Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?35435

Karnevalssession 2020

"So normal": Schwules Prinzenpaar Axel I. und Thorsten

Ein schwules Prinzenpaar im Karneval? Als Axel I. und sein Thorsten sich zu diesem Schritt entscheiden, ist die Neugier groß – und auch die Verwunderung. Inzwischen haben die beiden das Narrenvolk erobert – weit über Mönchengladbach hinaus.


Axel und Thorsten zeigen, dass Schwule auch närrisch sind (Bild: Ira Ingenpass / MKV)

Seit vielen Jahren sind Axel und Thorsten zusammen, Hochzeit war im letzten Herbst, sie sind Geschäftspartner im Familienunternehmen – und eine wichtige Entscheidung haben sie zu Hause auf dem Sofa getroffen: Karnevals-Prinzenpaar in Mönchengladbach zu werden (queer.de berichtete). Dass ihr Narrenvolk eine besondere Erwartungshaltung hatte, ist ihnen schnell klar geworden. Wie oft haben sie nach Auftritten und bei Begegnungen diesen Kommentar gehört: "Ihr seid ja so normal", erzählen sie.

Wie sollte man denn bitte sein, als schwules Prinzenpaar? "Als würden wir im rosa Tutu auflaufen", kann sich Axel Ladleif (47) die bissige Bemerkung nicht verkneifen. Mit seinem Mann Thorsten Neumann (45) gehört er trotzdem wohl zu den außergewöhnlichsten Prinzenpaaren in diesen tollen Tagen. Und auch wieder nicht.

Zum Gespräch im familieneigenen Restaurant erscheint das Paar im maßgeschneiderten traditionellen Prinzenornat. Es gibt Kaffee. Es wird gefrotzelt, wie das bei Ehepaaren so ist. Thorsten hat im Karnevals-Marathon ein paar Kilo verloren und Axel zupft an dessen Hemd und meint sinngemäß: Das wird schon wieder, futtert er sich wieder an.

Twitter / DrPongs | Das Prinzenpaar erhält die Flagge der Initiative "Pulse of Europe"

Schwule Paare dürfen heiraten, Kinder adoptieren. Aber wenn sie ein gleichgeschlechtliches Prinzenpaar im Karneval werden, schlägt die Nachricht eine Welle bis ins nicht-närrische Norddeutschland. Dass Prinz Axel I. keine liebreizende Prinzessin an seiner Seite hat, sondern seinen Thorsten, schert aber selbst den Bund Deutscher Karneval nicht.

- Werbung -
Video - BEAUTIFUL DESTINATION MALTA

"Die Gesellschaft hat sich verändert"

Auch Traditionen müssten sich den gesellschaftlichen Entwicklungen, Auffassungen und ethischen wie ästhetischen Normen anpassen, wenn sie nicht völlig als längst überlebte Rituale untergehen sollen, stellt der Bund Deutscher Karneval fest. Der Geschäftsführer des Karnevalsverbands Mönchengladbach, Horst Beines, bringt es so auf den Punkt: "Die Gesellschaft hat sich verändert, auch der Karnevalsverband muss sich anpassen und sich verändern." Und so kommt es, dass die Mönchengladbacher Karnevalisten nach eigenen Angaben das erste schwule Prinzenpaar im Rheinland haben.

Der Mönchengladbacher Karneval mit seinem großen Veilchendienstagszug ist in NRW schon eine Nummer. Da kann man nicht einfach mal den Karneval neu erfinden und aus der Prinzessin Niersia einen Prinz Niersius machen. Mal eben nicht, aber mit diplomatischer Vorsicht, wie Beines sagt.

Anfangs, als das Männer-Prinzenpaar bei Sitzungen auf die Bühne trat, verstummte das Gemurmel. Zur Proklamation kamen doppelt so viele Zuschauer wie sonst. Die Neugier hat sich gelegt. Das Narrenvolk haben die beiden mittlerweile erobert, "auch wenn es sicher auch einige gibt, die mit ihrer Toleranz auf die Probe gestellt wurden", sagt Axel.

