Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?35566

US-Präsidentschaftswahlen

LGBTI-feindliche Aussagen holen Bloomberg ein

Der Multimilliardär, der Donald Trump als US-Präsident ablösen will, hat sich immer wieder mit teils derben Sprüchen abwertend über sexuelle oder geschlechtliche Minderheiten ausgelassen.


Michael Bloomberg gibt mehr als jeder andere Kandidat für seinen Wahlkampf aus – bei der Debatte wurde er von allen Seiten angegriffen (Bild: Screenshot MSNBC)

Bei seinem ersten Teilnahme an einer Debatte mit den anderen Kandidaten ist der New Yorker Ex-Bürgermeister Michael Bloomberg am Mittwochabend in Las Vegas von den anderen fünf Bewerberinnen und Bewerbern scharf attackiert worden. Dabei wurde auch sein Verhältnis zu LGBTI gestreift, da in den letzten Tagen Kritik an mehreren homo- und transphoben Äußerungen des 78-Jährigen laut geworden ist.

Senatorin Elizabeth Warren wurde in der vom Sender NBC veranstalteten Debatte am deutlichsten: "Ich möchte gerne darüber sprechen, gegen wen wir hier Wahlkampf machen: gegen einen Milliardär, der Frauen als fette Bräute und pferdegesichtige Lesben bezeichnet. Ich rede nicht von Donald Trump, ich rede von Bürgermeister Bloomberg."

Direktlink | Highlights der Debatte – der Zusammenschnitt beginnt mit Warrens Bloomberg-Trump-Vergleich

Warren bezog sich dabei auf ein Buch aus dem Jahr 1990, das die "Washington Post" vor wenigen Tagen komplett wiederveröffentlicht hat und viele mehr als fragwürdige Zitate enthält. Das von Warren angesprochene Zitat bezieht sich auf eine angebliche Bloomberg-Äußerung über das Königshaus in England: "Die königliche Familie – was für ein Haufen von Blindgängern. Einer ist schwul, einer Architekt, dann diese pferdegesichtige Lesbe, ein Knabe, der [US-Fotografin und -Schauspielerin] Koo Stark für irgendeine fette Braut aufgegeben hat." In der Debatte bestätigte oder dementierte Bloomberg das Zitat nicht.

In dem Buch wird auch beschrieben, wie er seine Gegner mit homophobem Vokabular beschimpft. Einen prominenten heterosexuellen Mann soll er etwa als "koksende Schwuchtel voller Frauengeschichten" bezeichnet haben.

LGBTI-Aktivisten weisen auch darauf hin, dass diese Äußerungen von Bloomberg bis in die Gegenwart hineinreichten. So berichtete "Buzz Feed News" erst am Dienstag über ein Video einer Diskussionsveranstaltung aus dem Jahr 2019, in der sich der Milliardär über Transpersonen lustig machte. Transfrauen charakterisierte er als "irgendeinen Typen, der ein Kleid trägt" und bezeichnete Transpersonen als "er, sie, es".

Twitter / HAlanScott

Bereits 2016 hatte Bloomberg die Demokraten für ihre Forderung nach Trans-Rechten kritisiert, die der Partei in ländlichen Gebieten schaden könnten. Er sagte damals etwa, dass insbesondere Wähler im Mittleren Westen das "Konzept, dass irgendein Mann ein Kleid anzieht und dann in die Umkleide mit deren Tochter geht", nicht verstehen könnten.

Sein Wahlkampfbüro wies allerdings Vorwürfe der Transphobie zurück. Vielmehr habe sich Bloomberg als (damals republikanischer) Bürgermeister von New York City stets für Transrechte eingesetzt und kurz nach seinem Amtsantritt 2002 ein Gesetz unterzeichnet, das die Bürgerrechte von Transpersonen schütze. Sein Firmenimperium schütze außerdem trans Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausdrücklich. "Mike will Donald Trump besiegen, um seine vielen Gesetze und Initiativen rückgängig zu machen, die die Rechte der Transgender-Community beschneiden", hieß es in eine Stellungnahme.

2011 hatte (der inzwischen parteilose) Bloomberg in seiner dritten Amtszeit als Bürgermeister außerdem ausdrücklich die Ehe-Öffnung im Bundesstaat New York unterstützt – und nach der Gleichstellung als Standesbeamter für zwei seiner Beraterinnen fungiert.

Unterstützung von Isaac Mizrahi und Tim Gunn

Bloomberg wird auch von LGBTI-Ikonen unterstützt, etwa vom New Yorker Modesdesigner Isaac Mizrahi. Er attestierte Bloomberg in einem Twitter-Video, dass der Politiker sehr für queere Themen sensibilisiert sei. Auch der schwule Modeberater Tim Gunn sagte dem Milliardär seine Unterstützung zu; Gunn war im US-Fernsehen als Mentor der von Heidi Klum moderierten Modeshow "Project Runway" bekannt geworden und wird ab Ende März an der Seite von Klum in einer neuen Fashionshow auf Amazon Prime Video zu sehen sein.

