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SPD-Mitbegründer

Wie August Bebel gegen die schwulen "Hintermänner" austeilte

Heute vor 180 Jahren – am 22. Februar 1840 – wurde August Bebel geboren. Magnus Hirschfeld lobte ihn für sein Engagement für Homosexuelle. Das ist eine Bewertung, die dringend korrigiert werden muss.


August Bebel (1840-1913) war einer der Begründer der deutschen Sozialdemokratie (Bild: DHM)

August (Ferdinand) Bebel wurde am 22. Februar 1840 in (Köln-)Deutz geboren. Als 1844 sein Vater starb, kam er zusammen mit seiner Mutter und seinen zwei Geschwistern nach Brauweiler zum Bruder seines Vaters. Bebel erlernte den Beruf des Drechslers.

1869 gründete er zusammen mit Wilhelm Liebknecht die Sozialdemokratische Arbeiterpartei. 1890 war er Gründungsmitglied der SPD und entwickelte sich danach schnell zur zentralen Person der deutschen Sozialdemokratie. Von 1892 bis zu seinem Tod war Bebel (neben Paul Singer bzw. Hugo Haase) einer von zwei Vorsitzenden der SPD.

Im Jahre 1890 lernte er Magnus Hirschfeld kennen, der mit der Gründung des Wissenschaftlich-humanitären Komitees (WhK) ab 1897 zum bedeutendsten Vertreter der ersten Homosexuellenbewegung wurde. Es lag offenbar an Hirschfeld, dass sich Bebel politisch für Ziele der Homosexuellenbewegung einsetzte.

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Der Fall Johann Baptist von Schweitzer (1869/1870)


Johann Baptist von Schweitzer (1833-1875)

Johann Baptist von Schweitzer (1833-1875) war seit 1867 Reichstagsabgeordneter des Norddeutschen Bundes und einer der führenden deutschen Sozialdemokraten. Bei den Sozialdemokraten löste er 1869/1870 eine erste, wenn auch nur interne Diskussion darüber aus, wie mit Homosexuellen wie ihm in der Partei umzugehen sei.

Die Diskussion um Schweitzers Homosexualität wird von Hubert Kennedy in "Johann Baptist von Schweitzer: The Queer Marx loved to hate" (Journal of Homosexuality, 1995, S. 69-96) gut zusammengefasst, der sich jedoch bei Schweitzers Kritikern vor allem auf Karl Marx und Friedrich Engels fokussiert. Zunächst gibt Bebel in seiner Autobiografie an, dass ihn bei Schweitzer nicht dessen Homo-, sondern seine Pädosexualität gestört habe: "Man mag über die gleichgeschlechtliche Liebe noch so frei denken, so war es unter allen Umständen eine Ehrlosigkeit, die Befriedigung derselben am hellen Tage in einem öffentlichen Parke und an einem schulpflichtigen Knaben zu versuchen" ("Aus meinem Leben", 2011, 2. Teil, S. 10-11). Damit nimmt er eine Trennung von Homo- und Pädosexualität vor, wie sie früher eher unüblich war.

Ob Schweitzer in der SPD wegen seiner Homosexualität geächtet wurde oder weil er sich 1862 im Mannheimer Schlossgarten an einem Jungen vergangen haben soll, lässt sich heute nicht mehr klären. Kurz danach (S. 11) kritisiert Bebel indirekt jedoch auch Schweitzers Widmung für einen seiner Freunde: Sie sei "von einer schwülen Überschwenglichkeit, als rede Alkibiades zu einem seiner Lieblinge". Schweitzers Widmung für Johann Baptist von Hofstetten in "Die österreichische Spitze" (S. III, V-VIII) ist tatsächlich recht kitschig und wirkt (wegen Anspielungen auf die Antike und das Schloss Sanssouci) homoerotisch. Der springende Punkt ist jedoch, dass sich Bebels Hinweis auf diese Widmung nur als ein Angriff interpretieren lässt. Das passt auch zu dem Rest seiner Autobiografie, wo sich Bebel auf mehr als 60 Seiten auch politisch sehr kritisch mit Schweitzer auseinandersetzt.

Der Fall von Schweitzer wird bis heute diskutiert. Der Leiter des Instituts für Demokratieforschung, Franz Walter, vergleicht in seinem Online-Artikel "Edathy – oder: Was passt zur Sozialdemokratie" (2014) den Fall Johann Baptist von Schweitzer mit dem Fall des SPD-Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy, gegen den 2014 der Vorwurf erhoben wurde, sich kinderpornografisches Material beschafft zu haben. Für Walter war Schweitzer 1868 "die zentrale Führungsfigur" der SPD, traf hier jedoch auf die "erbitterte Gegnerschaft" von August Bebel. Unterstützung erfuhr von Schweitzer übrigens von Ferdinand Lassalle, der verdeutlichte, dass "bereits die antiken Griechen […] den sexuellen Geschmack von Schweitzer kultiviert" hätten. (Schweitzer gehörte zum Lassalle-Flügel der SPD).

