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Statistik

Starker Anstieg der LGBTI-feindlichen Straftaten

Laut einer offiziellen Statistik schnellt die Zahl der homo- und transphoben Hasskriminalität binnen eines Jahres um bis zu 70 Prozent nach oben. Die Grünen fordern deshalb ein Bund-Länder-Programm.


Immer mehr LGBTI-feindliche Übergriffe werden von der Polizei gemeldet (Bild: René Mentschke / flickr)

Die Zahl der registrierten Straftaten, die aus Hass gegen Schwule, Lesben, Bisexuelle oder Transpersonen verübt werden, ist in die Höhe geschossen. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervor.

Wie die Partei mitteilte, seien im Jahr 2019 bislang 564 politisch motivierte Straftaten aufgrund der sexuellen Orientierung gemeldet worden, darunter 147 Gewalttaten. Das entspreche einem Anstieg von 60 Prozent bzw. 70 Prozent bei Staftaten gegenüber dem Vorjahr – "und das noch ohne mögliche Nachmeldungen", wie Ulle Schauws, die queerpolitische Sprecherin der grünen Fraktion, erklärte. "Das ist nicht nur ein dramatischer Anstieg, sondern eine Bankrotterklärung der Bundesregierung, auf die mit kaum nennenswerten Maßnahmen zur Bekämpfung der Homo- und Transfeindlichkeit geantwortet wird", so Schauws.

Allerdings sind diese Zahlen nur begrenzt aussagefähig, da die Bundesländer die Erfassung homo- und transphober Straftaten recht unterschiedlich handhaben. Die meisten Fälle kommen aus Berlin: Allein in den ersten drei Quartalen 2019 hatte die Berliner Polizei bereits 261 Fälle erfasst (queer.de berichtete). Ein Teil des Anstieges könnte damit zusammenhängen, dass die Anzeigebereitschaft gestiegen ist und dass mehr Länder entsprechende Fälle an die Bundesbehörden weitermelden.

Grüne fordern Maßnahmen

Als Reaktion auf den Anstieg forderten die Grünen die Bundesregierung auf, endlich zu handeln: "In Zusammenarbeit mit den Bundesländern soll ein Bund-Länder-Programm gegen LSBTI-feindliche Gewalt auf den Weg gebracht werden", so Schauws. Dieses Programm solle zielgenau Maßnahmen zur Forschung, Prävention sowie Aus- und Fortbildung bei Polizei und Justiz anschieben. In ganz Deutschland solle es außerdem Ansprechpersonen für die Belange von queeren Menschen in der Polizei geben.

Außerdem müssten Hassverbrechen besser erfasst werden. "Ein Rat von unabhängigen Sachverständigen soll mindestens alle zwei Jahre einen nach betroffenen Gruppen differenzierten Bericht vorlegen, der die objektive und subjektive kriminalitätsbezogene Sicherheit von LSBTI beschreibt und Indikatoren für ein kriminalitätsbezogenes Lagebild auswertet und weiterentwickelt", forderte Schauws. Des weiteren müssten mehr Schutzräume insbesondere für trans- und intergeschlechtliche Menschen geschaffen werden, die auch den "speziellen Bedürfnissen" von queeren Personen gerecht werden, die erkrankt oder behindert seien oder einer ethnischen Minderheit ("LSBTI of Color") angehörten.

Bereits zuvor hatte der LSVD kritisiert, dass die Bundesregierung beim Kampf gegen LGBTI-feindliche Hasskriminalität ein "Totalausfall" sei (queer.de berichtete). Dabei gibt es selbst von Politikern der Regierungskoalition entsprechende Forderungen: Im Dezember hatte Karl-Heinz Brunner, der SPD-Fraktionssprecher für die Belange von Schwulen und Lesben, bereits die Forderung erhoben, Hassdelikte gegen LGBTI härter zu bestrafen (queer.de berichtete). (cw)



#1 Tobi CologneAnonym
  • 11.02.2020, 14:49h
  • Was wir subjektiv geahnt haben, ist jetzt offiziell bestätigt:

    die LGBTI-feindlichen Straftaten schnellen rasant nach oben.

    Wofür wir jahrzehntelang gekämpft haben, steht plötzlich zur Disposition. Und sicher können wir uns definitiv nicht mehr fühlen.

    Es muss jetzt endlich etwas passieren, sonst wird es ein schlimmes Ende nehmen.

    Das erste wäre ein Ende der Groko, die die Unzufriedenheit im Land massiv steigert, was dann dazu führt, dass irgendwelche Loser Schuldige suchen, an denen sie ihren Frust abreagieren können.
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#2 PetterAnonym
  • 11.02.2020, 15:45h
  • Manche Leute tun ja gerne so, als sei das ein rein gesellschaftliches Problem, womit die Politik nichts zu tun hat.

    Natürlich sind in erster Linie die Mobber und Schläger selbst schuld. Aber dennoch passieren deren Taten nicht im luftleeren Raum und die Politik kann durchaus gegensteuern.

    Z.B. mit mehr Aufklärung an Schulen und einem Aktionsplan gegen Homo- und Transphobie. Das kann schon viel bewegen, Bewusstsein schaffen, etc.

    Und es wäre auch wichtig, überhaupt mal das genaue Ausmaß zu kennen. Aber ausgerechnet in Deutschland, wo sonst wirklich alles statistisch erfasst wird, wird dies nicht erfasst. Und alle entsprechenden Anträge von Grünen und Linken, das bundesweit zu ändern, wurden bisher von CDU, CSU und SPD abgeschmettert.

