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Heimkino

Wer gewinnt die Jockstrap-Parade?

Fünf Männer wollen Brasiliens zweiter "Mr. Leather" werden. Eine nach dem Wettbewerb benannte Doku begleitet sie bis zum großen Finale – und gibt dabei tiefe wie intime Einblicke in eine traditionsreiche, oft missverstandene Szene.


Daniel Nolascos künstlerische wie sexy Dokumentation "Mr. Leather" begleitet fünf extravagante Teilnehmer des Fetisch-Wettbewerbs in ihrem Kampf um den begehrten Titel (Bild: Pro-Fun Media)

Ein Hundebellen. Die Kamera folgt einem komplett in Leder gekleideten Mann, die Buchstaben BRMC stehen auf seiner Jacke. Wahrscheinlich irgendwas mit Motorcycle Club. Ein Schnitt, wir sehen ihn von vorne. Schnauzer, verspiegelte Sonnenbrille, Piercings in der Nase und im Ohr. Er bückt sich, die Kamera folgt ihm, und erzählt: Was da gebellt hat, war kein Hund.

Noch ein Schnitt, Blick auf einen anderen Lederkerl im Wald. Vor ihm sein Gegenstück, ein ganz in Weiß gekleideter Matrose. Nur sein Halstuch ist genauso schwarz wie das Leder. Zwei Abziehbilder dieser ikonenhaften schwulen Figuren. Nahaufnahme auf die weiße offene Hose, in der der andere herumspielt. Sie knutschen. Der Hundebesitzer spricht uns direkt an. Er sei der Gastgeber, und er heißt uns willkommen auf Fantasy Island.

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Es geht den Teilnehmern um die Community – und den Sieg


Pro-Fun hat "Mr. Leather" mit deutschen Untertiteln auf DVD, als Stream und zum Download veröffentlicht

Das ist der ziemlich schräge und so gar nicht dokumentarische Anfang von "Mr. Leather". Weiter geht es in einer leeren Küche mit einer Nacherzählung der Geschichte der brasilianischen Lederszene und deren Suche nach einem würdigen Vertreter, dem Mr. Leather. Die Geschichte ist ziemlich verworren und wird noch dazu allzu zurückgenommen-langsam berichtet, und ob der Film sie wirklich braucht, ist fraglich.

Denn danach geht's erst so richtig los: Dann wird Dom Barbudo eingeführt, Brasiliens erster Mr. Leather. Eine Ikone der Szene, zu der alle aufschauen, laut seiner Homepage "über 40 Jahre alt". Sein Nachfolger wird gesucht, und darauf liegt eigentlich der Fokus von Daniel Nolascos Dokumentarfilm.

Fünf Teilnehmer haben es in die engere Auswahl geschafft, und sie tragen Namen wie DOM PC, Maoriguy oder Deh Leather. Regisseur und Drehbuchautor Daniel Nolasco folgt ihnen, er interviewt sie, wenn auch manchmal zu erschöpfend. Er lässt Jurymitglieder und Besucher*innen des Finales zu Wort kommen und spricht auch Themen wie Inklusion oder queere Sichtbarkeit an. Allen Teilnehmern, das wird deutlich, geht es nicht um sich, sondern vor allem um die Community. Und den Fetisch. Und den Gewinn der Jockstrap-Parade.

Dom Barbudo, Madonna und eine BDSM-Session

Die Finalisten zeigen stolz ihren Kleiderschrank, berichten von den Emotionen, die sie mit einem Paar Stiefel oder einer Weste verbinden, die sie irgendwo von einer Reise mitgebracht haben. Sie erzählen von Inspirationen und Vorbildern genauso wie davon, dass es billiger sei, nach Argentinien zu fliegen und dort Lederkleidung einzukaufen als dies in Brasilien zu tun. Die Kamera von Larry Sullivan tastet dabei ihre Körper von oben bis unten ab, jedes Detail der Outfits und Accessoires wird sichtbar.

Immer wieder wird "Mr. Leather" ganz ruhig und erotisch. Ganz lange in nur einer Kameraeinstellung verharrend, schauen wir Dom Barbudo bei einer BDSM-Session zu. Er bereitet zunächst die Couch und den Ganzkörperanzug vor, während Madonnas "Erotica" läuft, bis sein Spielgefährte dazukommen darf. Und es dann ziemlich zur Sache geht. Eine interessante, sehr voyeuristische, aber nicht plumpe Szene, die trotz allem etwas beliebig im ganzen Film wirkt.

So entmystifiziert "Mr. Leather" auf unkonventionelle und oft augenzwinkernde Weise diese Szene, die noch immer häufig missverstanden oder auf das pure Klischee reduziert wird. Die auf eine lange und reiche Geschichte zurückblickt, und die heute, so scheint es, hierzulande weniger sichtbar ist. Am Ende ist klar: Brasilien hat einen neuen Mr. Leather – und er wird das Land würdig beim International Mr. Leather vertreten.

Direktlink | Offizieller Trailer zum Film

Infos zum Film

Mr. Leather. Dokumentarfilm. Brasilien 2019. Regie: Daniel Nolasco. Mitwirkende: Dom Barbubo, Dom PC, Kake, Deh Leather, Maoriguy, Heitor Werneck, Francine Zaqui. Gesamtlaufzeit: 85 Minuten. Sprache: portugiesische Originalfassung. Untertitel: Deutsch, Englisch (optional). FSK 16. Pro-Fun Media
Galerie:
Mr. Leather
10 Bilder


#1 Michael7Anonym
  • 01.02.2020, 11:45h
  • Schade, immer der Quatsch mit den Untertiteln. ProFun hat echt super Filme und ich habe gerade mal 3 gekauft bis heute. Eine deutsche Synchro gehört einfach dazu. Andere können ja gerne auf O-Ton schalten. Man sollte sich als Herausgeber solcher Videos zumindest an den hier vorherrschenden Standard halten.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 RuferInDerWuesteEhemaliges Profil
  • 01.02.2020, 12:23h
  • Antwort auf #1 von Michael7
  • Dir ist klar, dass eine Synchronisation die Produktionskosten deutlich verteuert?

    Wir leben in Deutschland im Prinzip in einer totalen Luxus-Situation. Nämlich, dass für den Massenmarkt, aber eben auch nur für den, alles synchronisiert wird. Das rentiert sich aber auch nur, da ca. 100 Millionen Menschen deutsch sprechen. In anderen Ländern, z.B. Finnland, wird so gut wie ALLES im Original gesendet - und dann eben mit Untertiteln.

    Also ist das mit den Untertiteln nicht unbedingt "Quatsch" - sondern zum einen eine Frage der Ökonomie, zum anderen aber einfach auch eine Frage der Gewöhnung.
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#3 retKonAnonym
  • 01.02.2020, 13:16h
  • Antwort auf #2 von RuferInDerWueste
  • So lang man die Untertitel abschalten kann (manchmal sind sie es ja nicht) oder nicht nur deutsche Untertitel geboten werden, ist das ok, ansonsten ist es zu Internetzeiten eh besser sich die Originale zu bestellen, wenn man der Sprache mächtig ist. Für alle anderen stimmt das Argument mit der Luxussituation.
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