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Berlinale-Blog

Zwei Teddy Awards für "Futur Drei"

Zum 34. Mal wurden am Freitagabend in der Berliner Volksbühne die Teddy Awards vergeben. Das Regiedebüt "Futur Drei" von Faraz Shariat räumte gleich zweimal ab. "Welcome to Chechnya" erhielt den Amnesty-Filmpreis.


Das jährliche Schlangestehen, um an Kinokarten zu kommen, hat wieder begonnen (Bild: Alexander Janetzko / Berlinale)

Am Donnerstagabend wurden in Berlin die 70. Internationalen Filmfestspiele eröffnet. Bis zum 1. März werden rund 340 Filme gezeigt. Dabei konkurrieren 18 Produktionen um den Goldenen und die Silbernen Bären, darunter auch Filme von zwei deutschen Regisseuren: "Undine" von Christian Petzold und "Berlin Alexanderplatz" von Burhan Qurbani.

Die Berlinale ist nicht nur das wichtigste deutsche Filmfestival, sondern mit dem offiziellen TEDDY Award auch das queerste der Welt. Der TEDDY Reader's Award wird in diesem erneut von einer Leser*innenjury von queer.de vergeben.

In diesem Blog sammeln wir News, Eindrücke, Fotos und Tratsch vom diesjährigen Festival. (mize)


Live-Ticker (abgeschlossen, chronologisch)

29.02., 15:43h

Amnesty-Filmpreis für "Welcome to Chechnya"


Den Filmpreis der deutschen Sektion von Amnesty International bekam "Welcome to Chechnya", der sich auch den Berlinale-Publikumspreis sicherte. Der US-amerikanische Dokumentarfilm über die Verfolgung von LGBTI in Tschetschenien überzeugte die Jury um Schauspielerin Anke Engelke, Regisseur und Schauspieler Sebastian Schipper, Schauspielerin und Filmemacherin Maryam Zaree und Amnesty-Generalsekretär Markus N. Beeko. Die Dokumentation von David France lief in der Sektion "Panorama" der Berlinale.

Die Amnesty-Jury begründet ihre Entscheidung wie folgt:

"Es ist möglich, dass ein Film über Verfolgte in einem homophoben Unterdrückungsregime Mut macht. Wegen der expliziten Folterszenen mit den verschwommenen Gesichtern will man weinen und schreien vor Wut; man will applaudieren und jubeln vor Begeisterung über Menschen, die ihr Leben aufs Spiel setzen: Liebende und Helfende.

Der Titel greift dabei zu kurz: Denn dieser Film geht weit über Tschetschenien hinaus. Es ist ein Film über ein Prinzip, in dem der oder die vermeintlich Andere als krank oder lebensunwürdig markiert wird, sei er oder sie nun queer, politisch andersdenkend, jüdisch, muslimisch, BIPoC. In Zeiten, in denen auch in Deutschland Menschen aufgrund ihres zugeschriebenen Andersseins erschossen werden, mahnt uns der Film, Position zu beziehen und aktiv zu werden.

‚Welcome to Chechnya‘ lässt uns ohne Rücksicht die Brutalität und Unmenschlichkeit erleben, die es bedeutet, als der Mensch, der man ist, gehasst und mit dem Tode bedroht zu werden. Nur um dann in einem emotionalen Höhepunkt das eigentlich Nicht-Zeigbare sichtbar zu machen: Das Glück und die Schönheit, die es bedeutet, der sein zu dürfen, der man ist; ein freier Mensch."

In diesem Jahr ist der Amnesty International Filmpreis zum 16. Mal verliehen worden. Die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung soll Filmschaffende ermutigen, ihre Arbeit den Menschenrechten zu widmen. (cw/pm)

15:36h

Unsere Jury über "Futur Drei": So geht Kino heute!



Die ersten Mitglieder sind schon wieder auf dem Heimweg. Knapp 30 Langfilme musste sich unsere Leser*innen-Jury, bestehend aus (v.l.n.r.) Detlef Stoffel, Robert Moussa, Joyce Newrzella, Fabian Schäfer und Amanda Halbrock, in nur wenigen Tagen anschauen, um am Ende übereinstimmend "Futur Drei" zum Sieger küren.

