Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?35371

Synodaler Weg

Schwuler und lesbischer Sex bald keine "Sünde" mehr?

Am Donnerstag tagt in Frankfurt zum ersten Mal eine Versammlung, die die katholische Kirche reformieren soll. Alle heißen Eisen werden angefasst, doch wichtige Entscheidungen können nur in Rom getroffen werden.


Absurde Sexualmoral: Wenn Lesben und Schwule Sex haben, erwartet die katholische Kirche, dass sie zur Beichte gehen (Bild: Thomas Knoll / flickr)

  • Von Christoph Driessen, dpa
    26. Januar 2020, 10:53h, 17 Kommentare

Rabenschwarzer Bart, Make-up und viel Glitzer sind das Markenzeichen von Harald Glööckler. Der Modeschöpfer hat aber auch eine ernsthafte Seite: 2018 veröffentlichte er das Buch "Kirche, öffne dich!", Untertitel: "Hat die Kirche noch Zukunft? Was sich ändern muss." In einem für jedermann verständlichen Stil formuliert der Designer dort, was seines Erachtens in den großen Kirchen falsch läuft. Sehr häufig spricht er dabei über die Katholiken.

"Wir brauchen eine Kirche, die uns auffängt, wenn wir stürzen, die uns hält, wenn wir stolpern, die uns umarmt, wenn wir versagt haben", fordert er. Eine solche Kirche wäre wieder relevant. Tatsächlich aber mache die Kirche vielen Menschen das Leben noch schwerer. Zum Beispiel, indem sie Homosexuellen oder Geschiedenen ein schlechtes Gewissen einzureden versuche, Frauen von allen wichtigen Posten ausschließe und ständig von der Kanzel herab Moral predige, während sie selbst von Missbrauchsskandalen erschüttert werde.

Synodalversammlung am Frankfurt


Harald Glööckler veröffentlichte sein Buch "Kirche, öffne dich!" im Sommer 2018

Im Grunde ist Glööcklers Einschätzung mittlerweile auch unter vielen praktizierenden Katholiken Konsens. Deshalb haben sich die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) – die Vertretung der ganz normalen praktizierenden Gläubigen – zu einem Reformprozess aufgerafft. Sie nennen ihn den Synodalen Weg. Offiziell gestartet wurde das Ganze am 1. Dezember, aber jetzt findet vom 30. Januar bis zum 1. Februar in Frankfurt am Main die erste richtige Versammlung statt.

Oberstes Organ des Synodalen Wegs ist die Synodalversammlung, die in Frankfurt erstmals zusammentritt. Sie hat 230 Mitglieder: die 69 deutschen Bischöfe, 69 Vertreter des ZdK und 92 Vertreter anderer katholischer Berufsgruppen. In ihrer ersten Sitzung wählt die Synodalversammlung die Mitglieder von vier Synodalforen, die die vier Themenfelder des Reformprozesses behandeln. Das sind: der Umgang der Kirche mit Macht, die kirchliche Sexualmoral, die umstrittene Ehelosigkeit von Priestern, Zölibat genannt, und die Position der Frauen in der Kirche.

Der Synodale Weg ist auf zwei Jahre angelegt, bis Ende 2021. Dann sollen konkrete Reformen folgen. Die Abschaffung des Zölibats oder die Öffnung des Priesteramts für Frauen könnten die deutschen Katholiken aber niemals eigenständig beschließen – das könnte nur die Weltkirche, sprich: der Vatikan in Rom. Und dort sind keine grundlegenden Änderungen in Sicht, obwohl Papst Franziskus zumindest anfangs der Ruf eines Reformers vorauseilte.

Ein deutscher Appell wäre ein weltweites Signal

Das heißt allerdings nicht, dass der Synodale Weg in einer Sackgasse enden muss. Schon wenn die deutschen Katholiken an den Papst appellieren würden, künftig auch lesbische und schwule Paare zu segnen, wäre das ein Signal, das weltweit wahrgenommen würde. Es werde darauf ankommen, dass die Voten am Ende möglichst einstimmig nach Rom geschickt würden, sagt Kirchenrechtler Thomas Schüller.

Der Münsteraner Professor erwartet außerdem, dass die Synodalversammlung die Einführung kirchlicher Verwaltungsgerichte beschließen wird: Diese Gerichte hätten das Potenzial, die Macht der Bischöfe einzuhegen. "Damit werden erstmalig die Rechte der Gläubigen gestärkt", sagt Schüller der Deutschen Presse-Agentur. Sein vorläufiges Fazit: "Wirkliches Potenzial liegt in der Etablierung der kirchlichen Verwaltungsgerichtsbarkeit, in allen anderen Feldern wird man in Form von Voten Rom um Änderungen bitten, die aber nur dort entschieden werden."

