Fassung von 1973-94 hatte viele Facetten. Dazu gehörte, dass er nicht nur unmittelbar wirkte, sondern zahlreiche Rechtsgebiete beeinflusste. Dazu gehörte herausragend der sog. Jugendschutz. Alles, was irgendwie schwul war, galt als Gefahr für die ungestörte Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zur alleinseligmachenden Heteronormativität (da ist es, das Wort). Ich erinnere mich, dass in meiner Zeit als ängstlicher Jungschwuler und unter Geltung jenes Rest-175ers ein Männerpaar vor Gericht stand, dessen zutiefst verwerfliches Verbrechen gewesen war, dass der eine dem anderen im Schwimmbad den Rücken mit Sonnenöl eingekremt hatte, wobei es zum Streicheln und Küssen gekommen war. Um diesen schwerkriminellen Akt noch zu höllischen Dimensionen zu steigern, hatten die beiden ihr Verbrechen an einem Ort begangen, wo sie von Minderjährigen gesehen werden konnten. Das wirkte selbstverständlich strafverschärfend. Dass einer von beiden vor 1969 nach dem Nazi-Paragraphen verurteilt worden war, machte die Untat noch schlimmer, so dass das Gericht mit voller Härte zuschlug. Der Gerichtsreporter merkte damals an, dass ihm in seiner langen Tätigkeit als Berichterstatter von Strafprozessen niemals ein Fall bekannt geworden sei, in dem ein Gewaltverbrechen härter bestraft worden wäre, weil Kinder es gesehen hatten oder es hätten sehen können. Es ist die Geisteshaltung der deutschen Homosexuellenverfolgung, die im Hause Google noch immer lebendig ist, und da gibt es keine Ausreden.
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#9 FilterAnonym
  • 14.01.2020, 15:45h
  • Liebe Leute, ihr solltet mal alle etwas runterfahren. Altersbegrenzungen auf Youtuben erfolgen nicht durch "religiöse fantastischen Kirchgänger", sondern automatisierten Computerprogrammen. Menschliche Mitarbeiter haben gar nicht die Zeit, die ganzen Videos durchzuschauen. Entscheidend ist, wie #7 schon sagte, welche Tags verwendet wurden. Steht dort HomoSEXualität, identifiziert das Programm den Wortteil *sex* und leitet eine Sperrung unter der Kategorie "Pornographie" ein. Wie im Artikel schon beschrieben, haben Orte wie Middlesex das gleiche Problem.
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#10 FredericAnonym
  • 14.01.2020, 16:15h
  • Er hat Recht. Ist ein Algorithmus. Ich denke, wenn Google darauf aufmerksam gemacht wird, was es genau für ein Video ist, löst sich das Problem von allein. Man muss nicht immer hysterisch reagieren und hinter jedem Busch Homophobie vermuten, gerade nicht bei Google
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