Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://www.queer.de/detail.php?article_id=35442
Home > Kommentare

Einzelkommentar zu:
CSD Wiesbaden: "Eine Familie ist eine Familie ist eine Familie"


#2 HymnenverächterAnonym
  • 04.02.2020, 18:34h
  • Ich freue mich, dass die Forderungen bzgl. der Rechte von trans und inter Menschen zumindest im Begleittext formuliert werden, auch wenn die "Regenbogen-Eltern" wieder mal vorneweg marschieren dürfen.

    Leider erleben sehr viele queere Menschen ihre Herkunftsfamilie oft keineswegs als Hort der Geborgenheit und der Unterstützung. Nicht selten bedeutet "Familie" für sie das genaue Gegenteil.

    "Der Kern einer jeden Familie ist die Liebe, die sie zusammenhält, egal, welche persönliche
    Identität, welche Religion, Nationalität oder sexuelle Orientierung ihre einzelnen Mitglieder haben. [...] Der CSD 2020 ist eine Hommage und Feier der Familie als Ort der Liebe, Geborgenheit, des Zusammenhalts, der Fürsorge und Verantwortung."

    Für viele ist das hoffentlich stimmig. In meinem Bekanntenkreis gibt es aber einige Menschen, denen diese Sätze total realitätsfremd vorkommen müssen. Familie ist für queere Menschen viel zu oft ein Ort von Unverständnis, Einsamkeit, Diskriminierung, Entwürdigung, der Erpressung mithilfe familiärer Abhängigkeitsverhältnisse oder sogar der psychischen und/oder physischen Gewalt.

    Und wir reden hier nicht von Einzelfällen. Queerfeindliche Diskriminierung und Gewalt innerhalb von Familien sind ein Riesenthema.

    Leider wird auf solche durchaus queer-typischen Erfahrungen in der Erklärung aber mit keinem Wort hingewiesen. Warum nicht? Ist eine Auseinandersetzung mit diesen wichtigen Themen nicht erwünscht? Ist einfach niemand auf die Idee gekommen, dass es solche Erfahrungen gibt? Soll das einfach verdrängt werden?

    Ich hätte mir hier eine deutlich kritischere und differenziertere Perspektive gewünscht.

    Dem angestrebten Idealbild der liebevollen Familien muss eine solche Kritik gar nicht entgegenstehen. Ganz im Gegenteil, dieses Ideal können wir nur dann effektiv fördern, wenn wir auch benennen, wo die Baustellen liegen.

    Aber offenbar ist es gerade ein Bewegungstrend, Hymnen auf die großen patriarchalen Strukturen zu singen, in denen wir traditionell seltener Liebe und Schutz und häufiger Verachtung und Gewalt vorgefunden haben ... und aktuell immer noch vorfinden.

    Ich beobachte diesen Trend mit einiger Verständnislosigkeit.
  • Antworten » | Direktlink »

» zurück zum Artikel