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Einsatz für Menschenrechte

Trudeau beschwert sich im Senegal über die staatliche Verfolgung Homosexueller

Bei einem Afrika-Besuch setzt sich der kanadische Regierungschef für die Rechte sexueller Minderheiten ein, stößt allerdings auf taube Ohren.


Justin Trudeau ist seit Herbst 2015 Regierungschef in Kanada, dem flächenmäßig zweitgrößten Land der Welt

Der kanadische Premierminister Justin Trudeau hat am Mittwoch bei einem Staatsbesuch im Senegal die Kriminalisierung von Homosexuellen angesprochen. Senegals Präsident Macky Sall erklärte aber später gegenüber Journalisten, dass sich sein Land "mit seinen Gesetzen wohl fühlt". Auf gleichgeschlechtliche Handlungen stehen in dem islamisch dominierten westafrikanischen Staat Haftstrafen von bis zu fünf Jahren.

Trudeau sagte nach dem Gespräch mit Sall bei einer Pressekonferenz in Dakar, er sei ein "großer Verteidiger der Menschenrechte" und habe daher dieses Thema ansprechen müssen: "Wir wissen, dass der Senegal ein führendes Land bei den Themen Demokratie und Werte ist. Aber wir müssen alle mehr tun."

Präsident Sall: "Unsere Gesellschaft akzeptiert das nicht"

Sall betonte demgegenüber, dass keine Änderungen in der Gesetzgebung gegenüber sexuellen Minderheiten geplant sei. "Wir können im Senegal nicht Homosexualität legalisieren und morgen einen Gay Pride organisieren. Das ist nicht möglich. Unsere Gesellschaft akzeptiert das nicht", so Sall. "Das ist unsere Art zu leben. Das hat nichts mit Homophobie zu tun."


Präsident Macky Sall beharrt darauf, dass in seinem Land weiter Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt werden (Bild: Serigne diagne / flickr)

Trudeau war in den Senegal gekommen, um für Unterstützung bei der Bewerbung Kanadas für einen rotierenden Sitz im UN-Sicherheitsrat zu werben. Dafür wird er nach seiner Abreise auch in Norwegen und Irland erwartet.


Premierminister Justin Trudeau setzt sich im In- und Ausland für die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben ein – wie hier beim CSD Toronto (Bild: GoToVan / flickr)

Aus dem Senegal gibt es immer wieder Berichte über Verhaftungen aufgrund von Homosexualität. Vor eineinhalb Jahren wurden etwa vier Personen wegen "unnatürlicher Akte" und eines "Verstoßes gegen die Moral" festgenommen (queer.de berichtete). Deutschland sieht den Senegal trotz der Verfolgung grundsätzlich als "sicheres Herkunftsland" an.

In Afrika wird Homosexualität oft als "westlicher" Einfluss angesehen, der bekämpft werden müsse, obgleich die meisten afrikanischen Verbote gleichgeschlechtlicher Handlungen auf europäisches Kolonialrecht zurückgehen. Insbesondere Vertreter von Religionen werben für die Verfolgung sexueller Minderheiten und heizen die aggressive Haltung gegenüber Schwulen und Lesben an. Vergangenes Jahr erklärte etwa der Chef der anglikanischen Church of Nigeria, Homosexuelle würden die Gesellschaft "vergiften" (queer.de berichtete).

Die Bevölkerung der meisten afrikanischen Länder ist äußerst homophob eingestellt. Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2014 erklärten etwa 96 Prozent der Senegalesen, Homosexualität dürfe nicht akzeptiert werden. (dk)



#1 PetterAnonym
  • 13.02.2020, 11:42h
  • Toll, dass Trudeau immer wieder, und auch in entsprechenden Staaten vor Ort, Menschenrechtsverletzungen und die Verfolgung von LGBTI anprangert.
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#2 matsAnonym
  • 13.02.2020, 11:46h
  • "Das ist unsere Art zu leben. Das hat nichts mit Homophobie zu tun."