Der Fall Theodor von Wächter (1895)

Der evangelische Theologe und Sozialdemokrat Theodor von Wächter (1865-1943) wurde – nach Bekanntwerden seiner Homosexualität – von August Bebel 1895 persönlich dazu genötigt, aus der SPD auszutreten. Gerd Wilhelm Grauvogel schreibt in seinem Buch "Theodor von Wächter" (1994, S. 190), dass die Affäre um Wächter "auch die beklagenswerte Doppelmoral [offenbart], die Bebel in der Frage der Homosexualität praktizierte. Nach außen setzte er sich mutig für die Emanzipation von Homosexuellen ein […] – in seiner Partei wollte er solche 'Elemente' aber nicht dulden. Der politische Revolutionär Bebel […] handelte, wenn es die öffentliche Reputation seiner Partei betraf, so ängstlich wie ein moralischer Kleinbürger".


Theodor von Wächter (1865-1943)

Grauvogel berichtet auch davon (S. 187-188, 311, 312), dass sich Wächter von seiner Homosexualität "heilen" lassen wollte. Auch hier liegt eine unklare Interessenlage vor, die sich auf Homosexualität und auf parteipolitische Machtspiele beziehen kann. Wächter war parteipolitisch umstritten, auch die von ihm ausgelöste Debatte um die Vereinbarkeit von Christentum und Sozialdemokratie führte zu einer Polarisierung in der Partei. Vielleicht wollte Bebel etwas gegen eine drohende Rufschädigung der SPD unternehmen, vielleicht war es aber auch nur ein Vorwand, um ein unangenehmes Parteimitglied loszuwerden.

Später ging Theodor von Wächter offen mit seiner Homosexualität um und publizierte dazu sogar das Buch "Die Liebe als körperlich-seelische Kraftübertragung" (1899). 1942 wurde er wegen "Verführung Minderjähriger" (= unter 21 Jahren) zu einer einjährigen Haftstrafe verurteilt, die ihm jedoch auf dem Gnadenweg erlassen wurde.

Bebels Buch "Die Frau und der Sozialismus"


Ein Bestseller, der bis heute gelesen wird: "Die Frau und der Sozialismus" (Ausgabe von 2018)

Bebels einflussreichstes Werk ist wohl "Die Frau und der Sozialismus" (1879). Als Bestseller wurde es in 20 Sprachen übersetzt; von seinen politischen Gegnern jedoch auch als "unsittliche Literatur" eingestuft. Möglicherweise lag es an seinem persönlichen Kontakt zu Magnus Hirschfeld, dass er sich in den Ausgaben ab 1891 auch über Homosexualität äußerte. Bis 1910 wurde Bebels Werk ständig erweitert. Im Folgenden vergleiche ich Textpassagen über Homosexualität in den online verfügbaren Buchausgaben von 1891 und 1913.

Im antiken Griechenland sei man – so Bebel – zu "unnatürlicher Befriedigung des Geschlechtstriebs" gelangt, und nicht nur Aristoteles, sondern auch Sokrates hätten "die Knabenliebe als ein Zeichen höherer Bildung gepriesen". So hätten die bedeutendsten Männer Griechenlands der "Männer- und Knabenliebe" (1891, S. 29) bzw. "dieser widernatürlichen Leidenschaft" (1913, S. 42) gehuldigt. Es habe Häuser mit männlichen und weiblichen Prostituierten gegeben. Nach Bebel verfiel Sappho, "vielleicht durch das Beispiel der griechischen Männerwelt veranlasst", in das "andere Extrem" der Frauenliebe (1891, S. 29).

In der späteren Ausgabe schreibt Bebel, dass alle griechischen Frauen der "Liebe zum weiblichen Geschlecht" verfallen seien. Von der "Hauptrepräsentantin" Sappho ergänzt Bebel ein Gedicht an Aphrodite (1913, S. 42). Im antiken Rom sei die "griechische Liebe" [= Homosexualität] weit verbreitet gewesen, und es habe sogar mehr Männer als Frauen gegeben, die sich prostituierten. Diese "geschlechtlichen Verirrungen" seien zu einer Gefahr für den Bestand des Reiches geworden (1891, S. 38).

Ausgerechnet der religionslose Bebel ergänzte später seinen Text um eine Fußnote mit dem homophoben Bibelzitat "Römer I, 26-27", als würde es sich dabei um eine historische Quelle handeln oder als sollte diese Quelle die Verfolgung legitimieren (1913, S. 54-55). Zur Homosexualität im mittelalterlichen Rom betont Bebel, dass die Geistlichkeit wegen erzwungener Ehelosigkeit auf "widernatürliche Wege" angewiesen gewesen sei, und stellt eine direkte Verbindung zu Kindsmorden her (1891, S. 52-53). Später fügt Bebel noch die Formulierung "illegitime Befriedigung" hinzu (1913, S. 70).

Über die Sexualität in der Gegenwart schreibt Bebel plakativ, die einen verfielen "den Widernatürlichkeiten des griechischen Zeitalters, die andern suchen die Anreizung im Missbrauch von Kindern" (1913, S. 158).

