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NRW

Dombauverein sprach Hochzeitsverbot für Homosexuelle aus

Der Dombauverein Xanten betreibt ein pittoreskes mittelalterliches Haus für standesamtliche Eheschließungen, wollte aber nur heterosexuelle Paare dulden. Nach viel Kritik rudert der katholisch geprägte Verein inzwischen zurück.


In diesem Raum im "Haus Thomas" sollten eigentlich nur heterosexuelle Ehepaare heiraten dürfen (Bild: Screenshot WDR)

Seit Oktober 2017 dürfen Schwule und Lesben auch in Deutschland heiraten – noch immer wollen Gegner der gleichgeschlechtlichen Ehe diese Gesetzeslage allerdings nicht akzeptieren: Im niederrheinischen Xanten wurde jetzt ein Fall bekannt, wonach der Verein zur Erhaltung des Xantener Domes e.V. ein Paar wegen dessen sexueller Orientierung als Eheleute abgelehnt hatte. In dem vom Verein betriebenen "Haus Thomas" werden im Auftrag der Stadt standesamtliche Eheschließungen durchgeführt – es biete laut xanten.de "einen sehr würdevollen Rahmen" für eine Hochzeit.

Wie der WDR am Mittwoch berichtete, habe eine Mitarbeiterin ein schwules Paar abgelehnt. "Als sie hörte, dass es keine Braut, sondern einen Bräutigam gibt, machte sie einen Rückzieher", sagte der betroffene Ehemann in spe. Begründung: Eine solche Trauung würde nicht in eine katholisch geprägte Umgebung passen.

Dieses Verbot führte zu viel Kritik – der Xantener Bürgermeister Thomas Görtz (CDU) bot daraufhin hin, die Trauung des Paares selbst durchzuführen. "Ich habe erst mal im Kalender geguckt, in welchem Jahrhundert wir sind, und wir sind im 21. Jahrhundert. Dann hat mich die Absage doch sehr verwundert", so Görtz gegenüber dem WDR.


(Bild: Screenshot WDR)

Dombauverein knickt ein

Der Dombauverein hat am Mittwochnachmittag auf die Kritik reagiert – und dem Ehepaar zugesagt, in dem Haus heiraten zu dürfen. Allerdings haben die beiden Männer inzwischen einen anderen Ort zur Hochzeit gefunden, der sie nicht wegen ihrer sexuellen Orientierung ablehnen wollte.

Einen ähnlichen Streit hatte es bereits 2018 gegeben: Das katholische Kloster Langwaden in Grevenbroich weigerte sich nach der Ehe-Öffnung ebenfalls, gleichgeschlechtliche Paare als Eheleute zu dulden. Man wolle nur Ehen akzeptieren, "die im Sinne der Kirche sind". Um keine schwulen oder lesbischen Paare trauen zu müssen, stoppte das Kloster schlicht alle Eheschließungen (queer.de berichtete). (dk)



#1 Reigioten-WatchAnonym
#2 Ralph
  • 23.01.2020, 11:25h
  • Damit dort überhaupt Eheschließungen stattfinden können, muss der Saal offiziell zu einem Trauungsort des Standesamtes erklärt worden sein. Das konnte ohne Einwilligung des Hauseigentümers nicht geschehen. Ich habe Zweifel, ob unter diesen Umständen der Verein befugt sein kann, eine Amtshandlung zu untersagen. - Ich verstehe jedenfalls das Brautpaar sehr gut. Wenn ich erst mal abgelehnt und dann nur auf Druck der Öffentlichkeit und des Bürgermeisters geduldet werde, such ich mir auch einen anderen Ort. Ich erinnere mich wie heute an unsere Verpartnerung, als wir in unserer Gemeinde vom Standesamt ausgeschlossen waren und ins Gebäude der Kreisverwaltung in der Kreisstadt mussten. Zwar durften wir angesichts der Größe unserer Hochzeitsgesellschaft in den Großen Sitzungssaal des Kreistages mit Blick auf den Japanischen Garten, mit Fahnen und Blumenschmuck, aber es war eben doch eine Sonderbehandlung. Das wurde mit stichartig noch mehr bewusst, als wir anschließend Fototermin vor Barbarossas Burgruine hatten und gleich daneben ein verschiedengeschlechtliches Paar aus dem Standesamt der Stadt kam.