    Man stelle ich den Satz mal vor zu einer Gesetzgebung, die Schwarze mit empfindlichen Strafen bedroht, nur weil sie schwarz sind:
    "Das ist unsere Art zu leben. Das hat nichts mit Rassismus zu tun."
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#3 gastAnonym
  • 13.02.2020, 13:12h
  • Sehr schön und sehr mutig von Herrn Trudeau ...
    aber angesichts der Reaktion - hat er da ernsthaft eine positive Gegenreaktion, eine Antwort erwartet?
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#4 astfreundlichAnonym
#5 NuminexEhemaliges Profil
  • 13.02.2020, 14:31h
  • Ich habe immer noch die Bilder vor Augen, als er sich im Parlament unter Tränen für jahrzehntelanges erlittenes Unrecht gegenüber der kanadischen LGBT Community entschuldigte. Hart wenn dann die Erkenntnis reift, dass das in der Heimat weder jemals ein Kanzler dergestalt getan hat, noch die Aussicht besteht, dass es jemals jemand tut. Stattdessen wird dem Iran, der uns an Baukränen aufhängt und öffentlich zur Schau stellt, zum Jubliäum gratuliert, der Sultan von Brunei, der uns steinigen möchte, bekommt das Bundesverdienstkreuz und während wir in Tschetschenien gefoltert und getötet werden und das durch die Presse geht, schafft es Herr Maas uns mit keine Silbe auf der PK mit Lawrow zu erwähnen. Und obwohl man Sinti und Roma, Juden allenthalben , sogenannte Asoziale und Behinderte schon in den Mittelpunkt des nationalen Gedenktages des Opfer des Nationalsozialismus gestellt hat, übergeht man uns seit 1946 konsequent. So sieht die Realität aus. Und der rasant ansteigenden Hasskriminalität gegenüber der Community begegnet man, indem man sie außer in Berlin erst gar nicht erfasst oder in derselben Stadt nach Jahren der Gewalt gegen unsere Denkmal, eine Kamera aufstellt. Weil Kameras ja bekanntlich die Wurzel des Problems angehen.
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#6 seb1983
  • 13.02.2020, 15:08h
  • Antwort auf #4 von astfreundlich
  • Nun könnte man aber auch böse vermuten dass es bei einem Medienprofi wie ihm dabei eher um eine positive Berichterstattung in der Heimat ging.

    Praktische Auswirkungen waren nicht zu erwarten.
    In der senegalesischen Presse wird hiervon sicherlich nichts zu lesen sein.
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#7 panzernashorn
  • 13.02.2020, 15:19h
  • Für mich ist Justin Trudeau einer der ganz wenigen derzeitigen Politiker mit Charakter und Niveau, der sich jeglichen Respekt zurecht verdient und an dem sich der Rest ein mehr als deutliches Beispiel nehmen könnte - einfach ein feiner Kerl.
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#8 MariposaAnonym
#9 astfreundlichAnonym
  • 13.02.2020, 18:33h
  • Antwort auf #6 von seb1983
  • deine verleumdung kann ich nicht teilen, denn trudeau hat sich bereits häufig engagiert gezeigt.

    aber selbst wenn: der positive effekt, dass missstände angsprochen werden, ist da!

    in letzter konsequenz willst du allerdings lgbtiq-freunde und -verbündete mundtot machen. das passt in die reihe deiner üblichen kommentare.
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#10 Harmloser BoyAnonym
  • 13.02.2020, 21:39h
  • Die gesetzliche Liste der sogenannten "sicheren Herkunftsländer" müsste bei antischwulen Verfolgerstaaten jeweils einen ausdrücklichen, differenzierenden Zusatz bekommen, und zwar:
    "... Dies ist aber kein sicheres Herkunftsland in Bezug auf gleichgeschlechtliche Belange."

    Dies wäre die sachgerechteste, ehrlichste Lösung der Problematik dieses derzeit völlig ungenügenden und oberflächlichen Begriffs "sicher"!

    Mit einem solchen differenzierenden Zusatz in der gesetzlichen Auflistung der Herkunftsstaaten könnte den sich als schwul ausdrücklich bekennenden Verfolgten in einer angemessenen, würdigen Weise das Asyl unkompliziert und ohne Verweis auf das Individualverfahren ermöglicht werden!

    Zudem würde sachgemäss unterschieden: wer sich nicht auf antischwule Verfolgung beruft und somit in dem jeweiligen Unrechtsland nicht wirklich verfolgt wird, würde nicht aufgenommen.

    Die Grünen, die Linkspartei, die SPD, und auch die A-FDP, müssten allerdings der CDU mal nachdrücklich klarmachen, dass in dem Gesetzesdokument der Auflistung der sogenannten "sicheren Herkunftsländer" eben gleichgeschlechtliche Angelegenheiten gesondert zu berücksichtigen sind!!!
    Weil tatsächlich ein Unterschied besteht!
    Und weil eine solche gesonderte Erwähnung tatsächlich sachlich richtig wäre!
    So könnten antischwule Verfolgerstaaten gesondert und somit sachgerecht erfasst werden!

    Es müssten allerdings mal echt die Verve und der Mut vorliegen, in der gesetzlichen Auflistung der sogenannten "sicheren Herkunftsstaaten" die anti-gleichgeschlechtliche Verfolgung ausdrücklich zu erwähnen!!!
    Dies dürfte doch eigentlich nicht so schwer sein ... !!!

    ... Und ich bin schwul, und ich bin sehr stolz auf meine schwule Identität!
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