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Nachruf

Fassbinder- und Theater-Star Volker Spengler gestorben

Er war ein Schauspiel-Schwergewicht: Der schwule Charakterdarsteller Volker Spengler, berühmt geworden durch Regisseur Rainer Werner Fassbinder, ist mit 80 Jahren gestorben.


Seine prägnanteste Rolle: Volker Spengler als trans Frau Elvira Weißhaupt im Fassbinder-Film "In einem Jahr mit 13 Monden" (Bild: Studiocanal)
  • Von Gregor Tholl, dpa
    8. Februar 2020, 18:43h, noch kein Kommentar

Der mit seiner Hauptrolle im Fassbinder-Film "In einem Jahr mit 13 Monden" bekannt gewordene Schauspieler Volker Spengler ist tot. Er starb am Samstagvormittag im Alter von 80 Jahren in Berlin, wie die Deutsche Presse-Agentur aus seinem engen Freundeskreis erfuhr. Spengler wäre am 16. Februar 81 geworden.

Bei dem 2010 gestorbenen Regisseur Christoph Schlingensief gehörte Spengler in einigen Werken zum Ensemble, darunter in Filmen wie "Das deutsche Kettensägenmassaker", "100 Jahre Adolf Hitler – Die letzte Stunde im Führerbunker" und "Die 120 Tage von Bottrop" sowie bei Theateraufführungen an der Berliner Volksbühne wie "Rosebud".

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Seine berühmteste Rolle war eine trans Frau


Volker Spengler im Stück "Der perfekte Tag" (Bild: Volksbühne)

Berühmt geworden war der gebürtige Bremer Spengler aber mit seiner Rolle als trans Frau Elvira Weishaupt in dem Film "In einem Jahr mit 13 Monden" von Rainer Werner Fassbinder (1945-1982). In dem Drama aus dem Jahr 1978, in dem er eine Geschlechtsanpassung vornimmt und dann stirbt, war der schwule Schauspieler an der Seite von Kolleginnen wie Ingrid Caven, Elisabeth Trissenaar und Eva Mattes zu sehen.

Auch in Fassbinder-Filmen wie "Satansbraten", "Die Sehnsucht der Veronika Voss", "Chinesisches Roulette", "Die dritte Generation", "Die Ehe der Maria Braun" sowie in der TV-Miniserie "Berlin Alexanderplatz" wirkte Spengler mit.

In der Romanverfilmung "Der Unhold" von Volker Schlöndorff war er 1996 furchteinflößend an der Seite von Gottfried John und John Malkovich als Nazi-Politiker Hermann Göring besetzt.

Ein Schwergewicht des deutschen Theaters

In seiner jahrzehntelangen Bühnenkarriere arbeitete Spengler mit vielen Theater-Regiestars wie Peter Palitzsch, Frank Castorf und René Pollesch zusammen. In Heiner Müllers letzter Inszenierung, dem Brecht-Stück "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui", stand der schwergewichtige Spengler unter anderem neben Martin Wuttke auf der Bühne des Berliner Ensembles.

Spengler soll schon als 14-jähriger Anfang der Fünfzigerjahre zur See gefahren sein und später eine Kaufmannslehre gemacht haben, bevor er sich in einen norwegischen Wagner-Sänger verliebte und in Salzburg und am Wiener Max-Reinhardt-Seminar Schauspiel studierte. Seine frühe Laufbahn führte ihn mit Prominenten wie dem Komiker Heinz Erhardt und dem Regisseur Fritz Kortner zusammen. Mitte der Siebzigerjahre stieß er zum Fassbinder-Clan mit Schauspielern wie Margit Carstensen, Irm Hermann, Brigitte Mira und Kurt Raab.

Dreißig Jahre war er mit Bob zusammen

Sein Lebenspartner Bob war bereits am 20. April 1994 an den Folgen von Aids gestorben, er wurde im Familiengrab neben Spenglers Vater bestattet, Dreiißg Jahre war das Paar zusammen. "Ausgerechnet an Hitlers Geburtstag macht mein Freunde mich zu Witwe", soll Spengler seinem Arzt gesagt haben. Der habe geantwortet: "Das adelt den Tag."

"Die Welt" schrieb vor elf Jahren zu Spenglers 70. Geburtstag: "Auf der Bühne war er erratisch einzigartig, virtuos in seiner trockenen (scheinbaren) Nichtschauspielerei. Im Leben verbarg er die eigene Verletzlichkeit hinter einer provozierenden Art, die sich manches von der psychologischen Kriegskunst Fassbinders abgeschaut hatte."