Hier dokumentieren wir ihre Begründung:

"Futur Drei" ist junges, frisches, politisches Kino. Ein Film, der aktueller nicht sein könnte, und die Themen Flucht, Migration, Identität, Ankommen, Zweifel und Konflikte der Generationen immer authentisch und ohne erhobenen Zeigefinger behandelt. Eine Geschichte von gesellschaftlicher Relevanz, die von den persönlichen Erfahrungen des Regisseurs und seines Umfelds profitiert, und so durchaus semi-dokumentarisch wirkt. "Futur Drei" beweist ein Gespür für ausgearbeitete, klischeefreie Charaktere und einen Blick für wohl gestaltete Bilder. Ein Erstlingswerk für fast alle Beteiligten, das Hoffnung macht. Ein Film wie ein Ausrufezeichen: So geht Kino heute!

Interessant: Wie im Vorjahr fielen die Preise der "kleinen" und der "großen" Teddy-Jury auf denselben Film. Noch einmal herzlichen Dank an die "Queer Five" für ihren rastlosen Einsatz! (mize)

13:01h

Zwei Teddy Awards für "Futur Drei"


Regisseur Faraz Shariat erhielt zwei Teddys für "Futur Drei" (Bild: Diana Rasch)

Zum 34. Mal wurden am Freitagabend in der Berliner Volksbühne die Teddy Awards vergeben, die queeren Filmpreise der Berlinale. Das Regiedebüt "Futur Drei" von Faraz Shariat räumte dabei gleich zweimal ab: Zu Beginn der Gala wurde der Film über einen schwulen Deutsch-Iraner, der sich in einen Flüchtling verliebt, mit dem Teddy Readers‘ Award powered by queer.de ausgezeichnet, und am Ende erhielt er auch noch den Preis für den besten Spielfilm.


Szene aus "Futur Drei" (Bild: Edition Salzgeber)

Den Jury-Preis erhielt in diesem Jahr der zärtliche Spielfilm "Rizi" des taiwanesischen Regisseurs Tsai Ming-Liang über die intensive Begegnung zweier junger Männer in Bangkok.

Die argentinische Filmemacherin Augustina Comedi konnte für "Playback. Ensayo de una despedida" den Preis für den besten queeren Kurzfilm mit nach Hause nehmen. Im Mittelpunkt des Films steht die Diva "La Delpi", die in den späten Achtzigerjahren die einzige Überlebende einer Gruppe von trans Frauen und Dragqueens ist.

Als bester queerer Dokumentarfilm wurde "If it were love" ausgezeichnet. Patric Chiha gewährt darin einen experimentellen Blick hinter die Kulissen von Gisèle Viennes Rave-Tanzstück "Crowd", das 2018 auch an der Berliner Volksbühne zu sehen war.

Erstmals wurde in diesem Jahr der Teddy Activist Award vergeben, gesponsert vom Unternehmer Harald Christ. Ausgezeichnet wurden die Hauptdarsteller*innen aus David France bewegendem Dokumentarfilm "Welcome to Chechnya" über die Verfolgung queerer Menschen in Tschetschenien und das LGBT-Netzwerk in Moskau, das Betroffenen bei der Flucht hilft.

Die zweieinhalbstündige Gala konnte in diesem Jahr mit einem hervorragenden Kulturprogramm punkten. Der junge Sänger Leopold verzauberte den Saal mit seiner Aura und seiner Stimme, während Edson Cordeiro und das Babylon Orchester Berlin sehr bewegend an die rund hundertjährige Geschichte des queeren Kinos erinnerten und mit dem "Lila Lied" einheizten. Eine besondere Entdeckung war auch trans Saxofonistin Holly Schlott, die ihr "TransSax" hervorragend beherrscht. Auch Akrobatin Emma Laule bot eine atemberaubende Performance.

Einzig an Annie Heger, der neuen Moderatorin der Gala, schieden sich die Geister. Die einen fanden die recht plumpen Witze der lesbischen Comedienne total genial, die anderen zum Fremdschämen. (mize)

Facebook / ALEX Berlin | Die komplette Gala im Stream

25.02., 12:13h

Filmtipp: "Suk Suk"


Bild: New Voice Film Productions

Zu den heißen Anwärtern auf den TEDDY AWARD gehört auch der Film "Suk Suk" des Hongkonger Regisseurs Ray Yeung über zwei Großväter, die sich ineinander verlieben. Am Mittwoch feiert er in der Sektion "Panorama" Premiere.

