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FDP versus Grüne

Kauch begrüßt Scheitern des grünen Entwurfs zum Abstammungsrecht

Der Chef der Liberalen Schwulen und Lesben hält den grünen Entwurf zur Gleichbehandlung von Regenbogenfamilien für "fatal" und "heteronormativ". Denn dieser entrechte schwule Väter.


Michael Kauch war von 2003 bis 2013 Mitglied des Bundestages für die FDP Nordrhein-Westfalen (Bild: Deutscher Bundestag / Lichtblick / Achim Melde)

  • 14. Februar 2020, 12:37h 39 3 Min.

Michael Kauch, der ehemalige FDP-Bundestagsabgeordnete und heutige Bundesvorsitzende der Liberalen Schwulen und Lesben (LiSL), hat die Ablehnung des grünen Gesetzentwurfs "zur Anpassung der abstammungsrechtlichen Regelungen an das Gesetz zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts" (PDF) begrüßt. Der Bundestag hatte diesen Entwurf am späten Donnerstagnachmittag mit den Stimmen der Regierungsfraktionen sowie von AfD und FDP abgelehnt (queer.de berichtete).

Ziel des Entwurfs war es, dass die lesbische Ehepartnerin einer Frau, die ein Kind auf die Welt bringt, automatisch als Co-Mutter anerkannt wird. Derzeit muss die Ehepartnerin, anders als ein Ehemann bei heterosexuellen Ehepaaren, den komplizierten und bürokratischen Weg der Stiefkindadoption durchlaufen.

"Gut gemeint, doch fatal gemacht", so die Analyse von Kauch zum grünen Entwurf. Nach Meinung des 52-jährigen selbstständigen Beraters entrechte dieser schwule Väter, denn: "Der grüne Entwurf hätte die Chance auf mehr Mehreltern-Familien zunichte gemacht."

Er wünsche sich stattdessen ein umfassendes Gesetz: "Nun gilt es, das berechtigte Anliegen lesbischer Mütter mit Rechtssicherheit für schwule Väter in einem neuen Gesetzentwurf zu verbinden", so Kauch, der selbst 2013 Vater einer Tochter geworden ist (queer.de berichtete). Der FDP-Politiker warf der Ökopartei vor, die Vielfalt der Regenbogenfamilien zu ignorieren.

Kauch: Grüne denken "heteronormativ"

Das Problem sei laut Kauch, dass der Grünen-Entwurf "rein aus der Sicht lesbischer Zwei-Mütter-Familien geschrieben worden ist, in denen der Vater keine Rolle spielen soll". Immer mehr Regenbogenfamilien seien aber Mehreltern-Familien, "in denen neben den Müttern auch Väter aktiv Verantwortung für das Kind übernehmen. Auch für diese Familien muss das Familienrecht passen. Sie haben die gleiche Legitimität wie Zwei-Mütter-Familien", so Kauch. Er warf den Grünen vor, statt emanzipatorisch für alle Familienformen zu wirken, "in heteronormativen Denkmustern gefangen" zu bleiben.

LiSL fordert bereits seit mehreren Jahren, rechtlich die Mehrelternschaft anzuerkennen, um die Bedürfnisse von Kindern in Patchwork- und Regenbogenfamilien besser abzubilden (queer.de berichtete). So solle etwa bei einvernehmlichen Wunsch von Mutter, Vater und adoptionswilligem Stiefelternteil bei einer Stiefkindadoption das Verwandtschaftsverhältnis zu beiden leiblichen Elternteilen erhalten bleiben, so die Forderung. Die FDP-Bundestagsfraktion geht sogar noch weiter und fordert eine große Reform, mit der unter anderem Leihmutterschaften auch in Deutschland legalisiert werden sollen (queer.de berichtete).

Der eng gefasste Gesetzentwurf der Grünen, der bereits aus dem Sommer 2018 stammt, sprach diese Anliegen überhaupt nicht an. Allerdings gehört die "rechtlichen Absicherung von Mehrelternkonstellationen" auch zum im vergangenen Jahr vorgestellten Forderungskatalog der grünen Bundestagsfraktion, der aber in einem getrennten Gesetzentwurf verwirklicht werden soll (queer.de berichtete). (dk)

-w-

#1 LogikAnonym
  • 14.02.2020, 15:16h
  • Für wie dumm hält die FDP uns eigentlich?

    Wenn die Grünen ein Gesetz vorschlagen, dass (nach Meinung der FDP) noch Lücken hat, ist es laut FDP unmöglich, das später noch zu ergänzen / zu reformieren.

    Aber wenn die FDP einem Gesetz zustimmt, dass noch deutlich hinter dem Entwurf der Grünen bleibt, dann wird von späteren Ergänzungen fabuliert.
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#2 Taemin
  • 14.02.2020, 15:54h
  • Antwort auf #1 von Logik
  • Sehr richtig. Kauch lässt außer Acht, dass die rechtliche Mehrelternschaft und die Leihmutterschaft derzeit nicht durchzusetzen sind. Die Anerkennung der lesbischen Co-Mütter wäre indes ein tatsächlich gegenwärtig durchzusetzender Schritt, wenn nur die SPD ihr eigenes Versprechen einhielte. Im Übrigen stellt Kauch die Ablehnung durch die FDP fälschlich als Schutzmaßnahme zu Gunsten schwuler Väter der Kinder lesbischer Mütter dar. In Wahrheit können lesbische Mütter Kinder durchaus auch von nicht schwulen Vätern haben. Die FDP verhält sich also nicht proschwul, sondern contralesbisch.
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#3 Tobi CologneAnonym
  • 14.02.2020, 15:55h
  • Wie immer bei der FDP:
    man labert viel darüber, was noch alles geändert werden müsste, stimmt aber doch dafür.

    Die altbekannte Diskrepanz zwischen Reden und Handeln, die manche Parteien bis zur Perfektion treiben.

    Da die Zustimmung der FDP nicht nötig gewesen wäre, hätten sie ja dagegen stimmen können, um ein Zeichen zu setzen. Aber nein, man stimmt dafür, versucht das dann nachher aber gegenüber LGBTI-Wählern zu relativieren, indem man einfach was komplett anderes erzählt. Und dann auch noch Konkurrenten mit Schmutz bewirft.
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