Harald Glööckler – früher evangelisch, aber schon lange aus der Kirche ausgetreten – bleibt skeptisch, was die Reformfähigkeit der katholischen Kirche betrifft. Der Synodale Weg komme "viel zu spät und zu zögerlich", sagt der 54-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. "Im Grunde genommen hilft nur noch eine radikale Erneuerung, zu der aber große Teile der katholischen Kirche nicht bereit sind. Geredet wurde für meine Begriffe inzwischen genug, nun sollten dringend den Worten Taten folgen. Doch diese Entwicklung sehe ich leider noch nicht."



#1 stephan
  • 26.01.2020, 13:21h
  • Ich bin da sehr skeptisch und befürchte, dass am Ende nur Frust bei dem synodalen Weg herauskommt, Frust, weil sich wieder nichts ändern wird, Frust, weil die Menschen mehr wollen, als der Klerus zugestehen will, Frust, weil Rom die deutschen Katholiken abblitzen lassen wird, ...
    Als jemand, der aus sehr katholischem Milieu stammt und als ehemaliger Benediktinermönch - nun aber schon lange auch aus der Kirche ausgetreten - meine ich beurteilen zu können, dass der Druck zur Änderung noch lange nicht ausreicht! Die Konservativen werden versuchen, die Reformen mit allen Mitteln zu blockieren und die Reformkräfte am langen Arm durch Vertröstungen verhungern zu lassen ... Ich lasse mich gern positiv überraschen, aber ich glaub nicht dran!
  • Antworten » | Direktlink »
#2 RyluriAnonym
  • 26.01.2020, 14:06h
  • Im Prinzip hat er ja Recht, ich verstehe halt nicht wozu man Religion braucht um an etwas zu glauben. Damit schränkt man sich doch nur selbst ein.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 BockbeinAnonym
  • 26.01.2020, 14:52h
  • Auch ein Beichtstuhl ist ja sozusagen beidseitig bespielbar. Und so wollen wir halt hoffen, dass die Beichtväter sich in Zukunft nicht mehr so sehr ihrer sexuell übertragenen Sünden fürchten müssen.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 BePrideAnonym
  • 26.01.2020, 15:10h
  • Die katholische Kirche hat sich an Gesetze hier und die Menschenrechte zu halten. Religiösität hat sich dem GG nach der Sexualität unter zu ordnen. Egal, dass sogar Kirchenrechtler*Innen der RKK selbst eine Unabhängigkeit der Kirche hier von Rom sehen.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 FinnAnonym
  • 26.01.2020, 15:17h
  • Selbst wenn die Kirche sich öffnen würde, wäre das nur eine reine Marketing-Entscheidung.

    1. Das würde nicht das entschuldigen, was sie bisher angerichtet haben.

    2. Das entschuldigt auch nicht deren anhaltende Taten in anderen Bereichen.

    3. Das wäre nur ernsthaft und glaubwürdig, wenn es alle Diskriminierung komplett abbauen würde (also inkl. Öffnung der kirchlichen Ehe) statt nur ein bisschen Gleichstellung (z.B. nur Segnungen statt Ehen).

    4. Und solange das nicht international passiert, können sie es auch bleiben lassen. Wenn in den Regionen, wo die Hetze der Kirche immer noch gut ankommt (Teile Afrikas, Teile Asiens, etc.) nicht exakt dasselbe passiert, ist jedem klar, dass es nicht um eine wirklich und aufrichtig geänderte Haltung geht, sondern nur darum, in den Regionen, wo die Hetze die "Schäflein" vertreibt, den finanziellen Schaden zu begrenzen...
  • Antworten » | Direktlink »
#6 Julian SAnonym
  • 26.01.2020, 15:49h
  • Sollen wir jetzt dankbar sein oder uns gar freuen?

    NEIN.

    Wow, im Jahr 2020 denken die darüber nach, ob man irgendwann akzeptieren sollte, was eigentlich für jeden Menschen selbstverständlich sein sollte: dass Liebe keine Sünde ist.

