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Vlog "Anders Amen"

"Queer und Kirche ist überhaupt kein Problem"

Die evangelische Kirche hat einen neuen Youtube-Kanal mit einem lesbischen Pastorinnen-Paar auf dem Land. Das Ziel: ungewöhnliche Einblicke in den Alltag bieten. Die Kirche erhofft sich noch mehr.


Ellen und Steffi Radtke sind "Anders Amen" (Bild: ekn)
  • Von Thomas Strünkelnberg, dpa
    1. Februar 2020, 07:53h, 14 Kommentare

Der Gottesdienst war gar nicht "so scheiße", außerdem gab es Portwein zum Abendmahl: Ein lesbisches Pastorinnen-Ehepaar aus Eime bei Hildesheim zeigt sein Leben in und mit der evangelischen Kirche im Internet – und zwar auf dem Youtube-Kanal "Anders Amen". Nach 15 Stunden im Netz hatte der erste Beitrag des Video-Tagebuchs der beiden Pastorinnen Ellen (35) und Stefanie Radtke (34) fast 2.000 Aufrufe – nach fünf Tagen waren es schon weit mehr als 6.000, heute sind es schon über 12.000. Der Kanal selbst hat bereits über 1.800 Abonnent*innen. Eigentlich gab es aber nur ein Ziel: "Ich wollte mich nicht blamieren", sagt Stefanie Radtke.

In Nutzerkommentaren werden die Youtube-Pastorinnen fast nur gefeiert: "Das Beste, was Kirche online zu bieten hat." Ein Nutzer schreibt allerdings: "Sehr, sehr seltsame Menschen in Eime…" Auch Hass-Kommentare sind den Frauen nicht fremd, aber: "Uns trifft das überhaupt nicht mehr. Wir sind, wie wir sind", sagt Ellen Radtke.

Hass-Botschaften beantworte ohnehin das ganze Dorf, meint Stefanie Radtke. Ohnehin ist ihre Botschaft: "Ich lebe seit drei Jahren mit Ehefrau auf dem Dorf – und es ist gar kein Problem." Die 34-Jährige ist Pastorin in Eime, ihre Ehefrau arbeitet in Hannover.

"Ich möchte keine Kirche, die sich nichts traut."

Das lesbische Paar gibt einen Einblick in sein Leben auf dem Dorf, jeden Mittwoch um 19 Uhr soll ein neuer Beitrag auf Youtube veröffentlicht werden. Zielgruppe nach Angaben des Evangelischen Kirchenfunks Niedersachsen-Bremen, der das Format produziert: vor allem junge, queere Menschen. Wichtig für die 34-Jährige: "Ich möchte keine Kirche, die sich nichts traut."

Nicht nur in ihren Online-Beiträgen, auch privat spielen sich die beiden Frauen gekonnt die Bälle zu, fallen sich auch mal ins Wort, haben aber auch etwas zu sagen. "Wir wollen eine Online-Gemeinde für alle sein, denn die evangelische Kirche braucht definitiv mehr Glitzer in ihren Türmen", sagt Stefanie Radtke.

Zum Auftakt beschreiben die beiden Pastorinnen im Video-Tagebuch einen Sonntag, an dem beide frei haben – einen "Spießersonntag" mit Gottesdienstbesuch, Spaziergang und Café. Dabei will die 35-Jährige lieber "zuhause gammeln", hat wenig Lust auf harte Kirchenbänke. Doch schließlich resümiert Stefanie Radtke mit Blick auf den Gottesdienstbesuch bei einem Kollegen: "So scheiße war er gar nicht." Nicht zuletzt wegen des Portweins zum Abendmahl, wie es in der Region üblich sei: "Der ist süß und hat richtig Wumms!"

Direktlink | In Vlog #1 sprechen die Pastorinnen den Spießersonntag an

Ein Plädoyer fürs Landleben

Warum die beiden Pastorinnen per Youtube online gehen? "Wir machen das, weil ich immer behaupte, queer und Kirche ist überhaupt kein Problem", erklärt Ellen Radtke in dem Video-Tagebuch. Ihre Frau macht klar, dass es durchaus kritische Stimmen und Probleme gebe – wenn etwa ein Pastor das Kind eines lesbischen Paares nicht taufen wolle. Es ist aber auch ein Plädoyer fürs Landleben. "Wir sind ein Beispiel dafür, dass es geht", sagt Stefanie Radtke. Eime hat nur wenige Tausend Einwohner.