Mit routinierten Handgriffen macht sich der Hongkonger Taxifahrer Pak bereit, poliert den traditionell knallroten Lack seines Autos auf Hochglanz und holt seine Enkelin von der Schule ab. Nachdem er jahrelang seine Familie mit dem Taxifahren durchgebracht hat, steht er nun am Ende seiner Berufstätigkeit, weigert sich aber, den Job gänzlich an den Nagel zu hängen.

Auf der Suche nach anonymem Sex begegnet er Hoi, pensioniert, geschieden und selbst Großvater. Nach einer ersten flüchtigen Begegnung verbringen sie wiederholt Zeit miteinander. Doch schon eine spätabendliche Textnachricht scheint ihren Alltag aus dem Gleichgewicht zu bringen. In einem Badehaus finden sie Raum für zärtliche Nähe und intime Momente.

Ray Yeungs Film basiert auf Oral-History-Aufzeichnungen und gewährt einen berührenden Einblick in eine verborgene Lebenswelt. Gekonnt thematisiert er dabei die Diskriminierung und Isolation von älteren Menschen, die außerhalb traditioneller Familienstrukturen leben. In ruhigen, subtil beobachtenden Bildern erzählt er feinfühlig von der leidenschaftlichen Liebe zweier Männer im Alter. (cw/pm)

12:08h

Eine verdiente Kamera für Ulrike Ottinger


Bild: Alexander Janetzko / Berlinale 2020

Nachträglich noch ein Bild von der ersten Preisverleihung der diesjährigen Berlinale: Am Wochenende wurde die lesbische Regisseurin und Künstlerin Ulrike Ottinger mit der Berlinale Kamera.

Herzlichen Glückwunsch auch von uns!

24.02., 09:40h

Vier queere Kurzfilme

Im Rahmen der "Berlinale Shorts" werden jedes Jahr auch bis zu 30 Welturaufführungen und internationale Premieren von Kurzfilmen einem breiten Publikum vorgestellt. Vier Beiträge haben diesmal eine queere Thematik – ab heute sind sie im Kino zu sehen:

HaMa'azin


Bild: Shiri Kuban

Besonders spannend ist "HaMa'azin" von Omer Sterenberg. Der Kurzfilm handelt von einem jungen, israelischen Geheimdienstmitrbeiter, der heimlich u.a. die Telefonate eines schwulen Palästinenser-Paares abhört. Zu sehen im Programm "Berlinale Shorts II".

Playback. Ensayo de una despedida


Bild: Agustina Comedi

Im Mittelpunkt des argentinischen Kurzfilms "Playback. Ensayo de una despedida" von Agustina Comedi steht die Diva "La Delpi", die in den späten Achtzigerjahren die einzige Überlebende einer Gruppe von trans Frauen und Dragqueens ist. Underground-Shows in Kellertheatern gaben ihnen Halt im Kampf gegen Aids und Polizeigewalt. Zu sehen im Programm "Berlinale Shorts I".

Genius Loci


Bild: Kazak Productions – Folimage

Der französische Kurzfilm "Genius Loci" von Adrien Mérigeau handelt von der jugendlichen Reine, die auf der Suche ist - aber nicht weiß wonach. In zarten Zeichnungen sehen wir die Welt durch ihre Augen, in den fließenden Animationen wird ihre Wahrnehmung erfahrbar. Zu sehen im Programm "Berlinale Shorts V".

Inflorescence


Bild: Nicolaas Schmidt

Der deutsche Kurzfilm "Inflorescence" von Nicolaas Schmidt ist nicht direkt queer, aber eine kunstvolle Hommage an den Widerstand innerhalb einer düsteren Welt: Rosarote Rosenblüten, auf ewig vereint, ertragen zusammen stürmische Zeiten und schwere Gewitter. Zu sehen im Programm "Berline Shorts II".