Bebels Äußerungen von Homo- und Pädosexualität bleiben in späteren Auflagen bestehen. Zusätzlich verweist er auf die von der Polizei geführten Homosexuellenlisten, die von ihm jedoch nicht kritisiert, sondern als Beleg für Sittenlosigkeit angeführt werden: "Die Männerliebe ist viel weiter verbreitet, […] darüber könnten die geheimen Akten mancher Polizeibureaus erschreckende Tatsachen veröffentlichen." Nach Bebels Meinung "leben die Widernatürlichkeiten des alten Griechenland in stärkerem Maße wieder auf". Für ihn haben die Harden-Eulenburg-Prozesse (1907-1909) "ein viel schrecklicheres Bild aufgerollt, als man erwarten konnte. Sie haben bewiesen, wie weit diese Perversität in höheren Gesellschaftskreisen, besonders in den Militär- und Hofkreisen, verbreitet ist" (1913, S. 207).

Die Bewertung von "Die Frau und der Sozialismus"

Bei einem Vergleich der beiden Buchausgaben ist erkennbar, dass Bebel mit den Jahren eine negativere Einstellung zur Homosexualität bekam. Mit Ausnahme des ergänzten Gedichtes von Sappho sind alle Ergänzungen negativer Art. Dabei ist zu berücksichtigen, dass zwischen 1891 und 1913 einige wichtige Homosexuellenskandale publik wurden. Dazu gehörten zwar auch Skandale, die die Bewegung pushten, aber nicht sehr breit rezipiert wurden (Oscar Wilde, 1895; Friedrich Alfred Krupp, 1902). Problematisch waren aber vor allem die breit rezipierten Eulenburg-Prozesse (1907-1909), die die noch junge Homosexuellenbewegung massiv zurückwarfen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es vor allem die Eulenburg-Affäre war, die die persönliche Meinung von August Bebel negativ beeinflusste.

Nur ansatzweise lässt sich aus diesem Buch und anderen Quellen ableiten, dass Bebels Bewertung von Homosexualität auch von der sozialen Stellung abhängig war. Während Bebel die Homosexualität bei einfachen Arbeitern und Arbeiterinnen zunächst zu akzeptieren schien, verurteilte er in späteren Auflagen die Homosexualität nicht nur im Rahmen von Machtverhältnissen, sondern allgemein in gehobenen Kreisen. Eine solche Moral nur als eine Form der Doppelmoral zu bezeichnen, ist zu kurz gegriffen. Vielmehr gibt es eine alte Tradition, "widernatürliche" Sexualität Fremden und Gegnern zuzuschreiben, sei es Andersgläubigen, politischen Gegnern oder dem "Klassenfeind". Dieses Denkmuster gab es auch in der Arbeiterbewegung, so dass Homosexualität wahlweise der dekadenten Großbourgeoisie (Krupp-Affäre) oder dem dekadenten Adel (Eulenburg-Prozesse) zugeschrieben werden konnte.


Gedenktafel für August Bebel in Salzburg (Bild: Luckyprof / wikipedia)

Die Petition zur Abschaffung des § 175 RStGB

Das Hauptanliegen der frühen Homosexuellenbewegung rund um das WhK war die Abschaffung des § 175 RStGB, der homosexuelle Handlungen unter Männern unter Strafe stellte. Um dieses Ziel zu erreichen, suchte das WhK prominente Personen, die eine entsprechende Petition an den Reichstag unterstützten. Zu den vier Erstunterzeichnern der Petition gehörten der SPD-Vorsitzende August Bebel, der Psychiatrieprofessor Richard von Krafft-Ebing, der Schriftsteller Ernst von Wildenbruch und der Strafrechtslehrer Franz von Liszt.

Vermutlich war es die Ausstrahlungskraft dieser vier Namen, die zunächst Hunderte und später Tausende Menschen veranlassten, die Forderung nach Straffreiheit für homosexuelle Handlungen mit ihrer Unterschrift unter die Petition zu unterstützen. (Dabei darf nicht vergessen werden, dass eine Unterschrift unter die Petition nicht automatisch eine positive Einstellung zu Homosexualität bedeutete. Man konnte Homosexualität moralisch ablehnen, aber aus einem liberalen Strafrechtsverständnis heraus gleichzeitig die Entkriminalisierung fordern. Viele Mediziner, die unterschrieben, propagierten statt einer Bestrafung die "Heilung" von Homosexualität. Dabei handelt es sich nicht um Doppelmoral, sondern um eine andere Form von Logik).

August Bebel trug mit seinen Erfahrungen als Reichstagsabgeordneter mit dazu bei, dass die Petition im Reichstag verhandelt wurde. Im Juni 1897 traf er sich mit Magnus Hirschfeld und besprach mit ihm das weitere politische Vorgehen (Magnus Hirschfeld: Von einst bis jetzt, 1986, S. 104-109). Im Dezember 1897 wurde die Petition den Mitgliedern des Reichstages überreicht und schon im Januar 1898 im Reichstag diskutiert.

