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Berichterstattung
"Bild" fragt: "Ist die CDU modern genug für einen schwulen Kanzler?"
Das Boulevardblatt beschäftigt sich in einer Titelstory auf bild.de damit, ob mit Jens Spahn ein offen schwuler Politiker die Christdemokraten übernehmen kann.
- 12. Februar 2020, 09:10h 2 Min.

Die Homepage des Boulevardblatts am Mittwochvormittag (Bild: bild.de)
Beim Aufrufen von bild.de prangt den Lesern am Mittwochvormittag mit großen Lettern die Aufschrift "Ist die CDU modern genug für einen schwulen Kanzler?" entgegen – daneben befindet sich ein Bild von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und seinem Ehemann Daniel Funke, den der CDU-Politiker aus Nordrhein-Westfalen 2017 geheiratet hatte (queer.de berichtete).
Mit diesem kostenpflichtigen Artikel macht das Boulevardblatt nach dem überraschenden Rückzug von Annegret Kramp-Karrenbauer auf, erst darunter folgt eine Geschichte zu dem konservativen Haudegen Friedrich Merz, der bei seiner letzten Bewerbung für den CDU-Chefposten 2018 vom Berliner Ex-Regierungschef Klaus Wowereit als homophob kritisiert worden war (queer.de berichtete).
Homophobe Werte-Union antwortet nicht
In dem Artikel zitiert "Bild" mehrere Politikexperten und Politiker – und konstatiert, dass Spahn viele "Initiativen, die der schwulen Community helfen", durchsetze, etwa PrEP zur Kassenleistung zu machen oder das Verbot von "Homo-Heilung" durchzusetzen. Andererseits sei er "auf bestimmten Feldern ein Konservativer". Dies mache seine Wahl angesichts des CDU-Richtungsstreits "komplizierter". Angesichts dessen sei es bezeichnend, dass die homophobe Werte-Union, die die Nähe zur AfD sucht, eine "Bild"-Anfrage zu diesem Thema unbeantwortet gelassen habe. Dennoch sagen CDU-Politiker wie Ex-Gesundheitsministerin Kristina Schröder oder der offen schwule Hamburger Ex-Bürgermeister Ole von Beust, dass ein Schwuler an der Spitze der CDU kein Problem mehr darstelle. Der Artikel schließt mit Meinungsforscher Hermann Binkert, der mit den Worten zitiert wird: "In allen Parteien gibt es profilierte homosexuelle Politiker."
Die meisten "Bild"-Leser sind aber offenbar keine Spahn-Fans: Bei der (nicht repräsentativen) Umfrage, wer Unionskanzlerkandidat werden solle, liegt er unter vier Männern auf dem letzten Platz – mit ganzen neun Prozent der Stimmen. Klarer Liebling der "Bild"-Fans ist Friedrich Merz.

In sozialen Netzwerken wird der Artikel wegen seiner plumpen Fragestellung kritisiert. Der deutsch-ghanaische Ex-Fußballnationalspieler Hans Sarpei, der in den Nullerjahren unter anderem in der Bundesliga für den VfL Wolfsburg und Bayer 04 Leverkusen gespielt hatte, merkte über die Headline sarkastisch an: "Nächste Folge: Warum nicht mal ein N****?"
/ HansSarpeiNächste Folge: Warum nicht mal ein N****? @titanic #kopfschütteln pic.twitter.com/99IQMlacjl
Hans Sarpei (@HansSarpei) February 12, 2020
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Werbetexter Peter Breuer ergänzte süffisant: "Homosexualität ist bekanntlich erst seit wenigen Jahren 'modern'." Die CDU müsse daher beobachten, "ob sich dieser Trend langfristig durchsetzt". (dk)
/ peterbreuerHomosexualität ist bekanntlich erst seit wenigen Jahren modern. Gerade eine Partei wie die CDU sollte sehr genau beobachten, ob sich dieser Trend langfristig durchsetzt oder nur ein Strohfeuer wie der Leoparden-Print oder die Plateau-Sandale ist. pic.twitter.com/u4D96D6MHC
Peter Breuer (@peterbreuer) February 11, 2020
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