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Notorischer LGBTI-Gegner

CDU-Abgeordneter leugnet Intersexualität

Der sächsische Bundestagsabgeordnete Alexander Krauß beklagt einen "riesigen Popanz" um die dritte Geschlechtsoption. Im "realen Leben" gebe es nur Mann und Frau.


Alexander Krauß (CDU) ist seit 2017 Mitglied des Deutschen Bundestags, zuvor saß er 13 Jahre im Sächsischen Landag (Bild: Deutscher Bundestag / Inga Haar)

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Alexander Krauß stellt die vom Bundesverfassungsgericht angeordnete dritte Geschlechtsoption in Frage. Aktuelle Zahlen hätten gezeigt, dass es ein drittes oder noch mehr Geschlechter "nicht im realen Leben" gebe, sagte der 44-jährige Politiker aus dem Erzgebirge gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Die Statistik, auf die sich Krauß beruft, widerlegt allerdings seine Leugnung von intergeschlechtlichen und nicht-binären Menschen: Am Donnerstag teilte das Statistische Bundesamt in einer Antwort auf eine Anfrage von Krauß mit, dass im Jahr 2018 von rund 878.500 Lebendgeborenen immerhin 15 Babys ohne die Angaben "männlich" oder "weiblich" ins Geburtenregister eingetragen wurden, Im Jahr 2017 registrierte das Bundesamt 17 solcher Geburten, im Jahr 2016 waren es zehn. Damals dürften Ärzte oder Eltern zudem den meisten intergeschlechtlichen Babys einfach ein Geschlecht zugewiesen haben.

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Dritte Geschlechtsoption erst seit Ende 2018

Erst Ende 2018 hatte der Bundestag die Möglichkeit geschaffen, die dritte Geschlechtsoption "divers" in das Geburtenregister eintragen zu lassen. Zuvor gab es nur die Möglichkeiten, "weiblich", "männlich" und "ohne Angaben" zu wählen. Mit dem Gesetzesbeschluss hatte das Parlament ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Herbst 2017 umgesetzt. Die Karlsruher Richter hatten damals entschieden, dass der bisherige Zwang zur Zweigeschlechtlichkeit diskriminierend sei und gegen das allgemeine Persönlichkeitsrecht verstoße (queer.de berichtete).

Nach Auffassung von Krauß stellen die nicht aussagefähigen Fallzahlen die Neuregelung jedoch in Frage. "Es zeigt sich, dass um das vermeintliche dritte Geschlecht ein riesiger Popanz aufgebaut wurde", erklärte der CDU-Bundestagsabgeordnete. Für ihn zeige sich: Ein drittes oder noch mehr Geschlechter gebe es "nicht im realen Leben". Krauß sagte weiter: "Der liebe Gott hat uns doch als Mann und Frau geschaffen – und nicht mit unzähligen anderen Geschlechtern."

Immer wieder LGBTI-feindliche Ausfälle

In den vergangenen Jahren hatte sich der sächsische CDU-Politiker mehrfach LGBTI-feindlich geäußert. Bereits 2016 hatte er als Landtagsabgeordneter trans und intergeschlechtliche Menschen pauschal als Personen verunglimpft, "die sich nicht in die Kategorie Mann oder Frau einordnen lassen wollen" (queer.de berichtete).

Mit falschen Zahlen versuchte er außerdem, lesbische und schwule Partnerschaften abzuwerten: "Hier wird ein Thema vollkommen überbetont", erklärte Krauß in einem Interview. "80 Prozent der Sachsen, die in einer Beziehung leben, haben sich für die Ehe entschieden und 0,001 Prozent für eine eingetragene Lebenspartnerschaft." 2013 ätzte er im Landtag gegen Regenbogenfamilien: "Zum Kinderzeugen braucht man Mann und Frau. Das können Sie in der Bibel nachlesen, aber es gibt auch den einen oder anderen, der in Biologie aufgepasst hat."

Auch den 2014 im Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD beschlossenen sächsischen Aktionsplan gegen Homo- und Transphobie wollte Krauß nicht mittragen (queer.de berichtete). Dieser sei ein "Sammelsurium an Ideen, um die Gender-Ideologie unters Volk zu tragen". (cw/AFP)

 Update  11.45h: Scharfe Kritik von den Grünen

Der grüne Bundestagsabgeordnete Sven Lehmann übte am Freitagmittag scharfe Kritik an seinem CDU-Kollegen. "Die Äußerungen von Herrn Krauß sind ideologisch und frei von jedem Wissen", erklärte der queerpolitische Sprecher in einer Pressemitteilung. "Die von ihm zitierten niedrigen Zahlen von Säuglingen mit Geschlechtseintrag 'divers' sind vor allem ein Hinweis auf die fehlende Akzeptanz in der Gesellschaft, dass es mehr gibt als Mann/Frau."