Geplant sind weitere Tagebuch-Beiträge und Studio-Talks, bei denen die beiden buchstäblich über Gott und die Welt sprechen wollen – aber auch über ernste Themen wie den Kinderwunsch des Paares, der Gegenstand des jüngsten Vlogs war.

Direktlink | In Vlog #2 geht es um Kinderwunsch

Für die Evangelische Landeskirche Hannovers zeigt das Projekt, das sich an junge Menschen zwischen 18 und 35 Jahren richte, wie der "Pastorinnenberuf heute aussieht", wie Sprecher Benjamin Simon-Hinkelmann erklärt. Gerade in der Altersgruppe verliere die Kirche durch Austritte viele Menschen. Es werde ein tiefergehender Einblick in den Beruf ermöglicht – ein vielfältiger Beruf, der nicht mehr dem klassischen Bild des Pastors entspreche. Und: Die beiden seien "großartig authentisch, so sind sie halt".

Dabei ist es nicht das Ziel der Pastorinnen, die Kirche zu verändern, wie Stefanie Radtke sagt. Doch die Kirche solle sich mit Themen beschäftigen, die "dran sind". Eine Wunsch-Gesprächspartnerin: die frühere Landesbischöfin Margot Käßmann.



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#1 Tobi CologneAnonym
  • 01.02.2020, 20:35h
  • Das ist eine reine Marketing-Aktion, die angesichts wegbrechender Mitgliederzahlen und damit dramatischem Einkommensrückgang absolut durchschaubar ist.

    Jahrhundertelang waren wir denen egal oder wurden gar verfolgt, aber jetzt, wo das eigene Einkommen und das bequeme Leben gefährdet ist, fressen die plötzlich Kreide.

    Aber solange wir nicht in allen Gemeinden zu 100% gleichgestellt sind, ist das absolut unglaubwürdig.
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#2 micha213Anonym
#3 Ralph
#4 qwertzuiopüAnonym
  • 02.02.2020, 11:45h
  • Antwort auf #1 von Tobi Cologne
  • Also was genau stellst du dir hier vor?
    Dass die beiden gar nicht lesbisch sind, sondern nur so tun? Dass sie lesbisch sind, aber keine Parrerinnen? Dass sie von ihrem Arbeitgeber angehalten wurden, solche Videos über ihre Freizeit zu drehen? Alles relativ unwahrscheinlich.

    Ich kenne genug christliche LGBT-Personen, um das nicht als Marketingkampagne einzustufen - auch wenn die beiden durch die Videos natürlich Botschafter für ihre Kirche sind.

    Aber da drückt sich für mich eher ein erfreulicher Wandel aus als die List irgendeiner*s Werbeberaterin*s.
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#5 TheDadProfil
  • 02.02.2020, 12:46hHannover
  • Antwort auf #4 von qwertzuiopü
  • ""Also was genau stellst du dir hier vor?
    Dass die beiden gar nicht lesbisch sind, sondern nur so tun?""..

    So weit muß man gar nicht gehen, selbst wenn es vorstellbar ist..

    Die lassen sich als Zugpferde vor eine Kampagne spannen um den Menschen zu suggerieren es wäre in dieser "Glaubensgemeinschaft" doch alles in Ordnung, und das im vollem Wissen darum, das auch in der EKD eben NICHT überall, und schon gar nicht ALLES in Ordnung ist !

    Es gibt keine BUNDESweite Anerkenntnis von Schwulen und Lesbischen Ehen, und dort wo es sie gibt, sind sie abhängig vom Gusto des jeweiligen Pfaffen* und/oder der "Gemeinderäte", die sich sogar über die Entscheidung eines Pfaffen* der für die Trauung ist, hinwegsetzen können..