    Wir sind nicht normal und werden es nie sein (außer in unseren eigenen Augen) - das wird uns immer wieder eingehämmert.
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#3 Südwest-WatchAnonym
  • 23.01.2020, 11:45h
  • Antwort auf #2 von Ralph
  • Na immerhin durftet ihr zur Kreisverwaltung in einen Schmucksaal und musstet nicht zur Kfz-Zulassungsstelle gehen für eure Rgistrierung. Da könnt ihr aber auch wirklich mal ein bisschen dankbarer sein!
    Ironie aus.
    Tut mir echt leid zu hören. Wollt ihr euch noch als Ehepartner registrieren? Dann könntet ihr das doch endlich auf dem Standesamt tun wie alle anderen auch.
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#4 zundermxeAnonym
  • 23.01.2020, 12:20h
  • Jo, erinnert doch alles sehr an Schloss-Kloster Langwaden. Wenn ich im Westen war, bin ich dort einige Male zur Sommerzeit gewesen bis die ihren Ehe-Terror vollzogen haben. Seitdem ist es für meinen Freund, unser persönliches Umfeld und mich selbst No-Go. Auch die Gartenprodukte, die sie am Kloster selbst und im nahegelegenen Bio-Markt anbieten, sollen dann bitte ausschließlich die anständigen Bürger futtern.

    Wobei mir damals als Reaktion ein fettes Kiss-In an all ihren, besonders Sonntags, gefüllten Tischen noch besser gefallen hätte. Leider hab ich selbst weder Zeit noch mittlerweile die Kontakte sowas im großen Stil zu organisieren.

    Wer ausgrenzt, sollte tatsächlich auf jede Steuervergünstigung verzichten müssen und eigentlich nicht die Erlaubnis haben einen öffentlichen Betrieb zu führen... naive Vorstellung meinerseits.
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#5 RetroGayProfil
  • 23.01.2020, 13:09hDortmund
  • ....und das ist alles wohl nur die Spitze des Eisberges,
    wo die Homophoben zu dumm sind, um subtil vorzugehen.
    Ich möchte nicht wissen, in wie vielen Fällen es einfach nur so wahnisnnig schwierig war einen passenden Termin zur Verfügung zustellen oder ähnlicher Quatsch,
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#6 MärchenbüchseAnonym
#7 zundermxeAnonym
  • 24.01.2020, 08:10h
  • Antwort auf #6 von Märchenbüchse
  • Sehr konsequent wie Du das handhabst.

    Halte es selbst idR erstmal immer mit dem rheinischen Motto leben und leben lassen und ziehe erst Konsequenzen und Grenzen, wenn wer individuell destruktiv handelt oder Andere aktiv angeht (also Hass und Gewalt verbreitet ohne selbst angegriffen worden zu sein).
    Einzelne Menschen aufgrund eines Merkmals pauschal zu werten nur weil das Merkmal nicht in meine Welt passt, ist nicht mein Ding.
    Der Umgang mit einer speziellen Gruppe (Vereine, Geschäfte, Parteien, Religionen...), die sich durch und über bestimmte Merkmale selbst so definieren, ist hingegen vorab klar.
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#8 MärchenbüchseAnonym
  • 24.01.2020, 10:32h
  • Antwort auf #7 von zundermxe
  • Offensiv ausgelebte Religiosität ist nichts, das nur nicht "in meine Welt passt", sondern ist etwas, das meine Lebenswirklichkeit ausgrenzt, torpediert und unsichtbar machen will. Da gibt es für mich kein Abwarten und Aushalten. Deine muffiges und letztlich feiges rhenisches Phlegma hat viel Übel in diesem Land erst möglich gemacht.
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#9 Ralph
  • 24.01.2020, 11:29h
  • Antwort auf #2 von Ralph
  • Ja, da hat man von sehr viel unfeineren Räumlichkeiten gehört. Geplant war für uns ja auch nur ein schmuckloses Besprechungszimmer. Als die Beamtin dann aber mehr als 30 Leute vor der Tür stehen sah, überlegte sie kurz und holte dann den Schlüssel zum Kreistagssaal. Die Umwandlung haben wir gleich am 2.10.2017 gemacht. Das wollten wir dann aber nur als reinen Verwaltungstermin haben. 2002 durften wir nicht, und 2017 wollten wir nicht mehr. Es war für uns gefühlt einfach zu spät. Trotzdem lotste uns der Standesbeamte von seinem Büro weg in den festlich geschmückten Ratssaal, wo er dann allein für uns eine Trauung durchführte. Ich will gar nicht den Versuch machen zu behaupten, das habe mir nicht die Tränen in die Augen getrieben.
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#10 Ralph