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Berlinale-Blog

Zwei Teddy Awards für "Futur Drei"

Zum 34. Mal wurden am Freitagabend in der Berliner Volksbühne die Teddy Awards vergeben. Das Regiedebüt "Futur Drei" von Faraz Shariat räumte gleich zweimal ab. "Welcome to Chechnya" erhielt den Amnesty-Filmpreis.


Das jährliche Schlangestehen, um an Kinokarten zu kommen, hat wieder begonnen (Bild: Alexander Janetzko / Berlinale)

Am Donnerstagabend wurden in Berlin die 70. Internationalen Filmfestspiele eröffnet. Bis zum 1. März werden rund 340 Filme gezeigt. Dabei konkurrieren 18 Produktionen um den Goldenen und die Silbernen Bären, darunter auch Filme von zwei deutschen Regisseuren: "Undine" von Christian Petzold und "Berlin Alexanderplatz" von Burhan Qurbani.

Die Berlinale ist nicht nur das wichtigste deutsche Filmfestival, sondern mit dem offiziellen TEDDY Award auch das queerste der Welt. Der TEDDY Reader's Award wird in diesem erneut von einer Leser*innenjury von queer.de vergeben.

In diesem Blog sammeln wir News, Eindrücke, Fotos und Tratsch vom diesjährigen Festival. (mize)


Live-Ticker (abgeschlossen, neue zuerst)

21.02., 06:22h

Gedenken für Opfer von Hanau zum Auftakt der 70. Berlinale

Mit einer Gedenkminute für die Opfer der Gewalttat von Hanau haben am Donnerstagabend in Berlin die Internationalen Filmfestspiele begonnen. Zum Auftakt der 70. Berlinale sprach sich die Festivalleitung für Toleranz, Respekt, Offenheit und Gastfreundschaft aus. "Wir sind in unseren Gedanken bei den Opfern, bei den Familien in Hanau", sagte Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters rief dazu auf, die Berlinale auch als vielstimmige Demonstration gegen Ausgrenzung und gegen Rassismus zu begreifen. "Nie wieder sollten Menschen wegen ihrer Religion, ihrer Herkunft oder ihrer Hautfarbe in Deutschland um ihr Leben fürchten müssen", sagte die CDU-Politikerin und fügte hinzu: "Die Wirklichkeit sieht anders aus."

Die Staatsministerin begründete dies damit, dass nicht zuletzt "neue politische Kräfte nationalsozialistische Verbrechen relativieren und mit Hetzparolen Ressentiments schüren". Niemals dürfe es eine "wie auch immer geartete politische Zusammenarbeit mit diesen rassistischen und völkischen Kräften geben. Nirgendwo". Dafür bekam Grütters lang anhaltenden Beifall, die Gäste erhoben sich von ihren Plätzen. (dpa)

06:43h

Praunheim-Klassiker im Programm


Bild: Pro-Fun Media

Auf der Berlinale werden nicht nur nagelneue Filme gezeigt. In diesem Jahr steht etwa auch Rosa von Praunheims Kultfilm "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt" von 1971 auf dem Programm. Das Berlinale Forum, das sich in diesem Jahr zum 50. Mal dem unabhängigen, experimentierfreudigen und wagemutigen Kino widmet, bietet dafür den passenden Rahmen.

90 Mal fällt im Kommentar zum Film das Wort "schwul", das vor rund 50 Jahren noch im Hate-Speech-Kontext stand. Auf die stumm gedrehten Bilder schwuler Klischee-Szenen gelegt und in deklamatorischem Ton vorgetragen, provozierte das diejenigen, die gar nichts davon hören wollten, wie diejenigen, die unter diesem Begriff litten, gleichermaßen.

Die Kritik des Films, aus vorsätzlich "diffuser Künstlereinstellung" (Praunheim) artikuliert, Elemente von Spiel- und Dokumentarfilm, Pamphlet und Aufruf vermischend und damit klassische Filmnarrationen queerend, richtete sich vor allem an die eigene Szene, der Praunheim selbstverschuldete Unsichtbarkeit vorwarf. Aus den Diskussionen um die durch den Film entstandene Sichtbarkeit entwickelte sich die moderne deutsche Schwulenbewegung.

