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Katholische Kirche

Versuchte Vergewaltigung? Schwere Vorwürfe gegen Alt-Bischof

Der ehemalige österreichische Familienbischof Klaus Küng sorgte immer wieder mit homophoben Tiraden für Wirbel. Nun wirft ihm ein ehemaliger Priesterseminarist sexuellen Missbrauch vor.


Klaus Küng, Jahrgang 1940, war bis 2018 Bischof der Diözese St. Pölten (Bild: Diözese St. Pölten)

Schwere Vorwürfe werden gegen den ehemaligen österreichichen Familienbischof Klaus Küng erhoben. Dieser wurde 2004 zum Apostolischen Visitator bestellt, um in dem wegen eines Sex-Skandals in Verruf geratenen St. Pöltener Priesterseminar für Ordnung zu sorgen. Ein damaliger Priester und Subregens wollte eine Aussprache mit seinem neuen Chef Bischof Küng. Der Priester musste zuvor von seinem Amt als Subregens zurücktreten, weil Küng ihn für die Zustände im Seminar mitverantwortlich machte, was später weder die Justiz noch der Vatikan bestätigten.

Medikamente und Vergewaltigungsversuch?

Doch das Gespräch verlief für den jungen Mann anders als erwartet. Schließlich erlitt er in der für ihn außerordentlich belastenden Situation beim Verlassen des Bischofshauses einen Kreislaufkollaps. Der Bischof (er studierte auch Medizin) ließ ihn dann auf ein Sofa im Bischofshaus zurückbringen und verabreichte ihm ein Medikament. Wie eine Laboruntersuchung später zeigte, handelte es sich dabei um ein rezeptpflichtiges, medizinisch nicht indiziertes Medikament (Benzodiapezin, welches sedierend und hypnotisch wirkt).

Bischof Küng habe dann alle anwesenden Personen aus dem Raum geschickt und soll begonnen haben, den Priester unsittlich zu berühren. Der Bischof soll ihm, während er den Priester am Rücken und im Gesäßbereich streichelte, immer wieder gesagt haben "Fügen Sie sich, fügen Sie sich, dann wird alles wieder gut." Küng, er gilt auch als prominentes Mitglied des Opus Dei, soll dabei erregt gewesen sein.

Sturz aus dem Fenster und Ermittlungen der Justiz

Schließlich ergriff der Priester die Flucht. Zu Hause trank er zur Beruhigung ein Glas Rotwein, wodurch es womöglich zu einer gefährlichen Wechselwirkung mit dem von Bischof Küng verabreichten Medikament gekommen sein könnte. Denn der Priester stürzte später von seinem Balkon fünf Meter in die Tiefe. Den Sturz überlebte er leicht verletzt.

Später sah der Priester 2019 im Fernsehen ein Gespräch der aus dem Kloster ausgetretenen Ordensschwester Doris Wagner mit Kardinal Schönborn und beschloss, Kardinal Schönborn die Vorfälle mit Küng schriftlich zu berichten. Dieser verwies ihn an die Ombudsstelle der Erzdiözese Wien, die damit quasi gegen ihren eigenen ehemaligen Chef ermitteln sollte. (Küng war bis vor kurzem Chef der kirchlichen Stiftung Opferschutz für Missbrauchsfälle). Durch eine Indiskretion dürften die Vorfälle auch der Polizei berichtet worden sein. Danach ermittelte die Justiz in NÖ gegen Bischof Küng. Der Vorwurf könnte nicht massiver sein: sexuelle Belästigung und versuchte Vergewaltigung durch den Familienbischof.

Einstellung wegen Verjährung

Die Ermittlung wurden dann wegen Verjährung eingestellt. Ein vom Opfer angestrengtes Verfahren im Vatikan hat indes noch gar nicht begonnen. "Wir fordern jetzt eine uneingeschränkte Aufklärung der Vorfälle. Auch Priesterseminare dürfen kein rechtsfreier Raum sein. Und es ist unhaltbar, dass sich ranghohe Kichenfunktionäre systematisch durch die Verjährung einer gerechten Bestrafung dokumentierter Fälle von sexuellem Missbrauch entziehen können" erklärt dazu Sepp Rothwangl, Obmann der Plattform Betroffener Kirchlicher Gewalt.

Mit diesem neuen Vorwurf ist die kirchliche Opferschutzkommission massiv angeschlagen. Im letzten Jahr wurde bekannt, dass Waltraud Klasnic als "Opferschutzbeauftragte" mehrere Kinder geohrfeigt hatte ("Klasnic-Detschn-Affäre"). Daneben wurde Erhard Rauch, ein weiteres prominentes Mitglied der Stiftung Opferschutz, wegen übler Nachrede strafrechtlich verurteilt.