23.02., 18:23h

Levan Gelbakhiani ist "European Shooting Star"


(Bild: Natalia Ghlonti)

Auf der Suche nach einem Hauptdarsteller für sein offen queeres Liebesdrama "Als wir tanzten" wurde Drehbuchautor und Regisseur Levan Akin via Instagram auf den 1997 in Georgien geborenen Tänzer Levan Gelbakhiani aufmerksam. Der hatte zunächst aufgrund der Homophobie in seinem Heimatland Vorbehalte, die Rolle anzunehmen. Erst nach einem persönlichen Treffen mit Akin stimmte er zu – und gab in "Als wir tanzten" ein furioses Leinwanddebüt.

Für seine Leistung wurde Gelbakhiani von der Kritik bereits hochgelobt: Er erhielt die Darstellerpreise der Filmfestivals von Minsk, Odessa und Sarajevo sowie zahlreiche weitere Nominierungen, u.a. für den Europäischen Filmpreis. Zudem erhielt er den Schwedischen Filmpreis als Bester Hauptdarsteller.

Als es bei der Georgien-Premiere von "Als wir tanzten" im November 2019 zu homophoben Protesten durch rechtsextreme Gruppen und die Georgische Orthodoxe Kirche kam, unterstützte Gelbakhiani zusammen mit seinem Co-Star Bachi Valishvili und dem Regisseur Levan Akin öffentlich die LGBTI-Community und kritisierte den entgegengebrachten Hass.

Aktuell gehört Gelbakhiani der zeitgenössischen Ballettkompanie von Giorgi Aleksidse an, wo er eine Ausbildung für moderne Choreografie absolviert. Bei der Berlinale 2020 wird er am Montag u.a. neben Jonas Dassler ("Der goldene Handschuh") und Ella Rumpf ("Tiger Girl") als einer der "European Shooting Stars" ausgezeichnet.

"Als wir tanzten" wird am 9. April im Verleih der Edition Salzgeber in den deutschen Kinos starten. Bereits im März wird der Film in der queerfilmnacht zu sehen sein. Den deutschen Trailer gibt es hier. (cw)

22.02., 17:54h

Auf in die TEDDY PopUp BAR!


Auch wer keine Kinokarten mehr ergattern konnte, hat jetzt einen guten Grund, zum Potsdamer Platz zu fahren. Erstmals auf der Berlinale gibt es im Sony Center in der Bellevuestraße 1 eine TEDDY PopUp BAR!

Noch bis zum 1. März hat die kleine queere Café-Bar täglich ab 12 Uhr bis spät geöffnet und bietet neben Kaffee, Bier und Cocktails auch kleine Gerichte an. Das Kindl vom Fass kostet bezahlbare 3 Euro.

Die TEDDY PopUp BAR! war nicht von langer Hand geplant. Erst drei Wochen vor dem Start der Berlinale bekam das TEDDY-Team das Angebot, das komplett leerstehende Ladenlokal zu übernehmen. Von den Stühlen bis zu den Gläsern musste es alles kurzfristig anschaffen - und gleichzeitig Nachnutzer*innen finden. Wie wir hörten, ist ein Gastro-Geschirrspüler ab 2. März noch zu haben.


Entstanden ist ein supergemütlicher Treffpunkt, um zwischen zwei Filmen eine kleine Pause einzulegen, mit dem hübschen spanischen Regisseur zu flirten, diesen Blogbeitrag zu schreiben, über Kolleg*innen aus der Branche zu lästern oder einfach nur eine Pinkelpause mit abenteuerlicher Wendeltreppe einzulegen. Da sehen wir auch mal großzügig darüber hinweg, dass auf genderneutrale Toiletten verzichtet wurde.

Da es nicht allzuviele Plätze gibt, ist die TEDDY PopUp BAR! zudem höchst kommunikativ. Anfragen für Reservierungen können an bar@teddyaward.org geschickt werden. (mize)


08:07h

Filmtipp: "Futur Drei"


(Bild: Edition Salzgeber)

Zu den heißen Anwärtern auf den TEDDY AWARD gehört in diesem Jahr "Futur Drei". In seinem autobiografischen Regiedebüt schildert Faraz Shariat, Jahrgang 1994, das Heranwachsen eines Einwanderer-Sohns – und liefert damit junges, queeres, post-migrantisches Kino aus Deutschland. Ein entschlossener Gegenentwurf zu einem konventionellen deutschen Kino, in dem Erlebnisse und Geschichten von Einwanderern und ihrer Familien allzu oft ausgeschlossen oder misrepräsentiert werden.