"Ein seltenes Beispiel für einen Film mit direkter gesellschaftspolitischer Wirkung", würdigt ihn die Berlinale. "Nicht der Homosexuelle ist pervers..." ist am Mittwoch, den 26. Februar um 20 Uhr in der Akademie der Künste sowie am Sonntag, den 1. März um 12.30 Uhr im Kino Arsenal 1 zu sehen. Für die zweite Vorstellung gibt es noch Onlinetickets. (cw)

07:30h

Unsere Jury für den TEDDY Readers‘ Award


Parallel zur feierlichen Eröffnungsgala war unsere Jury zum TEDDY Reader‘ Award bereits im Kinosaal im Einsatz. Knapp 30 Langfilme stehen bis Ende nächster Woche auf dem Programm von Robert Moussa, Joyce Newrzella, Amanda Halbrock, Fabian Schäfer und Detlef Stoffel (v.l.n.r.), bevor sie sich auf einen Gewinnerfilm verständigen müssen. Den Anfang machten die italienische Doku "La casa dell’amore" über eine trans Sexarbeiterin in Mailand sowie der Spielfilm "Las Mil y Una" über eine lesbische Teenagerin in Argentinien, der die Sektion Panorama eröffnete.

Bereits seit 1987 zeichnet der TEDDY AWARD im Rahmen der Berlinale queere Filme aus. In diesem Jahr ist queer.de zum zweiten Mal als Medienpartner beim international bedeutendsten LGBTI-Filmpreis dabei und darf den TEDDY Readers' Award verleihen.

Alle TEDDY-Preise werden am Freitag, den 28. Februar in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz verliehen. Karten für die Gala und die After-Show-Party sind erhältlich im Webshop der Volksbühne oder telefonisch über die Ticket-Hotline (030) 240 65-777. Ohne Vorverkaufsgebühr gibt es die Karten auch im Berliner Buchladen Eisenherz. Für diejenigen, die den Förderverein Teddy e.V. besonders unterstützen wollen, wird ein Premium Förderticket angeboten. (mize)

08:09h

Amnesty-Filmpreis für queeren Film?

Auch drei queere Filme dürfen sich in diesem Jahr Hoffnung auf den Amnesty Filmpreis der 70. Berlinale machen. Unter 19 Werken werden Schauspielerin und Moderatorin Anke Engelke, Regisseur und Schauspieler Sebastian Schipper, Schauspielerin und Filmemacherin Maryam Zaree und Markus N. Beeko, Generalsekretär von Amnesty International in Deutschland, den Gewinner küren.

Wir drücken ganz besonders die Daumen für:

AUTOMOTIVE


(Bild: Jonas Heldt)

Im Mittelpunkt der Dokumentation von Jonas Heldt stehen zwei Frauen in der Automobilindustrie, deren Arbeit nach und nach durch den technischen Fortschritt ersetzt wird: Sedanur sortiert Autoteile, während Eva, die davon träumt, mit ihrer Freundin auszuwandern, nach Fachkräften im Bereich Logistik sucht.

BERLIN ALEXANDERPLATZ


(Bild: Frédéric Batier / 2019 Sommerhaus / eOne Germany)

Burhan Qurbani bringt eine moderne Version von Alfred Döblins Roman "Berlin Alexanderplatz" auf die Leinwand. Im Mittelpunkt steht der westafrikanische Flüchtling Francis, der als Staatenloser ohne Arbeitserlaubnis in Berlin ums Überleben kämpft und dabei in den Einflussbereich von Reinhold, seinem neurotischen, sexsüchtigen Kumpel und Quartiergeber, gerät.

