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Radikalisierung von Alice Weidel

Von der weltgewandten Ökonomin zur rechten Scharfmacherin

Die offen lesbische Politikerin Alice Weidel, die mit ihrer Partnerin im Ausland ein Kind großzieht, will Landeschefin der AfD in Baden-Württemberg werden.


Alice Weidel führt neben Alexander Gauland die 89-köpfige AfD-Bundestagsfraktion an (Bild: Deutscher Bundestag / Marc-Steffen Unger)
  • Von Claudia Haas, AFP
    14. Februar 2020, 13:09h 16 3 Min.

Alice Weidel entspricht auf den ersten Blick nicht gerade dem Idealbild der AfD: Die 41-Jährige ist offen homosexuell, sie lebt mit ihrer Partnerin und deren zwei kleinen Söhnen in der Schweiz. Doch die promovierte Volkswirtin zählt keineswegs zu den vergleichsweise gemäßigten Stimmen der Partei. Ihr Einfluss in der AfD wächst stetig. Am Wochenende will sie Landesvorsitzende in Baden-Württemberg werden.

Schon früh machte sich Weidel in der AfD als Scharfmacherin einen Namen. Ihr zentrales Thema: Der angebliche Zerfall der inneren Sicherheit in Deutschland als Folge der Flüchtlingskrise. Der Grund, dass sie 2013 in die neu gegründete Partei eintrat, war allerdings die Euro-Rettungspolitik der Bundesregierung – das zentrale Thema der AfD in ihrer Gründungszeit, weshalb sie anfangs von vielen Ökonomen unterstützt wurde.

Ihre Biografie weist die in Nordrhein-Westfalen geboren und aufgewachsene Weidel als weltgewandte Ökonomin aus. Nach ihrem Studium der Volks- und Betriebswirtschaftslehre war sie bei einer Investmentbank tätig, bevor sie einige Jahre nach China ging. Danach arbeitete sie im Vorstandsbüro eines weltweiten Vermögensverwalters, bis sie sich schließlich darauf spezialisierte, Start-up-Unternehmen zu beraten.

"Die politische Korrektheit gehört auf den Müllhaufen der Geschichte"

In der AfD rückte Weidel bereits 2015 in den Bundesvorstand auf, seit Ende 2019 ist sie stellvertretende Parteivorsitzende. Im Bundestagswahlkampf 2017 bildete Weidel mit Alexander Gauland das Spitzenkandidatenduo der AfD. "Die politische Korrektheit gehört auf den Müllhaufen der Geschichte", rief sie auf dem Wahlparteitag im April 2017.

Die AfD werde als erstes wie versprochen "den Untersuchungsausschuss Angela Merkel" initiieren, um der Kanzlerin angebliche "Rechtsbrüche" nachzuweisen, sagte Weidel, nachdem die AfD im Herbst 2017 mit 12,6 Prozent als drittstärkste Kraft in den Bundestag eingezogen war.

Weidel übernahm an der Seite Gaulands die Spitze der Fraktion – und die Oppositionsführerschaft im Bundestag. Die neue Bühne nutzt sie nach Kräften. Im Mai 2018 erteilte ihr Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) einen Ordnungsruf, nachdem Weidel in einer Rede gegen "Burkas, Kopftuchmädchen, alimentierte Messermänner und sonstige Taugenichtse" gewettert hatte.


Mit AfD-typischer Islamophobie begründet Alice Weidel sogar die Ablehnung von Homosexuellenrechten (Bild: Facebook / AfD)

Weidel änderte ihre Meinung zum völkischen "Flügel"

Eine Kehrtwende vollzog Weidel im Umgang mit dem rechtsnationalen "Flügel" in der AfD. Anfang 2017 war sie noch eine der treibenden Kräfte im Ausschlussverfahren gegen den Thüringer Partei- und Fraktionschef Björn Höcke. Doch seit längerem zeigt sich Weidel dem an Macht gewinnenden "Flügel" und dessen Chef betont zugewandt. Als Fraktionsvorsitzende müsse sie "stets dialogbereit sein", so ihre Begründung.

