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Kanada

Profi-Schwimmer outet sich als schwul

In einem Essay berichtet Markus Thormeyer, Teilnehmer der Olympischen Sommerspiele 2016, wie sich seine Leistung nach einem Coming-out gegenüber dem Team verbessert habe.


Thormeyer hofft, bei den Olympischen Spielen im Sommer teilnehmen zu können (Bild: lilmarquenis / instagram)

Der kanadische Schwimmer Markus Thormeyer hat sich mit einem selbstverfassten Bericht in dem Portal "Outsports" auch gegenüber einer größeren Öffentlichkeit als schwul geoutet, um ein Zeichen zu setzen. Der 22-jährige Student der Umweltwissenschaft an der University of British Columbia in Vancouver gewann 2018 eine Bronzemedaille bei den Commonwealth Games im Rückenschwimmen über 100 Meter, neben Freistil eine seiner beiden Wettkampf-Disziplinen.

In der Vorbereitung auf die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio habe er zusammen mit elf weiteren Teammitgliedern trainiert. Entstanden sei eine "eng verbundene Familie" und "starke, tief verwurzelte Bindungen". Zugleich habe er sich schuldig gefühlt, weil er sich emotional abgeschirmt habe, während seine Kollegen beim Trainig ihre "roheste Existenz", ihre Stärke und ihre Verletzlichkeit, gezeigt hätten.

Twitter / outsports

"Nach jeder Interaktion mit meinen Teamkollegen war ich ein bisschen traurig, weil sie das wahre Ich nicht kennen lernten, sondern nur eine von mir gefertigte Schale auf oberflächlicher Ebene", so Thormeyer. Er habe Angst gehabt vor Nicht-Akzeptanz, vor Spannungen in der Gruppe und vor negativen Reaktionen.

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Das Verstecken kostete Kraft

Doch die folgenden Monate im Schrank seien schwierig gewesen. Das Versteckspielen habe immer mehr vom Training abgelenkt und Beziehungen zum Team beeinflusst. "An manchen Tagen hatte ich Angst, in den Pool zu gehen, weil ich befürchtete, dass meine Sexualität entlarvt würde. Ich tauchte spät auf und ging früh bei gesellschaftlichen Zusammenkünften und Workouts." An manchen Tagen habe er sich auch gefragt, warum er überhaupt schwimme. "Jeder Tag fühlte sich wie eine Berdohung an, nicht wie eine Chance."

"Diese Mentalität war nicht gesund und wurde, zusammen mit dem Druck, sich für die Olympischen Spiele qualifizieren zu wollen, zu viel", so der Sportler. Schließlich sei er eines Tages im Badezimmer unter dem Druck zusammengebrochen. Er beschloss, nicht einen weiteren Weg des Burnouts zu gehen, sondern "die Kontrolle über mein Schicksal zu gewinnen" und sich zu outen.

Er hoffte, eine Szene vermeiden zu können, und fand eine Gelegenheit zu einem ungezwungenen Coming-out, als es ein Gespräch über Beziehungen gab. "Ich sagte beiläufig, dass ich noch nie mit einem Mann verabredet war und irgendwie Angst davor hätte. Dass ich wahrscheinlich ein nervöses Wrack sein und es ruinieren würde", so Thormeyer.

"Dann sagten mir meine Freunde, ohne jegliche Bewertung oder das Anzeichen eines Schreckens, dass es mir bei einem Date wahrscheinlich gut gehen würde, solange ich mich dabei einfach wohl fühlte. Zu wissen, dass ich so großartige Teamkollegen hatte, die mich unabhängig von meiner sexuellen Orientierung so stark unterstützten, war eines der besten Gefühle der Welt."

Danach habe es sich buchstäblich so angefühlt, als sei ein Gewicht von seinen Schultern genommen worden. "Ich kam mit erhobenem Kopf zum Pool und lächelte." Nun konnte er sich ganz auf das Traning konzentrieren. "Mein Training wurde besser, ich wurde stärker und meine Technik wurde schärfer", während die Beziehung zu den Teamkollegen stärker wurde. Zusammen mit sechs von ihnen qualifizierte er sich für die Spiele, bei denen er in der Freistil-Staffel siebter im Finale wurde.

