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Frankreich

"Recht auf Gotteslästerung": 16-jährige Lesbe nach Islam-Beschimpfung unter Polizeischutz

Eine homosexuelle Gymnasiastin wird in Frankreich bedroht, weil sie Muslime pauschal beschimpft hatte. Der Fall löste eine Debatte im laizistischen Land aus.


Frankreich debattiert (Bild: fdecomite / flickr)

  • 5. Februar 2020, 11:43h 19 2 Min.

Der Fall der 16-jährigen Islam-Kritikerin Mila sorgt in Frankreich für erregte Debatten: Die lesbische Gymnasiastin steht wegen Morddrohungen unter Polizeischutz, wie der französische Innenminister Christophe Castaner mitteilte. Sie hatte ein mit Kraftworten gespicktes Video über den Islam im Internet-Dienst Instagram veröffentlicht. Die Schülerin reagierte damit nach eigenen Angaben auf einen muslimischen Mann, der sie als "dreckige Lesbe" beschimpft hatte.

Innenminister Christophe Castaner sagte am Dienstag in der Nationalversammlung in Paris, Mila und ihre Eltern würden von der Nationalpolizei geschützt. "Es ist keine ständige Bewachung, denn es gibt keine Hinweise, dass dies nötig wäre", schränkte er ein.

Das Video der Schülerin aus dem Département Isère im Osten des Landes hatte sich rasant in den Online-Netzwerken verbreitet. Sie sagt darin unter anderem: "Der Koran ist voller Hass, der Islam ist reiner Mist." Zudem schmähte sie den Gott der Muslime mit derben Ausdrücken.

Mila wurden daraufhin Mord und Vergewaltigung angedroht, Hetzer veröffentlichten die Adresse ihres Gymnasiums. In einem TV-Interview bereute sie später die "Vulgarität" ihrer Äußerungen. Gleichzeitig wehrte sie sich gegen Vorwürfe, Muslime pauschal aus Hass auf Minderheiten abzulehnen: "Ich bin keine Rassistin. Man kann nicht rassistisch gegenüber einer Religion sein." Der Schule bleibt sie aus Angst vor Gewalt weiter fern.

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Blasphemie seit 1789 legal

Die Schülerin beruft sich auf ein "Recht zur Gotteslästerung". Tatsächlich wurde in Frankreich nach der Revolution von 1789 das Delikt der "Blasphemie" abgeschafft. In Deutschland gibt es dagegen bis heute ein Gesetz gegen Gotteslästerung, das bis zu drei Jahre Haft vorsieht. In Frankreich sind dagegen allerdings Aufrufe zum Hass gegen Einzelne oder eine Gruppe sind dagegen verboten.

Scharfe Kritik zog Justizministerin Nicole Belloubet auf sich, als sie der Schülerin "Beleidigung der Religion" vorwarf. Inzwischen schwenkte die Ministerin um. Die Staatsanwaltschaft stellte anfängliche Ermittlungen gegen Mila wegen Anstachelung zum Hass wieder ein.

Der Fall spaltet die französische Gesellschaft: Laut einer Umfrage für die Satirezeitung "Charlie Hebdo" sind die Hälfte der Franzosen für die Freiheit zur Religionskritik, auch wenn sie mit "Schmähungen" einhergeht, die andere Hälfte lehnt dies ab. "Charlie Hebdo" war 2015 Ziel eines islamistischen Anschlags mit zwölf Toten, nachdem die Zeitung mehrfach Mohammed-Karikaturen veröffentlicht hatte. (AFP/cw)

-w-

#1 lucdf
  • 05.02.2020, 13:33hköln
  • Wenn die Religioten so viel Bullshit von sich geben, darf man sie kritisieren. Blasphemie ist befreiend und hat eine therapeutische Wirkung.
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#2 Taemin
  • 05.02.2020, 15:39h
  • Ich halte es für unmöglich, eine Religion oder ein imaginäres Geistwesen zu beleidigen.
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#3 audeasAnonym
  • 05.02.2020, 19:44h
  • Hier wird nicht lediglich eine Religion diffarmiert, sondern gleichzeitig zum Hass auf alle muslimisch markierten Personen aufgerufen.

    Es ist antimuslimischer Rassismus.

    Zu behaupten, dass das aber kein Rassismuss sei, weil der Islam keine "Rasse" sei, ist hochgradig blauäugig, und macht die Diskriminierungserfahrungen und das ganze Leid von muslimisch markierten Leuten unsichtbar.

    Viele verlieren dabei aus den Augen, dass diese Menschen nicht einmal gläubig sein müssen, um Opfer antimuslimischen Hasses zu werden. Ich als Atheist, der von der deutschen weißen Mehrheitsgesellschaft dennoch als muslimisch fremdzugeschrieben wird aufgrund von Lappalien wie Äußeres oder Namen, kann bedauerlicherweise ein Lied davon singen.

    Nur weil die Gymniasastin Teil einer marginalisierten Minderheit ist, hat sie nicht das Recht, andere Minoritäten derart zu diskriminieren und herabzusetzen. Das gehört verurteilt, Punkt.
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