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Kassel

Volksverhetzung: Wird Ulrich Kutschera jetzt verurteilt?

Der Uni-Professor aus Kassel hatte die Ehe für alle u.a. als "Horror-Kinderschänder-Szenario" bezeichnet. Vor dem dortigen Amtsgericht wird der im vergangenen Jahr ausgesetzte Prozess nun fortgesetzt.


Der Biologe Ulrich Kutschera, hier als Experte zu Charles Darwin in einer ARD-Sendung, macht seit Jahren mit LGBTI-feindlichen Aussagen von sich reden

Der wegen LGBTI-feindlichen Aussagen umstrittene Kasseler Evolutionsbiologe Ulrich Kutschera muss sich erneut vor dem dortigen Amtsgericht verantworten. Wie die "Hessische/Niedersächsische Allgemeine" (HNA) berichtete, wird der im vergangenen Jahr ausgesetzte Prozess gegen den Professor, der am Sonntag 65 Jahre alt wird, nun wieder aufgenommen. Einen genauen Termin nannte die Zeitung nicht.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem AfD-nahen Professor u.a. Volksverhetzung in Tateinheit mit Beleidigung und Verleumdung vor (queer.de berichtete). Grund ist ein Interview, das er dem Portal kath.net im Juli 2017 anlässlich der gerade im Bundestag beschlossenen Ehe-Öffnung gegeben hatte. Darin betonte er unter anderem: "Sollte das Adoptionsrecht für Mann-Mann- bzw. Frau-Frau-Erotikvereinigungen kommen, sehe ich staatlich geförderte Pädophilie und schwersten Kindesmissbrauch auf uns zukommen" (queer.de berichtete).


Dieses kath.net-Interview ist Anlass für die Anklage gegen Ulrich Kutschera


Laut Kutschera gebe es bei "heteronormalen Elternpaaren mit Kindern" ein "genetisch verankertes Inzucht-Verbot". Bei schwulen Männern fehle dies: "Warum sollte ein 40-jähriger Homo-Mann nicht z. B. den 15-jährigen Adoptivling begehren, da zu diesem Kind überhaupt keine direkte erbliche Verwandtschaft besteht?" Daher bahne sich ein "Horror-Kinderschänder-Szenario" an – übrigens auch bei homosexuellen Frauen: "Da lesbische Frauen in verstärktem Maße zur Pädophilie neigen, ergeben sich dort analoge Probleme."

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Der Prozess war 2019 aus formalen Gründen geplatzt

Im vergangenen Jahr war der Prozess gegen Kutschera nach der ersten sechsstündigen Verhandlung geplatzt. Grund war, dass Richter und Staatsanwalt keinen Fortsetzungstermin innerhalb des gesetzlich vorgeschriebenen Zeitraums von drei Wochen gefunden hatten (queer.de berichtete). Nun müssen elf Zeugen und ein Sachverständiger erneut vor Gericht befragt werden.

Kutschera stellte in der Verhandlung 14 Beweisanträge und wollte seine LGBTI-feindlichen Aussagen durch Anhörung von Wissenschaftlern und einem Kinderarzt "belegen". In einem Interview auf der Website der "Initiative Familienschutz" behauptete der Professor im vergangenen Jahr, er sei wegen seiner wissenschaftlicher Arbeit angeklagt worden, und bezeichnete das Kasseler Gerichtsverfahren "als eine Art 'Bücherverbrennung 2019'" (queer.de berichtete). Auch könne er gar nicht homophob sein, da er Musik des "geborenen Homoerotikers" Peter Tschaikowsky schätze. "Der Vorwurf, ein 'homophober Professor' zu sein, ist in Anbetracht meiner Verehrung von Peter Tschaikowsky nicht haltbar."

Bis zu seiner Entpflichtung aus Altersgründen im kommenden Jahr wird Ulrich Kutschera weiterhin an der Universität Kassel lehren. Bereits zum Sommersemester 2018 stellte die Hochschule allerdings laut HNA einen weiteren Dozenten für Evolutionsbiologie ein, damit Studierende, die das Wahlpflichtmodul zum Thema belegen, eine Alternative zum LGBTI-feindlichen Professor haben. (cw)



#1 Alexander_FAnonym
  • 01.02.2020, 11:12h
  • Man kann es nur wiederholen: es ist schon ein Schauspiel von besonderer Lächerlichkeit, wenn ein Mann, der eigentlich offiziell Wissenschaftler ist, mit derartig haltlosen Argumenten hantiert, die nicht einmal einer Proseminararbeit würdig wären.

    Schon diese Stilblüte beweist das:

    "Der Vorwurf, ein 'homophober Professor' zu sein, ist in Anbetracht meiner Verehrung von Peter Tschaikowsky nicht haltbar."