    Die Politik wird nicht alles verhindern können. Aber sie könnte zumindest gesellschaftliche Prozesse fördern, die die Gefahr reduzieren.
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#3 TWG2020Anonym
#4 antosProfil
#5 TimonAnonym
  • 11.02.2020, 19:56h
  • Antwort auf #4 von antos
  • Tja, dass viele GLBTI-feindlichen Straftaten gar nicht erst separat registriert werden, kannst Du Dich bei der Groko bedanken, die eine bundesweite Erfassung nach wie vor blockiert.
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#6 seb1983
#7 StimmviehAnonym
#8 zundermxeAnonym
  • 12.02.2020, 11:45h
  • Es reicht festzuhalten, dass es einen Anstieg der registrierten Fallzahlen gibt. Somit ergibt sich (wieder mal) ein klar belegbarer Handlungsbedarf.
    Einerseits zum Schutz und zum Umgang mit tatsächlichen Opfern. Andererseits zur Ursachenforschung, bundesweiter Erfassung und zur Prävention bis hin zu gesetzgebenden Maßnahmen.

    Niemand ist gerne Opfer.
    Opfer jedoch zu Einzelschicksalen zu erklären indem das Delikt und der gestiegene Trend dazu in Frage gestellt werden, führt u.a. dazu, Opfer alleine zu lassen, ihnen (unterstelle hier meist unbewusst) eine gewisse Mitschuld zu geben und die Gesellschaft (zu der wir nat auch gehören) aus der Verantwortung zu entlassen.

    Dies zu verhindern setzt unter uns die nüchterne Erkenntnis voraus, dass wir alle (potentielle) Opfer sind aus dem einfachen Grund Queer zu sein.
    Die Opfer tatsächlicher individueller Gewalt und Hetze sind nicht die einzigen Opfer.
    Wir sind es jedesmal genauso!
    Jedesmal, wenn wir zuerst überlegen was wir sagen oder wie wir uns verhalten in für uns nicht sicher scheinbaren Situationen. Jedes Vermeidungsverhalten, manche mögen es situativ angepasstes Verhalten nennen, ist Beleg dafür.

    Verhältst Du Dich draußen wie drinnen - jederzeit?
    Bist Du genauso bunt, fröhlich entspannt, offen und vllt auch schrill in Deinem Alltag wie wenn Du auf den CSD gehst?
    Hast Du ein bestimmtes Verhalten nur unter Freunden?

    Sobald wir auch nur in Details angepasstes Verhalten zeigen, lassen wir uns Freiheit nehmen und unterliegen der selben Gewalt und den Umständen, die dazu führen.
    Spreche hier nicht pauschal gegen angepasstes Verhalten (wer behauptet dies noch nicht gemacht zu haben, ist mMn entweder noch sehr jung oder reflektiert nicht wirklich). Spreche in diesem Zusammenhang von dem mMn auch unter uns nicht wenig verbreiteten Schutzreflex Hass und Gewalt zu bagatellisieren in der unterbewussten Hoffnung nicht selbst zum konkreten Opfer zu werden und dies alles für sich selbst noch im Griff zu haben (Selbststärkung durch Erzeugung von Distanz).

    Als erste Reaktion die Aussagekraft der Zahlen zu Hass und Gewalt in Frage zu stellen folgt daher der gleichen Logik wie bspw die Raumtemperatur im Wohnzimmer zu messen um dann zu sagen, dass es im Haus nicht kalt sei nur weil die Messung für ein Zimmer dies ergeben hätte.
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#9 PetterAnonym
  • 12.02.2020, 12:48h
  • Antwort auf #6 von seb1983
  • Würde man die Werte z.B. von vor 20 Jahren mit heute vergleichen, würde ich Dir zustimmen. Da kann man tatsächlich sagen, dass nicht erkennbar ist, ob es heute wirklich mehr ist oder das nur heute öfter angezeigt wird, weil das Thema damals für viele noch schambehafteter war.

    Aber wenn die LGBTI-feindlichen Straftaten innerhalb eines Jahres (!) um 70% gestiegen ist, glaube ich kaum, dass in so kurzer Zeit 70% sowas angezeigt haben, die das letztes Jahr nicht getan hätten.

    In so kurzer Zeit ist ein so sprunghaftes Ansteigen nicht anders begründbar als das naheliegende (was wir auch selbst merken): dass es wirklich mehr Gewalt gibt.
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#10 PetterAnonym
  • 12.02.2020, 13:24h
  • Antwort auf #7 von Stimmvieh
  • Wie kommst Du darauf?

    1. Die Union und die FDP sind schon lange und stabil deutlich niedriger als noch bei der letzten Wahl.

    2. Mit der AfD will keiner koalieren und wird das nach Thüringen auch nicht nochmal versuchen.

    3. Es reicht weder für Groko noch für Schwarz-Gelb.

    4. Die Grünen haben massiv zugelegt und sind vielleicht sogar bald stärker als die Union.

    5. Wenn es so weitergeht wie bisher, wird die AfD noch stärker als momentan. Dann wird es nächstes Jahr noch schlimmer als wenn es dieses Jahr Neuwahlen gäbe.

    Klar wird es nicht einfach, aber nächstes Jahr würde es noch schwieriger.

    Das einzige Zweierbündnis, was momentan möglich wäre, wäre Schwarz-Grün. Oder ein Dreierbündnis, wo man aber auch nicht an den Grünen vorbeikommt.

    Dann könnten die mal zeigen, ob sie bei der Union standhafter sind als die SPD. Schlimmer als jetzt kann es eh nicht werden, es kann nur besser werden.
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