Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?35580

Fernsehen

Der harte und weite Weg zur queeren Sichtbarkeit

Die fünfteilige Dokureihe "Visible: Out on Television" bei Apple TV+ ist viel zu kurzweilig, faszinierend und – gerade für jüngere Generationen – lehrreich, um sie nicht einzuschalten.


Neil Patrick Harris ist einer der Sprecher*innen der fünfteiligen Dokureihe "Visible: Out on Television", zahlreiche weitere queere TV-Promis kommen zu Wort (Bild: Apple TV+)

Von "Pose" bis "Riverdale", "Queer Eye" bis "Star Trek: Discovery" oder "RuPaul's Drag Race" – die Liste der Fernsehproduktionen mit LGBTI-Protagonist*innen ist heute länger denn je. Allein in fiktionalen Serien, so zählte es vor einigen Monaten die GLAAD (Gay & Lesbian Alliance Against Defamation), liegt der Anteil queerer Figuren in der aktuellen TV-Saison bei zehn Prozent. Da ist noch Luft nach oben (und in Deutschland sehen die Zahlen mit Sicherheit anders aus), aber: immerhin!

Dass das längst nicht immer so war und der Weg zu heutigen Bildschirm-Zuständen ein weiter und harter war, zeigt jetzt – anschaulich wie nie – die fünfteilige Dokureihe "Visible: Out on Television", die bei Apple TV+ zu sehen ist. Inszeniert hat alle Folgen der Regisseur Ryan White, der auch schon hinter dem Fernsehfilm "The Case Against 8" (über den juristischen Kampf gegen jenen Gesetzentwurf, der vor zwölf Jahren die Ehe für alle in Kalifornien verhindern sollte) steckte. Gemeinsam mit Jessica Hargrave ("Ask Dr. Ruth") zeichnet er auch für die Produktion verantwortlich, wobei die beiden von der lesbischen Komikerin Wanda Sykes und dem schwulen Schauspieler Wilson Cruz unterstützt wurden.

- Werbung - Video - Abheben und Frankreich und die Welt entdecken

Fleißarbeit, Glamour, Aufwand, Prominenz


"Visible: Out on Television" ist seit dem 17. Februar exklusiv auf dem neuen Video-on-Demand-Service Apple TV+ verfügbar

Der Titel "Visible: Out on Television" gibt das Programm vor – und die Herangehensweise ist ebenso geradlinig wie schnörkellos. Hier wird die Geschichte queerer Sichtbarkeit auf der Mattscheibe nachgezeichnet, größtenteils chronologisch, von den Anfängen des Fernsehens bis heute. "The Dark Ages", "Television as a Tool", "The Epidemic", "Breakthroughs" und "The New Guard" heißen die einzelnen Kapitel, auch sie geben sehr unmissverständlich den Inhalt wieder, der aus zahllosen Ausschnitten und Interviews besteht. Durch jede Folge führt dabei als Sprecher*in jemand anderes: die "Pose"-Regisseurin und Trans-Aktivistin Janet Mock, Comedian Margaret Cho, Asia Kate Dillon (nicht-binärer Star aus Serien wie "Orange Is the New Black" und "Billions"), Neil Patrick Harris und Filmemacherin Lena Waithe.

Nicht nur was die Sprecher*innen angeht, die immer wieder auch vor der Kamera befragt werden, zeigt sich schnell, dass "Visible: Out on Television" viel mehr ist als eine zur kleinen Nischen-Doku gewordene Fleißarbeit. Nein, hier wird groß aufgefahren was Glamour, Aufwand und Prominenz angeht. Die Liste aller Beteiligten, die hier mit persönlichen Erinnerungen und Einschätzungen zu Wort kommen, liest sich wie ein Who's Who queerer Prominenz, von Billie Jean King, Rachel Maddow und Rufus Wainright über Sean Hayes, Caitlyn Jenner und Armistead Maupin bis "Transparent"-Macherin Jill Soloway, Ellen DeGeneres und Billy Porter. Dazu kommen zahlreiche Aktivist*innen wie Miss Major Griffin-Gracy oder eine Wegbegleiterin von Harvey Milk sowie verschiedene heterosexuelle Verbündete, die direkt an den genannten Produktionen beteiligt waren, etwa Billy Crystal, Michael Douglas, Ruth Westheimer oder Oprah Winfrey.