Das Verfassungsgericht sei "da zum Glück weiter" und erkenne, dass Geschlechtervielfalt Realität sei, so Lehmann. "Durch seine engstirnigen und faktenfreien Äußerungen erhöht Herr Krauß den eh schon großen Druck auf Eltern, ihr Kind trotz uneindeutiger Geschlechtsmerkmale als weiblich oder männlich zuzuordnen, sogar durch Zwangsoperationen. Es ist gut, dass diese Operationen demnächst verboten werden sollen, denn sie erweisen sich im späteren Leben oft als traumatisch."

Eine liberale Demokratie und pluralistische Gesellschaft erkenne man daran, wie sie mit Minderheiten umgehe, sagte der Grünen-Abgeordnete. "Je kleiner sie sind, desto stärker muss der Staat sie vor Diskriminierung und Ausgrenzung schützen und unterstützen. Diese historische Lehre und daraus folgende Verantwortung hat Herr Krauß offensichtlich nicht verstanden."

(Gott-Zitat von Krauß nachträglich ergänzt)



#1 Svetlana LAnonym
  • 07.02.2020, 09:18h
  • Das Bundesverfassungsgericht hat damals (und wie so oft) nicht angeordnet, sondern den Job von Parlamentariern und Regierung gemacht, weil diese nicht aus dem Knick gekommen sind bzw. die Thematik ignoriert haben. Und wenn man keine Ahnung von nichts hat, dann greift man zu falschen Zahlen, Desinformation und Polemik. Wäre nicht mehrfach darauf hingewiesen worden, dass der Typ zur CDU gehört, hätte ich ihn der AfD zugeordnet (aber diese Grenzen verschwimmen ja mehr und mehr)
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#2 NonBinaryAnonym
  • 07.02.2020, 09:32h
  • So so. Mich gibt es also nicht.

    Wieder mal die klassische Herrschaftstechnik* Nr. 1 - das Unsichtbar machen.
    *auch Hauptunterdrückungsmechanismen genannt

    de.wikipedia.org/wiki/F%C3%BCnf_Herrschaftstechniken

    Fünf im Prinzip total einfache Techniken/ Mechanismen, die gerade wegen ihrer Einfachheit "blendend" funktionieren. Man leugnet einfach, dass es uns gibt, oder zumindest, dass wir so sind, wie wir sind - und schwupps! ist es auf dieser Grundlage erlaubt, uns zu diskriminieren. Denn allen Menschen, die doch anders empfinden, wird nahegelegt, sich "nicht so anzustellen", "nicht so herumzuspinnen" bzw. sich gefälligst in die geltenden Normen einzuordnen.

    Darüber hinaus finde ich es äußerst bezeichnend, dass der Herr als erste Informationsquelle die Bibel benennt, wenn es darum geht, wer "Kinder zeugen kann". Allein das spricht ja schon Bände.

    Na, die "Christlich" "Demokratische" Union halt wieder... hört einfach nicht auf, kapitale Böcke zu schießen. Eine Partei, die nicht davor zurückschreckt, einen Ministerpräsidenten von Gnaden der AfD zu unterstützen, sieht die Welt halt von ganz rechts außen. Von "Mitte", wie stets behauptet, keine Spur.

    Wer diese Partei wählt, wählt gegen die Interessen der Community. Das sollte nun langsam mal klar genug geworden sein.
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#3 Religioten-WatchAnonym
  • 07.02.2020, 09:45h
  • Und wieder ein evangelischer Christ, der Hassreden schwingt!
    "[...] Daneben ist er [Krauß] Verwaltungsratsmitglied des Diakonischen Werkes Aue/Schwarzenberg e. V. und des Ev.-Luth. Diakonenhauses Moritzburg e. V."

    de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Krau%C3%9F#Sonstiges

    Als Erzgebirgler hat er vermutlich nicht "Popanz", sondern "Böbonz" gesagt.
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#4 TheDadProfil
  • 07.02.2020, 10:16hHannover
  • ""2013 ätzte er im Landtag gegen Regenbogenfamilien: "Zum Kinderzeugen braucht man Mann und Frau. Das können Sie in der Bibel nachlesen, aber es gibt auch den einen oder anderen, der in Biologie aufgepasst hat." ""..

    Wer in der Bibel nachliest, wird in Biologie auch nicht wirklich aufpassen..

    Wer aber denkt das sich Familie auf "Kinder zeugen" reduziert, und damit alles was danach kommt vernachlässigt, der hat dann auch keine Ahnung von Familie und dem Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen in den Familien, in denen sie unter dem Heteronormativem Druck stehen..

    Allein der Unfug
    ""80 Prozent der Sachsen, die in einer Beziehung leben, haben sich für die Ehe entschieden""
    offenbart ja schon Sichtweise und Auffassung..