    Aber gleichzeitig hetzen sie in anderen Staaten weiter. Gleichzeitig wollen sie weiter diskriminieren, statt voll gleichzustellen. Gleichzeitig mischen sie sich laufend in Politik ein. Gleichzeitig blockieren sie mit aller Macht die vollständige Aufklärung all der unzähligen Missbrauchsfälle, des Betrugs, der krummen Immobilien-Deals, etc. damit bloß nicht die ganze Wahrheit ans Licht kommt. Stattdessen geben sie nur immer so viel zu, wie sich eh nicht mehr vertuschen lässt.

    Egal, was die tun, es macht nicht deren Verbrechen der letzten Jahre, Jahrzehnte und Jahrhunderte ungeschehen und entfernt nicht den Hass aus der Welt, den sie in die Welt gebracht haben.

    Das alles passiert nur unter dem Druck, Macht, Reichtum und Prunk nicht zu gefährden. Und es passiert auch nur dort, wo die Hetze Macht und Einnahmen schadet. Und auch nur gerade so viel wie nötig ist, während man noch so viel Diskriminierung und Hetze erhalten will.

    Nein danke. Die können sich ihre okkulten Rituale gerne behalten. Dem System Religion mit seinem totalitären Allmachtsanspruch liegt inhärent Unterdrückung und Bevormundung sowie der Hass auf Ungläubige inne. Anders kann das System Religion gar nicht funktionieren, wenn die für sich in Anspruch nehmen, die letzten, endgültigen Wahrheiten zu haben.

    "Religion ist das Asyl der Dummen."
    (Spinoza)

    "Die beiden größten Gefahren für den Weltfrieden und den Fortbestand der Menschheit sind Waffenindustrie und Religion."
    (Albert Einstein)
  • Antworten » | Direktlink »
#7 Freiheit und LiebeAnonym
  • 26.01.2020, 16:25h
  • Antwort auf #6 von Julian S
  • Volle Zustimmung. Das ist so durchschaubar...

    Die haben (gerade auch angesichts ihrer diversen Skandale und Verbrechen) panische Angst, dass ihnen ihr Einkommen und ihre Macht wegbrechen und dann auch das süße Luxusleben vorbei ist.

    Und wenn es darum geht, haben die sich schon immer sehr flexibel gezeigt - zumindest nach außen. Intern arbeitet man dann weiter verbissen daran, doch wieder die alten Zustände herstellen zu können.

    Wenn Menschen religiös sein wollen - bittesehr.
    Aber wieso braucht man dazu so eine Organisation, wo es früher oder später automatisch nicht mehr um Glauben geht, sondern nur noch um Hierarchie, Macht, Geld.

    Liebe statt Hass.
    Freiheit statt Bevormundung und Unterdrückung.
    Wissen und Bildung statt Glauben, Aberglaube, Okkultismus, Dogmen und Indoktrination.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 AlexAnonym
#9 Homonklin_NZAnonym
  • 26.01.2020, 23:58h
  • Als Glaubensbefreiter fragt man sich ja, warum das so Vielen anscheinend bedeutend ist, was diese Knilche alles zu ihrer kruden Weltvorstellung dazu fügen oder weg rechnen.

    Man kann die doch eigentlich nur aus der eigenen Welt ausschließen, und an dem messen, was über Jahrhunderte, wenn nicht schon noch länger, deren Credo ist.
    Und das ist alles andere als "Nächstenliebe" oder was die modernen Eklektizisten sich mit ihrem Teddy-Jesus da zusammen reimen

    Sünde war doch Liebe noch nie, denn die war lange, lange vor Menschen und Kirchen schon da, und schillert in allen Farben. Dafür bedarf es keiner Schwarzweiß-Begrenzung durch einen Verein für Gardinenkleidchenträger.

    Lasst sie sich doch selbst ins Oblivion leben, und zu Vergangenheit werden. So eine, die man irgendwann barbarisch nennen mag. Rückständig und weltfremd, aus sich hervor verlogen und als Glaubenskonzern mit einem kostspieligen "Gott" ein Haufen von Abzockern, das sind sie am wahrhaftigen Bilde. Bei ihrem Blick in Spiegelflächen grinst sie ihr stets anderswo gewähnter "Teufel" an, aus vielen Gesichtern.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 Ralph
  • 27.01.2020, 15:26h
  • Es ist doch ganz einfach: Die kath.Lehre lautet, dass Sex außerhalb der nach kath. Ritus geschlossenen und erst mit dem Tode der Frau oder des Mannes endenden Ehe eines verschiedengeschlechtlichen Paares und zu einem anderen Zweck als dem der Fortpflanzung eine Todsünde ist. Fertig. Wer glaubt, die Kirche werde das irgendwann ändern, ist ein Traumtänzer.
  • Antworten » | Direktlink »