Klaus Küng bestreitet indes die sexuellen Übergriffe, gab aber gegenüber der Zeitung "Kurier" die illegale Medikamentenverabreichung zu. Der 79-jährige Alt-Bischof hatte sich in seiner Amtzeit u.a. gegen schwule Priester ausgesprochen, innerhalb der Kirche "homosexuelle Netzwerke" beklagt und immer wieder scharf gegen die Ehe für alle protestiert. 2017 warnte er sogar davor, dass am Ende Kinder Opfer der Ehe-Öffnung seien. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung. (cw/ots)



#1 MandorallenEhemaliges Profil
  • 25.01.2020, 13:55h
  • Wer immer noch nicht begriffen hat, dass sich die Kirche nie ändern wird, tut mir wirklich leid. Dass sie gerade bei uns durch Steuergelder finanziert wird und außerhalb des Grundgesetzes steht, macht mich unglaublich wütend.
    Wer sich im Wissen um all das Leid trotzdem diesem Verein anschließt, macht sich mitschuldig und heißt indirekte Mordaufrufe (=Afrikanische Kirche/Schwulenverfolgung), Vergewaltigung, Prügel, Frauenfeindlichkeit und Hass vll. nicht gut, drückt aber mit seiner Mitgliedschaft aus, dass es ihm/ihr egal ist.
    Genauso, wie ich nicht Pazifist und in der Fremdenlegion sein kann oder Demokrat und in der AfD oder weltoffen und im Kukluxklan.
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#2 RuferInDerWuesteEhemaliges Profil
#3 DramaQueen24Profil
  • 25.01.2020, 14:38hBerlin
  • Verjährung ist der Schutz der Täter vor Strafverfolgung. Und auch der Schutz der Organisation Kirche! Darum sollten alle sofort reden, nicht nur vor dem Klerus, sondern vor allem vor Polizei und Gericht.
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#4 WatcherAnonym
#5 antosProfil
  • 25.01.2020, 15:42hBonn
  • Engführung auf österreichisch:

    "Fügen Sie sich, fügen Sie sich, dann wird alles wieder gut.
    (>>Alt-Bischof<<)

    >> Demütig gehorchen. Immer lieb sein. Immer lieb gehorchen. Demütig sein.<<
    (Wolfgang Piklopil)
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#6 Alexander_FAnonym
  • 25.01.2020, 15:50h
  • Antwort auf #4 von Watcher
  • Erster großer Punkt: Staatsleistungen. Die sind seit 1918 verfassungswidrig, werden aber nicht eingestellt.
    Die Gehälter von Geistlichen, sofern sie der römisch-katholischen Kirche oder der EKD angehören, werden ebenfalls vom Staat bezahlt, und zwar entgegen anderslautenden Ansichten nicht von Kirchensteuern, sondern von allgemeinen Steuergeldern.
    Dann ein weiterer Punkt: kirchliches Arbeitsrecht. Die Fälle, in denen kirchliche Arbeitgeber wegen Scheidung, Religionszugehörigkeit bzw. -abfall, Homosexualität usw. Mitarbeitern kündigen, sind Legion. Und da im Bereich Soziales und Gesundheit fast alles fest in kirchlicher Hand ist, sind hier unheimlich viele Arbeitnehmer religiös fundierter, verfassungswidriger diskriminierender Willkür ausgesetzt.

    Wenn man also sagt, dass die katholische Kirche außerhalb des Grundgesetzes stehe, ist das nicht ganz so weit hergeholt. Sie missachtet es jedenfalls regelmäßig vor aller Augen und besitzt ganz klar Privilegien, die sie eigentlich de jure gar nicht haben dürfte, die aber trotzdem niemand (und zwar auch die Linken und Grünen nicht, nota bene) anzutasten wagt.

    Soviel zu Deutschland. Wie es in Österreich aussieht, kann ich nicht sagen, aber vielleicht ist ja ein/e österreichische/r* Leser/in* so lieb und klärt uns Piefken auf.

    Zum Inhalt des Artikels lässt sich weiter nicht viel sagen. Es ist eine Ungeheurlichkeit, die da geschieht, aber leider nicht ansatzweise eine, die irgendwen überraschen sollte, der mit offenen Augen und Ohren durch die Welt geht. Schaffts ei endli ab, es bleede Kerzlschlicker!
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#7 CountdawnAnonym
  • 25.01.2020, 16:05h
  • Allein schon die Gabe von Temesta nach einem Kreislaufkollaps ist kontraindiziert und ein schwerer ärtzlicher Kunstfehler.
    Das ist doch eindeutige Gefügigmachung durch körperliche Bedrängung mit Hilfe von Sex&Drugs.
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#8 WatcherAnonym
  • 25.01.2020, 16:24h
  • Antwort auf #6 von Alexander_F
  • "Staatsleistungen. Die sind seit 1918 verfassungswidrig, werden aber nicht eingestellt."
    Diese Aussage ist leider falsch
    Sie ist vom Grundgesetz gedeckt. Art. 140 GG lautet: Die Bestimmungen der Artikel 136, 137, 138, 139 und 141 der deutschen Verfassung vom 11. August 1919 sind Bestandteil dieses Grundgesetzes.