WELCOME TO CHECHNYA


(Bild: Public Square Films)

David Frances Dokumentarfilm thematisiert die Verfolgung von LGBTI in Tschetschenien. Indem der Film mutige Aktivist*innen bei ihren Rettungsaktionen begleitet, macht er die Realitäten in der autonomen russischen Republik sichtbar und lässt die Ängste und Hoffnungen im Kampf ums Überleben spürbar werden.

Der Amnesty-Filmpreis der Berlinale wird dieses Jahr zum 16. Mal vergeben und ist mit 5.000 Euro dotiert. Mit der Auszeichnung würdigt Amnesty die Arbeit von Filmschaffenden, die Menschenrechtsthemen auf besondere Weise abbilden und erlebbar machen. (cw)

09:37h

Programmheft zum Download


Im offiziellen "34. TEDDY AWARD Programm Guide" gibt es nicht nur Infos zu allen queeren Filmen auf der 70. Berlinale, sondern auch alles über die Site-Events wie den "Directors Exchenge" am 25. Februar oder den "Queer Academy Summt 2020". Auch kann man erfahren, welche Künstler am 28. Februar bei der Gala in der Volksbühne auftreten.

Das Programmheft gibt es hier zum Download, außerdem steht eine Online-Version zur Verfügung, (cw)

13:07h

Filmtipp: "Kokon"


(Bild: Edition Salzgeber)

In ihrem zweiten Spielfilm "Kokon" erzählt die Berliner Regisseurin und Drehbuchautorin Leonie Krippendorff von aufkeimenden Gefühlen, sexuellem Erwachen und der ersten großen Liebe.

Im multikulturellen Mikrokosmos rund um das Kottbusser Tor bahnt sich die 14-jährige Nora ihren Weg durchs Erwachsenwerden. Während die Sommerhitze auf ihrer Haut klebt, bekommt Nora zum ersten Mal ihre Periode, entdeckt ihre Liebe für andere Mädchen und begegnet der wilden Romy. Mit ihr wirkt die Welt plötzlich endlos groß und voller verborgener Schönheit. Nora lernt zu sich selbst zu stehen und traut sich endlich Wege abseits der Clique ihrer älteren Schwester Jule zu gehen. Doch dann wird ihr zum ersten Mal das Herz gebrochen.

"Es ist eine Geschichte davon, wie befreiend es ist, medial erschaffene Körperbilder abzustreifen, um sich das erste Mal wirklich zu spüren", erzählt Leonie Krippendorff über den Film. Neben Newcomerin Lena Urzendowsky sind Kinostar Jella Haase, die bereits in Krippendorffs preisgekröntem Langfilmdebüt "Looping" mitgespielt hat, und Lena Klenke zu sehen.

Die lesbische Coming-of-Age-Geschichte über wilde Kreuzberger Mädchen feiert am Freitag, den 21. Februar, um 21 Uhr in der Urania seine Premiere. Außerdem wird es am Tag darauf um 20.30 Uhr im HAU 1 ein Screening im Rahmen von Berlinale Talents geben sowie drei Wiederholungstermine am Sonntag, den 23. Februar, am Donnerstag, den 27. Februar, und am Sonntag, den 1. März.

Am 30. April wird "Kokon" im Verleih der Edition Salzgeber dann regulär in den Kinos starten. Mehr Infos zum Film gibt es auf der Berlinale-Homepage und der Salzgeber-Website. (cw)

22.02., 07:55h

Berlinale Kamera für Ulrike Ottinger


(Bild: Jelka von Langen)

Am heutigen Samstag wird der erste Preis der 70. Internationalen Filmfestspiele verliehen: Die Berlinale Kamera geht in diesem Jahr an lesbische Regisseurin und Künstlerin Ulrike Ottinger.

Die Verleihung findet um 16 Uhr im Haus der Berliner Festspiele statt. Danach wird die Weltpremiere von Ottingers Dokumentarfilm "Paris Calligrammes" als Beitrag im Berlinale Special präsentiert.

Ottinger gehört seit den Siebzigerjahren zu den bedeutendsten deutschen Filmemacherinnen. Mit ihren experimentellen und dokufiktionalen Filmen schuf sie ein Oevre aus bislang 25 Werken, darunter die bekannte "Berlin Trilogie" aus "Bildnis einer Trinkerin", "Freak Orlando" und "Dorian Gray im Spiegel der Boulevardpresse".

