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KLuST zieht Vollbremse

Cologne Pride zieht umstrittenes Motto zurück

Der CSD in Köln soll nun unter dem Motto "FÜR MENSCHENRECHTE" stattfinden. Eine an der Nationalhymne angelehnte Version hatte zuvor zu Kritik und Spaltungen in der Community geführt.



Drei Tage nach einem erhitzten Diskussionsabend zum geplanten diesjährigen CSD-Motto "Einigkeit! Recht! Freiheit!" hat der Kölner Lesben- und Schwulentag (KLuST) als Veranstalter am Sonntagabend bekannt gegegeben, das umstrittene Motto nach wochenlanger Kritik zurückzuziehen – trotz auch viel ausdrücklicher Unterstützung vor allem in sozialen Netzwerken.

Man wolle "einen für alle Menschen angstfreien, sicheren und respektvollen CSD" schaffen, "den alle Demokraten gerne unterstützen. Das dies unter dem gewählten Motto nicht möglich ist, haben auch die Diskussionen der letzten Wochen gezeigt. Das haben wir verstanden!", so die sensibel formulierte Erklärung von Vorstand, Geschäftsführer und Beirat des Kölner Lesben- und Schwulentag e.V. "Lasst uns nun gemeinsam und einig unter dem Motto 'FÜR MENSCHENRECHTE' demonstrieren und uns auf unsere bestehenden politischen Forderungen besinnen! VIELE. GEMEINSAM. STARK!"

Auf seiner Facebook-Seite erhielt der CSD in ersten Kommentaren viel Lob und "Respekt für die nicht einfache Entscheidung". Der Pride habe die richtige Konsequenz aus den Bedenken vieler Community-Mitglieder gezogen, so das überwiegende Fazit. Einige Stimmen betonten, sie hätten das Motto ok gefunden, könnten aber seine Rücknahme akzeptieren. Andere beklagten die Motto-Rücknahme allerdings unter anderem als vermeintliches "Einknicken".

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Empathie dürfe nicht verloren gehen

"Der ColognePride ist eine Plattform, auf der die Menschen der so vielfältigen und diversen queeren Community, in eben dieser Vielfalt für ihre Rechte eintreten können. Diese Rechte sind nicht zwingend für alle universell; jeder Mensch hat individuelle Bedürfnisse", so die Erklärung des KLuST. "Nicht jeder muss die sich aus diesen Bedürfnissen ergebenden Forderungen des anderen nachvollziehen können. Dennoch darf dabei nicht die Empathie verloren gehen, die Forderungen und Bedürfnisse des anderen Menschen zu hören und mitzufühlen. Nur gemeinsam können wir den Kampf um Respekt, Gleichbehandlung und Gerechtigkeit gewinnen."

Bei der Diskussion am Donnerstag hatten einige Menschen teils unter Tränen betont, dass sie sich mit dem Motto nicht identifizieren könnten, darunter queere Geflüchtete oder Transpersonen, deren Selbstbestimmung und Würde noch immer durch das Transsexuellengesetz beeinträchtigt wird. Andere erinnerten an die frühere Diskriminierung oder Verfolgung Homosexueller durch den Staat. Diese Stimmen hatten nach einigen Tagen Reflektion offenbar zu einem Umdenken des KLuST geführt.

In der Szene gab es in den letzten Tagen Überlegungen, für den Vorstand, der das aus einem Findungsprozess der Mitglieder stammende Motto verteidigte und nichts Böses wollte, aber neben Kritik auch auf Beleidigungen und Unterstellungen, Hass und Gewalt stieß, einen gesichtswahrenden Kompromiss zu finden, etwa unter Nutzung eines Rundes Tisches mit Vertretern der diversen Beteiligten der Debatte. Stattdessen folgte nun seitens des KLuST eine deutliche Rücknahme des Mottos auf seinen eigenen Schultern unter um Verständnis weckender Betonung der Rücksicht auf Mitglieder der Community.

Neben den bekannten politischen Zielen und Forderungen kämpfe der KLuST "seit Anbeginn für Respekt", so die Erklärung. "Respekt benötigt Empathie. Wenn nun Menschen durch das für 2020 gewählte Motto Ängste empfinden und wir nicht in der Lage waren, ihnen diese zu nehmen, kann das Motto keine Einigkeit erzielen. Und Einigkeit bedeutet nicht Gleichheit. Wenn Zorn und Wut der Vergangenheit und der Zukunft durch das Motto geschürt und nicht gelindert werden, dann eint dieses Motto nicht, sondern spaltet die Community."

Dem KLuST liege "nichts ferner, als zur Spaltung der Community beizutragen, und wir lassen uns, schon aus unserer Tradition heraus, nicht von Populisten vor den Karren spannen!" Man habe "insbesondere die leisen Töne gehört. Es gab unter anderem viele persönliche, konstruktive Gespräche mit betroffenen Menschen der Community." (nb)

Wöchentliche Umfrage

» Die Kölner CSD-Veranstalter haben das Motto "Einigkeit! Recht! Freiheit!" zurückgezogen. Eine gute Entscheidung?
    Ergebnis der Umfrage vom 20.01.2020 bis 27.01.2020


#1 BePrideAnonym
#2 JuppAnonym
#3 AhadAnonym
#4 felix-baerlinAnonym
  • 19.01.2020, 21:46h
  • So wollte der KLuST auch verstanden werden mit seinem ursprünglichen Motto. Nun ist es gut.

