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Bundesgerichtshof

Tötung von Jim Reeves war kein Mord

Der bisexuelle Künstler wurde 2016 in einem Berliner Hostel gefoltert, mit einem Stuhlbein vergewaltigt und getötet. Ein Urteil des Landgerichts, wonach es sich dabei nur um Totschlag gehandelt haben soll, ist jetzt rechtskräftig.


Jim Reeves "Sqeezer"-Video zum Song "Sweet Kisses" aus dem Jahr 1996

Vier Jahre nach der Tat ist das Urteil im gewaltsamen Tod des bisexuellen Sqeezer-Sängers Jim Reeves rechtskräftig. Der fünfte Strafsenat des Bundesgerichtshofs in Leipzig bestätigte am Mittwoch die Entscheidung des Landgerichts Berlin, das zwei polnische Wanderarbeiter des Totschlags in einem besonders schweren Fall schuldig gesprochen hatte (queer.de berichtete). Die beiden Männer waren zu Haftstrafen von 13 bzw. 14 Jahren verurteilt worden.

Der Sänger der Band Sqeezer war Anfang 2016 tot in einem Berliner Hostel aufgefunden worden (queer.de berichtete). Später kam heraus, dass die beiden damals 24 und 31 Jahre alten Täter ihn gefoltert, sexuell misshandelt und getötet hatten, angeblich weil sie empört darüber gewesen seien, dass Reeves mit ihnen geflirtet habe.

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BGH: Landgericht machte keine Fehler

Die BGH-Richter konnte im Urteil des Landgerichts keine Rechtsfehler feststellen. Das Berliner Landgericht hatte als Hauptmotiv der Täter deren Wut auf sexuelle Avancen von Reeves ausgemacht – und nicht Hass auf Homo- und Bisexuelle. Zwar hatte das Gericht eine latente Homophobie bei den beiden Männern festgestellt, die aber nicht für das Mordmerkmal des niedrigen Beweggrundes ausgereicht habe. Das Mordmerkmal der Grausamkeit kam nach Ansicht der Richter unter anderem deshalb nicht zum Tragen, weil Reeves zum Zeitpunkt einer mehrfachen brutalen Vergewaltigung mit einem Stuhlbein schon bewusstlos gewesen sei. Schuldmindernd wurde auch die starke Alkoholisierung der Täter berücksichtigt.

Die Staatsanwaltschaft Berlin hatte eine Verurteilung wegen Mordes erreichen wollen und ging deshalb in die Revision (queer.de berichtete). Die Verteidigung sah die Strafe dagegen als zu hart an und legte ebenfalls Rechtsmittel ein.

Details des Verbrechens zeigen die nur schwer vorstellbare Grausamkeit der Täter: Der ehemalige Sänger der Band Sqeezer starb an inneren Verletzungen, weil eine Rippe seine Lunge punktierte. Der Gerichtsmediziner hatten insgesamt 15 gebrochene Rippen als Folge des Gewaltexzesses feststellen können. Die Penetration mit dem Stuhlbein hatte zu lebensgefährlichen Darmverletzungen geführt. (dk)



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#1 Ralf0711Profil
  • 23.01.2020, 13:19hStuttgart
  • Wie traurig. Der arme Kerl wurde bestialisch ermordet, aber es war kein Mord. Welch ein juristischer Irrsinn. Manchmal versteh ich die Welt nicht mehr.
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#2 JuristAnonym
  • 23.01.2020, 13:39h
  • Antwort auf #1 von Ralf0711
  • Hüten Sie Ihre Zunge, wenn Sie kein Jurist sind. Mord setzt einen in § 211 StGB beschriebenen Mordgrund voraus, an dem es hier fehlte.

    Im Übrigen wurde auf Totschlag im besonders schweren Fall erkannt, § 212 Abs. 2 StGB. Rechtsfolge: Wie beim Mord Lebenslange Freiheitsstrafe.

    Machen Sie dem Gericht also bitte keine grundlosen Vorwürfe.
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#3 MandorallenEhemaliges Profil
  • 23.01.2020, 13:49h
  • Ich bin natürlich kein Jurist und mit meinen naiven Rechtsvorstellungen behaftet, aber das es nicht grausam ist, einen leb- und wehrlosen menschlichen Körper mit einem Stuhlbein zu vergewaltigen, weil der Körper leb- und wehrlos ist, finde ich schon äußerst krank.
    Und wenn jemand wegen homosexuellen Avancen einen solchen "Totschlag" begeht und nur latente Homophobie attestiert bekommt, möchte ich nicht wissen, was das Gericht braucht, um "latent" zu streichen.
    Spätestens seit Künast-Urteil dürfte ja jedem klar sein, dass unsere Rechtsprechung dringend eine Überarbeitung braucht. Unfassbar.
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#4 ich-halts-nicht-ausAnonym
  • 23.01.2020, 13:49h
  • Antwort auf #2 von Jurist
  • Das mag ja juristisch unserem Rechtssystem entsprechend stimmen.

