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Hessen

Landesschulsprecher fordert: Besser über sexuelle Identitäten aufklären

Vorurteile und zu wenig Aufklärung, aber auch Lehrpläne zur Sexualerziehung und Aktionspläne für Vielfalt: Beim Thema sexuelle Identität an Schulen bewegt sich einiges. Doch kommt es auch im Alltag an?


Bei der Aufklärung von Schülerinnen und Schülern über sexuelle Identitäten haben Kultusministerien noch einiges zu tun… (Bild: Gays With Kids)

  • 7. Februar 2020, 09:18h 23 3 Min.

An Hessens Schulen wird nach Ansicht des Landesschulsprechers Paul Harder zu wenig über sexuelle Identitäten und Orientierungen aufgeklärt. "Es ist kein Thema, welches wirklich diskutiert oder ausgesprochen wird", sagte der 16-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Es werde eigentlich nur einmal im Biologieunterricht darüber aufgeklärt. Eine genaue Erklärung, was das wirklich sei, bekomme man nie. Der Landesschulsprecher fordert mehr Gespräche und Diskussionen mit Personen verschiedener sexueller Identitäten. Außerdem müssten mehr Anlaufstellen für Jugendliche geschaffen werden.

Die Sexualerziehung regelt seit 2016 ein Lehrplan (PDF), der von Bewegungen wie der homo- und transfeindlichen "Demo für alle" heftig bekämpft wurde (queer.de berichtete). Dieser gibt für die verschiedenen Altersklassen Inhalte vor, die in fachübergreifenden Konzepten erarbeitet und umgesetzt werden sollen. So heißt es darin, dass unterschiedliche sexuelle Orientierungen und geschlechtliche Identitäten in der Altersgruppe von 13 bis 16 Jahren behandelt werden sollen. Das Thema "Recht auf sexuelle Selbstbestimmung" ist demnach für Schüler von 16 bis 19 Jahren vorgesehen.


Landesschulsprecher Paul Harder verlangt, dass Lehrerinnen und Lehrer mehr über sexuelle Vielfalt sprechen (Bild: LSV Hessen)

"Das ist ein gültiger Lehrplan. Wir gehen davon aus, dass der umgesetzt wird", sagte Ministeriumssprecher Stefan Löwer (CDU). "Man muss den Schulen und Lehrkräften ein Stück weit vertrauen." Außerdem werde bei Projekten die Möglichkeit gegeben, mit Menschen unterschiedlicher sexueller Identität und Orientierung ins Gespräch zu kommen.

GEW: "Da ist viel im Gange"

In den vergangenen Jahren habe sich einiges getan, unter anderem wegen des Lehrplans, sagte die Lehrerin Mareike Klauenflügel. "Da ist viel im Gange, aber bis so etwas die Schule erreicht, braucht es tatsächlich engagierte Lehrkräfte vor Ort." Sie ist selbst lesbisch und stellvertretende Schulleiterin sowie Mitglied der Arbeitsgruppe "LesBiSchwule Lehrer_innen" der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Hessen.

Die Ansätze im Lehrplan findet Klauenflügel gut. Sie selbst sei voll geoutet und habe von Seiten der Schüler eher Interesse an dem Thema bemerkt, sagte sie. Die 41-Jährige werde zum Beispiel gefragt, ob sie denn an ihrer Hochzeit überhaupt ein Kleid getragen habe. Auch von Vorurteilen sei sie nicht verschont worden. Ein Schüler habe sie angesprochen, ob das stimme, dass sie lesbisch sei, sie sei doch so nett. Ein offenes Gespräch mit dem Jungen habe dann aber eher Neugier als Ablehnung geweckt.

Allerdings gebe es durchaus noch Schulleiter, die ihren Lehrkräften empfehlen würden, sich nicht zu outen, sagte Klauenflügel. Vor allem im ländlichen Raum gebe es für Lehrkräfte Probleme. Religiöse Gruppen würden dort teilweise Vorbehalte äußern und kritisieren. "Wenn Sie da keine Schulleitung haben, die Position bezieht und sich klar vor die Lehrkraft stellt […], dann ist man natürlich als Lehrkraft auch eingeschüchtert."

Verpflichtende Fortbildungen, vor allem für die Schulleitung, seien daher wichtig. "Wenn eine Leitung Vielfalt offen lebt, dann kann ein Kollegium Vielfalt offen leben und das wiederum ermöglicht es auch den Kindern", erklärte Klauenflügel.

Insgesamt, resümierte die 41-Jährige, sei man auf einem guten Weg. Neben dem Lehrplan des Kultusministeriums sei die Ausbildung der Lehrer mithilfe des Aktionsplans für Akzeptanz und Vielfalt verbessert worden. Für die angehenden Lehrkräfte gebe es bei Fragen rund um sexuelle und geschlechtliche Identität Ansprechpartner. "Wir starten mit Ausbildung, Fortbildung muss das Thema aufgreifen", erklärte Klauenflügel. Es solle noch sichtbarer werden, damit es nicht nur in der Ausbildung, sondern auch im Schulalltag präsenter werde.

Für Paul Harder und Mareike Klauenflügel ist vor allem eines klar: Es sei wichtig, offen und selbstbewusst zu sich zu stehen. "Offensiv damit umzugehen, führt dazu, dass die Kinder sich auch damit auseinander setzen können", sagte die Lehrerin. Es dauere einfach noch ein bisschen, bis das alle in den Schulen gelernt hätten. (dpa/dk)

-w-

#1 Julian SAnonym
  • 07.02.2020, 15:14h
  • Wenn sogar schon die Schüler mehr Bildung einfordern, wird es höchste Zeit, dass die Politik endlich handelt...
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#2 Nk231Anonym
  • 07.02.2020, 16:43h
  • Solange Homophobie nicht strafbar wird, kann es auch nicht besser werden. Diskriminierung und Homophobie kann das ganze Leben zerstören. Selbstverständlich muss das strafbar sein. Es gibt Länder, die das schon umgesetzt haben.
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#3 TheDad
  • 07.02.2020, 22:53hHannover
  • Antwort auf #2 von Nk231
  • ""Solange Homophobie nicht strafbar wird, kann es auch nicht besser werden.""..

    Äh ? Doch..

    Das Zauberwort dazu heißt ja "Bildung" und findet dann in Kindergärten und Schulen statt..

    Doch wenn diese Bildung nur ungenügend durchgeführt wird, so wie es Paul Harder zu Recht kritisiert, dann können auch die Erfolge nicht so schnell voranschreiten wie sie sollen..

    Das alles spricht nicht gegen eine Strafbarkeit, aber ist Teil eines Gesamtpaketes..
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