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Köln

Lanxess Arena überprüft Auftritt von homophobem Prediger

Franklin Graham erklärte Homosexuelle zu "Feinden der Christen" und forderte, queerfreundliche Unternehmen zu boykottieren. Botschaften wie diese könnte er im Juni auch in der Kölner Lanxess Arena verbreiten.


In der Lanxess Arena tritt das Who-is-who der Comedyszene, der Musikindustrie und der Karnevalisten auf – und womöglich auch ein Prediger, der Homosexuelle als böse Sünder darstellt, die geheilt werden müssen (Bild: QSO4YOU.com [DE] / flickr)

Zu Update springen: Sven Lehmann fordert: Keine Bühne für "Hassprediger" (12.09 Uhr)

Der geplante Auftritt des homosexuellenfeindlichen US-Starpredigers Franklin Graham in Köln hat zu Empörung in sozialen Netzwerken geführt. Der 67-Jährige soll im Rahmen des evangelikalen "Festival of Hope" am 20. Juni in der Halle auftreten. Als Reaktion hat der Betreiber der Lanxess Arena gegenüber queer.de erklärt, dass man mit den Veranstaltern von "Festival of Hope" und anderen Beteiligten über die Personalie sprechen werde.

Die Presseabteilung der Lanxess Arena erklärte, dass ein Vertrag mit dem "Festival of Hope" geschlossen worden sei, bevor bekannt gewesen sei, wer bei dem Event auftritt: "Eine Konkretisierung der geplanten Inhalte erfolgte erst im Laufe der Zeit", heißt es in einer Stellungnahme, in der auch "das hohe Gut der Freiheit des Glaubens und der Religionen" betont wurde.


Franklin Graham ist ein gern gesehener Gast in amerikanischen Nachrichtensendern (hier im Fox News Channel)

Ferner hieß es: "Uns ist bewusst, dass dieses Veranstaltungsformat auch kritisch gesehen wird. Aus diesem Grund führen wir Gespräche mit unseren Partnern und relevanten Interessenvertretern, um ein fundiertes Bild von der Situation zu erhalten und so alle Möglichkeiten objektiv und wertneutral eruieren zu können." Die Hallenbetreiber würden die Öffentlichkeit später über weitere Schritte informieren. Wie lang dieser Prozess dauert, darüber machten die Betreiber von Deutschlands größter Multifunktionsarena keine Angaben.

Auch Fragen, ob Hassbotschaften wie die von Graham akzeptabel für die Arena seien oder ob wie in Liverpool oder Sheffield die Ausladung des Predigers in Erwägung gezogen werde, wollte die Presseabteilung nicht näher beantworten. Der Hallensponsor, der Kölner Chemiekonzern Lanxess, hat eine Anfrage von queer.de zur Thematik bislang ignoriert.

#Hasspredigt

Die Einladung des Sohns des ebenfalls homophoben amerikanischen Erweckungspredigers Billy Graham war vergangene Woche in sozialen Netzwerken scharf kritisiert worden. Der frühere Grünenabgeordnete Volker Beck erklärte etwa auf Facebook, dass die Äußerungen von Graham in den Bereich "Hasspredigt" fielen. Sven Lehmann, Becks Nachfolger im Bundestag, ergänzte, dass "der Auftritt eines glasklaren Homofeindes wie Franklin Graham" nicht in seine Heimatstadt Köln und die Arena ("ein Ort der guten Konzerte, der Lebensfreude, der Vielfalt") passe.

Twitter / svenlehmann

In den letzten Jahrzehnten und Jahren hatte Graham immer wieder gegen queere Menschen polemisiert. So warb er wiederholt für Homo-"Heilung" und lobte unter anderem das russische Gesetz gegen Homo-"Propaganda". 2015 rief er zum Boykott LGBTI-freundlicher Unternehmen auf und erklärte ein Jahr später, dass Homosexuelle "Feinde" der Christen seien, sofern sie ihre sexuelle Orientierung nicht "bereuen". Außerdem warf er Regenbogenfamilien vor, Kinder durch Adoptionen zu "rekrutieren". Dabei stilisierte er sich stets zum Opfer der queeren Community, die ihm einen Maulkorb verpassen und seine Religionsfreiheit einschränken wolle. (dk)

Direktlink | Franklin Graham in einem Interview aus dem Jahr 2014: "Ich bin nicht intolerant, ich habe nur eine andere Meinung"

 Update  12.09 Uhr: Lehmann schreibt Offenen Brief an Lanxess Arena

Der Kölner Bundestagsabgeordnete Sven Lehmann hat in einem Brief an Arena-Geschäftsführer Stefan Löcher gefordert, die Teilnahme von Franklin Graham zu überdenken. "Ich bin besorgt zu erfahren, dass am 20. Juni diesen Jahres der US-Evangelist Franklin Graham beim 'Festival of Hope' in der Kölner LANXESS Arena auftreten soll", so der grüne Sprecher für Queerpolitik. Die Arena sei seit vielen Jahren "ein Ort der guten Konzerte und Sportevents, der Lebensfreude und der Vielfalt". Als Beispiel nannte er das Tanzfestival COLOUR Cologne.

Zu diesem Image passe der Auftritt "eines glasklaren Homofeindes" nicht. "Ich möchte an Sie appellieren, diesem Hassprediger keine Bühne zu geben", so Lehmann. Er bot Löcher an, ihm seine Bedenken persönlich darzulegen.