Später folgten erste Medaillen bei Wettkämpfen, derzeit hofft er auf eine Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele in Tokio im Sommer. Auf Instagram gab er sich schon länger als schwul zu erkennen und er engagiert sich im OneTeam von Team Canada, das die Einbeziehung von LGBT + in den Sport fördert – "weil ich meine Geschichte teilen und die Botschaft verbreiten möchte, dass es in Ordnung ist, schwul zu sein. Das Leben ist viel besser, wenn du dich so annimmst, wie du bist." (cw)



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#1 NuminexEhemaliges Profil
  • 21.02.2020, 17:10h
  • Na bravo und herzlichen Glückwunsch. Tolles Vorbild, dass wieder ein kleines bißchen mehr Farbe in den Profisport bringt und beweist, dass sich Outing und beruflicher/sportlicher Erfolg nicht gegenseitig ausschließen. Alles Gute und viel Erfolg im Sommer.
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#2 Leon 4Anonym
#3 sanscapote
  • 21.02.2020, 19:06h
  • Traurig, das jemand sich outen muss. Noch immer ist Homophobie so sehr verbreitet, dass Schwulsein nicht mit Heterosein gleichgestellt ist. Ist es mal gleichgestellt - wann wird es sein? braucht sich niemand mehr zu outen.
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#4 Leon 4Anonym
  • 21.02.2020, 19:20h
  • Antwort auf #3 von sanscapote
  • Egtl geht es in den Artikel genau darum, nämlich das seine Teamkollegen/Kumpels das offenbar absolut wertungsfrei zur Kenntnis genommen haben und alles weiter lief wie gewohnt...

    Ich weiß jetzt echt nicht wo hier schon wieder das Problem ist ey... Auf dieser Seite darf es wirklich keinen Artikel geben unter dem sich nicht mindestens einer beklagt/zustände bejammert, huh? Des is n Artikel über n jungen Kerl dessen Ängste sich nicht bewahrheitet haben... Gute Sache verdammt!
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#5 Carsten ACAnonym
  • 22.02.2020, 09:08h
  • Jedes Outing ist wichtig. Aber gerade bei Promis ist es, aufgrund ihres Multiplikator-Faktors und ihrer Fans, besonders wichtig.
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#6 Sabelmann
#7 TheDadProfil
  • 22.02.2020, 09:50hHannover
  • Antwort auf #4 von Leon 4
  • ""Ich weiß jetzt echt nicht wo hier schon wieder das Problem ist ey...""..

    Das diese Geschichte ein Leuchtturm ist unter all den vielen tausend Geschichten in denen sich junge LGBTTIQ*-Menschen nicht trauen sich zu outen, weil ihre Mannschaften, ihre Vereine völlig andere Signale setzen..
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#8 RuferInDerWuesteEhemaliges Profil
  • 23.02.2020, 12:01h
  • Antwort auf #4 von Leon 4
  • "Schließlich sei er eines Tages im Badezimmer unter dem Druck zusammengebrochen."

    Hört sich das vielleicht nach einer problemlosen Geschichte an? Es ist ja wunderbar, wenn er nach seinem Coming-Out relativ wenige Probleme hat(te). Dennoch ist das Gefühl, in der eigenen Umgebung incl. eigener Familie nicht sicher sein zu können, evtl. verstoßen zu werden und was wir sonst noch alles kennen, überaus mächtig und verursacht Ängste, Depressionen, Minderwertigkeitsgefühle. Warum sonst wäre er wohl zusammengebrochen?

    Im übrigen sind wir die einzige mir bekannte Minderheit, die sich auch der Unterstützung ihrer eigenen Familie nicht sicher sein kann. People of Color, Angehörige von Religionen etc. werden in der Regel automatisch von ihren Familien unterstützt, weil schon die Eltern und Großeltern ähnliche Minderheitserfahrungen machen mussten. Bei queeren Menschen ist das nicht so. Queere Menschen müssen immer noch befürchten, nach ihrem Coming-out ohne Familie dazustehen. Und bei vielen bewahrheitet sich das dann auch.

    Das gilt immer noch und betrifft immer noch Millionen von Menschen auf diesem Planeten.

    Also ist eben NICHT alles einfach nur "Friede, Freude, Eierkuchen". Und genau deshalb ist es nach wie vor immens wichtig, dass hier und anderswo von solchen Lebensgeschichten berichtet wird.

    Solange nicht JEDER MENSCH in JEDEM MOMENT seines Lebens ohne Angst verschieden sein kann, BLEIBT die Problematik. Und so lange gehört sie auch benannt und bekämpft.
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#9 Harmloser BoyAnonym
  • 24.02.2020, 12:19h
  • In jedem Fall: Herzlichen Glückwunsch an Markus Thormeyer für sein Coming-Out!!!
    Er ist sowohl ein sehr guter Schwimmer als auch ein wertefester Kämpfer für schwule Freiheit - und er ist zudem auch ein gutaussehender Youngs-Boy bzw. Twink !!!

    ... Und ich bin schwul, und ich bin sehr stolz darauf!
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