Bebels Reden im Reichstag 1898

In einer Reichstagsrede am 13. Januar 1898 sagte Bebel unter anderem: "Es giebt aber Bestimmungen in unserem Strafgesetzbuch, […] bei denen die Behörden, obgleich ihnen aufs genaueste bekannt ist, daß diese Bestimmungen von einer erheblichen Zahl von Menschen […] systematisch verletzt werden, nur in den seltensten Fällen den Versuch machen, den Strafrichter zu Hilfe zu rufen. Ich habe hier insbesondere den […] § 175 […] im Auge. […] Die Zahl dieser Personen ist aber so groß und greift so in alle Gesellschaftskreise, […] daß, wenn hier die Polizei pflichtmäßig ihre Schuldigkeit thäte, der preußische Staat sofort gezwungen würde, allein, um das Verbrechen gegen § 175, soweit es in Berlin begangen wird, zu sühnen, zwei neue Gefängnißanstalten zu bauen. […] es handelt sich […] um Tausende von Personen aus allen Gesellschaftskreisen. Es entsteht aber auch weiter die Frage, ob […] die Bestimmung […] des § 175 […] auch auf die Frauen auszudehnen sei […]. […] würde auf diesem Gebiete die Berliner Polizei […] ihre volle Pflicht und Schuldigkeit thun, dann gäbe es einen Skandal, wie noch niemals ein Skandal in der Welt gewesen ist […]. Kann das Strafgesetz aber aus irgend welchen Gründen […] nicht gehandhabt werden, […] dann entsteht die Frage, ob die Strafbestimmung aufrecht erhalten werden kann. Ich will hinzufügen, daß wir […] eine gedruckte Petition vorliegen haben, unterzeichnet u. A. auch von meiner Person und von einer Anzahl Kollegen aus anderen Parteien […], die aus Gründen, die ich begreiflicherweise des näheren hier nicht auseinandersetzen will, die Meinung vertreten, […] daß die Beseitigung der betreffenden Bestimmung im § 175 herbeigeführt werden müsse" (Verhandlungen des Reichstages, S. 410). Am 19. Januar 1898 äußerte sich Bebel noch einmal kurz zur Homosexualität, teilte aber nur mit, dass eine nähere Erläuterung zum § 175 nicht möglich sei: Das "geht einfach nicht" (Verhandlungen des Reichstages, S. 523).

Die Bewertung von Bebels Rede vom 13. Januar 1898

Bebel wies in seiner Rede darauf hin, dass ein Gesetz, das nur willkürlich und in seltenen Ausnahmefällen angewendet werde, schon wegen der Ungerechtigkeit, die mit dieser Willkür verbunden sei, abgeschafft werden solle. Magnus Hirschfeld hatte Bebel schon bei seinem Treffen im Juni 1897 vor dieser Argumentationsstrategie gewarnt, weil es "leicht den Anschein haben könnte, als trete er für eine strengere […] Verfolgung der Homosexuellen ein, ein Irrtum, der tatsächlich auch nach seiner ersten Rede bei einigen unaufmerksamen Zeitungen und Zeitungslesern Platz ergriff" (Hirschfeld: Von einst bis jetzt, 1986, S. 106). Ich bin mir nicht sicher, ob die Zeitungen nur unaufmerksam waren oder aus dieser Rede sehr bewusst etwas anderes herauslesen wollten.

In meinem Buch "Anders als die Andern" (PDF S. 16) habe ich anhand der "Kölnischen Zeitung" und der "Kölnischen Volkszeitung" diese Form der Berichterstattung auch belegen können. Beide Zeitungen haben nicht auf die Petition zur Abschaffung des § 175, sondern nur auf die nicht verfolgten Verstöße hingewiesen. August Bebels zweifellos gut gemeinte Rede im Reichstag hat auf diese Weise vermutlich das Gegenteil bewirkt von dem, was sie bewirken sollte. Das lag nicht nur an seinen missverständlichen Formulierungen und den selektiv berichtenden Medien, sondern auch an konservativen Kräften und politischen Gegnern, die sich nun unverhohlen homophob äußerten.

Zwei Sachverhalte bleiben positiv anzumerken: Zum einen wurde im Reichstag erstmals offen über die Strafbarkeit von Homosexualität diskutiert, was als Enttabuisierung gewertet werden kann. Erinnert sei an Karl Heinrich Ulrichs, der vor dem deutschen Juristentag 1867 in München seine Rede zur Forderung nach Straffreiheit wegen lautstarker Proteste der Zuhörer nicht zu Ende führen konnte. Zum anderen kann die Petition außerhalb des Reichstages als Erfolg verbucht werden. Mit der Petition wurden viele Prominente davon überzeugt, sich für eine Legalisierung von Homosexualität einzusetzen, was zumindest ein starkes gesellschaftliches Signal war. Schon in der ersten Ausgabe des "Jahrbuches für sexuelle Zwischenstufen" (1899, S. 239-280) wurden 833 Personen aufgezählt, die die Petition mit ihrer Unterschrift unterstützten.