Die 1942 in Konstanz geborene Künstlerin, die seit vielen Jahren in Berlin lebt, wird am 30. April auch vom größten schwul-lesbischen Filmfestival der Schweiz mit dem "Pink Apple Festival Award" ausgezeichnet. (cw)

08:07h

Filmtipp: "Futur Drei"


(Bild: Edition Salzgeber)

Zu den heißen Anwärtern auf den TEDDY AWARD gehört in diesem Jahr "Futur Drei". In seinem autobiografischen Regiedebüt schildert Faraz Shariat, Jahrgang 1994, das Heranwachsen eines Einwanderer-Sohns – und liefert damit junges, queeres, post-migrantisches Kino aus Deutschland. Ein entschlossener Gegenentwurf zu einem konventionellen deutschen Kino, in dem Erlebnisse und Geschichten von Einwanderern und ihrer Familien allzu oft ausgeschlossen oder misrepräsentiert werden.

Parvis wächst als Kind der Millenial-Generation im Wohlstand seiner iranischen Einwanderer-Familie auf. Dem Provinzleben in Hildesheim versucht er sich durch Popkultur, Grindr-Dates und Raves zu entziehen. Nach einem Ladendiebstahl muss er Sozialstunden als Übersetzer in einer Unterkunft für Geflüchtete leisten. Dort trifft er auf das iranische Geschwisterpaar Banafshe und Amon. Das Trio entwickelt eine fragile Dreiecksbeziehung, die zunehmend von dem Bewusstsein geprägt ist, dass ihre Zukunft in Deutschland ungleich ist.

"Futur Drei" zieht seine Kraft "aus all den schillernden, geistreichen und intensiven Begegnungen innerhalb Communities von PoC in Deutschland", erklärt Shariat im Interview. Für sein Plädoyer für Diversität wurde der Film beim First-Steps-Award 2019 als Bester Spielfilm ausgezeichnet, Shariats junges Darsteller*innen-Ensemble Benjamin Radjaipour, Banafshe Hourmazdi und Eidin Jalali erhielt den Götz-George-Nachwuchspreis.

Der Film hat am Sonntag, den 23. Februar, um 21 Uhr im CinemaxX 7 Premiere und wird danach noch zweimal laufen – am 24. und am 29. Februar. Offizieller Kinostart des Films ist am 28. Mai.

Mehr zu "Futur Drei" auf der Berlinale-Homepage, auf der Website des Verleihs sowie in unserem Vorbericht. (cw)

17:54h

Auf in die TEDDY PopUp BAR!


Auch wer keine Kinokarten mehr ergattern konnte, hat jetzt einen guten Grund, zum Potsdamer Platz zu fahren. Erstmals auf der Berlinale gibt es im Sony Center in der Bellevuestraße 1 eine TEDDY PopUp BAR!

Noch bis zum 1. März hat die kleine queere Café-Bar täglich ab 12 Uhr bis spät geöffnet und bietet neben Kaffee, Bier und Cocktails auch kleine Gerichte an. Das Kindl vom Fass kostet bezahlbare 3 Euro.

Die TEDDY PopUp BAR! war nicht von langer Hand geplant. Erst drei Wochen vor dem Start der Berlinale bekam das TEDDY-Team das Angebot, das komplett leerstehende Ladenlokal zu übernehmen. Von den Stühlen bis zu den Gläsern musste es alles kurzfristig anschaffen - und gleichzeitig Nachnutzer*innen finden. Wie wir hörten, ist ein Gastro-Geschirrspüler ab 2. März noch zu haben.


Entstanden ist ein supergemütlicher Treffpunkt, um zwischen zwei Filmen eine kleine Pause einzulegen, mit dem hübschen spanischen Regisseur zu flirten, diesen Blogbeitrag zu schreiben, über Kolleg*innen aus der Branche zu lästern oder einfach nur eine Pinkelpause mit abenteuerlicher Wendeltreppe einzulegen. Da sehen wir auch mal großzügig darüber hinweg, dass auf genderneutrale Toiletten verzichtet wurde.

