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Hessen

Landesschulsprecher fordert: Besser über sexuelle Identitäten aufklären

Vorurteile und zu wenig Aufklärung, aber auch Lehrpläne zur Sexualerziehung und Aktionspläne für Vielfalt: Beim Thema sexuelle Identität an Schulen bewegt sich einiges. Doch kommt es auch im Alltag an?


Bei der Aufklärung von Schülerinnen und Schülern über sexuelle Identitäten haben Kultusministerien noch einiges zu tun… (Bild: Gays With Kids)

An Hessens Schulen wird nach Ansicht des Landesschulsprechers Paul Harder zu wenig über sexuelle Identitäten und Orientierungen aufgeklärt. "Es ist kein Thema, welches wirklich diskutiert oder ausgesprochen wird", sagte der 16-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Es werde eigentlich nur einmal im Biologieunterricht darüber aufgeklärt. Eine genaue Erklärung, was das wirklich sei, bekomme man nie. Der Landesschulsprecher fordert mehr Gespräche und Diskussionen mit Personen verschiedener sexueller Identitäten. Außerdem müssten mehr Anlaufstellen für Jugendliche geschaffen werden.

Die Sexualerziehung regelt seit 2016 ein Lehrplan (PDF), der von Bewegungen wie der homo- und transfeindlichen "Demo für alle" heftig bekämpft wurde (queer.de berichtete). Dieser gibt für die verschiedenen Altersklassen Inhalte vor, die in fachübergreifenden Konzepten erarbeitet und umgesetzt werden sollen. So heißt es darin, dass unterschiedliche sexuelle Orientierungen und geschlechtliche Identitäten in der Altersgruppe von 13 bis 16 Jahren behandelt werden sollen. Das Thema "Recht auf sexuelle Selbstbestimmung" ist demnach für Schüler von 16 bis 19 Jahren vorgesehen.


Landesschulsprecher Paul Harder verlangt, dass Lehrerinnen und Lehrer mehr über sexuelle Vielfalt sprechen (Bild: LSV Hessen)

"Das ist ein gültiger Lehrplan. Wir gehen davon aus, dass der umgesetzt wird", sagte Ministeriumssprecher Stefan Löwer (CDU). "Man muss den Schulen und Lehrkräften ein Stück weit vertrauen." Außerdem werde bei Projekten die Möglichkeit gegeben, mit Menschen unterschiedlicher sexueller Identität und Orientierung ins Gespräch zu kommen.

GEW: "Da ist viel im Gange"

In den vergangenen Jahren habe sich einiges getan, unter anderem wegen des Lehrplans, sagte die Lehrerin Mareike Klauenflügel. "Da ist viel im Gange, aber bis so etwas die Schule erreicht, braucht es tatsächlich engagierte Lehrkräfte vor Ort." Sie ist selbst lesbisch und stellvertretende Schulleiterin sowie Mitglied der Arbeitsgruppe "LesBiSchwule Lehrer_innen" der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Hessen.

Die Ansätze im Lehrplan findet Klauenflügel gut. Sie selbst sei voll geoutet und habe von Seiten der Schüler eher Interesse an dem Thema bemerkt, sagte sie. Die 41-Jährige werde zum Beispiel gefragt, ob sie denn an ihrer Hochzeit überhaupt ein Kleid getragen habe. Auch von Vorurteilen sei sie nicht verschont worden. Ein Schüler habe sie angesprochen, ob das stimme, dass sie lesbisch sei, sie sei doch so nett. Ein offenes Gespräch mit dem Jungen habe dann aber eher Neugier als Ablehnung geweckt.

Allerdings gebe es durchaus noch Schulleiter, die ihren Lehrkräften empfehlen würden, sich nicht zu outen, sagte Klauenflügel. Vor allem im ländlichen Raum gebe es für Lehrkräfte Probleme. Religiöse Gruppen würden dort teilweise Vorbehalte äußern und kritisieren. "Wenn Sie da keine Schulleitung haben, die Position bezieht und sich klar vor die Lehrkraft stellt […], dann ist man natürlich als Lehrkraft auch eingeschüchtert."

Verpflichtende Fortbildungen, vor allem für die Schulleitung, seien daher wichtig. "Wenn eine Leitung Vielfalt offen lebt, dann kann ein Kollegium Vielfalt offen leben und das wiederum ermöglicht es auch den Kindern", erklärte Klauenflügel.

Insgesamt, resümierte die 41-Jährige, sei man auf einem guten Weg. Neben dem Lehrplan des Kultusministeriums sei die Ausbildung der Lehrer mithilfe des Aktionsplans für Akzeptanz und Vielfalt verbessert worden. Für die angehenden Lehrkräfte gebe es bei Fragen rund um sexuelle und geschlechtliche Identität Ansprechpartner. "Wir starten mit Ausbildung, Fortbildung muss das Thema aufgreifen", erklärte Klauenflügel. Es solle noch sichtbarer werden, damit es nicht nur in der Ausbildung, sondern auch im Schulalltag präsenter werde.