    Der Prozess mag schmerzhaft gewesen sein. Aber das Ringen um ein Motto, das nationalistisch im Widerspruch zu dem gemeinsamen internationalen Demonstrieren über Grenzen und Kulturen hinweg für Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bi, Trans*, Inter* und queeren stand, war richtig. Die AfD wird jammern. Soll sie.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 michael hnkAnonym
  • 19.01.2020, 22:08h
  • Schade um die Wirkungskraft des Provokativen. "Für Menschenrechte" ist ein gutes, schönes und so herrlich nichtssagendes Motto für eine Veranstaltung, die wirklich nur Party sein will. "Ein bisschen Frieden" würde genauso gut passen, hat auch niemand was dagegen; ich kenne jedenfalls niemanden, der "gegen Menschenrechte" wäre.

    Na ja, zum echten Nachdenken und zum Führen einer konstruktiv-kritischen Debatte verlassen Sie bitte den Sektor höchster emotionaler Erregtheit und begeben Sie sich wagesmutig in den Argumentierklub für Fortgeschrittene - oder so ähnlich..!? Wenn jedoch andererseits das neue Motto auch zu weniger Schnappatmung führt, so hätte es - ganz im Sinne der Menschenrechte - natürlich auch schon seinen Zweck erfüllt. Jetzt sollten doch wirklich alle wieder ganz beruhigt schlafen können; na, Gott sei Dank aber auch!
  • Antworten » | Direktlink »
#6 Patrick SAnonym
  • 19.01.2020, 22:09h
  • Was ein Trauerspiel. Wie armselig, dass alle neuerdings einknicken. Da wird einfach die Meinung anderer übernommen, statt seinen Standpunkt zu verteidigen. Schade um das "alte" Motto, das für mich in doppelter Hinsicht passend war und ein Augenöffner zugleich, dass man sich nicht hinter den Begriffen Einigkeit, Recht und Freiheit versammeln mag.

    Einigkeit - im Bestreben der globalen LGBT Community nach Akzeptanz und Offenheit ggü. anderen Lebensentwürfen.

    Recht - der Kampf derselben um die uns zustehenden universellen Menschenrechte, die Gleichheit vor dem Gesetz und die Erweiterung des Artikel 3.

    Freiheit - Selbstbestimmt leben zu können, den Lebensentwurf gestalten, wie immer man es möchte, ohne Gedanken an etwaige Einschränkungen vergeuden zu müssen und die Liebe oder den Liebsten überall zeigen zu können.

    Und als Strophe der Nationalhymne der Verweis auf den CSD in Deutschland und die deutschen Errungenschaften (= LGBT bezogen).
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#7 peskoProfil
  • 19.01.2020, 22:51hNürnberg
  • Wirklich schade.

    Ich hätte mir gewünscht dass das alte Motto beibehalten wäre.

    Der CSD hätte mit dem provozieren können, auch und gerade die eigenen Reihen und somit einen jeden einzelnen zum Nachdenken und Überprüfen der eigenen Meinung animiert.

    So aber wird der Kölner CSD zu einem schrilles Kostümfest mit öffentlichen Besäufnis, Selbstbeweihräucherung und einem nichtssagenden Motto!

    Schade!
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#8 JadugharProfil
  • 19.01.2020, 23:25hHamburg
  • Antwort auf #6 von Patrick S
  • Die Begriffe Einigkeit, Recht und Freiheit werden aus historischen Gründen sehr verschieden aufgefaßt, und durchlaufen zur Zeit noch einen Reifeprozeß.

    Hier ein Beispiel einer negativen Auslegung dieser Begriffe die gegen eine Minderheit ausgerichtet ist:
    Einigkeit:
    Eine Mehrheit ist sich einig, eine Minderheit zu drangsalieren, zu schädigen, zu unterdrücken und permanent zu diskriminieren. Notfalls mit drakonischen Strafen!
    Recht:
    Die Minderheit soll keine Rechte haben, sondern nur eine bestimmte Mehrheit, die vorgibt, was Recht ist.
    Freiheit:
    Ein Diskriminierungsverbot wird als Einschränkung der Freiheit betrachtet. Man will die Freiheit haben, nach Belieben eine bestimmte Minderheit zu drangsalieren und zu entrechten, als auch sie drakonisch zu bestrafen.

    Manche Menschen haben diese schönen Begriffe leidvoll erfahren müssen. In Frankreich schlug man sich 200 Jahre lang die Köpfe ein, wegen ein paar harmlos klingenden Begriffen:
    Das waren die Begriff égalité, liberté, und fraternité. (Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit)
    Es war ein sehr schmerzhafter Prozeß bis man die Begriffe in einer Art und Weise deutete, wovon jeder profitieren konnte.
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#9 stephan
#10 OutAndProud