Bebels Reden im Reichstag 1907

Im Rahmen der sogenannten Eulenburg-Prozesse wurde den engsten Beratern des deutschen Kaisers Wilhelm II. Homosexualität unterstellt. Im Reichstag wurden diese Homosexuellen-Prozesse in insgesamt 13 Sitzungen behandelt. In einer Rede am 3. Februar 1907 betonte Bebel zunächst ausdrücklich, dass er den § 175 nicht "zur Erörterung stellen" wolle, aber auch Soldaten hätten halt ihre "menschlichen Schwächen und Fehler". Aus diesem Grund wolle er das Parlament darum "bitten", dass bei homosexuellen Männern die Militärstrafjustiz nicht härter urteilen solle als die Zivilstrafjustiz. Seine Formulierungen zeigen, wie weit er bereits von seinen früheren politischen Forderungen nach einer Legalisierung entfernt war (Verhandlungen des Reichstages, S. 2853).

Am 29. November 1907 ist es befremdend, dass er seine Rede mit einem Zitat Bismarcks beginnt und damit – unkritisch und unreflektiert – ein Wortspiel über Analverkehr übernimmt: Er wolle nämlich über die "Hintermänner, im doppelten Sinne, auch im physischen" sprechen. Von diesen Männern seien "sexuelle Sachen unangenehmster Art" zur Sprache gekommen. Das Eliteregiment Gardes du Corps bezeichnet Bebel als "verseucht", männliche Prostituierte als "Subjekte". Anschließend argumentiert Bebel wie gewohnt ambivalent: Er beklagt Freitode und Erpressungen als "traurige Verhältnisse", die "mit glühenden Eisen ausgebrannt werden" müssten. Nur einen Satz später betont er: Der "§ 175 ist nach meiner Ansicht unhaltbar".

Dann unterteilt er Homosexuelle in solche, bei denen die Homosexualität "angeboren" sei (er geht von zwei Prozent der Männer aus, "wenn nicht mehr") und bei denen es sich um "persönlich Unschuldige" handle. Bei den "schlimmeren" sei die Neigung "erworben". Es gebe allerdings unter den Homosexuellen auch viele "respektable, ehrenwerte und brave Männer", auch in den "hohen und höchsten Stellungen". Bebel verlangt zwar, dass jeder, "der sich schuldig macht, verfolgt wird", stellt aber nur einen Satz später fest, dass der § 175 "unhaltbar geworden" sei (Verhandlungen des Reichstages, S. 1907-1909).


Aus den "Verhandlungen des Reichstages": "Arschficker"-Witz, zitiert von Bebel (1907)

Auch die von Bebel veranlassten bzw. provozierten Gegenreden befremden – wenn auch in gänzlich anderer Form. Kriegsminister Karl von Einem argumentiert kurz nach Bebel äußerst homophob, gibt Bebel aber bezüglich seiner Ausführungen ausdrücklich Recht und bedankt sich sogar noch für diese (Verhandlungen des Reichstages, S. 1913-1916, hier S. 1913). Einen Tag später ergreift der antisemitische Abgeordnete Max Liebermann von Sonnenberg das Wort: Er möchte alle Homosexuellen (einschließlich Magnus Hirschfeld!) auf eine Südseeinsel verbannen, dann macht er Witzchen über Waschfrauen. Beides führt zu allgemeiner "Heiterkeit" im Reichstag. Im Kontext des Homosexuellenskandals wettert Liebermann dann auch noch gegen deutsche Juden und verweist namentlich auf den Journalisten Maximilian Harden (Verhandlungen des Reichstages, S. 1945-1946).

Die weitere Geschichte der Petition

Bis 1907 wurden vom WhK mehrere Petitionen zur Abschaffung des § 175 RStGB eingereicht, die allerdings auf gesetzgeberischer Ebene alle scheiterten. Die Tausende von Unterschriften unter der Petition machten auf die Regierung offenbar nicht den geringsten Eindruck. Ein Vorentwurf zur Revision des Strafgesetzbuches im Jahr 1909 sah sogar vor, zusätzlich auch die weibliche Homosexualität unter Strafe zu stellen, und es ist denkbar, dass erst die aufwendige Agitation zur Abschaffung des § 175 das gesetzgeberische Interesse an der Ausweitung des Strafrechts geweckt hat. Weitere Reformbemühungen wurden durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen.

In der Weimarer Republik folgten weitere Versuche. Erst 1929 stimmte der Strafrechtsausschuss des Reichstages einer Legalisierung sogenannter "einfacher" Homosexualität zwischen erwachsenen Männern zu, es kam aber nicht mehr zu einer Abstimmung darüber im Reichstags-Plenum. Unter den Nationalsozialisten wurde der § 175 verschärft, in der Bundesrepublik Deutschland galt er zunächst unverändert weiter. 1969 und 1973 wurde er modifiziert und erst 1994 endgültig gestrichen.

Hirschfelds (zu positiver) Blick auf Bebel

Magnus Hirschfeld prägt bis heute die Sicht auf August Bebels Bedeutung in Bezug auf Homosexualität. Hirschfeld hat – wie oben ausgeführt – die Argumentationslinie Bebels in seiner Rede von 1898 kritisiert. Ansonsten fand Hirschfeld jedoch nur positive Worte über Bebel, was vor dem Hintergrund persönlicher Verbundenheit und/oder politischer Interessen verständlich erscheint, jedoch nicht mit den historischen Quellen übereinstimmt.