Ende 2018 geriet Weidel wegen Wahlkampfspenden aus dem Ausland unter Druck. Über die Züricher Pharmafirma PWS flossen vor der Bundestagswahl 2017 rund 130.000 Euro auf das Konto des AfD-Kreisverbands Bodenseekreis, dem Weidel angehört. Als Verwendungszweck war "Wahlkampfspende Alice Weidel" angegeben. Das Geld wurde zurückgezahlt, allerdings erst Monate später. Parteispenden aus dem Nicht-EU-Ausland sind verboten. Die Staatsanwaltschaft Konstanz nahm Ermittlungen auf.

In Baden-Württemberg, wo Weidel ihren offiziellen Hauptwohnsitz hat, will sie jetzt erreichen, was ihr noch 2017 misslungen war: Sie will Vorsitzende des AfD-Landesverbands werden. Die AfD im Südwesten ist seit langem heillos zerstritten, es tobt ein erbitterter Machtkampf zwischen "Flügel"-Anhängern und gemäßigteren Kräften. Sie wolle Gräben zuschütten und Einigkeit herstellen, begründete Weidel die Kandidatur. Sollte sie gewählt werden, dürfte der Wahlkampf für die Landtagswahl im Frühjahr 2021 an Schärfe gewinnen.

 Update  Weidel ist am Samstag auf dem Landesparteitag in Böblingen zur neuen Landesvorsitzenden gewählt worden.

-w-

#1 NuminexEhemaliges Profil
  • 14.02.2020, 14:33h
  • Es ist ja kein Wunder, dass sie mittlerweile mit dem Faschisten Höcke kooperiert, denn nachdem ihr Machtkampf mit selbem verloren ging wurde die Angst zu groß, bei fortwährendem Kampf selbst über die Klinge springen zu müssen. Beispiele gibt es ja zuhauf. Lucke und Petry sind schließlich auch dem Radikalisierungsprozess der Partei zum Opfer gefallen.
    Wie man bei der Vita Mitglied der AfD sein und ihre Positionen vetreten kann erschließt sich mir nicht im Ansatz. Ich denke ein Psychologe hätte alle Hände voll zu tun.
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#2 Taemin
  • 14.02.2020, 15:58h
  • Was die politische Betätigung der Frau Weidel angeht, kann ich nur den Kopf schütteln und ihr eigenes Lieblingswort benutzen: "Unglaublich!"
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#3 DominikAnonym
  • 14.02.2020, 16:17h
  • Diese Frau will bzw. macht für ihre Karriere alles, auch wenn es ihrem privatem Lebebsrntwurf völlig entgegen stehtund hat keine Scheu über Leichen zu gehen. Diese Karrieristen, die, um weiter Karriere zu machen auch den Faschismus dazu nutzen, sind 1000x gefährlicher als die dumpfen Skins auf der Straße oder der schimpfende Peguda-Opa, da sie genau wissen wie sie Menschen für ihre eigene Macht und Karriere manipulieren können. Die AFD ist voller solcher Leute, was Sie zur gefährlichsten Partei seit der NSDAP macht. Die NSDAP konnte die Leute genauso perfekt manipulieren und schwache demokratische Parteien hatten 1930 - 1933 keine Lösung. Man hat gesehen wozu das geführt hat. Diese Parallelen zur heutigen Situation mit der AFD sind das was einem Angst machen muss, aber auch aufs schärfste bekämpft werden muss. Das fängt im eigenen Umfeld an, indem man seinem Familien- und Bekanntenkreis immer wieder darauf achtet dass keinerlei rassistisches jnd homophobes Gedankengut aufkommt, auch wenns mal unbedacht ist (z.B. Schwul als Schimpfwort). Wehret den Anfängen ist leider zu spät, wir sind schon mittendrin!
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