    Also kann ich mir ne Pulle Wodka hinter die Binde kippen und alles totmanschen, was mir menschlich nicht passt und es wird strafmildernd ausgelegt.
    Der Passus der verminderten Schuldfähigkeit aufgrund Alkohols gehört ABGESCHAFFT!!!
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#5 AlexAnonym
  • 23.01.2020, 13:56h
  • Antwort auf #4 von ich-halts-nicht-aus
  • Das ist UNFUG!

    Wer den Rausch herbeiführt in der Absicht dann Straftaten zu begehen, für den gibt es auch keine Schuldminderung, da der Plan ja schon vor dem Konsum feststand.

    Immer diese bekloppten möchtegern-Scharfrichter hier. Zum Kotzen!
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#6 Homonklin_NZAnonym
  • 23.01.2020, 14:02h
  • Geht mir so ähnlich wie #1 bei sowas. Da verstehe ich auch die Rechtswissenschaft nicht, oder die ihr zugrunde liegende Philosophie.

    Sind wohl oder übel auch alle vorwiegend gefühlskalte Kopfspinner, die glauben, sie wären was Besseres weil doppeltes Staatsexamen. Kann man ja alles gut und richtig finden, muss man aber nicht.

    Leute misshandeln den Dude also in dieser Weise und rechnen nicht damit, dass der daran stirbt? Come on...
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#7 MandorallenEhemaliges Profil
  • 23.01.2020, 14:03h
  • Antwort auf #2 von Jurist
  • "Hüten Sie Ihre Zunge, wenn Sie kein Jurist sind."

    Sehen Sie, dass ist genau die Diskrepanz zwischen den Juristen und dem einfachen Volk: der nichtakademische Teil der Bevölkerung schreibt mit den Händen, statt mit dem Mund. Im Übrigen haben Sie das "sonst passiert das und das" vergessen, wie es sich für eine echte Drohung gehört.
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#8 MilchmädchenAnonym
#9 zundermxeAnonym
  • 23.01.2020, 14:08h
  • Na wenn das kein Mord gewesen ist aus Hass auf Homosexualität, was dann?!

    Wenn der Artikel das Urteil richtig zitiert, war ein Argument die Tat nicht als Mord zu verurteilen der Umstand, dass die Täter Wut auf die homosexuellen Avancen hatten.
    Allein, die Vorstellung bzw. Frage, ob die Täter zu Täter geworden wären, wenn es sich um heterosexuelle Avancen einer Frau gehandelt hätte, zeigt eindeutig Hass auf Homosexuelle.
    Weiterhin ist die Glaubwürdigkeit der Täter hinsichtlich der Nicht-Absicht zum Mord wohl kaum gegeben.
    Wer geht mit einem Kumpel oder Freund gemeinsam zu welchem Zweck mit einem dritten Unbekannten auf ein Hotelzimmer?!
    Briefmarken-Tausch?

    Sollte die Rechtslage dieses Urteil tatsächlich hergeben, ist sie sehr schlecht.
    Wenn gleich Mehrere einen anderen zu Tode foltern, dann kann das nur vorsätzlich sein. Selbst wenn es zu Beginn nicht die verabredete Absicht gewesen sein sollte.
    Was ist mit der Arglosigkeit des Opfers?
    Oder musste er bei homosexuellen Kontakten ganz natürlich mit diesen Folgen rechnen?
    Ein Mord für 5 Euro im Portemonnaie durch eine Kugel hat zwar das selbe tödliche Ergebnis. Ist aber an Grausamkeit, Hass und Brutalität weit weg von dieser Tat.

    Mir geht es nicht mal in erster Linie um die Höhe der Strafe.
    Es geht darum dem Opfer gerecht zu werden (wenn es ihm auch nicht mehr hilft) und das Ganze nicht als eine Art Betriebsunfall im immer noch gerne so genannten Homo-Milieu runter zu richten.
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#10 PuristAnonym
  • 23.01.2020, 14:25h
  • Antwort auf #2 von Jurist
  • Außerdem prüft der BGH nur noch, ob alle rechtlichen Formalien eingehalten wurden. Der BGH prüft soweit ich weiß nicht mehr in der Fakten usw. Die Ungereimtheiten liegen beim Berliner Landgericht! Müssen wir in der heutigen Zeit etwa schon froh darüber sein, dass das Landgericht Jim nicht Selbstmord unterstellt hat?
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