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"Homophobe Posse"

Saarländischer Karneval: Homosexuelle dürfen nicht "Prinzenpaar des Jahres" werden

"Diese Ausgrenzung ist für uns einfach nicht zu dulden": Eine Karnevalsgesellschaft zeigt sich entsetzt, dass der Dachverband VSK noch immer an der Diskriminierung sexueller Minderheiten festhält.


Heike II. und Ute I. dürfen wegen ihrer sexuellen Orientierung nicht bei der Wahl zum Prinzenpaar des Jahres mitmachen (Bild: Facebook / KG Die Rebläuse e.V.)

Die Karnevalsgesellschaft Die Rebläuse beklagt sich über Homophobie des Dachverbandes Saarländischer Karnevalsvereine (VSK). Der 1958 gegründete Karnevalisten-Verein aus der 15 Kilometer von Saarbrücken entfernten Gemeinde Kleinblittersdorf wirft dem VSK auf Facebook vor, aus Homosexuellenfeindlichkeit ein lesbisches Prinzesinnenpaar von der Wahl zum Prinzenpaar des Jahres am 26. Januar in Riegelsberg auszuschließen. Die Gewinner werden traditionell beim sogenannten Prinzenfrühstück gewählt.

Laut den Rebläusen wurde das verheiratete Prinzessinnenpaar Heike II. und Ute I. mit folgender Begründung vom Wettbewerb ausgeschlossen: "Es ist richtig, dass bei der Wertung nur das klassische Prinzenpaar nach Tradition und Brauchtumspflege Mann und Frau gewertet werden" (sic). Für die Rebläuse ist diese Begründung keine Brauchtumspflege mehr: "Wir nennen es schlichtweg Homophobie und diese Ausgrenzung ist für uns einfach nicht zu dulden."

Die Verbitterung über diesen Ausschluss sitzt tief, wie aus dem Facebook-Text weiter hervorgeht: "Ein Verband, der auf der Narrenschau gerne mal Tänze auf die Bühne lässt, wo man tanzende Tampons und Damenbinden sehen kann, ein Verband der Tänze bei Turnieren und Veranstaltungen duldet, die das rassistischste Blackfacing nutzen, um den Anschein von Afrika zu erzeugen… ein solcher Verband kann natürlich nicht das Fingerspitzengefühl haben, ein gleichgeschlechtliches Prinzenpaar so zu behandeln, wie alle anderen Prinzenpaare auch." Der VSK fördere "Hetze und Ausgrenzung" und stelle mit seiner Haltung nur klar, dass für den Dachverband Heike II. und Ute I. "weniger wert als alle anderen Prinzenpaare" seien.

Im Gegensatz dazu könne bei den Rebläusen "jeder mitmachen, egal wie alt, welches Geschlecht, welche sexuelle Orientierung, Religion oder Herkunft" die karnevalsbegeisterte Person habe. "Denn am Ende zählt nur, dass wir gemeinsam Faasend [Karneval] feiern".

Heute in einem Monat findet unsere Reblaus-Gala statt. Unser Prinzessinnenpaar Heike II. und Ute I. freut sich jetzt…

Gepostet von KG Die Rebläuse e.V. am Dienstag, 14. Januar 2020
Facebook / KG Die Rebläuse e.V.

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LSVD-Sprecher: "Da vergeht mir das Lachen"

Auch der Lesben- und Schwulenverband des Saarlandes schloss sich der Kritik an: "Karneval im Saarland – eine homophobe Posse der Vergangenheit. Da vergeht mir das Lachen", erklärte das saarländische LSVD-Landesvorstandsmitglied Hasso Müller-Kittnau auf der Facebookseite des Landesverbandes.

queer.de hat den VSK um eine Stellungnahme gebeten, aber bei Veröffentlichung des Artikels noch keine Antwort erhalten.

Der Karneval wird immer wieder für LGBTI-feindliche Ausbrüche genutzt. Im letzten Jahr nutzte die CDU-Bundesvorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer ein "Narrengericht" in Baden-Württemberg, um sich über intersexuelle Menschen lustig zu machen (queer.de berichtete). Zudem verlieh die Münchner Faschingsgesellschaft dem homophoben Sänger Andreas Gabalier Anfang 2019 den Karl-Valentin-Orden (queer.de berichtete). (dk)



#1 RetroGayProfil
  • 15.01.2020, 16:02hDortmund
  • Hallo, ihr Lieben!
    Die Kackorganisation der an der Saar beHEIMATeten Karnevalsorganisationen hat eine Facebookseite, eine Emailadresse, etc.
    Also mal schön fleißig tätig werden!

