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Rheinland-Pfalz

Mainzer Landtag erinnert an homosexuelle NS-Opfer

Das jährliche Gedenken des Landtags an NS-Opfer, eine Ausstellung, eine Veranstaltungsreihe und ein gemeinsamer Antrag der demokratischen Fraktionen stellen eine oft vergessene Opfergruppe in den Mittelpunkt.

  • 24. Januar 2020, 14:34h, noch kein Kommentar

Das Programmheft zum diesjährigen Gedenken erinnert mit dem Stolperstein von Otto Scheuerbrand an ein schwules NS-Opfer aus Ludwigshafen. Mehr zu ihm.

Die Verfolgung Homosexueller nach der NS-Diktatur in den einzelnen Regionen von Rheinland-Pfalz muss nach dem Willen der Ampelfraktionen und der oppositionellen CDU im Mainzer Landtag weiter erforscht werden. Die Landesregierung solle sich zudem auch künftig für die Bildungs- und Gedenkarbeit sowie für die Aufarbeitung der NS-Zeit unter der Berücksichtigung aller Opfergruppen einsetzen, heißt es laut dpa in einem auf der Webseite des Landtags noch nicht veröffentlichten Antrag der vier Faktionen für das Plenum in der kommenden Woche. "Der Antrag zur Gedenkkultur ist aktueller denn je", sagte der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion, Jens Guth, am Freitag in Mainz.

Anlass des Antrags ist die bevorstehende Gedenkveranstaltung des Landtags an NS-Opfer am 27. Januar – dem Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau vor 75 Jahren. Sie steht in diesem Jahr erstmals im Zeichen der verfolgten Homosexuellen. Die Plenarsitzung in der Gedenkstätte KZ Osthofen wird live auf der Webseite des Landtags übertragen und bietet laut Einladung (PDF) eine Gedenkansprache von Prof. Dr. Michael Schwartz vom Institut für Zeitgeschichte München-Berlin unter dem Titel "'Für die Homosexuellen ist das Dritte Reich noch nicht zu Ende.' Homosexuelle Menschen unter der NS-Diktatur – und der lange Weg aus der Ausgrenzung". Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Landtagspräsident Hendrik Hering halten Ansprachen vor einer Kranzniederlegung.

Derzeit wird im Abgeordnetenhaus bis 2. Februar die Ausstellung "Verschweigen, Verurteilen – Verfolgung von Homosexualität in Rheinland-Pfalz von 1946 bis 1973" (Flyer-PDF) gezeigt. Im Januar und Februar finden zudem im ganzen Land diverse Veranstaltungen zum Thema statt (Terminkalender auf der Seite von Queernet, PDF des kompletten Erinnerungsprogramms des Landes).

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"Gedenkarbeit ist nie abgeschlossen"

In dem voraussichtlich in der Sitzung am Donnerstag behandelten Eintrag heißt es laut dpa weiter: "Die erst späte und noch andauernde Aufarbeitung des Schicksals von Homosexuellen als Opfer des Nationalsozialismus führt deutlich vor Augen: Gedenkarbeit ist nie abgeschlossen, sie ist ein Prozess des stetigen Vergegenwärtigens – der Perspektive der Opfer, der Täter und der eigenen Verantwortung." Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transidente und Intersexuelle seien noch immer von Diskriminierung und Gewalt betroffen.

Auf die vollständige rechtliche Gleichstellung und gesellschaftliche Akzeptanz queerer Lebensweisen müsse die Landesregierung weiter hinwirken und sich weiter für eine offene und akzeptierende Gesellschaft einsetzen, so der Antrag der vier Parteien laut dpa weiter. "Ziel des Erinnerns ist es, das Schicksal aller Opfer im Bewusstsein der Menschen wachzuhalten, ohne ein einziges zur relativieren."

Selbst nach dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur blieb männliche Homosexualität in Deutschland weiter verboten….

Gepostet von Landtag Rheinland-Pfalz am Donnerstag, 23. Januar 2020
Facebook / Landtag Rheinland-Pfalz

Gedenken in diversen Teilen Deutschlands

Auch der hessische Landtag in Wiesbaden befasst sich in seiner zentralen Gedenkveranstaltung am Montag mit homosexuellen NS-Opfern. Die Direktorin des Fritz Bauer-Instituts, Sybille Steinbacher, hält dabei die Gedenkrede zur Verfolgung aufgrund von Homosexualität. Das Frankfurter Institut, benannt nach dem jüdischen und schwulen Generalstaatsanwalt, erforscht und dokumentiert seit 25 Jahren die Geschichte der Verbrechen des NS-Regimes.

Im letzten Jahr hatte bereits der Landtag Baden-Württembergs die jährliche Gedenkstunde an die Opfer des Nationalsozialismus erstmals Menschen gewidmet, die wegen ihrer Sexualität verfolgt wurden (queer.de berichtete). Eine ständig aktualisierte Öffentliche Petition mit aktuell 170 Unterzeichnenden (PDF) fordert seit 2018 auch ein entsprechendes Gedenken im Bundestag, findet bislang allerdings keine Unterstützung bei Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (queer.de berichtete). Unter anderem in Berlin und Köln finden am nächsten Montag Gedenkveranstaltungen an den Mahnmalen für homosexuelle NS-Verfolgte statt. (nb/pm/dpa)