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Katholische Kirche

Erzbischof Heße: Gleichgeschlechtlicher Sex ist okay

Klare Worte und vorsichtiger Optimismus beim Synodalen Weg der katholischen Kirche. Viel Applaus erhielt Hamburgs Erzbischof Stefan Heße für seine Forderung nach einer anderen Morallehre zu Homosexualität.


Hamburgs Erzbischof Stefan Heße am Samstag auf der Synodalversammlung in Frankfurt am Main (Bild: Synodaler Weg / Malzkorn)

Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße hat sich von der geltenden Lehre des Vatikan zur Homosexualität distanziert und neue Wege gefordert. In der ersten Vollversammlung des Synodalen Wegs in Frankfurt sagte er am Samstagmittag, die Formulierung des katholischen Katechismus, wonach man Lesben und Schwulen mit Respekt begegnen müsse, enthalte eine Perspektive von oben herab und entspreche nicht einer Begegnung auf Augenhöhe.

Heße kritisierte auch, dass die katholische Kirche homosexuelle Menschen auffordere, sexuell enthaltsam zu leben. Er wisse aus der Seelsorge, dass es viele Lesben und Schwule gebe, die in ihrer Partner-Beziehung Werte wie Respekt und Verantwortung lebten. Diesen Menschen müsse die Kirche gerecht werden, forderte der Bischof unter großem Applaus der Versammlung.

Twitter / DerSynodaleWeg | Klare Worte in Frankfurt

Heßes Beitrag war Teil einer intensiven Debatte über die katholische Sexualmoral, mit der die Synodalversammlung am Samstagmittag ihre inhaltliche Arbeit beendete. Zusammengekommen waren insgesamt 230 Bischöfe, Gläubige und Vertreter der Berufe in der Kirche. Die Synodalversammlung ist das oberste Organ beim Synodalen Weg. Während des insgesamt zweijährigen Prozesses werden die Mitglieder noch drei weitere Male zusammenkommen.

Letzte Chance für die katholische Kirche?

Dieser Gesprächsprozess sei so etwas wie eine letzte Chance, hatten insbesondere Reformgruppen zuvor gemahnt. "Wenn nichts passiert, dann implodiert die Kirche in den nächsten zehn Jahren", prophezeite Monika Humpert, Sprecherin der Frankfurter Gruppe von Maria 2.0. Dieser Zusammenschluss will die katholische Kirche von innen reformieren, unter andrem tritt er bundesweit für Frauen in Priesterämtern, die Abschaffung des Zölibats sowie die rückhaltlose Aufklärung der Missbrauchsvorwürfe ein.


In den kommenden beiden Jahren wird die Synodalversammlung noch drei weitere Male zusammenkommen (Bild: Synodaler Weg / Malzkorn)

Einiges war in Frankfurt immerhin schon anders als bei anderen Veranstaltungen der katholischen Kirche: Beim Einzug zum Eröffnungsgottesdienst zogen nicht etwa die Bischöfe in prunkvollem Ornat vor den Laien vorneweg, sondern gingen gemeinsam mit allen anderen von der Dompfarrei in den Dom, durch ein Spalier von Frauen mit Plakaten, die "gleiche Rechte, gleiche Würde" forderten. Und bei den Männern im schwarzen Anzug mit weißem Hemd oder Priesterkragen war optisch nicht zu unterscheiden, wer hier Bischof und wer ein ganz normaler Pfarrer war.

In der Plenarversammlung entschied das Alphabet über die Sitzordnung, nicht der jeweilige Rang. Gleich zu Beginn wurde bei einer Änderung der Geschäftsordnung die Position der auf der Synodalversammlung vertretenen Frauen gestärkt. Nicht nur, dass das Tagungspräsidium stets geschlechter-paritätisch besetzt werden muss. Bei entsprechendem Antrag gilt künftig ein Beschluss der Versammlung nur dann als angenommen, wenn eine Mehrheit der teilnehmenden Frauen ihm zugestimmt hat. Als die Frauen von Maria 2.0 am Freitagabend eine Nachtwache begannen, kamen auch mehrere Bischöfe vorbei.

"Wir sind hier im Raum und hören zu"

"Wir haben schon mal das Hören geübt", sagte der Limburger Bischof Georg Bätzing und zeigte sich überzeugt: "Wir finden zusammen." Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sagte: "Das Anliegen aller, die Kirche voranzubringen, war spürbar." Von einer "großartigen Zukunftswerkstatt unserer Kirche" sprach der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode zum Abschluss. "Wir haben eine gemeinsame Erfahrung gemacht, die man nicht auslöschen kann", sagte er und sprach vor allem das engagierte Auftreten junger Menschen an.

Twitter / DerSynodaleWeg | Auch andere Teilnehmende forderten ihre Kirche auf, Homosexualität endlich zu akzeptieren

Dabei scheuten diese keine klaren Worte über ihre Schwierigkeiten mit der Institution Kirche: "Ich fühle mich sehr unwohl als Nicht-Mann, nicht heterosexuelle, nicht binäre Person", sagte Mara Klein aus Magdeburg, sprach mit Blick auf den Missbrauchsskandal von einem "Verein von Tätern". Stehend applaudierten die meisten der Teilnehmer einem jungen transsexuellen Menschen, der über Enttäuschung und Missachtung sprach, sich als Opfer von Missbrauch durch einen Priester offenbarte: "Wir sind hier im Raum und hören zu."