Da es nicht allzuviele Plätze gibt, ist die TEDDY PopUp BAR! zudem höchst kommunikativ. Anfragen für Reservierungen können an bar@teddyaward.org geschickt werden. (mize)


23.02., 18:23h

Levan Gelbakhiani ist "European Shooting Star"


(Bild: Natalia Ghlonti)

Auf der Suche nach einem Hauptdarsteller für sein offen queeres Liebesdrama "Als wir tanzten" wurde Drehbuchautor und Regisseur Levan Akin via Instagram auf den 1997 in Georgien geborenen Tänzer Levan Gelbakhiani aufmerksam. Der hatte zunächst aufgrund der Homophobie in seinem Heimatland Vorbehalte, die Rolle anzunehmen. Erst nach einem persönlichen Treffen mit Akin stimmte er zu – und gab in "Als wir tanzten" ein furioses Leinwanddebüt.

Für seine Leistung wurde Gelbakhiani von der Kritik bereits hochgelobt: Er erhielt die Darstellerpreise der Filmfestivals von Minsk, Odessa und Sarajevo sowie zahlreiche weitere Nominierungen, u.a. für den Europäischen Filmpreis. Zudem erhielt er den Schwedischen Filmpreis als Bester Hauptdarsteller.

Als es bei der Georgien-Premiere von "Als wir tanzten" im November 2019 zu homophoben Protesten durch rechtsextreme Gruppen und die Georgische Orthodoxe Kirche kam, unterstützte Gelbakhiani zusammen mit seinem Co-Star Bachi Valishvili und dem Regisseur Levan Akin öffentlich die LGBTI-Community und kritisierte den entgegengebrachten Hass.

Aktuell gehört Gelbakhiani der zeitgenössischen Ballettkompanie von Giorgi Aleksidse an, wo er eine Ausbildung für moderne Choreografie absolviert. Bei der Berlinale 2020 wird er am Montag u.a. neben Jonas Dassler ("Der goldene Handschuh") und Ella Rumpf ("Tiger Girl") als einer der "European Shooting Stars" ausgezeichnet.

"Als wir tanzten" wird am 9. April im Verleih der Edition Salzgeber in den deutschen Kinos starten. Bereits im März wird der Film in der queerfilmnacht zu sehen sein. Den deutschen Trailer gibt es hier. (cw)

#1 WolfgangProfil
  • 25.02.2020, 16:25hBielefeld
  • Was sollen uns diese illusionären Filme - es gibt keine Liebe: weder bei jungen Menschen und schon gar nicht bei Älteren.
    Romeo und Julia war schon eine einzige zum Drama aufgeblasene Lüge...und Romeo und Julius ist eine einzige Lächerlichkeit, eine Groteske...man lebt und stirbt allein!!!
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#2 HagenAnonym
  • 26.02.2020, 11:49h
  • Antwort auf #1 von Wolfgang
  • Welch traurige Lebensanalyse. Ich lebe den genauen Gegenentwurf: Liebe, Vertrauen, tröstende Zweisamkeit. Bin schon sehr gespannt auf den Film der beiden Väter. Hört sich hinreißend
    optimistisch an.
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#3 BockbeinAnonym
  • 26.02.2020, 18:56h
  • Antwort auf #1 von Wolfgang
  • Doch es gibt sie. Mehr als 40 Jahre war ich mit meinem Freund zusammen. Bei seinem Tod war ich bei ihm. Bei einem letzten angstvollen Aufbäumen konnte ich ihn beruhigen und bilde mir ein, er wußte, wer bei ihm war.
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#4 FinalmSposato
  • 26.02.2020, 21:21h
  • Antwort auf #1 von Wolfgang
  • Ohne Liebe sähe ich keinen Sinn zu leben. Mein Mann auch nicht. Sind schon über 20 Jahre zusammen und werden immer zusammen bleiben bis das der Tod uns scheidet.