Twitter / IsaacMizrahi

In der Debatte in Las Vegas attackierte auch Pete Buttigieg, der erste offen schwule Präsidenteschaftskandidat der Demokraten, seinen Konkurrenten aus New York, sprach allerdings die LGBTI-feindlichen Äußerungen nicht an. Vielmehr warf der 38-Jährige dem Milliardär vor, die Demokratische Partei kaufen zu wollen. Tatsächlich steckte Bloomberg bereits jetzt unglaubliche Summen in den Wahlkampf: Er gab bereits mehr als 300 Millionen Dollar aus seinem Privatvermögen aus, weit mehr als seine Rivalen. Für ihn ist das allerdings wie Geld aus der Portokasse: Laut dem Magazin "Forbes" ist er mit einem Vermögen von mehr als 64 Milliarden Dollar der zwölftreichste Mensch der Welt – damit ist er 20 Mal reicher als Präsident Trump.

In einem weiteren Schlag gegen Bloomberg (und auch gegen Bernie Sanders) erklärte Buttigieg, dass die Partei einen Kandidaten aufstellen solle, "der auch wirklich ein Demokrat ist". Bloomberg trat erst 2018 der Demokratischen Partei bei, Sanders ist ebenfalls erst Parteimitglied geworden, um Präsidentschaftskandidat der Demokraten werden zu können.

An den bisherigen Vorwahlen in Iowa und New Hampshire hat Bloomberg nicht teilgenommen, auch die kommenden Termine in Nevada und South Carolina lässt er aus. Erst zum sogenannten Super-Dienstag am 3. März will der 78-Jährige einsteigen. Dann wird in gleich 14 Bundesstaaten gewählt, darunter Kalifornien und Texas.

Wettbüros sehen derzeit den linken Kandidaten Bernie Sanders als Favoriten auf die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten an, dicht gefolgt von Bloomberg. Buttigieg liegt auf Rang drei. Geht es darum, wer die Präsidentschaftswahl im November gewinnt, hat Donald Trump derzeit aber die Nase vorn.

Wöchentliche Umfrage

» Die US-Demokraten entscheiden derzeit, wer Trump herausfordern wird. Wer ist dein/e Favorit/in?
    Ergebnis der Umfrage vom 17.02.2020 bis 24.02.2020


-w-

-w-


#1 PetterAnonym
  • 20.02.2020, 13:45h
  • Es kann nicht sein, dass der jetzt erst ins Rennen eintritt und meint, sich seine Kandidatur erkaufen zu können.

    Erst recht nicht mit solchen Positionen.

    Meine Favoriten sind Buttigieg, Sanders und Warren. Wobei Warren wahrscheinlich die besten Chancen hat und als Frau auch viele Frauenstimmen bekommen könnte.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 NuminexEhemaliges Profil
  • 20.02.2020, 14:40h
  • Das sind im Grunde genauso ekelerregende und menschenfeindliche Aussagen, wie man sie auch Trump zuschreiben würde. Wenn die demokratische Basis Verstand hat und vor allem, die Partei einen Rest Glaubwürdigkeit in Bezug auf ihre Werte behalten möchte, ist der Herr unwählbar.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 Leon 4Anonym
  • 20.02.2020, 14:57h
  • Antwort auf #2 von Numinex
  • Sollte Bloomberg überraschend die Nominierung und somit auch die meisten Stimmen gewinnen sollte er auch als Kandidat aufgestellt werden... Wenn die Dems dann trotzdem n anderen Kandidaten aufstellen, wo werden die enttäuschten Wähler wohl ihr Kreuz setzen? Sicher net bei der Partei die ihnen dann gerade bewiesen hat das ihre Stimme im Zweifel nichts wert ist....

    Werte und so sind ja schön und gut, aber wenn die Regierung effektiv daran arbeitet diese Werte abzuschaffen ist es nicht förderlich sich aufgrund von Prinzipientreue selbst ins Abseits zu schießen... Im Gegensatz zu den Reps kann man bei dem Dems immer noch die Hoffnung haben das trotz eines fragwürdigen Präsidenten zumindest die Strukturen drum herum funktionieren...
  • Antworten » | Direktlink »
#4 NuminexEhemaliges Profil
  • 20.02.2020, 16:09h
  • Antwort auf #3 von Leon 4
  • Selbstverständlich sollte er bei erfolgreichem Vorwahlkampf aufgestellt werden.
    Ich habe die Hoffnung und Erwartungshaltung formuliert, dass es die Basis gar nicht dazu kommen lässt, indem sie jemand integerem das Vertrauen ausspricht.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 Leon 4Anonym
  • 20.02.2020, 16:43h
  • Antwort auf #4 von Numinex
  • Ah... Hmm, Bloomberg hat halt die Kohle und kann unzählige spots senden so das er auch in weniger politisch interessierten Landkreises "auf dem Plan" steht.... Wer jetzt nicht effektiv die Vorwahlen verfolgt für den ist biden der "alte mit dem kaputten Herz", pete das "schwule milchgesicht" und warren die "quotenemanze"... Und dann hast den alten, weißen Mann der etwas weiter rechts als biden steht und auf seine wirtschaftlichen Erfolge verweisen kann...

