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Queerfilmnacht im Februar

Das Taxi fährt wieder zum Klo

Ein Ständer guckt durchs Gloryhole, Golden Shower, Auspeitschen – nie gab es so viel schwulen Sex im Nicht-Pornofilm wie in "Taxi zum Klo" von 1980. Zum 40. Jubiläum ist der Filmklassiker zurück auf der Leinwand!


Eine traurige, ironische, nicht immer ausgefeilte Geschichte: Klappen-Szene aus "Taxi zum Klo" (Bild: Pro-Fun Media)
  • Von Fabian Schäfer
    6. Februar 2020, 05:43h, noch kein Kommentar

Eine Glitzer-Pinnwand mit schrillen Fotos, schwarz-weißen schwulen Aktzeichnungen und Buttons, auf einem steht "No More Heteros". "Sie wollen mich auf meinen Streifzügen begleiten?", fragt die Stimme aus dem Off. Und warnt dazu: Es geht auf öffentliche Toiletten oder Herrensaunas. Na dann, los!

Frank Ripploh ist 30 und unterrichtet an einer Berliner Hauptschule. Wenn er seiner Klasse nicht gerade erklärt, was die Leber und was die Lunge machen, kümmert er sich um seine eigenen Organe. Allen voran seinen Schwanz, Arsch – und ein wenig auch um sein Herz.

Er streift auf öffentlichen Toiletten. Durch das Gloryhole sieht er, wie sein Gegenüber sich in den Schritt packt, umdreht und seine Arschbacken spreizt. Er kommuniziert dort über eine wiederbeschreibbare Zaubertafel. "Worauf stehst Du?", schreibt er in schönster Zweitklass-Schreibschrift und schiebt die Tafel unter der Trennwand hindurch. (Habt ihr das damals wirklich so gemacht?!, fragt ein Digital Native.) "Auf alles" scheint Frank als Antwort nicht zu gefallen. Mit Klopapier stopft er das Loch in der Wand zu.

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Eine Zeitreise in die Zeit vor Aids und Grindr


Poster zum Film: Eine restaurierte Fassung von "Taxi zum Klo" ist im Februar 2020 im Rahmen der Queerfilmacht zu sehen

"Taxi zum Klo" war 1980 ein bemerkenswerter wie kontroverser Film. So viel expliziten homosexuellen Sex gab's zuvor (und wohl auch danach lange) nie in einem Spielfilm. Den österreichischen Behörden passte das gar nicht. Dort wurde der Film sogar beschlagnahmt, während er in Deutschland 1981 den Max-Ophüls-Preis bekommen hat.

Frank Ripploh spielte sich darin selbst, er führte Regie, schrieb das Drehbuch. Ein semiautobiografischer Film über das West-Berlin Anfang der Achtzigerjahrer, eine Zeit, in der das Studentenfutter im Kino noch 80 Pfennig und eine Wohnung in Kreuzberg 59,58 Mark – aber mit Klo auf dem Gang! – kostete. Über Klappen, Feigwarzen, Tuntenbälle. Ein Spielfilm wie eine Zeitreise zurück in eine Zeit vor Aids, vor Grindr. Eine Welt, die sich viele gar nicht mehr vorstellen können.

"Taxi zum Klo" kommt dabei erst einmal wie eine Komödie daher, alleine schon wegen der ersten Szenen, in denen Frank sich nackt aussperrt und über den Balkon der Nachbarin klettern muss. Immer wieder gibt es brüllend-komische bis zutiefst ironische Momente, etwa beim Elternsprechtag ("manchmal bekommt meine Tochter schon Valium") oder im Wartezimmer des Geschlechtskrankheiten-Arztes, in der eine äußerst redselige Prostituierte unüberhörbar von ihrem Alltag erzählt.


"Taxi zum Klo" ist auch ein Film über schwule Ängste (Bild: Edition Salzgeber)

Ein mutiger Film, der immer noch unterhält

Doch es geht auch um Ängste, die sich gar nicht so sehr verändert haben – vor dem Alter etwa. Und um die Liebe, die Beziehung zu Bernd, Konflikte rund um unterschiedliche Beziehungskonzepte, Fremdgehen, Monogamie, das ersehnte Haus auf dem Land.

Da werden erzählerische und logische Schwächen gerne verziehen, insbesondere angesichts des niedrigen Budgets von 100.000 Mark. Die Charaktere, vor allem Bernd, wirken nicht ganz ausgefeilt, und insbesondere Zeitsprünge wirken oft unmotiviert und wenig verständlich.

"Taxi zum Klo" war mutiger Film für die Zeit und sinnbildlich für die Ausläufer des Neuen Deutschen Films. Zurecht ein Kultfilm, ein schwuler Klassiker. Unterhaltsam und augenöffnend für die, die jene Zeit nicht kennen, und nostalgisch für die, die sie miterlebt haben.

Direktlink | Trailer zum Film

Infos zum Film

Taxi zum Klo. Spielfilm. BRD 1980. Restaurierter Fassung zum 40. Jubikäum Regie: Frank Ripploh. Darsteller: Frank Ripploh, Bernd Broaderup, Gitte Lederer, Hans-Gerd Mertens, Irmgard Lademacher. Laufzeit: 95 Minuten. Sprache: deutsche Originalfassung. Verleih: Edition Salzgeber. Im Februar 2020 nur in der Queerfilmnacht