    Oder auch nicht. Denn der jeweils andere ist so lieb, so unkompliziert und die reinste Seele, das wir mit dem im nächsten Leben gleich nochmals zusammen leben möchten.

    Also glaube mir, es gibt sie. Gerade auch unter zwei Männern.
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#5 NuminexEhemaliges Profil
  • 29.02.2020, 20:57h
  • Antwort auf #1 von Wolfgang
  • Die eigenen Lebenserfahrungen bilden niemals eine Allgemeingültigkeit ab.
    Wenn du niemals Liebe empfunden, noch erfahren hast, tuts mir leid, wenn du deshalb glaubst, sie existiert nicht, ist das tragisch und deine Privatsache, aber sprech uns anderen bitte unsere nicht ab. Vielen Dank.
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#6 Taemin
  • 01.03.2020, 09:59h
  • Vor vier Tagen waren wir 33 Jahre zusammen. Wir trafen einander damals zum ersten Mal, und drei Tage später zog ich bei ihm ein. Alle schüttelten die Köpfe über so viel verliebte Naivität und propezeiten das baldige böse Erwachen. Dass wir immer noch zusammen sind - das kann nicht bloß der Trotz gegen all diese Widerstände sein und auch nicht bloß das Festhalten an den materiellen Lebensumständen, die wir gemeinsam geschaffen haben. Da ist mehr. Das, was man Liebe nennt, auch wenn wir aus der Bussi-Bussi-Phase längst raus sind. Liebe, das ist, wenn man es sich nicht mehr ohne einander vorstellen kann. Dieses Glück hat man - oder man hat es nicht. Aber es haben oder nicht haben darf nicht dazu führen, seine Anwesenheit oder Abwesenheit als die einzige Möglichkeit anzusehen. Und viele Menschen finden ihr Glück sogar außerhalb einer festen Paarbeziehung.
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#7 michael008Profil
  • 01.03.2020, 12:51hDüsseldorf
  • Antwort auf #6 von Taemin
  • Genauso ist es, Ralph.
    "Liebe, das ist, wenn man es sich nicht mehr ohne einander vorstellen kann. Dieses Glück hat man - oder man hat es nicht. "
    Auch wir sind diesen Monat 29 Jahre zusammen und es tut sehr gut.
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#8 niccinicciAnonym
  • 01.03.2020, 18:11h
  • die antworten auf den ersten kommentar sind so schön und lebensbejahend, dafür hat es sich direkt gelohnt, mal wieder bei queer.de reinzuschauen.
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#9 RuferInDerWuesteEhemaliges Profil
  • 02.03.2020, 00:06h
  • Ich würde jetzt mal schwer vermuten, dass die Wahrheit in der Mitte liegt.

    Auch ich sage aus meiner Perspektive, dass es Liebe durchaus gibt. Mir fällt dabei allerdings auch Evje van Dampens Slogan "Liebe ist Arbeit, Arbeit, Arbeit." ein.

    Als "Gegen"entwurf zur Aussage "Es gibt keine Liebe" (was in dem Fall wohl eher heißt "Ich habe keine Liebe erfahren") nun unbedingt Beziehungen heranzuziehen, die 20, 30 oder 40 Jahre bestehen, halte ich für etwas unausgewogen (wenngleich für die jeweiligen Einzelfälle sicher zutreffend).

    Erstens muss aus Liebe nicht zwangsläufig eine Beziehung resultieren. Zweitens muss nicht jede Liebe zwischen zwei oder mehreren Menschen das Label "Beziehung" tragen, da es auch andere Formen des Zusammenlebens und Verbundenseins gibt, die eben NICHT das offizielle Label "Er ist mein Partner" oder gar "Lebenspartner" oder "Ehemann" tragen.