    Ist hier ein rechtskundiger Mensch am Start, der mehr dazu weiß, ob hier das AGG greifen, und dies für einen eingetragenen Verein Konsequenzen haben könnte.
    Ich bin kein Vereinsmeier, aber da könnte es doch bestimmt unbequem werden, von wegen Aberkennung der Gemeinnützigkeit, Haftung, Steuerfreiheit des Vereinsvermögen, etc.?
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#2 PetterAnonym
  • 15.01.2020, 17:11h
  • Achja, der Karneval - reden immer viel von Narretei, Jeckheit, dem Establishment den Spiegel vorhalten, ausgelassendem Feiern, etc. Aber in Wahrheit ist der Karneval oft extrem rückständig und erzreaktionär.

    Man muss dazu sagen, dass das nicht überall der Fall ist und dass gerade in den großen Karnevalshochburgen des Rheinlands (vor allem Köln und Düsseldorf, aber natürlich auch kleinere Städte) alles viel offener und liberaler ist. Da gibt es auch LGBTI-Karnevalsvereine, die auch Mitglied des Dachverbands sind. Dort gibt es "rosa Sitzungen". Dort dürfen auch Schwule Prinz werden, etc.

    Aber ich habe das Gefühl, je weiter man in Richtung Süden geht und je eher man statt von Karneval von Fasching spricht, desto rückständiger und reaktionärer wird es...
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#3 TommmiAnonym
#4 PetterAnonym
  • 15.01.2020, 17:24h
  • Antwort auf #3 von Tommmi
  • Die Frage nach Toleranz ist auch eine Frage der Relation:

    Im Vergleich zum benachbarten Baden-Württemberg mag das Saarland schon etwas toleranter sein und zeigt auch manchmal die Nähe zu Frankreich mit seinem savoir vivre.

    Aber im Vergleich zu anderen Regionen oder Städten wie Hamburg, Köln, etc. ist das Saarland schon eher spießig und konservativ.
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#5 Tobi CologneAnonym
  • 15.01.2020, 17:38h
  • Antwort auf #2 von Petter
  • Ja, der Karneval redet oft davon, aus den Normen das Alltags auszubrechen, sich zu verkleiden, mal Dinge anders zu tun und sich mal "jeck" zu verhalten, etc. Einfach auch mal sich nicht um Normen und Konventionen zu scheren.

    Aber wehe, das geht manchen Leuten zu weit. Dann ist das (zumindest in manchen Regionen) ein riesiges Problem.

    Viele Karnevalisten erkennen nicht, dass ihre "Traditionen" längst ein System an Normen und Dogmen gebildet haben, woraus sie ursprünglich ausbrechen wollten.
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#6 Ralph
  • 15.01.2020, 17:43h
  • Antwort auf #3 von Tommmi
  • Das Land der AKK! Als vor vielen Jahren -noch vor der Eheöffnung- die Lebenspartnerschaft im Landesrecht gleichgestellt werden sollte, behielten sich Landesregierung und Landtag als Rest-Diskriminierung vor, dass verpartnerte Beamte und Beamtinnen trotz angeblicher Gleichstellung weiter keinen Familienzuschlag bekamen - ein klarer Verfassungsbruch, wie das Bundesverfassungsgericht später feststellte. Das Saarland hat nichts gegen Schwule und Lesben - aber das heißt doch nicht, dass man sie genauso behandeln müsse wie alle anderen auch. AKK macht's vor.
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#7 Tobi CologneAnonym
  • 15.01.2020, 18:01h
  • Antwort auf #6 von Ralph
  • Ja, wo man sich auf vorgeblichen Festen des Frohsinns schenkelklopfend über homo-, trans- und interphobe Witze einer AKK amüsiert, braucht man nicht mehr nach mehr zu fragen...
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#8 KaktusAnonym
  • 15.01.2020, 18:12h
  • Da fällt mir doch ganz spontan das Motto des Kölner CSD 2020 ein. Willkommen in der Realität.
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#9 marcocharlottenburgAnonym
#10 easykeyProfil