Parvis wächst als Kind der Millenial-Generation im Wohlstand seiner iranischen Einwanderer-Familie auf. Dem Provinzleben in Hildesheim versucht er sich durch Popkultur, Grindr-Dates und Raves zu entziehen. Nach einem Ladendiebstahl muss er Sozialstunden als Übersetzer in einer Unterkunft für Geflüchtete leisten. Dort trifft er auf das iranische Geschwisterpaar Banafshe und Amon. Das Trio entwickelt eine fragile Dreiecksbeziehung, die zunehmend von dem Bewusstsein geprägt ist, dass ihre Zukunft in Deutschland ungleich ist.

"Futur Drei" zieht seine Kraft "aus all den schillernden, geistreichen und intensiven Begegnungen innerhalb Communities von PoC in Deutschland", erklärt Shariat im Interview. Für sein Plädoyer für Diversität wurde der Film beim First-Steps-Award 2019 als Bester Spielfilm ausgezeichnet, Shariats junges Darsteller*innen-Ensemble Benjamin Radjaipour, Banafshe Hourmazdi und Eidin Jalali erhielt den Götz-George-Nachwuchspreis.

Der Film hat am Sonntag, den 23. Februar, um 21 Uhr im CinemaxX 7 Premiere und wird danach noch zweimal laufen – am 24. und am 29. Februar. Offizieller Kinostart des Films ist am 28. Mai.

Mehr zu "Futur Drei" auf der Berlinale-Homepage, auf der Website des Verleihs sowie in unserem Vorbericht. (cw)

07:55h

Berlinale Kamera für Ulrike Ottinger


(Bild: Jelka von Langen)

Am heutigen Samstag wird der erste Preis der 70. Internationalen Filmfestspiele verliehen: Die Berlinale Kamera geht in diesem Jahr an lesbische Regisseurin und Künstlerin Ulrike Ottinger.

Die Verleihung findet um 16 Uhr im Haus der Berliner Festspiele statt. Danach wird die Weltpremiere von Ottingers Dokumentarfilm "Paris Calligrammes" als Beitrag im Berlinale Special präsentiert.

Ottinger gehört seit den Siebzigerjahren zu den bedeutendsten deutschen Filmemacherinnen. Mit ihren experimentellen und dokufiktionalen Filmen schuf sie ein Oevre aus bislang 25 Werken, darunter die bekannte "Berlin Trilogie" aus "Bildnis einer Trinkerin", "Freak Orlando" und "Dorian Gray im Spiegel der Boulevardpresse".

Die 1942 in Konstanz geborene Künstlerin, die seit vielen Jahren in Berlin lebt, wird am 30. April auch vom größten schwul-lesbischen Filmfestival der Schweiz mit dem "Pink Apple Festival Award" ausgezeichnet. (cw)



#1 WolfgangProfil
  • 25.02.2020, 16:25hBielefeld
  • Was sollen uns diese illusionären Filme - es gibt keine Liebe: weder bei jungen Menschen und schon gar nicht bei Älteren.
    Romeo und Julia war schon eine einzige zum Drama aufgeblasene Lüge...und Romeo und Julius ist eine einzige Lächerlichkeit, eine Groteske...man lebt und stirbt allein!!!
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#2 HagenAnonym
  • 26.02.2020, 11:49h
  • Antwort auf #1 von Wolfgang
  • Welch traurige Lebensanalyse. Ich lebe den genauen Gegenentwurf: Liebe, Vertrauen, tröstende Zweisamkeit. Bin schon sehr gespannt auf den Film der beiden Väter. Hört sich hinreißend
    optimistisch an.
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#3 BockbeinAnonym
  • 26.02.2020, 18:56h
  • Antwort auf #1 von Wolfgang
  • Doch es gibt sie. Mehr als 40 Jahre war ich mit meinem Freund zusammen. Bei seinem Tod war ich bei ihm. Bei einem letzten angstvollen Aufbäumen konnte ich ihn beruhigen und bilde mir ein, er wußte, wer bei ihm war.
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#4 daVinci6667
  • 26.02.2020, 21:21h
  • Antwort auf #1 von Wolfgang
  • Ohne Liebe sähe ich keinen Sinn zu leben. Mein Mann auch nicht. Sind schon über 20 Jahre zusammen und werden immer zusammen bleiben bis das der Tod uns scheidet.