Für den Schwulen- und Lesbenverband ist das Prinzenpaar ein gutes Signal. "Für uns ist es ein Zeichen der Liberalisierung und der zunehmenden Akzeptanz", sagt der LSVD-Sprecher im gar nicht karnevalsaffinen Berlin, Markus Ulrich. Auch wenn er grundsätzlich eine Polarisierung zwischen unverkrampftem Umgang und ausgereizter Toleranz wahrnimmt im Umgang mit gleichgeschlechtlichen Paaren.

Axel Ladleif kann mit dieser "gesellschaftspolitischen Überbetonung" wenig anfangen. Für ihn und seinen Partner ist der Prinzen-Status kein politisches Bekenntnis: "Der Spaß steht bei uns im Vordergrund". Die beiden sind dem Karneval längst erlegen und können wohl nicht genug davon bekommen – sie sind Mitglied in sieben Karnevalsvereinen.

Wöchentliche Umfrage

» Die Jecken sind wieder los - bist du beim Karneval/Fasching dabei?
    Ergebnis der Umfrage vom 03.02.2020 bis 10.02.2020


-w-

-w-

#1 KalteKlötenAnonym
  • 03.02.2020, 12:55h
  • Ich habe das Paar bereits im Fernsehen bei einem Interview gesehen. Es war ihnen im Gespräch ganz wichtig, dass sie "normal" sind. Einer der beiden meinte, sie wären schließlich auch keine Tunten und brachte quasi als Beweis dafür das rosa Tutu an, das sie selbstverständlich nicht tragen.

    Es war mir wenig sympathisch und erschien mir als Ausdruck internalisierter Homophobie.

    Ich weiß nicht, worin eigentlich die Akzeptanzleistung bestehen soll?
  • Antworten » | Direktlink »
#2 RuferInDerWuesteEhemaliges Profil
  • 03.02.2020, 13:26h
  • Antwort auf #1 von KalteKlöten
  • Ich stimme Dir aus vollem Herzen zu. Habe mich auch gefragt, wofür wir 50 Jahre Emanzipationskampf hinter uns haben, wenn das Hauptziel heute ist, so "normal" und unauffällig wie möglich zu wirken, in der Masse des Mainstream zu verschwinden.

    Ich halte mich da an Martin Dannecker, der schon 1978 schrieb:

    "Was wirkliche Toleranz von Scheintoleranz unterscheidet, ist ihr Wissen um das noch Differente und das Akzeptieren des Anderen als Anderen."

    Eine Akzeptanz, die nur akzeptiert, was ohnehin gleich ist oder mimikryhaft gleich erscheint, ist eben auch nur eine Scheinakzeptanz.

    Dazu hat der Blogger fink 2017 u.a. geschrieben:

    "Als Utopie wird immer wieder das Aufgehen in dem, was man als Mehrheitsgesellschaft missversteht, ausgemalt. Alles spezifisch Schwule, Lesbische, Queere möge sich bitte in einem fiktiven gesellschaftlichen Einerlei auflösen wie ein Zuckerwürfel im Tee.
    Mir fällt keine andere Minderheit mit einer einigermaßen intakten Subkultur ein, die derartig besessen von ihrem eigenen Verschwinden träumt."

    Der ganze, immer noch äußerst lesenswerte Blogartikel findet sich hier:

    derzaunfink.wordpress.com/2017/06/25/keine-emanzipation-in-s
    chlumpfhausen/
  • Antworten » | Direktlink »
#3 Ralph
  • 03.02.2020, 15:35h
  • Ich gebe zu, dass ich selbst, obwohl -erst recht in jüngeren Jahren- recht feminin, immer meine Schwierigkeiten mit Dragqueens und Fummeltrinen habe, aber doch käme ich nie auf die Idee, meine eigene Anerkennung als Schwuler mit dem Überbordwerfen von deren Würde und Rechten zu erkaufen. Die Gesellschaft mag inzwischen mehrheitlich so weit sein, diejenigen von uns zu akzeptieren, "denen man es nicht ansieht" und die sich "normal" benehmen - aber das ist nicht genug, und die "Normal"-Schwulen dürfen sich da nicht als Kronzeugen einfangen lassen.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 Ralph
  • 03.02.2020, 15:47h
  • Antwort auf #2 von RuferInDerWueste
  • Eine solche Minderheit waren mal zumindest teilweise die Juden. Viele traten zum Christentum über, meist zur evangelischen Variante. Berühmte Beispiele sind Rahel Varnhagen, Felix Mendelssohn, Heinrich Heine oder Jacques Offenbach. Sie glaubten, sich so endgültig in der Nation auflösen zu können. Andere Juden glaubten diese Auflösung gekommen, als sie nach dem Ersten Weltkrieg auf Zehntausende Juden verweisen konnten, die für das deutsche Vaterland gefallen waren. Alles vergebens. Diese Erfahrung, die die Juden gemacht haben, brauchen wir nicht zu wiederholen. Es gibt keine Akzeptanz durch Selbstauflösung.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 RuferInDerWuesteEhemaliges Profil
  • 03.02.2020, 15:52h
  • Antwort auf #3 von Ralph
  • "Ich gebe zu, dass ich selbst [...] immer meine Schwierigkeiten mit Dragqueens und Fummeltrinen habe":

    Dazu empfehle ich Dir wärmstens, falls Du ihn noch nicht kennst, die Lektüre des Artikels

    derzaunfink.wordpress.com/2016/11/12/selbstbildnis-im-fummel
    /


    des Bloggers fink.
    Ein Meisterstück der Analyse hinsichtlich Innen- und Außenperspektive. Würde mich nicht wundern, wenn Du danach keine Schwierigkeiten mehr hättest. Oder zumindest deutlich weniger. Liebe Grüße in diesem Sinne!
  • Antworten » | Direktlink »
#6 zundermxeAnonym
  • 03.02.2020, 16:37h
  • Antwort auf #2 von RuferInDerWueste
  • Will weder Dich noch den ersten Kommentar kritisieren. Es ist aktuell unsere Zeit, dass sich jeder zu allem positioniert mit seiner ganz eigenen, individuellen, Bewertungsebene.

    Daumen rauf oder runter.
    Fertig.

    Das wiederum für mich lustig und traurige zugleich daran ist, dass wir damit, obwohl wir es für den Ausdruck eigener Individualität halten, in der Art und Weise des Umgangs (auch und insbesondere untereinander) absolut deckungsgleich agieren, wie alle anderen auch.
    Unsere sogenannte Community proklamiert und fordert ganz allgemein Vielfalt, Gleichstellung und Akzeptanz gegenüber ganz persönlicher individueller Lebensweisen. Im konkreten Einzelfall muss und soll dies dann aber bitte schön bei allen anderen den eigenen persönlichen Vorstellungen entsprechen.
    Individuell kann das niemand für alle erfüllen.
    Einfachste Logik, dass das niemals funktionieren kann.
    Wir verhalten uns konkret im Einzelfall im Widerspruch zu dem was wir ständig allgemein formuliert fordern.

    In diesem Fall hängt das Fremdeln wahrscheinlich schon allein mit der Tatsache zusammen, dass viele von uns ein bestimmtes, eher negativ geprägtes, Bild von Karneval haben und daher kaum wer als positiv gesehen werden kann, der für den institutionalisierten Karneval steht.
    Zumindest meine These.

    Was erwarten wir?
    Wie würden wir reagieren und werten wenn beide in rosa Fummel und bis zum Anschlag geschminkt auftreten würden?
    Wie sähe der perfekte Super-Homo in der Rolle aus damit wir uns trauen würden das toll zu finden?