Zu Hirschfelds zu hinterfragenden Äußerungen gehört, dass Bebel, "trotzdem" er von Schweitzers Homosexualität wusste, "große Stücke auf ihn" gehalten habe (Hirschfeld: Von einst bis jetzt, 1986. S. 95), was sich anhand von Bebels ausführlichen Äußerungen in seiner Autobiographie (s. o.) leicht widerlegen lässt. Wegen seiner Petitionsunterschrift und seiner Reichstagsrede von 1898 wird Bebel im "Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen" (JfsZ) häufig positiv erwähnt. Hier wird er auch als der "Einzige" gelobt, der am 29. November 1907 im Reichstag "nochmals zugunsten der Homosexuellen seine Stimme erhob" (JfsZ, 1908, S. 631-638, hier S. 634).


Ein Colliergriff allein macht noch keinen Straight Ally…

Die Zitate aus Bebels Reden wurden für das JfsZ erkennbar dahingehend ausgewählt, ob sie den Interessen des WhK entsprachen. Wer die gesamten Reden kennt (s. o.), muss zu einer wesentlich kritischeren Bewertung kommen. Daher bleibe ich auch bei anderen positiven Äußerungen Hirschfelds über Bebel eher skeptisch, auch wenn sie nicht widerlegbar sind: Nach Hirschfeld lag der Grund für Bebels Engagement neben seinem "Durchdenken der sexuellen Probleme" auch in persönlichen Bekanntschaften mit anderen Homosexuellen. Bebel soll seine Kenntnisse nicht nur auf die Bekanntschaft mit Homosexuellen gestützt haben, die er zufällig kennen lernte, sondern er "suchte sie wie ein echter Forscher an ihren Sammelpunkten auf, hörte unvoreingenommen an, wie sie ihr Tun und Lassen erklärten, […] und vertiefte sich dann in die einschlägige Literatur" (Hirschfeld: Von einst bis jetzt, 1986. S. 104, 194).

Was bleibt

Bei der Beurteilung August Bebels ist zunächst einmal die Quellenlage problematisch. Bebels aussagekräftige Autobiographie "Aus meinem Leben" umfasst leider nur die Zeit bis 1883 und kann damit in Bezug auf Homosexualität nur über Johann Baptist von Schweitzer eine Aussage treffen. Bei Johann Baptist von Schweitzer und Theodor von Wächter besteht ein weiteres Problem darin, dass sich die Gemengelage zwischen parteipolitischen Machtinteressen und dem Vorwurf gleichgeschlechtlicher sexueller Handlungen nicht ausreichend trennen lässt.

Für die ersten Jahre lässt sich konstatieren, dass Bebel grundsätzlich aufgeschlossen war und mit seiner Petitionsunterschrift nicht nur Gerechtigkeitswillen, sondern vor allem viel Mut bewiesen hat. Doch auch schon in den ersten Jahren der Bewegung verdeutlichen seine Reden und sein Buch "Die Frau und der Sozialismus" seine ambivalente Einstellung zur Homosexualität, die ebenfalls eine Bewertung erschwert.

Es ist üblich, dass sich die gesellschaftliche Einstellung zur Homosexualität nach Skandalen und Prozessen negativ verändert, und es ist sogar menschlich nachvollziehbar, wenn sich dann auch die persönliche Meinung verändert. Ein gutes Beispiel dafür sind die Eulenburg-Prozesse, die ab 1907 die gesellschaftliche Einstellung nachhaltig verändert und die Homosexuellenbewegung in die schwerste Krise seit ihrem Bestehen gestürzt haben. Bebel hat in dieser Zeit über Homosexualität nicht geschwiegen, sondern hat sich wiederholt sogar recht deutlich gegen Homosexualität positioniert. Wenn Bebel seine Reichstags-Rede vom 29. November 1907 sogar noch mit einem Witz über "Hintermänner" beginnt, den man heute als "Arschficker"-Witz bezeichnen würde, kann ich bei ihm nicht einmal mehr den Rest einer emanzipatorischen Absicht erkennen. Für die sozialdemokratische Bewegung mag August Bebel bis heute eine Lichtgestalt sein. In Bezug auf Homosexualität ist er weit davon entfernt.

Welche Partei setzt sich für queere Menschen ein?

Im Juni 2019 habe ich auf queer.de Friedrich Engels wegen seiner homophoben und überheblichen Einstellung kritisiert. Daraufhin schrieb Bodo Niendel (Referent für Queerpolitik der Bundestagsfraktion Die Linke und ehemaliges langjähriges Vorstandsmitglied des Berliner CSD e.V.) in einem Leserkommentar: "Mir scheint Du versuchst Dich hier an einer Abrechnung".