    "kirchliches Arbeitsrecht"
    Auch diese Aussage ist leider falsch
    Die Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften, und hierbei insbesondere die großen Kirchen, können ein eigenständiges Arbeitsrecht erlassen. Das hat seine Grundlage im sogenannten Selbstordnungs- und Selbstverwaltungsrecht gemäß Art. 137 Abs. 3 Weimarer Reichsverfassung, der nach Art. 140 GG in das Grundgesetz inkorporiert und vollwirksames Verfassungsrecht ist.

    Beides ist durch das GG gedeckt. Und eine Grundgesetzänderung kann nur mit den Stimmen von zwei Dritteln der Mitglieder des Deutschen Bundestages und mit zwei Dritteln der Stimmen des Bundesrates geändert werden.
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#9 AndreasKAProfil
  • 25.01.2020, 18:01hKarlsruhe
  • Antwort auf #8 von Watcher
  • Das, was du schreibst: " Art. 140 GG lautet: Die Bestimmungen der Artikel 136, 137, 138, 139 und 141 der deutschen Verfassung vom 11. August 1919 sind Bestandteil dieses Grundgesetzes. ist richtig.

    Die Schlussfolgerungen aber teile ich nicht, denn:

    >> Artikel 138 lautet:
    "Die auf Gesetz, Vertrag oder besonderen Rechtstiteln beruhenden Staatsleistungen an die Religionsgesellschaften werden durch die Landesgesetzgebung abgelöst. Die Grundsätze hierfür stellt das Reich auf ... "

    Das ist ein klarer Auftrag zur Ablösung der Staatsleistungen bereits aus dem Jahr 1919 der 1949 ins GG übernommen wurde.
    Diesen Auftrag, festgelegt also auch im GG hat somit seit über 100 bzw. über 70 Jahren - je nach Zeitrechnung - bisher keine Regierung ausgeführt.

    Das Unterlassen der Ablösung der Staatsleistung kann demnach sehr wohl als Missachtung des GG gesehen werden (und es liegt nahe, dass die Kirchen entsprechend Einfluss genommen haben).
    Wenn ich mit diesem Argument falsch liege, bitte ich um Ansage, wo genau.

    >> Artikel 137 von 1919, der ebenfalls in unser GG eingegangen ist lautet:
    "Es besteht keine Staatskirche. ... Jede Religionsgesellschaft ordnet und verwaltet ihre Angelegenheiten selbständig innerhalb der Schranken des für alle geltenden Gesetzes. Sie verleiht ihre Ämter ohne Mitwirkung des Staates oder der bürgerlichen Gemeinde. Religionsgesellschaften erwerben die Rechtsfähigkeit nach den allgemeinen Vorschriften des bürgerlichen Rechts. ...

    Es ist klar die Rede von der Ordnung und Verwaltung ihrer Angelegenheiten INNERHALB DER SCHRANKEN DES FÜR ALLE GELTENDEN GESETZES. Auch aus der selbständigen Verleihung der Ämter erkenne ich nicht die Möglichkeit, ein abweichendes Arbeitsrecht zu installieren. Schließlich kann jede, jeder Klümpchenverein kann seine Posten ebenfalls selbständig verleihen und unterliegen dem allgemeinen Arbeitsrecht hinsichtlich ihrer Angestellten.

    Habe ich da vielleicht auch etwas übersehen? Bitte um Ansage, ich lerne gerne dazu.

    >> Weiter heißt es im gleichen Artikel:
    ..."
    Die Religionsgesellschaften, welche Körperschaften des öffentlichen Rechtes sind, sind berechtigt, auf Grund der bürgerlichen Steuerlisten nach Maßgabe der landesrechtlichen Bestimmungen Steuern zu erheben. ...

    Die Erhebung einer Steuer mithilfe der bürgerlichen Steuerlisten ist unstrittig.

    Da die Kirchen aber ihre Angelegenheiten selbständig ordnen und verwalten sollen (s.o.) ist es mir nicht einsichtig, warum der Staat hier für die Kirchen die Steuern eintreibt.

    Das verstehe ich so, dass die Kirchen es hinbekommen haben, den Staat als Finanzeintreiber eingespannt zu haben.

    Inwieweit das mit einem säkular ausgerichteten Staat vereinbar ist, möchte ich auch gerne erklärt haben.
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#10 Ex-KatholikAnonym
  • 25.01.2020, 18:03h
  • Antwort auf #8 von Watcher
  • Dass das kirchliche Arbeitsrecht im GG geschützt ist, ändert nichts daran, dass dieser von dir zitierte Passus den Kirchen gestattet, sich über andere Teile des Grundgesetzes hinwegzusetzen. Ergo verstecken sie sich hinter dem GG um damit zugleich dagegen verstoßen zu können!
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