"Meine Berufung ist zurzeit auf eine Probe gestellt", bekannte die Benediktinerin Philippa Rath gleich zu Beginn der Versammlung. "Ich liebe meine Kirche, aber ich leide auch an ihr. Und ich schäme mich für sie." (cw/dpa)



#1 Ralph
  • 02.02.2020, 10:50h
  • Die kath. Kirche hat sich das alte Spiel "guter Cop, böser Cop" zu eigen gemacht. Herr Heße ist ein guter Cop, vielleicht sogar aus Überzeugung, aber er weiß doch, dass daraus nichts wird. Auch das Erfordernis, dass Beschlüsse einer Mehrheit der Frauen bedürfen, ist Theater. Sie bedürfen nämlich auch einer Zwei-Drittel-Mehrheit der Bischöfe. Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare, von Schwulen und Lesben überhaupt, und Gleichstellung der Frauen geht nur um den Preis der Kirchenspaltung, d.h. der Errichtung einer neuen, vom Vatikan unabhängigen Kirche.
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#2 RuferInDerWueste
  • 02.02.2020, 11:35h
  • Na ist doch großartig!

    Warum Menschen sich allerdings überhaupt einer "Genehmigungspflicht" für eines der fundamentalen Grundbedürfnisse unterwerfen, bleibt für mich nicht nachvollziehbar.

    Mir hat niemand zu genehmigen, in wen ich mich verliebe, wen ich liebe, mit wem ich Sex habe. Und mir konnte auch niemand glaubhaft einreden, dass ich in irgendeiner wie auch immer gearteten Hölle lande, wenn ich nicht eine Kirche als "Genehmigungsbehörde" vorschalte.

    Hauptziel einer solchen Organisation ist Macht und Machterhalt. Und Macht über Menschen erhalte ich am ehesten, wenn ich ihnen in ihre Grundbedürfnisse reinquatsche. Dem kann man sich aussetzen - oder als vernünftig denkender Mensch entziehen und drauf pfeifen, ob der Herr Bischof "okay" findet, wie ich liebe, oder nicht.
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#3 panzernashorn
#4 BePrideAnonym
#5 niccinicciAnonym
  • 02.02.2020, 12:33h
  • für viele menschen ist der glauben eine wichtige richtschnur und wenn ich hier manchmal so die kommentare lese, wären christliche werte für einige hier ganz heilsam. glaube wandelt sich im laufe der zeit, insofern tut die kirche gut daran, sich zu öffnen. der prozess kann nur unterstützt werden.
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#6 TheDadProfil
  • 02.02.2020, 13:17hHannover
  • Antwort auf #4 von BePride
  • ""Vernunft kann sich auch aus dem Glauben heraus ableiten.""..

    Und löst sich allein durch die Mitgliedschaft in Luft auf..

    Ein "ich bin vernünftig, weil Mitglied" kann es nicht als Ägide geben, denn das bedeutete allen anderen Nicht-Mitgliedern die Vernunft grundsätzlich abzusprechen..

    Damit bewegst Du dich in genau dem Terminus den die RKK erwartet..

    Dein anderenorts schon geäußerter Einwand des "ich gehör ja gar nicht zu denen" macht das Ganze dann noch recht ärgerlich, denn was die am wenigsten brauchen ist Support von außen, den haben die im Innerem schon genug, und was denen fehlt sind interne Querulanten wie die Frauen von "Maria 2.0", die sich offensiv mit den Schieflagen dieser "Kirche" befassen, und LAUT und vor allem ÖFFENTLICH vertreten NICHT EINVERSTANDEN zu sein..

    Davon merkt man bei Dir in deinen Kommentaren hier recht wenig..
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#7 TheDadProfil
  • 02.02.2020, 13:21hHannover
  • Antwort auf #5 von niccinicci
  • ""für viele menschen ist der glauben eine wichtige richtschnur und wenn ich hier manchmal so die kommentare lese, wären christliche werte für einige hier ganz heilsam.""..

    Wie arrogant !
    Weil es missachtet das es auch andere Werte gibt..

    So ganz nebenbei haben dann die meisten "Christen" die "Botschaft" ihres "Glaubens" gar nicht verstanden, haben keine Ahnung davon was "Nächstenliebe" ist, oder gar Respekt vor dem Gegenüber, egal welcher Mensch vor ihnen steht, und müssen sich deshalb mal ganz bedeckt halten..
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#8 RuferInDerWueste
  • 02.02.2020, 13:34h
  • Antwort auf #5 von niccinicci
  • Welche christlichen Werte meinst Du denn?
    Die, die CDU/CSU in den letzten Jahrzehnten so menschenfreundlich für uns umgesetzt haben?

    Fun fact am Rande: gut 40% der Bevölkerung Deutschlands gehören keiner christlichen Kirche an. Soll deren Lebenswelt auch am christlichen Wesen genesen?
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#9 BePrideAnonym
#10 AlexAnonym
  • 02.02.2020, 15:16h
  • Als Bischof von Hamburg kann er auch nicht viel anders sagen, denn gerade in den Großstädten ist der Mitgliederschwund der Kirche ja immer dramatischer.

    Und wenn es an die eigenen Privilegien und die Einnahmen geht, können die alle Kreide fressen. Das ist pure Taktik. Und ohne Öffentlichkeit reden die oft ganz anders, wie man ja auch am Papst sieht.

    Solange wir nicht in der gesamten Kirche zu 100% gleichgestellt sind, brauchen sie mit sowas gar nicht zu kommen. Und selbst dann würde das deren Taten der Vergangenheit und Gegenwart und was die damit angerichtet haben und weiterhin anrichten nicht ungeschehen machen.
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