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  • 05. Oktober 2005 23 3 Min.

Erstmals ist die Vermutung, es würden sich wieder mehr Schwule anstecken, durch die Falllzahlen deutlich belegt.

Von Norbert Blech

Seit Jahren haben bundesweite Experten wie auch Mitarbeiter der örtlichen Aids-Hilfen gemutmaßt, es würden sich wieder mehr Menschen mit HIV anstecken. Doch die Zahl der neu gemeldeten HIV-Infektionen in Deutschland blieb die letzten Jahre über so gut wie konstant. Nun kann das Robert-Koch-Institut erstmals eine deutliche Steigerung der Neuinfektionen bei schwulen Männern melden.

550 neuinfizierte Schwule pro Halbjahr

Die letzten Jahre über gab es pro Jahr immer um die 2.000 Neuinfektionen - leicht unter 50 Prozent davon durch ungeschützten Geschlechtsverkehr zwischen Männern. Aufgrund der Zahlen des ersten Halbjahres 2005 wagt das rki nun die Prognose, dass die Neuinfektionen in 2005 insgesamt um 20 Prozent steigen, bei schwulen Männern sogar deutlich mehr. Innerhalb von vier Jahren habe es bei ihnen gar eine Steigerung von 80 Prozent gegeben - von rund 300 Neuinfektionen pro Halbjahr auf 550.

Zwar gibt es kleinere Ursachen für den allgemeinen Anstieg der Infektionen, etwa einen kürzeren Zeitraum zwischen Infektion und Diagnose oder sich Jahr für Jahr ändernde Auswertungsmethoden seitens des rki, ein Trend ist aber deutlich erkennbar: Schwule Männer stecken sich vermehrt an. Der Anteil des homosexuellen Geschlechtsverkehrs an den Gesamtinfektionen stieg von rund 38 Prozent auf rund 49 Prozent in 2005.

Die Zahlen zeigen, "dass die Zahl der Erstdiagnosen bei MSM (Sex zwischen Männern) in allen Altersgruppen deutlich ansteigt. Dabei nimmt in den letzten 12 Monaten im Vergleich mit den Vorjahren der Anteil der 25- bis 29-Jährigen sowie der 40- bis 49-Jährigen zu Lasten des Anteils der 30- bis 39-Jährigen leicht zu."

Besonders Schwule in Großstädten sind betroffen: in Berlin steckten sich zwischen dem 1. Juli 2004 und dem 30. Juni 2005 241 Männer durch ungeschützen Geschlechtsverkehr mit Männern an, 83 in Hamburg, 90 in Köln, 82 in München. Aber auch mittel-große Städte wie beispielsweise Münster sind mit 16 Fällen vertreten. NRW kommt in dem Zeitraum auf insgesamt 259 gemeldete MSM-Neuinfektionen.

Mehr Prävention, mehr Tests

"Diese Zahlen bestätigen leider eindrucksvoll, was unsere Präventionsmitarbeiter vor Ort seit langem in der Schwulenszene und darüber hinaus feststellen: das Schwinden von Aids in den Medien und die Heilungsphantasien aufgrund unterschiedlichster Faktoren - etwa der verharmlosenden Werbung der Pharmaindustrie - haben zu einer Präventionsmüdigkeit geführt", erklärte Guido Schlimbach von der Deutschen Aids-Hilfe und der Aids-Hilfe NRW. "Die Deutsche Aids-Hilfe sieht die Notwendigkeit, die zielgruppenspezifische Prävention bei schwulen und bisexuellen Männern zu verstärken. Hier müssen zusätzliche Mittel bereitgestellt werden!"

Das rki zieht aus den Beobachtungen den Schluss, "dass Neuinfektionen insbesondere verstärkt durch relativ frisch infizierte Personen weitergegeben werden, die entweder von ihrer Infektion noch nicht wissen oder die zwar von ihrer Infektion wissen, aber bisher weder eine antiretrovirale Behandlung erhalten noch in wünschenswertem Maße ihr Sexualverhalten im Sinne der Vermeidung von Übertragungsrisiken (Safer Sex) verändert haben." Daher sei eine "Ausweitung niedrigschwelliger Testangebote (kostenloser und anonymer HIV-Test) in Verbindung mit einer kompetenten Beratung" von großer Bedeutung, so das rki.

5. Oktober 2005, 15.20h

-w-

#1 Stefan K.Anonym
  • 05.10.2005, 16:12h
  • Man sollte die Preise für Kondome heruntersetzen und in Drogeriemärkten bzw. in anderen Geschäften, wo se Kondome verkaufen, darauf hinweisen, welche Gummis für den schwulen Sex geeignet sind, da ja manche reißen oder platzen, sobald se in den Anus gelangen.
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#2 Stefan K.Anonym
  • 05.10.2005, 16:13h
  • Noch eine Frage: Wofür stehen IVDA und HPL?
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#3 Norbert BlechAnonym
  • 05.10.2005, 16:56h
  • IDVA: intravenös (u.a. bei Drogenabhängigen)
    HPL: Personen aus Hochprävalenzländern
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