    Andersherum bedeuten langjährige Beziehungen, zweitens, noch lange nicht, dass da auch Liebe im Spiel ist. Entweder war nie Liebe da, oder sie ist irgendwann verlorengegangen. Da brauche ich mir nur meine Eltern anzusehen: sie waren 56 Jahre lang verheiratet, davon 45 Jahre zusammen lebend und 11 Jahre getrennt lebend. Ich selbst wurde 4 Jahre nach ihrer Hochzeit geboren und habe nie erlebt, dass sie mal irgendwie zärtlich miteinander gewesen seien (ich meine jetzt nichts Sexuelles, sondern wenigstens mal Händchen halten, Küssen oder so). Niemals. Sie haben sich, so lange ich denken kann und das miterleben musste, täglich gestritten und dann halt nach 45 Jahren getrennt, da eine Scheidung zu teuer geworden wäre.

    Bedeutet eine langjährige Beziehung also automatisch "Liebe"? Definitiv nein.

    Bedeutet Liebe automatisch Beziehung?
    Auch nein.

    Das Leben ist so vielfältig; nur versuchen wir, es in Kategorien zu pressen - möglichst am besten die gesellschaftlich bereits vorgegebenen -, um dann stolz sagen zu können, man erfülle diese Kriterien ja auch.

    Und alle, die die vorgegebenen Lieblingskriterien nicht erfüllen, bleiben außen vor. Obwohl sie vielleicht auch durchaus sehr viel Liebe in ihrem Leben erleben und leben. Aber solange diese Liebe nicht gelabelt und eingeordnet bzw. klassifiziert ist, zählt sie gesellschaftlich nichts.

    Eigentlich sollten wir mit vereinten Kräften daran arbeiten, dass sich DARAN mal etwas ändert, statt - wie durchaus vielfach aus der Community heraus zu hören ist - zu betonen, dass mit der "Ehe für Alle" alles erreicht sei und man nun für nichts mehr einzutreten brauche, außer höchstens noch dafür, für so "normal" wie möglich gehalten zu werden, um schön im Mainstream untertauchen zu können (da ja angeblich nur dies wahre Akzeptanz verspricht).

    ICH trete für eine Vielfalt der Möglichkeiten ein. Und definitiv dafür, Menschen nicht ihre Liebe abzusprechen, nur weil sie nicht den gängigen gesellschaftlichen Kriterien oder Klischees entspricht.

    Eigentlich im Grunde eine sehr queere Angelegenheit. Und dennoch geht dieses Thema vielen in der Community am Allerwertesten vorbei, weil SIE ja jetzt geheiratet haben und die Ehe als das absolute Nonplusultra gilt, dem sich doch bitte alle anpassen sollen.

    Ob die, die sich anpassen sollen, das wollen oder können, spielt dabei keine Rolle. Und andererseits kommt es doch GENAU darauf an. Niemand hat seine Gefühle, sein Liebesleben usw. irgendwelchen Kriterien anpassen zu müssen. DAFÜR lohnt es sich, einzutreten - DAFÜR lohnt es sich, zu kämpfen.

    Zu guter Letzt: auch jemand, der_die niemals eine_n passende_n Partner_in gefunden hat, ist selbstverständlich ein genauso wertvoller Mensch. Wert und Würde eines Menschen ergeben sich NICHT daraus, wie gut jemand gesellschaftlich vorgegebene Kriterien erfüllt. Wert und Würde eines jeden Menschen sind gleich und unantastbar.

    So steht es zumindest in unserem Grundgesetz.
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#10 michael008Profil
  • 02.03.2020, 11:27hDüsseldorf
  • Antwort auf #9 von RuferInDerWueste
  • Du hast insgesamt sicher Recht mit Deiner ausgewogenen Analyse.
    Eine "Beziehung" wie Deine Eltern sie führten, kann ich mir allerdings für ein schwules Paar ( zumal vor der "Ehe für Alle") nicht vorstellen.
    Natürlich ist das Leben nach 30 oder mehr Partnerschaftsjahren sexuell nicht mehr so wie im ersten 1/2 Jahr aber so eine unterkühlte Zweckgemeinschaft wäre für uns undenkbar.
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