    Das "Ich-bin-Fan-von-(berühmter Schwuler)"-Argument, die Light-Version des "Schwule-Freunde"-Arguments, das ohnehin schon so dünn ist, dass man durchblasen kann und das bekanntermaßen auch von russischen Ministern benutzt wird.

    Hat er uns nicht für den Prozess eine wissenschaftliche Arbeit versprochen, mit dem er seine Thesen belegen wollte?? Wir können uns wohl angesichts dieser intellektuellen Rohrkrepierer schon im Vorfeld darauf gespannt machen, vor Lachen aus den Socken zu kippen.
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#2 Ralph
  • 01.02.2020, 11:16h
  • Eine Hochschule, die einen solchen Mann als Professor beschäftigt, muss sich fragen lassen, weshalb sie nicht auch einen Studiengang "Rassenhygiene" anbietet. In der Nazi-Zeit waren die Universitäten Brutstätten faschistischer Ideologie. Mir scheint geboten, ein Ranking der deutschen Hochschulen zu erstellen, aus dem hervorgeht, an welchen von ihnen Rechtsextremisten "lehren". - Ganz klar, was jetzt kommt, ist als Vergleich unangemessen - aber es gab da mal einen Mann, der Wagners Musik liebte; und Kutschera liebt halt die von Tschaikowsky. Die Liebe zur Musik schützt nicht vor Hass auf Menschen.
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#3 BePrideAnonym
  • 01.02.2020, 13:14h
  • Hoffentlich und wahrscheinlich kann das Gericht das Abschiedsgeschenk der Staatsanwaltschaft nach eingehender Prüfung, vielleicht auch mit einer Zugabe, an Kutschera weiterreichen. Die Uni sollte sich ebenfalls für ein angemessenes Abschiedsgeschenk in Verantwortung sehen.
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#4 lindener1966Profil
  • 01.02.2020, 20:40hHannover
  • "Laut Kutschera gebe es bei "heteronormalen Elternpaaren mit Kindern" ein "genetisch verankertes Inzucht-Verbot". Bei schwulen Männern fehle dies: "Warum sollte ein 40-jähriger Homo-Mann nicht z. B. den 15-jährigen Adoptivling begehren, da zu diesem Kind überhaupt keine direkte erbliche Verwandtschaft besteht?""

    Und wie sieht das seiner Meinung nach mit heterosexuellen Adoptiveltern aus? Die sind doch auch nicht biologisch verwandt mit dem Kind. Hat man da Missbrauch in einem signifikant höheren Maße beobachtet als bei leiblichen Eltern? Als sogenannter Wissenschaftler sollte man da schon genau sein.......
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#5 Homonklin_NZAnonym
  • 01.02.2020, 22:11h
  • Antwort auf #4 von lindener1966
  • Nun ja, das mit dem "genetisch verankerten Inzuchtsverbot (eigentlich wäre das Inzuchtshemmung) ist ziemlicher Quatsch mit Sauce, sowas hat man früher mal angenommen.

    Aber warum ein schwuler Vater oder ein 40-jähriger Mann das beim 15-jährigen Adoptivsohn nicht macht, kann ganz einfach daran liegen, dass Schwule nicht automatisch pädophil oder ephebophil ticken müssen, oder so viel normalmenschliche Persönlichkeit vorhanden ist, dass sie weder wie Würmer, noch wie Sonnenblumen irgendwelchen mysteriösen Instinktgewalten unterworfen handeln. Das müsste dieser unulkige Vogel dann eigentlich auch mal langsam verstanden haben, oder man darf ihm echt mal empfehlen, sich wegen Senilität oder Altersstarrsinn untersuchen zu lassen.

    Komischerweise verhindert diese sonderbar zielrichtende Inzuchthemmung dann häufig nicht Inzucht unter Heterosexuellen mit pädophilen Tendenzen, nicht Gewalt gegenüber den leiblichen Kindern und scheint sich bei Pflegeeltern nicht außer Kraft zu setzen. Alles schon merkwürdig.
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#6 Homonklin_NZAnonym
  • 01.02.2020, 22:30h
  • ""Da lesbische Frauen in verstärktem Maße zur Pädophilie neigen, ergeben sich dort analoge Probleme.""

    Auch da sehe ich die Probleme eher darin, dass schon von den Nazis zu früheren Zeiten verbreitete, von der AfD und ähnlichen "Quellen" wieder neu aufgewärmte Unsinnspropaganda von seinem Zahnstein bröselt.