Dieser Artikel ist ein guter Anlass, darauf hinzuweisen, dass mir dies – sowohl bei Friedrich Engels als auch bei August Bebel – fern liegt. Auch dieser Beitrag ist nicht gegen die SPD im Allgemeinen gerichtet. Ich möchte aber auch darauf hinweisen, dass sich queere Menschen in keiner Partei sicher sein sollten, dass ihre Interessen ohne Wenn und Aber auch langfristig vertreten werden.



#1 Ralph
  • 22.02.2020, 13:05h
  • Vielen Dank für diesen interessanten, gut mit Nachweisen unterfütterten Artikel.

    Die SPD hat leider nie eine klare Linie zu Schwulen und Lesben gefunden. Einerseits trat sie zumindest zeit- und teilweise für eine Beendigung der Schwulenverfolgung ein. Andererseits nutzte sie die Abneigung der Mehrheit der Gesellschaft gegen Schwule gerne, wenn es politisch zu ihren Gunsten zu sein schien, so in der Eulenburg-Moltke-Affäre und gegenüber Ernst Röhm. Nicht umsonst sah sich Kurt Tucholsky genötigt, der SPD ins Stammbuch zu schreiben, dass es keinen politischen Gegner widerlege, wenn er homosexuell sei. Noch 1980 hielt Helmut Schmidt eisern am Rest-Paragraphen 175 fest, und runde 20 Jahre später schaffte es Herta Däubler-Gmelin, das Projekt Lebenspartnerschaft weitgehend zu verwässern und vorwiegend mit Pflichten, aber wenig mit Rechten zu belasten, unter anderem indem sie den Gesetzgebungsprozess solange hinauszögerte, bis die rot-grüne Koalition die Mehrheit im Bundesrat verloren hatte,so dass alle zustimmungspflichtigen Teile des Gesetzes (gerade diejenigen, in denen es um gleiche Rechte ging) scheiterten. Und wieder ein Jahrzehnt später scheiterte die Eheöffnung an der SPD, die nicht bereit war, sie in Koalitionsverhandlungen mit der Union durchzusetzen, so wie die Ausländermaut und Herdprämie (später beide als verfassungswidrig gekippt) durchsetzte.

    Die Haltung der SPD zur Sache hat wohl nie jemand besser beschrieben an der damalige Bundesjustizminister Horst Ehmke 1969 anlässlich der Aufhebung des Nazi-Paragraphen 175 i.d.F. v. 1935. Er sagte, dass man die Strafverfolgung aufhebe ,bedeute nicht, dass man Homosexualität billige. Etwa so scheint es mir weitgehend heute noch zu sein. Wenn es opportun erscheint und wahrscheinlich der Partei nicht schadet, macht man eine Reform, aber so recht mögen möchte man uns doch lieber nicht wollen.
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#2 NuminexEhemaliges Profil
#3 goddamn liberalAnonym
  • 22.02.2020, 13:19h
  • Antwort auf #1 von Ralph
  • "Er sagte, dass man die Strafverfolgung aufhebe ,bedeute nicht, dass man Homosexualität billige."

    Das war wohl auch schon die Position von Bebel und Lasalle.

    Die Angleichung des Rechtstandards des rückschrittlichen Deutschlands an den fortschrittlichen Westen mit seinem Code Napoleon (Frankreich, Benelux).

    Auch dort hieß in der Belle Epoque Straffreiheit keineswegs gesellschaftliche Akzeptanz (siehe noch 2013 die homophoben Massendemos in Paris).

    Trotzdem gilt:

    Lieber Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit als deutsche Nationalhymne!

    www.youtube.com/watch?v=HM-E2H1ChJM
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#4 AbdelkaderAnonym
#5 goddamn liberalAnonym
#6 Miguel53deProfil
  • 22.02.2020, 20:22hOttawa
  • Antwort auf #4 von Abdelkader
  • Auch wenn eine Diskussion um die Nationalhymne ein Nebengebiet ist, lohnt es sich. Über Bebel, Schmidt und andere Politiker, die SPD und deren sehr ambivalentes Verhältnis zur Homosexualität zu diskutieren, ist ohnehin ein weiteres, endloses Thema.

    Die deutsche Nationalhymne ist mit Recht äußerst umstritten. Nicht ohne Grund ist heute ausschließlich die eine, die 3. Strophe die offizielle Hymne, da sie sprachlich einigermaßen sauber ist. Der Autor ist zu Recht mehr als umstritten.

    Inwiefern die schönen Begriffe Einigkeit und Recht und Freiheit in dieser Bundesrepublik unbeachtet blieben oder sogar missbraucht wurden, kann man rückblickend leicht nachlesen. Eine Diskussion darum hat es hier ja zuletzt reichlich gegeben, als der Streit um das CSD-Motte 2020 ausbrach.

    Nach der Wiedervereinigung hatte Deutschland die große Chance, eine neue Nationalhymne zu wählen. Die Hymne der gerade untergegangenen DDR wäre eine ausgezeichnete Wahl gewesen. Eine Möglichkeit, die neuen Bundesländer wirklich zu integrieren. Der Text herausragend. Die Musik von Hans Eisler ebenso.

