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TV-Serie

Wenn der kleine Bruder zum großen Popstar wird

Der schwule Cary und seine Schwester Brooke kämpfen in New York ums Überleben, während ihr 13-jähriger Bruder Chase Karriere macht: Die herausragende US-Serie "The Other Two" läuft jetzt auf Comedy Central.


Cary (Drew Tarver) und Brooke (Heléne Yorke) stehen im Schatten ihres kleines Bruders (Bild: Comedy Central)
  • Von Patrick Heidmann
    18. Januar 2020, 08:36h, noch kein Kommentar

Mit Mitte 20 in New York allmählich zu realisieren, dass sich die Sache mit den eigenen Träumen mehr als schwierig gestaltet, ist schwierig genug. Drittklassige Aushilfsjobs statt künstlerischem Durchbruch, auf Luftmatratzen schlafen statt in echten Betten – da kann man sich schnell mal als Versager fühlen. Doch wenn dann auch noch der eigene kleine Bruder, der kaum das Teenager-Alter erreicht hat, plötzlich groß durchstartet und Karriere macht, dürfte eine mittelschwere Lebenskrise angesagt sein.

So ergeht es den Geschwistern Cary (Drew Tarver) und Brooke (Heléne Yorke) in der Comedy-Serie "The Other Two", die es ein Jahr nach der US-Ausstrahlung nun auch in Deutschland auf Comedy Central zu sehen gibt.

Er, schwul und etwas unglücklich in den eigentlich heterosexuellen Mitbewohner verschossen, fasst als Schauspieler so gar nicht Fuß, während sie – früher hoffnungsvolle Tänzerin – gerade mal wieder Single ist und sich etwas ziellos treiben lässt.

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Familienkomödie und Showbiz-Satire

Quasi über Nacht wird ihr 13-jähriger Bruder Chase (Case Walker) – Typ: sehr früher Justin Bieber – zur Youtube- und Pop-Sensation, schlägt mitsamt der Mutter (Molly Shannon, famos wie immer) in New York auf und führt den anderen beiden unbeabsichtigt das eigene Scheitern vor Augen.

Ausgedacht haben sich diese Mischung aus Familienkomödie, Showbiz-Satire und Millenial-Großstadt-Alltag der schwule Drehbuchautor und Regisseur Chris Kelly und seine Kollegin Sarah Schneider, die beide aus der legendären Schmiede des "Saturday Night Live"-Writers' Room stammen und "The Other Two" nun mit Unterstützung ihres früheren Bosses Lorne Michaels auf die Beine gestellt haben.

Wer die altbewährte Sketchshow kennt, ahnt also, Kelly (dessen wunderbares, autobiografisch angehauchtes Regiedebüt "Other People" übrigens bei Netflix zu sehen ist) und Schneider humortechnisch eine hohe Gag-Dichte anpeilen, was im Comedybereich zwischen auf Komplexität und schwarzhumorigen Beobachtungen setzenden Serien wie "Fleabag" oder "Ramy" (seit Dezember bei StarzPlay zu sehe und unbedingt sehenswert) und Quasi-Dramen wie "The Marvelous Mrs. Maisel" fast schon eine Seltenheit ist. Und erfreulicherweise verfehlen sie ihr Ziel so gut wie nie.

Popkulturelle Anspielungen und Momente echter Reflektion

Weniger albern als "Unbreakable Kimmy Schmidt" und warmherziger als "Difficult People" verbindet "The Other Two" auf herrlich komische Weise eine bemerkenswerte Vielzahl absurder Einfälle mit einer noch größeren Zahl popkultureller Anspielungen (vergleichbar bestenfalls mit "Schitt's Creek"). Je besser man sich auskennt vor allem mit Internet-Phänomenen wie Insta-Gays oder Schmink-Videos von jungen Kids, desto mehr kommt man hier auf seine Kosten.

Spaß macht die Serie allerdings auch so, was auch an dem ausgesprochenen einnehmenden Traver und der komödiantisch hochbegabten Yorke in den Hauptrollen liegt. Dass es "The Other Two" obendrein auch noch gelingt, Momente echter Reflektion (etwa in Sachen internalisierter Homophobie) einzubinden und – eine echte Seltenheit! – derb und liebenswürdig gleichzeitig zu sein, setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Oder anders aus gedrückt: etwas Lustigeres gab es in letzter Zeit kaum zu sehen – und die Vorfreude auf die bereits bestellte zweite Staffel ist groß.

Direktlink | Englischer Original-Trailer zur ersten Staffel