Für Paul Harder und Mareike Klauenflügel ist vor allem eines klar: Es sei wichtig, offen und selbstbewusst zu sich zu stehen. "Offensiv damit umzugehen, führt dazu, dass die Kinder sich auch damit auseinander setzen können", sagte die Lehrerin. Es dauere einfach noch ein bisschen, bis das alle in den Schulen gelernt hätten. (dpa/dk)



#1 Julian SAnonym
  • 07.02.2020, 15:14h
  • Wenn sogar schon die Schüler mehr Bildung einfordern, wird es höchste Zeit, dass die Politik endlich handelt...
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#2 Nk231Anonym
  • 07.02.2020, 16:43h
  • Solange Homophobie nicht strafbar wird, kann es auch nicht besser werden. Diskriminierung und Homophobie kann das ganze Leben zerstören. Selbstverständlich muss das strafbar sein. Es gibt Länder, die das schon umgesetzt haben.
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#3 TheDadProfil
  • 07.02.2020, 22:53hHannover
  • Antwort auf #2 von Nk231
  • ""Solange Homophobie nicht strafbar wird, kann es auch nicht besser werden.""..

    Äh ? Doch..

    Das Zauberwort dazu heißt ja "Bildung" und findet dann in Kindergärten und Schulen statt..

    Doch wenn diese Bildung nur ungenügend durchgeführt wird, so wie es Paul Harder zu Recht kritisiert, dann können auch die Erfolge nicht so schnell voranschreiten wie sie sollen..

    Das alles spricht nicht gegen eine Strafbarkeit, aber ist Teil eines Gesamtpaketes..
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#4 So ist dasAnonym
  • 08.02.2020, 16:04h
  • Antwort auf #2 von Nk231
  • Homophobie kann genauso wenig bestraft werden wie Pädophilie solange es nicht zu Taten ( was Taten sind ist zumindest im 2.
    Fall per Gesetz definiert) kommt.
    Taten kann man durch Prävention zu verhindern trachten.
    Im Falle von Taten aus Homophobie gehört dazu neben der Strafandrohung vordringlich Bildung.
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#5 Nk231Anonym
  • 08.02.2020, 17:02h
  • Antwort auf #4 von So ist das
  • Wenn es zu homophoben Taten kommt, was mittlerweile vermehrt auftritt, braucht es ein Gesetz um diese Taten strafrechtlich verfolgen und entsprechend bestrafen zu können. Momentan geht das nicht und das ist dringend einer Kritik wert.
    Was nutzt Aufklärung, wenn diese Personen genau wissen, dass Homophobie bei uns keine Straftat ist. Die machen sich doch darüber lächerlich.
    Selbstverständlich ist ein Gesetz, das Diskriminierung und Homophobie strafbar macht, hilfreich und wirkungsvoll, denn dadurch werden homophobe Menschen zumindest in der Mehrheit vorsichtiger. Auch Arbeitgeber werden es sich mehrmals überlegen, wann und ob aus welchem Grund sie jemandem kündigen. Zusätzlich hat das dann die Wirkung, dass zügiger geholfen wird und schneller eine akzeptable Lösung gefunden wird, weiß ich aus eigener Erfahrung. Solange keine Strafbarkeit vorhanden ist, denken viele: "Was soll's, es ist nicht strafbar - also ist es ja nichts schlimmes."
    Dazu ist natürlich auch wichtig, dass es nicht mehr möglich sein darf, keinen Grund mehr für die Kündigung anzugeben. Oder innerhalb der Probezeit grundlos kündigen zu können. Auch das muss sich verbessern, denn Arbeitnehmer müssen mehr Schutz erhalten. Es ist nicht richtig, dass Arbeitgeber sich gegen Diskriminierungsvorwürfe, obwohl sie es umsetzen, schützen können und die Betroffenen schutzlos dastehen.
    Sei ehrlich zu dir selbst: die LSBTTIQ bekommt damit die A-Karte und müssen ihr Leiden und ihren Schaden mit sich selbst ausmachen. Ich rede hier von einer Anzahl von Betroffenen, nicht von Einzelnen, die zufällig Glück hatten.