    Doch Kohl wollte auf keinen Fall eine kommunistische Hymne, geschrieben von Johannes R. Becher, übernehmen. Und das, obwohl der Text humanistisch und nicht parteipolitisch geprägt ist. Die Diskussion, wie angesichts rechter Gewalt, die CDU bis heute zugleich auf die der linken Seite verweist, ist da ein Nebengedanke. Noch ein weiteres, breites Diskussionsfeld

    Auch damit, mit dieser alten, nicht wirklich überzeugenden Hymne, wurde die ehemalige DDR einfach okkupiert, statt sie mit dem Westen zu vereinen und das Vaterland zu einen.

    Hier die Hymne mit Text.

    www.youtube.com/watch?v=b7wlz_HIqRA
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#7 GerritAnonym
  • 22.02.2020, 21:19h
  • Die SPD war immer schon im Kern eine strukturkonservative Partei, die zwar gerne ein anderes Image pflegt, aber eigentlich Fortschritt eher bremst statt befördert.

    Das sieht man auch heute noch - nicht nur bei LGBTI-Themen, sondern z.B. auch beim Thema Kohleausstieg. Obwohl mittlerweile niemand mehr das leugnen kann, wovor die Wissenschaft schon seit 20 Jahren warnt, hält Deutschland dank SPD und Union noch viel zu lange an der Kohlekraft fest. Und das absurdeste ist ja, dass deutsche Kohle eigentlich gar nicht konkurrenzfähig wäre, aber massiv mit Steuergeldern subventioniert wird. Dafür werden Landschaften und Dörfer weggebaggert und weiterhin munster CO2 in die Atmosphäre geblasen.

    Und dadurch wird bei den Erneuerbaren Energien das 5-fache an Arbeitsplätzen vernichtet, was bei der Kohle künstlich erhalten bleibt.

    Und dann bekommen die Energie-Riesen auch noch Entschädigungen dafür, dass das irgendwann ein Ende haben soll.

    Wieso nicht einfach Subventionen abschaffen, dann wäre die Kohlekraft innerhalb eines Jahres obsolet und bei den Erneuerbaren Energien würden viel mehr Arbeitsplätze (auch dezentral) entstehen, als bei der Kohle verloren gehen. Und noch dazu würde alles preiswerter, weil diese Milliarden-Subventionen für die Kohle, um die künstlich am Leben zu erhalten, wegfallen würden.

    Das ist fachlisch nicht vermittelbar und nur ein Beleg, wie sehr Union und SPD in den Händen einiger Großkonzerne sind.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 Julian SAnonym
  • 22.02.2020, 22:57h
  • Danke für die fundierte Recherche. Schon damals hat die SPD es verstanden, sich ein anderes Image zu geben als es der Realität entspricht.

    Auch heute gibt die SPD sich gerne homofreundlich, setzt aber nur Dinge um, zu denen sie von Gerichten gezwungen (!) werden oder die problemlos mit dem Koalitionspartner zu machen sind.

    Aber die SPD ist nicht bereit, sich auch mal gegen Widerstand für uns einzusetzen.

    In Koalitionsverhandlungen werden die LGBTI-Versprechen regelmäßig als erstes fallen gelassen, um die homophobe Union weiterhin an der Macht zu halten.

    Wer wirklich auf unserer Seite steht, verarscht uns nicht, indem man sich selbst für etwas feiert, was problemlos war oder was eh gekommen wäre.

    Wer wirklich auf unserer Seite steht, setzt sich auch gegen Widerstand für uns ein und macht LGBTI-Gleichstellung zur Koalitionsbedingung - denn wo sonst sollte man rote Linien ziehen, als bei Grundrechten und demokratischen Grundprinzipien wie dem Gleichheitsgrundsatz?!
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#9 goddamn liberalAnonym
  • 23.02.2020, 00:52h
  • Antwort auf #7 von Gerrit
  • "Das sieht man auch heute noch - nicht nur bei LGBTI-Themen, sondern z.B. auch beim Thema Kohleausstieg."

    Konservativ ist hier nicht die SPD, sondern das klassistische Öko-Bürgertum, dem natürlich Arveitsplätze schnuppe sind.

    Linke Parteien sind gut beraten, sich nicht von den Bürgerkindern um Greta Thunberg vorführen zu lassen.

    Die sind nichts anderes als der bürgerlich-grünliche 'Wandervogel' unserer Zeit.
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#10 BockbeinAnonym
  • 23.02.2020, 01:05h
  • Antwort auf #5 von goddamn liberal
  • Vielleicht sollte man Theodor Heuss und Bert Brecht selbst in Bezug auf die umstreitbare Nationalhymne nicht in einem Atemzug nennen. Heuss, der schillernde Autor der Nazizeitschrift "Das Reich" und Befürworter von Hitlers Ermächtigungsgesetz, somit einer der Totengräber der Weimarer Republik, hat mit dem Emigranten Brecht nichts zu tun. Und seine von alten Nazis durchsetzte FDP sowieso nicht.
    Der Hinweis auf das eigene Deutschtum ist zwar nicht so gemeint, passt aber dann doch ganz gut.
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