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Blutspende-Richtlinien
Dänemark: Blut von seit vier Monaten keuschen Schwulen bald willkommen
Kopenhagen liberalisiert sein Blutspenderecht. Noch immer werden schwule und bisexuelle Männer aber anders behandelt als heterosexuelle Männer.

Die zwölfmonatige Sex-Karenzzeit macht es den meisten Schwulen in Deutschland unmöglich, Blut zu spenden (Bild: DRK-Blutspendedienste)
- 21. Januar 2020, 12:16h 3 Min.
Ab März sollen in Dänemark auch schwule und bisexuelle Männer Blut spenden dürfen – vorausgesetzt, sie hatten vier Monate lang keinen Sex mit einem gleichgeschlechtlichen Partner. Das bestätigte der sozialdemokratische Gesundheitsminister Magnus Heunicke in einem Brief an Parlamentsausschüsse (PDF). Die Änderung der Richtlinien kann vom Gesundheitsministerium ohne parlamentarische Abstimmung angeordnet werden.
Der Schritt war bereits im Sommer 2018 von der liberalen Vorgängerregierung angekündigt worden (queer.de berichtete). Bereits seit längerem herrschte im dänischen Parlament ein Konsens darüber, dass die augenblicklichen Richtlinien diskriminierend sind. Das Totalverbot für Blutspenden von schwulen und bisexuellen Männern war im Rahmen der Aids-Krise 1988 eingeführt worden.
Auch aus Deutschland kommt Lob für die Änderung: "Wir begrüßen sehr, dass mit Dänemark eine weiteres EU-Land seine Gesetzgebung auf der Grundlage von neuen medizinischen Erkenntnissen und Methoden aktualisiert", erklärte der grüne Europaabgeordnete Rasmus Andresen aus Schleswig-Holstein. "Wir bewegen uns weg von einem pauschalen und vorurteilbehafteten Ausschluss von Homosexuellen und hin zu einer differenzierteren Regelung auf der Grundlage von medizinischen Risiken und den technischen Möglichkeiten, diese im Vorfeld zu erkennen."
Forderung nach Änderungen in Deutschland
Andresen forderte, dass auch in Deutschland Änderungen notwendig seien. Die Bundesärztekammer hatte zwar das pauschale Schwulenverbot beim Blutspenden 2017 abgeschafft. Allerdings müssen schwule oder bisexuelle Männer zwölf Monate auf Sex verzichten – verheiratete Männer dürfen nicht einmal mit ihrem eigenen Ehemann intim sein. Für Aids- und LGBTI-Aktivisten ist diese Sex-Karrenzzeit eine "Unverschämtheit" (queer.de berichtete). In allen demokratischen Parteien gibt es inzwischen Stimmen, diese Diskriminierung wegen der sexuellen Orientierung endlich zu beenden. Die AfD betrachtet dagegen Schwule und bisexuelle Männer pauschal als "Hochrisikogruppe" (queer.de berichtete).
Auch von Organisationen wie dem Roten Kreuz kommen inzwischen Stimmen, gegen Homosexuelle gerichtete Verbote angesichts des Mangels an Blutspenden aufzuheben. Leonhard Stärk, seit 2007 Geschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes, sagte etwa vergangenes Jahr: "Persönlich glaube ich, dass monogam lebende Paare besser als Blutspender geeignet sind als etwa ein heterosexueller Mann mit ständig wechselnden Partnerinnen."
Sex-Sperrfristen für homosexuelle Männer gibt es in mehreren Ländern. Als Grund dafür wird die durchschnittlich höhere HIV-Rate in dieser Gruppe angegeben. Manche Länder, darunter auch Österreich, verbieten Schwulen und bisexuellen Männern sogar noch immer grundsätzlich das Blutspenden. Bislang behandeln nur sechs der 28 EU-Staaten Homo- und Heterosexuellen beim Blutspenden gleich. Dabei handelt es sich um Bulgarien, Italien, Lettland, Polen, Portugal und Spanien. In diesen Ländern wird nur das individuelle Risikoverhalten der Spender abgefragt, aber nicht ihre sexuelle Orientierung. (dk)















So dringend scheint das Blut nicht benötigt, wenn der oben genannte Fall in weiten Teilen Europas noch akzeptabel erscheint.