    Und wer genau hinsieht wird diejenigen "Evangelikalen Kirchen" die immer noch die "Homo-Heilung" propagieren als Mitglieder exakt dieser EKD entdecken, denn diese ganze Mischpoche ist dort bestens vernetzt bis in die Führungsspitze der EKD hinein..

    ""Ich kenne genug christliche LGBT-Personen, um das nicht als Marketingkampagne einzustufen""..

    Äh ?
    Das ist als Argument ungefähr so tauglich wie der Satz
    "ich kenne genügend unbeschädigte autos um die existenz von unfällen infrage zu stellen"..

    Mal so nebenbei..
    Das wird von denen sogar selbst als "Marketing" anerkannt..
    Die wissen was sie tun..
    Gegen Marketing ist dann auch gar nichts einzuwenden..

    Aber gegen Pink-Washing !
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#6 qwertzuiopüAnonym
  • 02.02.2020, 14:03h
  • Antwort auf #5 von TheDad
  • "Die lassen sich als Zugpferde vor eine Kampagne spannen um den Menschen zu suggerieren es wäre in dieser "Glaubensgemeinschaft" doch alles in Ordnung, und das im vollem Wissen darum, das auch in der EKD eben NICHT überall, und schon gar nicht ALLES in Ordnung ist !"

    Woraus schließt du das? Im Gegenteil, in dem Video wird von ihnen die Heteronormativität innerhalb der Kirche doch selbst problematisiert.
    Nur haben sie offensichtlich nicht die Einstellung, dass "überall alles in Ordnung" sein muss, um selbst Pfarrerin in der Kirche sein zu können. Und da im Gegensatz zur katholischen Kirche bei den Protestanten im Grunde jeder sein eigenes Ding machen kann, kann ich das auch nachvollziehen.

    Das ist als Argument ungefähr so tauglich wie der Satz
    "ich kenne genügend unbeschädigte autos um die existenz von unfällen infrage zu stellen"
    In meinem Argument geht es um die Begründung einer hinreichenden Wahrscheinlichkeit in einem speziellen Fall, in deinem Beispiel geht es um die Formulierung einer allgemeinen Regel. Das ist ein großer Unterschied.

    Und mag sein, dass sie es selbst als Marketing anerkennen, aber ich finde trotzdem, dass es einen Unterschied macht, ob ich eine Dokumentation meines tatsächlichen Lebens zeige, oder ob ich mir ausdenke, wie ich mein Ziel am besten erreiche und dann dementsprechende Werbung kreiere. - Das meinte ich damit, dass ich sie in einer Botschafterrolle sehe.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 BePrideAnonym
  • 02.02.2020, 14:12h
  • Antwort auf #4 von qwertzuiopü
  • Hier drückt sich, ob innerhalb oder ausserhalb des Glaubens, ein Wertewandel hin zu den Menschenrechten aus, während ein Kollektiv über obige Grenze hinweg in einem reaktionären Menschenbild stecken bleibt oder dieses sogar ausbaut.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 TheDadProfil
  • 02.02.2020, 21:11hHannover
  • Antwort auf #6 von qwertzuiopü
  • ""Woraus schließt du das?""..

    Schau Dir die Videos an..
    Die strotzen von der Aussage
    "aber wir sind doch ganz anders"..

    ""In meinem Argument geht es um die Begründung einer hinreichenden Wahrscheinlichkeit in einem speziellen Fall, in deinem Beispiel geht es um die Formulierung einer allgemeinen Regel. Das ist ein großer Unterschied.""..

    Ich sehe dort keine Unterschied..

    Menschen als "Gegenbeispiel" zu bringen, die dann noch "beweisen" sollen, es gäbe so etwas wie "Toleranz" in einer "Religionsgemeinschaft" taugt dann genau wozu ?

    Es geht nicht um die Mitglieder..

    Es geht um die Institution..

    Und exakt dort sind dann diese Menschen die Du kennst das Problem, denn denen muß man die Frage stellen :
    Was wollt ihr denn dort ?

    ""ob ich eine Dokumentation meines tatsächlichen Lebens zeige""..

    Äh ?
    Marketing..
    Werbung..
    MISSION !

    Verstehen denn hier alle immer nur Bahnhof wenn sich diese "Kirchen" irgendwo öffentlich äußern ?