Staunen, toben, weinen, lachen


Ellen DeGeneres erzählt in der Serie die Geschichte ihres Coming-outs (Bild: Apple TV+)

Wer sich ein wenig auskennt mit LGBTI-(Kultur-)Geschichte wird vieles kennen, was in "Visible: Out on Television" Erwähnung findet. So gründlich allerdings wie hier durch die Fernseharchive gestöbert wird, dürften aber selbst Expert*innen noch ein paar Aufnahmen zu Gesicht bekommen, die sie nicht kennen. Ausgelassen wird in jedem Fall nichts, von den live übertragenen Anhörungen des homophoben Senators McCarthy über erste Nebenfiguren in Sitcoms wie "All in the Family", ungeoutete Komiker, Steven Carrington im "Denver Clan", Nachrichten-Berichte über die Aids-Epidemie, Talkshows von Jerry Springer bis Oprah, dem aufklärerischen Witz der "Golden Girls", Pedro Zamora in MTVs "Real World" und andere Reality-Shows, "Sex and the City" oder "Will & Grace" bis hin zur heutigen vorbildlichen Vielfalt in den Serien von Ryan Murphy oder Shonda Rhimes.

Die Bandbreite der Emotionen, mit denen man den langen Weg, der in Sachen queerer Repräsentation in den vergangenen 70 Jahren zurückgelegt wurde, noch einmal abschreitet, ist so oder so enorm. Man kann gar nicht anders, als fast fünf Stunden lang fassungslos zu staunen, vor Wut fast zu platzen, zu Tränen erschüttert und immer wieder auch köstlich amüsiert zu sein.

Als Zuschauer*in in Deutschland ist man gerade in den ersten drei Folgen natürlich nicht mit allem vertraut, was hier rekapituliert wird. Und in der Tat wäre eine vergleichbare Dokumentation etwa über die deutschsprachige Fernsehgeschichte ein fraglos lohnenswertes Unterfangen. Stören sollte man sich an der US-zentrischen Blickrichtung allerdings nicht, machten doch zumindest im Großen und Ganzen alle westlichen Gesellschaften eine zumindest vergleichbare Entwicklung durch. Außerdem ist "Visible: Out on Television" viel zu kurzweilig, faszinierend und – gerade für jüngere Generationen – lehrreich, um nicht einzuschalten.

Direktlink | Offizieller Trailer zur Serie



#1 Carsten ACAnonym
  • 22.02.2020, 09:01h
  • GLBT-Sichtbarkeit in den Medien ist essentiell:
    es zeigt jungen GLBT, dass mit ihnen alles in Ordnung ist und dass sie nicht alleine sind.

    Und auch für Heteros ist es wichtig.

    Je mehr Selbstverständlichkeit und Unaufgeregtheit bei dem Thema, desto besser.

    Aber auch wir alle können dazu beitragen, indem wir uns nicht verstecken, sondern mit unseren Partnern händchenhaltend durch die Stadt gehen, wie selbstverständlich von ihnen sprechen, ein Foto auf dem Schreibtisch stehen haben, etc.

    Es wird von niemandem erwartet, dass er sich in Gefahr bringt und nachts in einer menschenleeren Straße einer Gruppe Faschos seine sexuelle Orientierung zeigt. Aber es gibt genug Kontexte, wo dies möglich ist und da sollte man das auch tun.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 DragonProfil
  • 23.02.2020, 10:57hKamp-Lintfort
  • Das wär ja mal was für eine DvD Box, bestimmt auch super für einen Projekttag in der Schule.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 NickitailorAnonym
  • 01.05.2020, 08:06h
  • Ich bin bin jetzt bei Folge vier angelangt und finde sie klasse. Dem Artikel ist nichts hinzuzufügen. Schade finde ich, dass sie scheinbar nicht viel Aufmerksamkeit erfährt. So eine Serie für Deutschland, oder meinetwegen auch Europa wäre schon was. Ich würde einschalten!
  • Antworten » | Direktlink »