    Wer nicht verheiratet ist, ist in seinen Augen nichts wert..
    Die damit verbundene Abwertung von Singles, unverheirateten Paaren und Alleinerziehenden Familien wird damit in Kauf genommen, und das, obwohl sie zwischenzeitlich eher die Regel als die Ausnahme darstellen..

    ""Ein drittes oder noch mehr Geschlechter gebe es "nicht im realen Leben".""..

    Wie man sehen kann bietet das "reale Leben" noch ganz andere Überraschungen in Form von Kreationisten in der UNION..
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#5 AlexAnonym
  • 07.02.2020, 10:26h
  • Die CDU wird sich niemals ändern.

    Wenn es um deren spaltende Ideologie geht, leugnen sie sogar wissenschaftliche Fakten.
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#6 AmurPrideProfil
  • 07.02.2020, 10:28hKöln
  • ""..Für ihn zeige sich: Ein drittes oder noch mehr Geschlechter gebe es "nicht im realen Leben"..""

    Seine eigene Seifenblase zur Realität zu erklären ist jetzt nicht gerade eine neue Strategie von "konservativen" Mitmenschen....
    >>Wir Menschen leben zwar alle unter dem gleichem Himmel, haben aber bedauerlicherweise nicht alle den selben Horizont!<< [Albert Einstein]
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#7 N8EngelProfil
  • 07.02.2020, 11:07hWenden
  • Antwort auf #6 von AmurPride
  • Du zitierst Einstein - wow, das ist so ziemlich die Höchststrafe für einen guten deutschen Christen.
    Du musst doch mal verstehen, wie die Welt zu funktionieren hat: Männer gehen 5 Tage in der Woche arbeiten, kümmern sich Samstags um den Nachwuchs und gehen Sonntags in die Kirche. Frauen kümmern sich um Kinder, Küche und Kirche. Sexualität dient nur zur Nachzucht der eigenen Rasse. Alles was da nicht reinpasst ist Sünde und gehört verboten.
    Das der Großteil der Gesellschaft sich in den letzten 200 Jahren von den Zwängen befreit hat, das es wissenschaftliche Erkenntnisse gibt, die weit über die Bibel hinausgehen ist bei solchen Leuten noch nicht angekommen. Das es kaum Intersexuelle gibt könnte auch an der bis heute gängigen Praxis der Zwangszuweisung liegen.
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#8 vielEinfaltAnonym
  • 07.02.2020, 12:55h
  • Aha. Der Dude hat in Bio geschlafen und nur bei Religion aufgepasst. Das kommt dabei raus. als Politiker braucht er kein Fachwissen von anderen Sachgebieten, klar. Ohne Ahnung den Mund öffnen macht nur Mundstuhl. Mehr nicht.
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#9 FüchsleinAnonym
  • 07.02.2020, 13:58h
  • Hm ... mal überlegen:
    - Leute werden immer noch diskriminiert, wenn sie "anders" sind
    - große Leute in Kindergärten und Schulen wissen noch zu wenig
    - Leute können sich noch nicht mal drauf einigen wo und wie mensch auf Klo geht
    --> Weg wird vermieden wenn möglich

    War nicht wirklich überraschend ...
    Genauso wie es auch immer noch wenig überraschend ist, dass (auch heute noch) nicht jeder Mensch geoutet ist und es IMMER NOCH ein Problem für viele darstellt. Auch heute noch.
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#10 JadugharProfil
  • 07.02.2020, 15:04hHamburg
  • Also Intersexuelle und Transindente wollen sich nicht in die beiden Geschlechtsrollen einordnen. Nun Intersexuelle können es nicht, da die biologischen Voraussetzungen nicht gegeben sind. Die Ärzte können es ebenfalls nicht, außer sie nehmen eine Zwangsverstümmelung vor! Das ist massive Körperverletzung verursacht durch irreale Ideologien und sollte strafabr sein!
    Transindente ordnen sich zu dem ein, was sie empfinden.

    Der muß wohl im Biologieunterricht im Koma gelegen haben. In der Natur gibt es massenweise auch Zwitter und sie sind eine weit verbreitete Tatsache!
    Im Religionsunterricht war er mal kurzfristig leicht aufgewacht, wenn es da etwas gab, was in seinen kleinen Schädel paßte. Die Tatsache, daß Intersexuelle operativ verstümmelt worden sind, kann man in etlichen Arztberichten nachlesen. Damit ist es auch bewiesen, daß es Intersexuelle gibt, sonst wäre diese ja nicht der Fall gewesen! Wie kann man so realitätsfremd sein! Vielleicht ist er ein besserwisserischer Narzißt, der den Menschen Lügen einreden will, damit sein eng berenzter Schädel nicht überfordert wird?
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