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Premiere

Erstes gleichgeschlechtliches Paar hat in Nordirland geheiratet

Nach langem Warten konnten sich Robyn Peoples und Sharni Edwards ihren Traum von einer Heirat in der Heimat erfüllen.


Robyn Peoples (l.) und Sharni Edward schrieben am Dienstag Geschichte (Bild: Justin Kernoghan / Amnesty International)

In Nordirland hat sich am Dienstag zum ersten Mal ein homosexuelles Paar das Jawort gegeben: Die 26-jährige Robyn Peoples und ihre 27-jährige Partnerin Sharni Edwards heirateten in der unweit von Belfast gelegenen Stadt Carrickfergus. Nach Inkrafttreten des Gesetzes zur Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe in der britischen Provinz im Januar waren Wartefristen am Montag abgelaufen.

Sharni Edwards-Peoples sprach nach der Zeremonie von einem "komplett surrealen" Ereignis. "Wir leben buchstäblich unseren Traum", sagte sie. "Es ist unglaublich". Dass sie das erste verheiratete homosexuelle Paar in der Geschichte Nordirlands sein würden, hätten sie und ihre Frau nicht erwartet. Dies sei ein "absoluter und glücklicher Zufall", sagte Edwards-Peoples.

Twitter / rtenews | TV-Bericht des irischen Senders rte

Sie beide hätten "lange und hart" um die Gelegenheit gekämpft", "als gleichberechtigt angesehen zu werden", sagte Robyn Edwards-Peoples. "Und jetzt ist es soweit, und es ist einfach einzigartig", fügte sie hinzu.

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Ein langer Weg

Nach jahrelangem Stillstand in der Sache und Jahren ohne regionale Regierung in Stormont hatte das Parlament in London im letzten Sommer die Ehe-Öffnung mit der Vorgabe beschlossen, dass diese nur in Kraft tritt, wenn sich nicht bis zum 21. Oktober eine neue gemeinsame Regierung der zerstrittenen großen Parteien DUP und Sinn Fein bildet (queer.de berichtete). Über diesen Weg kam es auch zu einer Liberalisierung des Abtreibungsrechts.

Twitter / Love_EqualityNI | Die Kampagne "Love Equality" hatte jahrelang für die Ehe für alle gekämpft und war letztlich auf Hilfe aus London angewiesen

Die Ehe-Öffnung ist allerdings noch nicht abgeschlossen: Während neue gleichgeschlechtliche Paare beim Standesamt einen Termin für ihre Hochzeit beantragen können, müssen Paare, die bereits eine Lebenspartnerschaft abgeschlossen haben, für eine Umwandlung noch auf Ausführungsbestimmungen warten. Ohne diese sind auch noch keine kirchlichen Zeremonien möglich.

Die Frage der gleichgeschlechtlichen Ehe galt als einer der großen Streitpunkte in der nordirischen Politik – die radikal-protestantische Partei Democratic Unionist Party (DUP) kämpfte entschieden gegen die Ehe für alle. Nachdem das nordirische Parlament seit 2012 vier Mal die Ehe-Öffnung ablehnte, stimmte es 2015 mit 53 zu 51 Abgeordneten knapp dafür. Die DUP erklärte die Frage aber zu einer "Petition of Concern", womit eine Supermehrheit von 60 Prozent sowie Stimmen aus allen Parteien für die Verabschiedung eines Gesetzes notwendig gewesen wären (queer.de berichtete). 2017 lehnte auch der Oberste Gerichtshof von Nordirland die Ehe-Öffnung ab, da dies eine Frage der Politik sei (queer.de berichtete).

Twitter / dptfinance | Teile der nordirischen Regional- und Lokalpolitik feierten die Ehe-Öffnung bereits am Montag, noch ohne Paare

Das benachbarte Irland hatte die Ehe für alle 2015 nach einer Volksabstimmung geöffnet (und 2018 auch das Abtreibungsrecht liberalisiert). In England und Wales gibt es die Ehe für alle seit Ende März 2013, Schottland folgte im Dezember. Inzwischen gilt die Ehe für alle auch auf den Kanalinseln mit Ausnahme von Sark, auf der Isle of Man und in zehn der vierzehn Überseegebiete.

2018 hat eine Umfrage ergeben, dass 76 Prozent der nordirischen Bevölkerung die Ehe-Öffnung befürwortet. Nachdem im letzten April die 29-jährige Journalistin und Aktivistin Lyra McKee bei Ausschreitungen in Derry erschossen wurde, hatte ihre Partnerin sich öffentlich für Friedensbemühungen eingesetzt und auch LGBTI-Rechte inklusive der Ehe für alle eingefordert (queer.de berichtete). Am Dienstag gab die nordirische Polizei bekannt, im Zusammenhang mit ihrem Mord vier Männer im Alter von 20, 27, 29 und 52 Jahren festgenommen zu haben. Die "Neue IRA" hatte sich zu der Tat bekannt und als "tragisches Versehen" bezeichnet. (dpa/nb)