    Eigentlich eher traurig, dass einer in solcher Verbohrtheit gefangen ist.
    Je nachdem, welche Dodeln man für die "Belegstudien" engagiert, könnte man auch "belegen" lassen, dass Glyphosat die Intelligenz verstärkt und Biolumineszenz richtig doll injiziert den Arsch leuchten lässt...
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#7 TheDadProfil
  • 01.02.2020, 23:04hHannover
  • ""Bereits zum Sommersemester 2018 stellte die Hochschule allerdings laut HNA einen weiteren Dozenten für Evolutionsbiologie ein, damit Studierende, die das Wahlpflichtmodul zum Thema belegen, eine Alternative zum LGBTI-feindlichen Professor haben. (cw)""..

    Da müßte man direkt mal nachschauen wer da trotzdem noch hingeht..
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#8 Ralph
  • 02.02.2020, 10:29h
  • Antwort auf #7 von TheDad
  • Die Uni-Leitung ist offenkundig zu der Einsicht gelangt, dass der Mann als Hochschullehrer untragbar ist und den Studierenden nicht zugenutet werden kann, Vorlesungen und Seminare eines Rechtsextremisten zu belegen. Ich kenne mich im universitären Disziplinarrecht nicht aus, aber es sollte doch die Möglichkeit geben, einen erstens wissenschaftlich ungeeigneten, zweitens charakterlich ungeeigneten und drittens politisch untragbaren Professor aus dem Dienst zu entfernen. Auch verstehe ich nicht, dass man einen zweiten Professor angestellt hat (was die Kosten wohl etwa verdoppelt) und diesen nur als Alternative anbietet, statt allen Studierenden (von denen sicher nicht jeder Neuling bereits Kenntnis von Kutscheras politischem Hintergrund und wissenschaftlicher Fragwürdigkeit hat) aufzuklären und eine Empfehlung auszusprechen, den anderen Professorr zu wählen. Das ist m.E. schon deshalb geboten, weil die Uni verpflichtet ist, den Studierenden die bestmögliche wissenschaftliche Bildung zu gewährleisten, die bei einem Mann, der menschenfeindliche Märchen wiederkäut, wissenschaftliche Erkenntnisse ignoriert und die Nähe zu rechtsradikalen Kreisen sucht, nicht gegeben ist.
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#9 TheDadProfil
  • 02.02.2020, 13:00hHannover
  • Antwort auf #8 von Ralph
  • ""Ich kenne mich im universitären Disziplinarrecht nicht aus,""..

    Es dürfte sich dabei um das übliche Landesrecht für Beamte und Angestellte des Öffentlichen Dienstes handeln..

    Warum hier die Uni-Leitung nicht längst tätig wurde ist nicht erklärbar..

    Wenn dieser Herr Kutschera dann auch noch die Behauptung aufstellt es gäbe so etwas wie ein
    "genetisches Inzucht-Verbot", dann ist aber auch nicht erklärlich wieso sich nicht längst mal andere Professor*innen der Genetik ausführlich mit ihm beschäftigt haben, denn diese Behauptung beinhaltet die Aussage Heteros und Homos hätten "unterschiedliche Genetik"..

    Der Nachweis einer solchen unterschiedlichen Genetik ist bislang noch nicht gelungen, und das obwohl ja Forscher*innen weltweit nach einem "Schwulem-Gen" auf der Suche sind..

    Vielleicht hat der Herr Kutschera hier Erkenntnisse, die diesen Forscher*innen noch verborgen geblieben sind ?
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#10 Homonklin_NZAnonym
  • 03.02.2020, 05:20h
  • Antwort auf #9 von TheDad
  • Das mit der Genetik ist dann meist eh nicht so einfach, dass sich in direkter Linie oder nur von einem isolierten Gen irgendwas übertragen muss, sodass sich dies auch nicht so easy zurückverfolgen lässt, wie man es sich gern vorstellt.

    Der Kutschera könnte da allerdings was aus der Westermarck-Hypothese heraus gezogen haben, und mag sich das passend umgemodelt haben.

    In seinem Auftritt bei kath.net bezieht er sich unter Anderem auf eine bestimmte Regenerus-Studie, von der er behauptet, sie sei in einem Fachjournal erschienen. Da findet man dann im Weiteren raus, dass die Studie von Leuten großzügig unterstützt wurde, die LGB-Hassgruppen nahe stehen oder da Verbindungen haben. Die Studie musste schnell geliefert werden, als es um die Ehe-Gleichstellung ging, und anscheinend hat man bei den Zahlen als auch bei der Familienzusammensetzung gemogelt, um signifikante Unterschiede zu erreichen:

    www.outbermuda.com/the-truth-about-regneruss-research/

    Wenn man sich als Wissenschaftler so blamieren will...
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