Twitter / svenlehmann



#1 Tina RomiAnonym
  • 04.02.2020, 10:41h
  • na dann sollten ganz viele Menschen mit der Regenbogenfahne diesem Fanatiker entgegen treten
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#2 BePrideAnonym
  • 04.02.2020, 11:06h
  • Das Hohe Gut der Freien Sexualität steht in jeder Hinsicht über der Stellungnahme jedes anderen wie des Hallenbetreibers, "das hohe Gut der Freiheit des Glaubens und der Religion" zu betonen und ist mit allen moralischen und rechtlichen Mitteln zu gewährleisten und zu schützen.
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#3 AlexAnonym
  • 04.02.2020, 11:20h
  • Sollte ihm dort ein Podium gegeben werden, muss ich davon ausgehen, dass sowohl die Lanxess-Arena als auch der Hauptsponsor und Namensgeber Lanxess solche menschenverachtenden, hasserfüllten Aussagen mindestens tolerieren oder gar unterstützen.
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#4 Ex-KatholikAnonym
#5 Leon 4Anonym
  • 04.02.2020, 11:26h
  • Antwort auf #2 von BePride
  • Naja, "Moral" ist halt so ne Sache, der dude ist sicherlich genauso überzeugt auf der "richtigen Seite" zu stehen du es bist.... Bleibt nur der rechtliche Weg wo man wieder an die Grenze von Meinungsäußerung vs Hetze kommt... Du darfst nicht vergessen das in DE zu recht der Tatbestand einer kollektivbeleidigung nur bei einer überschaubaren Gruppe existiert, der würde also in diesem Fall schon mal nicht greifen....

    Bleibt also nur ne Demo... Und auch wenn ich es nachvollziehen kann weiß ich nicht ob in Hinblick der damit verbundenen (medialen) Aufmerksamkeit das dem Typen nicht sogar in die Karten spielen würde....
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#6 Faktenverdreher-WatchAnonym
#7 mactorProfil
  • 04.02.2020, 12:02hBerlin
  • Meinungsfreiheit eben. Leider kann dieser Mann seine Thesen, Vermutungen und komischen Ansichten verbreiten.
    Christliche Fundamentalisten wie die Katholische Kirche eben.

    Ob das nun gerade in dieser Halle passieren muss sollten die Betreiber entscheiden.

    Ich finde es nicht gut aber ich glaube der Mann hat seine Jünger vor vielen Jahren auch schon mal in Olympiastadion in Berlin eingeladen. Verwunderlich das so viele die seiner Meinung sind...
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#8 NuminexEhemaliges Profil
  • 04.02.2020, 12:14h
  • Es kann mir niemand erzählen, dass er nicht mind. geahnt hat, was das für Leute sind, was für eine Veranstaltung das wird und wer vermutlich kommt. In Zeiten des Internets findet das jeder Amateur mit wenigen Klicks heraus. Grundvoraussetzung ist allerdings, dass man sich dafür interessiert! Das erfordert jetzt eiglt. gleich mehrere Maßnahmen:

    1. Die Lanxessarena (Betreiber) verbieten den Auftritt dieses Menschen in ihrem Stadion
    2. Die Betreiber distanzieren sich in höchstmöglichem Maß von dieser demagogischen Veranstaltung
    3. zum Zeichen, dass sie die Entschuldigung und Reue ernst meinen, spenden sie eine beträchtliche Summe an eine LGBT Hilfsorganisation ihrer Wahl
    4. der deutsche Staat prüft, ob hier die Vorbereitung einer Straftat vorliegt und leitet bei positivem Befund eine Anklage wegen Volksverhetzung ei, mit anschließender lebenslanger Einreißesperre

    Man wird ja wohl noch träumen dürfen...
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#9 N8EngelProfil
  • 04.02.2020, 12:57hWenden
  • Mal was zum nachdenken: Ruft jemand aus religiösen Motiven zu Hass gegen Gruppierungen konkurrierender Relogionen auf, so ist das (zu Recht!) eine Straftat. Ruft jemand aus religiösen Gründen zum Hass gegen fremde ethnische Gruppen auf, so ist das (auch zu Recht!) eine Straftat.
    Ruft jemand aus religiösen Gründen zu Hass gegen LGBTI auf, ist das Religionsfreiheit.
    Irgendwie ist da was kaputt...
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#10 RuferInDerWuesteEhemaliges Profil
  • 04.02.2020, 13:02h
  • Man will also "alle Möglichkeiten objektiv und wertneutral eruieren".

    Menschenrechte scheinen also keine "Werte" in diesem Sinne darzustellen? Und wenn doch, können sie nicht berücksichtigt werden, da man ja "wertneutral" sein will?

    Ich kann mir schon vorstellen, wie eine solche Prüfung aussieht - in der dann letztlich doch erkannt wird, dass Meinungs- und Religionsfreiheit das höchste "Gut" darstellen, wohingegen Schutz von Minderheiten gegen Volksverhetzung und Diskriminierung natürlich nicht als ausreichender "Wert"maßstab gelten.

    Wie sagte Merkel so schön? "Wir leben in einer marktkonformen Demokratie." Da hat eben nur Geld einen Wert.

    Na, warten wir's ab.

    Jedenfalls herzlichen Dank an Sven Lehmann für seinen Einsatz!
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