    Wenig überraschend, dass ich die beiden erstmal klasse finde, dass sie im eigentlich eher konservativen Mönchengladbach etwas geschafft haben, was in der Vergangenheit bspw auch in der sogenannten Karnevalshochburg Köln (is doch so tolerant diese Stadt...) ein Unding gewesen ist. Gar nicht so viele Jahre her, dass dort ein offen Schwuler nicht Prinz sein durfte ( Düsseldorf bot ihm damals jeckes Asyl an - aber das nur ganz nebenbei).

    MMn weisen wir mehr als zu recht auf den wachsenden Einfluss der AFD auf alle Ebenen der Gesellschaft hin. Es ist im Mittel zumindest nicht einfacher geworden sein Ding zu machen. Die Religionen zeigen auch sehr deutlich, dass sie uns bestenfalls tolerieren.
    In dieser Zeit dann das erste offen schwule Prinzenpaar.
    Nichts ist nur Gold oder nur Asche und niemand muss etwas eindimensional gut finden.
    Finde es aber leider auch sehr bezeichnend für UNS, dass wir erstmal nur das vermeintliche Haar in der Suppe kommentieren.
    Die Leistung, die von beiden zweifelsohne dahinter steckt, ist dann einfach nicht erwähnenswert.

    Von mir zumindest Hut ab und Respekt für die beiden Prinzen!
    Hoffe, dass ihr beiden die Zeit genießen könnt und euch noch lange fröhlich dran erinnern werdet!
    Für nen Rheinländer gibt es halt nix schöneres als einmal Prinz zu sein... und 5 is sowieso ne grade Zahl
    :-)
  • Antworten » | Direktlink »
#7 KalteKlötenAnonym
  • 03.02.2020, 17:32h
  • Antwort auf #6 von zundermxe
  • Die können ihren Karneval feiern, wie sie das gerne wollen. Aber ich erlebe das schon als Abwertung effeminierter Schwuler, um sich selbst zu erhöhen. Weshalb sonst muss ich mit dem Stinkefinger auf andere zeigen, um deutlich zu machen, dass ich aber nicht so einer bin?
    Der Hinweis auf die Tunten und auf das Tutu war völlig überflüssig. Es hätte m.E. völlig ausgereicht, wenn die beiden erklärt hätten, dass sie sich selbst als ein völlig "normales Paar" betrachten.

    Kleiner Hinweis am Rande: Einer der beiden Männer wirkte in dem Interview selbst ziemlich trutschig. Psychologen würden das wohl Abwehr nennen.

    Ich frage mich auch, wie man beim LSVD in Anbetracht eines Paares, das ein nicht erkennbar schwules Paar sein will, von steigender Akzeptanz reden kann. Es muss sich um ein soziologisches Mysterium handeln. Aber beim LSVD hat man schon lange nicht mehr alle Latten am Zaun.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 AnspruchslimboAnonym
#9 RuferInDerWuesteEhemaliges Profil
  • 03.02.2020, 18:10h
  • Antwort auf #8 von Anspruchslimbo
  • Passend hierzu:

    "Der schwule Biedermann, der sich um Himmels willen nicht mehr unterscheiden will, kann das nur, indem er seine Solidarität mit den Schmuddelkindern aufkündigt und jede Gelegenheit ergreift, um sich von ihnen nicht nur zu distanzieren, sondern sie auch abzuwerten."

    der zaunfink, Link siehe #2
  • Antworten » | Direktlink »
#10 HochsprungAnonym
  • 03.02.2020, 18:12h
  • Antwort auf #8 von Anspruchslimbo
  • Für Fortgeschrittene wäre es eine schöne Übung, außerdem zu sagen: "Und wenn jemand nicht so 'normal' ist wie ich, dann sollte das für alle genauso okay sein!"
    Auch das ist eigentlich nicht so wahnsinnig schwer, setzt aber voraus, dass man seine gay self hate issues einigermaßen überwunden hat und dazu beitragen möchte, dass andere das auch hinbekommen.
    Im Kleinen fängt es an, und wer eine größere Bühne hat, darf ruhig auch etwas mehr Verantwortung übernehmen.
  • Antworten » | Direktlink »