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Kanada
Profi-Schwimmer outet sich als schwul
In einem Essay berichtet Markus Thormeyer, Teilnehmer der Olympischen Sommerspiele 2016, wie sich seine Leistung nach einem Coming-out gegenüber dem Team verbessert habe.

Thormeyer hofft, bei den Olympischen Spielen im Sommer teilnehmen zu können (Bild: lilmarquenis / instagram)
- 21. Februar 2020, 15:44h 3 Min.
Der kanadische Schwimmer Markus Thormeyer hat sich mit einem selbstverfassten Bericht in dem Portal "Outsports" auch gegenüber einer größeren Öffentlichkeit als schwul geoutet, um ein Zeichen zu setzen. Der 22-jährige Student der Umweltwissenschaft an der University of British Columbia in Vancouver gewann 2018 eine Bronzemedaille bei den Commonwealth Games im Rückenschwimmen über 100 Meter, neben Freistil eine seiner beiden Wettkampf-Disziplinen.
In der Vorbereitung auf die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio habe er zusammen mit elf weiteren Teammitgliedern trainiert. Entstanden sei eine "eng verbundene Familie" und "starke, tief verwurzelte Bindungen". Zugleich habe er sich schuldig gefühlt, weil er sich emotional abgeschirmt habe, während seine Kollegen beim Trainig ihre "roheste Existenz", ihre Stärke und ihre Verletzlichkeit, gezeigt hätten.
/ outsportsWhen Canadian Olympic swimmer Markus Thormeyer came out, he encountered more support than he could've imagined: "After letting my walls down and coming out to the team, I felt like I could finally be me." https://t.co/5xsCnmEIJN
Outsports (@outsports) February 19, 2020
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"Nach jeder Interaktion mit meinen Teamkollegen war ich ein bisschen traurig, weil sie das wahre Ich nicht kennen lernten, sondern nur eine von mir gefertigte Schale auf oberflächlicher Ebene", so Thormeyer. Er habe Angst gehabt vor Nicht-Akzeptanz, vor Spannungen in der Gruppe und vor negativen Reaktionen.
Das Verstecken kostete Kraft
Doch die folgenden Monate im Schrank seien schwierig gewesen. Das Versteckspielen habe immer mehr vom Training abgelenkt und Beziehungen zum Team beeinflusst. "An manchen Tagen hatte ich Angst, in den Pool zu gehen, weil ich befürchtete, dass meine Sexualität entlarvt würde. Ich tauchte spät auf und ging früh bei gesellschaftlichen Zusammenkünften und Workouts." An manchen Tagen habe er sich auch gefragt, warum er überhaupt schwimme. "Jeder Tag fühlte sich wie eine Berdohung an, nicht wie eine Chance."
"Diese Mentalität war nicht gesund und wurde, zusammen mit dem Druck, sich für die Olympischen Spiele qualifizieren zu wollen, zu viel", so der Sportler. Schließlich sei er eines Tages im Badezimmer unter dem Druck zusammengebrochen. Er beschloss, nicht einen weiteren Weg des Burnouts zu gehen, sondern "die Kontrolle über mein Schicksal zu gewinnen" und sich zu outen.
Er hoffte, eine Szene vermeiden zu können, und fand eine Gelegenheit zu einem ungezwungenen Coming-out, als es ein Gespräch über Beziehungen gab. "Ich sagte beiläufig, dass ich noch nie mit einem Mann verabredet war und irgendwie Angst davor hätte. Dass ich wahrscheinlich ein nervöses Wrack sein und es ruinieren würde", so Thormeyer.
"Dann sagten mir meine Freunde, ohne jegliche Bewertung oder das Anzeichen eines Schreckens, dass es mir bei einem Date wahrscheinlich gut gehen würde, solange ich mich dabei einfach wohl fühlte. Zu wissen, dass ich so großartige Teamkollegen hatte, die mich unabhängig von meiner sexuellen Orientierung so stark unterstützten, war eines der besten Gefühle der Welt."
Danach habe es sich buchstäblich so angefühlt, als sei ein Gewicht von seinen Schultern genommen worden. "Ich kam mit erhobenem Kopf zum Pool und lächelte." Nun konnte er sich ganz auf das Traning konzentrieren. "Mein Training wurde besser, ich wurde stärker und meine Technik wurde schärfer", während die Beziehung zu den Teamkollegen stärker wurde. Zusammen mit sechs von ihnen qualifizierte er sich für die Spiele, bei denen er in der Freistil-Staffel siebter im Finale wurde.
Instagram / lilmarquenis | Auf Instagram geht Thormeyer schon länger offen mit seinem Schwulsein um
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Später folgten erste Medaillen bei Wettkämpfen, derzeit hofft er auf eine Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele in Tokio im Sommer. Auf Instagram gab er sich schon länger als schwul zu erkennen und er engagiert sich im OneTeam von Team Canada, das die Einbeziehung von LGBT + in den Sport fördert – "weil ich meine Geschichte teilen und die Botschaft verbreiten möchte, dass es in Ordnung ist, schwul zu sein. Das Leben ist viel besser, wenn du dich so annimmst, wie du bist." (cw)