    Ich selbst würde ja auch lieber Warren oder Sanders sehen, halte Blomberg aber durchaus für realistisch....
  • Antworten » | Direktlink »
#6 zundermxeAnonym
  • 20.02.2020, 22:06h
  • Im Zweifel ist Demokratie immer die Wahl des kleineren Übels, leider.

    Natürlich bleibt zu hoffen, dass sich Bloomberg nicht bei den Demokraten durchsetzen kann.
    Wäre schon zu hoffen, wenn die US-Wahlen nicht vollends zum Spiel der Milliardäre verkommen würden.
    Bin (zum Glück) nicht in der Situation, würde aber, wenn es die einzige Möglichkeit wäre, natürlich für Bloomberg und damit gegen Trump stimmen. Ohne jede Frage.
    Schätze die demokratische Partei so ein, dass sie sich im Zweifel gegen einen demokratischen Trump als Präsident zur Wehr setzten würden im Unterschied zu den Republikanern.

    Werd also weiter Bernie die Daumen drücken damit nach hoffentlich erfolgreicher Wahl mehr passiert als nur einfach Trump aus dem weißen Haus zu schmeißen.

    Time for change - Bernie for President!

    :-)
  • Antworten » | Direktlink »
#7 MariposaAnonym
  • 21.02.2020, 13:29h
  • Er ist keinen Deut besser als Trump (bisweilen sogar schlimmer), er hat mit ihm nur privat eine Rechnung offen. Deswegen wirft seinen Hut in den Ring und er würde die demokratische Partei zerstören.
    Schlichtweg keine Alternative !

    Buttigieg wäre sicherlich nicht mein Wunschkandidat (auch er ist zu kapitalistisch eingestellt), aber aus bestimmten Gründen würde ich ihn durchaus unterstützen.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 Leon 4Anonym
  • 21.02.2020, 14:22h
  • Antwort auf #7 von Mariposa
  • Keinen deut besser als trump.... Auch wenn ich seine Aussagen fraglos dämlich finde und seine Polizeierlasse freilich rassistische Grundzüge offenlegen kann ich das schlichtweg nicht auf eine Stufe stellen mit auf amerikanischen Boden eingesperrten Kindern in Massenlagern ohne Zugang zu hygienischer Grundversorgung... Oder mit der Aushebelung jeglicher Kontroll- und Regulierungsorganen, den Steuervorteilen von mulitmilliardären auf Kosten der Unterschicht, dem ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen, das scheitern des Atomdeals etc...

    In wie weit Bloomberg kein deut besser ist musst du mir bitte noch konkretisieren....
  • Antworten » | Direktlink »
#9 nickAnonym
  • 22.02.2020, 12:17h
  • Bloomberg hat zu wenig Argumente gegen Trump, beide superreiche konservative Arschlöcher.
    Ich denke deshalb werden die Demokraten Bloomberg verhindern.
    Sanders wird, wie letztes Mal, wahrscheinlich von den elitären Strippenziehern in der Partei abgesägt, denn er ist zu gefährlich für die Geldelite. Übrig bleibt Buttigieg, er kann viele Menschen umgarnen, ein Mann der schönen Worte, ohne viel dahinter. Seine Medicaid-Pläne klingen umfangreich und billiger und freier als die von Sanders, ändern aber de facto nicht das kranke System der Gesundheitsausbeutung in Amerika. Macht ein auf modern (er ist ja schwul), zieht aber gleichzeitig freiwillig als Soldat in völker- und menschenrechtswidrige Kriege.
    Wer den Leuten so schön so viel Blödsinn auf einmal vermitteln kann ist der richtige Mann für diesen Job. Ich glaube viele Schwule feiern ihn, aber ich glaube, wenn mehr über ihn und seine profillosen Pläne rauskommt (basically:ich bin moderat und Trump ist doof) wird einem das schnell wieder vergehen
  • Antworten » | Direktlink »
#10 daVinci6667
  • 22.02.2020, 13:03h
  • Antwort auf #9 von nick
  • Sehe das ähnlich. In einer Schweizer Zeitung wurde deshalb Buttigieg als schwuler Obama bezeichnet.

    Damals waren alle froh und feierten den Fortschritt, endlich gab es mal einen dunkelhäutigen, heute eben vielleicht einen schwulen Präsidenten. Beide waren und sind eher zahm und auf Wallstreet-Linie. Mit Sanders hingegen könnte es einen echten Wechsel geben. Hauptsache aber es wird nicht wieder das Trumpeltier.
  • Antworten » | Direktlink »