    Erzähle bitte nur nicht, man dürfe Meinungsfreiheit nicht einschränken. Denn Homophobie und Diskriminierung war noch nie eine Meinung, sondern ist in manchen Ländern bereits strafbar und war schon immer ein Schaden für Betroffene. Jemandem Schaden zuzufügen, nur weil ein Merkmal einem fremden Menschen nicht in den Kram passt muss selbstverständlich strafbar sein. Dazu stehe ich und davon bin ich überzeugt.
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#6 So ist dasAnonym
  • 08.02.2020, 17:38h
  • Antwort auf #5 von Nk231
  • Ganz ruhig.
    Ich bin doch völlig bei Dir.
    Natürlich müssen Taten aus Homophobie strafbewehrt sein und zwar mit einer gesetzlich fundierten Strafverschärfung wegen eines Deliktes aus Hass.
    Dazu gehören natürlich auch Taten durch Wort und Bild.
    Aber Homophobie selbst, als Einstellung, kann niemals strafbewehrt sein.
    Gedankenverbrechen gibt es noch nicht.
    Zum Glück.
    Homophobie als Einstellung kann nur durch präventive Maßnahmen wie Aufklärung und Bildung verändert werden.
    Wo ich Dir absolut zustimme, ist:
    Strafbewehrung und klare Benennung von Hasskriminalität aus Homophobie hilft im öffentlichen Meinungsbild solche Einstellungen als falsch zu erkennen und zu ächten.
    Das Gegenteil was zum Beispiel in Russland oder Polen mit der dort vorherrschenden Staatshomophobie bei der Bevölkerung vermittelt wird.
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#7 Nk231Anonym
  • 08.02.2020, 22:58h
  • Antwort auf #6 von So ist das
  • Ich bin die ganze Zeit ruhig.
    Es ist mir nur wichtig, deutlich zu machen, was dringend nötig ist.
    Von Gedanken hab ich nicht gesprochen, sondern von Diskriminierung und Homophobie. Damit meinte ich selbstverständlich Taten. Aber auch bestimmte Ausdrücke können strafbar sein. Nicht nur eine homophobe Tat, sondern auch eine verbale Äußerung kann homophob sein weswegen auch das strafbar werden muss.
    Gegen Bildung und Aufklärung habe ich nichts, aber das alleine wird keine Revolution hervorrufen. Wenn sich wirklich was verbessern soll, ist beides wichtig: Aufklärung/Bildung UND Strafbarkeit von Diskriminierung und Homo- und Transphobie. Das wirkt dann auch präventiv.
    Dazu ist dann aber auch wichtig, dass Rechtsschutzversicherungen nicht nur für die Versicherungen vorteilhaft sind, sondern vor allem Schutz für die Versicherten bietet. Klingt komisch, aber diese Voraussetzung bieten nicht alle Versicherungen gleichermaßen.
    Was dann ebenfalls aufhören muss, ist dieses Wischi-Waschi Argument von wegen Diskriminierung sei ja nur eine Ungleichbehandlung. In Bezug auf Homo- und Transphobie und Diskriminierung gegenüber der LSBTTIQ ist das völlige Ignoranz und falsch. Denn Ungleichbehandlung wäre, wenn eine Frau eine Arbeitsstelle nicht erhält, weil sie die körperlichen Voraussetzungen nicht erfüllt, die für die Stelle notwendig sind. Das hat aber mit Homophobie nichts zu tun, deswegen kann man das eine mit dem anderen gar nicht in Verbindung bringen.
    Deshalb muss da eine klare Trennung formuliert werden. Homo- und Transphobie sowie auch Diskriminierung ist eine schädliche Straftat. Dazu zählt dann automatisch auch die unzulässige Ungleichbehandlung, weil das dann keine Ungleichbehandlung mehr ist, sondern Diskriminierung. Es gibt also keine unzulässige Ungleichbehandlung, sondern das nennt sich Diskriminierung.

    Genauso auch die Irrungen und Wirrungen zwischen AGG und GG, wo keiner mehr wirklich deutlich nachlesen kann, was denn nun erlaubt ist und was nicht. Das ist ein einziger Irrgarten. Das lässt sich auflösen durch klare, deutliche Gesetze. Aber dazu braucht es klare und deutliche Gedanken und Einstellungen.
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#8 WotsefackAnonym
#9 TheDadProfil
  • 09.02.2020, 00:59hHannover
  • Antwort auf #5 von Nk231
  • ""Wenn es zu homophoben Taten kommt, was mittlerweile vermehrt auftritt,""..

    Es gibt zur Zeit noch keinerlei Belege dafür ob Homo-und Trans*-phobe Straftaten vermehrt auftreten, oder ob nur mehr darüber berichtet wird, und sich das Anzeigeverhalten der Opfer* verändert hat !

    ""Was nutzt Aufklärung, wenn diese Personen genau wissen, dass Homophobie bei uns keine Straftat ist.""..

    Äh ?
    Allein diese Fragestellung verdeutlicht wie wenig Du selbst über Aufklärung und das damit verbundene Ablegen von Vorurteilen weißt..
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#10 TheDadProfil