    Oder auch nicht. Denn der jeweils andere ist so lieb, so unkompliziert und die reinste Seele, das wir mit dem im nächsten Leben gleich nochmals zusammen leben möchten.

    Also glaube mir, es gibt sie. Gerade auch unter zwei Männern.
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#5 NuminexEhemaliges Profil
  • 29.02.2020, 20:57h
  • Antwort auf #1 von Wolfgang
  • Die eigenen Lebenserfahrungen bilden niemals eine Allgemeingültigkeit ab.
    Wenn du niemals Liebe empfunden, noch erfahren hast, tuts mir leid, wenn du deshalb glaubst, sie existiert nicht, ist das tragisch und deine Privatsache, aber sprech uns anderen bitte unsere nicht ab. Vielen Dank.
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#6 Ralph
  • 01.03.2020, 09:59h
  • Vor vier Tagen waren wir 33 Jahre zusammen. Wir trafen einander damals zum ersten Mal, und drei Tage später zog ich bei ihm ein. Alle schüttelten die Köpfe über so viel verliebte Naivität und propezeiten das baldige böse Erwachen. Dass wir immer noch zusammen sind - das kann nicht bloß der Trotz gegen all diese Widerstände sein und auch nicht bloß das Festhalten an den materiellen Lebensumständen, die wir gemeinsam geschaffen haben. Da ist mehr. Das, was man Liebe nennt, auch wenn wir aus der Bussi-Bussi-Phase längst raus sind. Liebe, das ist, wenn man es sich nicht mehr ohne einander vorstellen kann. Dieses Glück hat man - oder man hat es nicht. Aber es haben oder nicht haben darf nicht dazu führen, seine Anwesenheit oder Abwesenheit als die einzige Möglichkeit anzusehen. Und viele Menschen finden ihr Glück sogar außerhalb einer festen Paarbeziehung.
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#7 michael008
  • 01.03.2020, 12:51h
  • Antwort auf #6 von Ralph
  • Genauso ist es, Ralph.
    "Liebe, das ist, wenn man es sich nicht mehr ohne einander vorstellen kann. Dieses Glück hat man - oder man hat es nicht. "
    Auch wir sind diesen Monat 29 Jahre zusammen und es tut sehr gut.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 niccinicciAnonym
  • 01.03.2020, 18:11h
  • die antworten auf den ersten kommentar sind so schön und lebensbejahend, dafür hat es sich direkt gelohnt, mal wieder bei queer.de reinzuschauen.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 RuferInDerWuesteEhemaliges Profil
  • 02.03.2020, 00:06h
  • Ich würde jetzt mal schwer vermuten, dass die Wahrheit in der Mitte liegt.

    Auch ich sage aus meiner Perspektive, dass es Liebe durchaus gibt. Mir fällt dabei allerdings auch Evje van Dampens Slogan "Liebe ist Arbeit, Arbeit, Arbeit." ein.

    Als "Gegen"entwurf zur Aussage "Es gibt keine Liebe" (was in dem Fall wohl eher heißt "Ich habe keine Liebe erfahren") nun unbedingt Beziehungen heranzuziehen, die 20, 30 oder 40 Jahre bestehen, halte ich für etwas unausgewogen (wenngleich für die jeweiligen Einzelfälle sicher zutreffend).

    Erstens muss aus Liebe nicht zwangsläufig eine Beziehung resultieren. Zweitens muss nicht jede Liebe zwischen zwei oder mehreren Menschen das Label "Beziehung" tragen, da es auch andere Formen des Zusammenlebens und Verbundenseins gibt, die eben NICHT das offizielle Label "Er ist mein Partner" oder gar "Lebenspartner" oder "Ehemann" tragen.