    Im Artikel steht doch klar und deutlich :
    ""Die evangelische Kirche hat einen neuen Youtube-Kanal mit einem lesbischen Pastorinnen-Paar auf dem Land.""..

    ""Zielgruppe nach Angaben des Evangelischen Kirchenfunks Niedersachsen-Bremen, der das Format produziert:""..

    Da zeigen nicht zwei zufällig auch noch Pastorin seiende Lesbische Frauen etwas aus ihrem Leben..

    Das ist exakt das, was man als "skriptet Reality" auch aus anderen Medien kennt..

    MISSION !
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#9 Ralph
  • 02.02.2020, 21:14h
  • Wenn den beiden ihre Aktion gut tut und wenn sie damit anderen Menschen eine greifbare Anerkennung und Hilfe bieten, ist das ja in Ordnung und sollte von niemandem niedergemacht werden. Es ist Kennzeichen der meisten evangelischen Landeskirchen, dass sie sich mehr oder weniger liberalisieren und menschenfeindliche Zöpfe abschneiden können. Was mich selbst angeht, ist es ganz einfach zu spät. 2002 hatten sich bereits einige Punkte angesammelt, die mich zum Kirchenaustritt drängten. Dann kam anlässlich der Verpartnerung hinzu, dass meinem Mann eine kirchliche Anerkennung in Form einer "gottesdienstlichen Begleitung" -so hieß das damals- wichtig gewesen wäre. Diese Zeremonie stand unter dem doppelten Zustimmungsvorbehalt der Pfarrerin und des Presbyteriums - und wurde als "Zirkus" (man bedenke: eine von der Synode beschlossene gottesdienstliche Handlung sei Zirkus) abgelehnt. Das war der dem Fass noch fehlende Tropfen, der zu meinem Austritt führte und eine rasante Entwicklung einleitete. Außerhalb der Kirche verhinderte nichts mehr meine Wandlung vom lasch gläubigen Christen zum Atheisten. Innerhalb der Kirche hätte ich die dazu notwendige innere Kraft sicher nicht gefunden. Erst mal empfand ich stark, dass etwas scheinbar Wichtiges fehlte. Aber nach etwas mehr als einem Jahr begriff ich, dass die Abwesenheit von Religion der natürliche, der Normalzustand des Menschen ist und die Suche nach der "letzten Ursache", dem "Sinn des Lebens" und was es so alles an Begründungen für die Religion gibt, Unsinn ist. Und meine moralischen/ethischen Orientierungspunkte hab ich heute noch genauso wie früher. Dafür braucht es eine Religion also auch nicht. Bleibt also nur der ganze Mysterienzauber wie Wundertaten, Dreifaltigkeit, Gottessohnschaft, Himmelfahrt... daran hab ich eh nie geglaubt.
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#10 TheDadProfil
  • 03.02.2020, 10:33hHannover
  • Antwort auf #9 von Ralph
  • Danke für die geteilten Erfahrungen..

    Ich kann da ähnliches berichten, was meinen "zweiten Austritt" aus der EKD betrifft, den Austritt aus der RKK hatte ich ja schon als 10-Jähriger betrieben, kann man hier ja auch mehrfach nachlesen..
    Der Bruch mit der EKD kam über die Beerdigung eines Freundes zustande der Suizid begangen hat, als Schwuler Katholik mit einem tyrannischem Vater offenbar sein einziger Ausweg..
    Da sich die "Katholische Heimatgemeinde" weigerte die Beerdigungs-Zeremonie durchzuführen wich man auf die Friedhofskapelle aus, und auf einen vermeintlich liberaleren Pastor der dort benachbarten "evangelischen Gemeinde"..
    Dieser Pastor brachte es fertig noch mehr Unfug zusammenzufaseln, und es fehlte nicht viel daran, die Leiche des Selbstmörders über die Friedhofsmauer zu werfen, um dort in "ungeweihter erde zu verrotten"..

    Am nächstem Montag war dann auch dort Schluß..

    Menschen denen es einfach am Respekt für das Gegenüber fehlt sind nicht meine "Brüder&Schwestern im Geiste"..
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