    Andersherum bedeuten langjährige Beziehungen, zweitens, noch lange nicht, dass da auch Liebe im Spiel ist. Entweder war nie Liebe da, oder sie ist irgendwann verlorengegangen. Da brauche ich mir nur meine Eltern anzusehen: sie waren 56 Jahre lang verheiratet, davon 45 Jahre zusammen lebend und 11 Jahre getrennt lebend. Ich selbst wurde 4 Jahre nach ihrer Hochzeit geboren und habe nie erlebt, dass sie mal irgendwie zärtlich miteinander gewesen seien (ich meine jetzt nichts Sexuelles, sondern wenigstens mal Händchen halten, Küssen oder so). Niemals. Sie haben sich, so lange ich denken kann und das miterleben musste, täglich gestritten und dann halt nach 45 Jahren getrennt, da eine Scheidung zu teuer geworden wäre.

    Bedeutet eine langjährige Beziehung also automatisch "Liebe"? Definitiv nein.

    Bedeutet Liebe automatisch Beziehung?
    Auch nein.

    Das Leben ist so vielfältig; nur versuchen wir, es in Kategorien zu pressen - möglichst am besten die gesellschaftlich bereits vorgegebenen -, um dann stolz sagen zu können, man erfülle diese Kriterien ja auch.

    Und alle, die die vorgegebenen Lieblingskriterien nicht erfüllen, bleiben außen vor. Obwohl sie vielleicht auch durchaus sehr viel Liebe in ihrem Leben erleben und leben. Aber solange diese Liebe nicht gelabelt und eingeordnet bzw. klassifiziert ist, zählt sie gesellschaftlich nichts.

    Eigentlich sollten wir mit vereinten Kräften daran arbeiten, dass sich DARAN mal etwas ändert, statt - wie durchaus vielfach aus der Community heraus zu hören ist - zu betonen, dass mit der "Ehe für Alle" alles erreicht sei und man nun für nichts mehr einzutreten brauche, außer höchstens noch dafür, für so "normal" wie möglich gehalten zu werden, um schön im Mainstream untertauchen zu können (da ja angeblich nur dies wahre Akzeptanz verspricht).

    ICH trete für eine Vielfalt der Möglichkeiten ein. Und definitiv dafür, Menschen nicht ihre Liebe abzusprechen, nur weil sie nicht den gängigen gesellschaftlichen Kriterien oder Klischees entspricht.

    Eigentlich im Grunde eine sehr queere Angelegenheit. Und dennoch geht dieses Thema vielen in der Community am Allerwertesten vorbei, weil SIE ja jetzt geheiratet haben und die Ehe als das absolute Nonplusultra gilt, dem sich doch bitte alle anpassen sollen.

    Ob die, die sich anpassen sollen, das wollen oder können, spielt dabei keine Rolle. Und andererseits kommt es doch GENAU darauf an. Niemand hat seine Gefühle, sein Liebesleben usw. irgendwelchen Kriterien anpassen zu müssen. DAFÜR lohnt es sich, einzutreten - DAFÜR lohnt es sich, zu kämpfen.

    Zu guter Letzt: auch jemand, der_die niemals eine_n passende_n Partner_in gefunden hat, ist selbstverständlich ein genauso wertvoller Mensch. Wert und Würde eines Menschen ergeben sich NICHT daraus, wie gut jemand gesellschaftlich vorgegebene Kriterien erfüllt. Wert und Würde eines jeden Menschen sind gleich und unantastbar.

    So steht es zumindest in unserem Grundgesetz.
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#10 michael008
  • 02.03.2020, 11:27h
  • Antwort auf #9 von RuferInDerWueste
  • Du hast insgesamt sicher Recht mit Deiner ausgewogenen Analyse.
    Eine "Beziehung" wie Deine Eltern sie führten, kann ich mir allerdings für ein schwules Paar ( zumal vor der "Ehe für Alle") nicht vorstellen.
    Natürlich ist das Leben nach 30 oder mehr Partnerschaftsjahren sexuell nicht mehr so wie im ersten 1/2 Jahr aber so eine unterkühlte Zweckgemeinschaft wäre für uns undenkbar.
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