Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://www.queer.de/detail.php?article_id=35583
Home > Kommentare

Kommentare zu:
Wie August Bebel gegen die schwulen "Hintermänner" austeilte


#1 Taemin
  • 22.02.2020, 13:05h
  • Vielen Dank für diesen interessanten, gut mit Nachweisen unterfütterten Artikel.

    Die SPD hat leider nie eine klare Linie zu Schwulen und Lesben gefunden. Einerseits trat sie zumindest zeit- und teilweise für eine Beendigung der Schwulenverfolgung ein. Andererseits nutzte sie die Abneigung der Mehrheit der Gesellschaft gegen Schwule gerne, wenn es politisch zu ihren Gunsten zu sein schien, so in der Eulenburg-Moltke-Affäre und gegenüber Ernst Röhm. Nicht umsonst sah sich Kurt Tucholsky genötigt, der SPD ins Stammbuch zu schreiben, dass es keinen politischen Gegner widerlege, wenn er homosexuell sei. Noch 1980 hielt Helmut Schmidt eisern am Rest-Paragraphen 175 fest, und runde 20 Jahre später schaffte es Herta Däubler-Gmelin, das Projekt Lebenspartnerschaft weitgehend zu verwässern und vorwiegend mit Pflichten, aber wenig mit Rechten zu belasten, unter anderem indem sie den Gesetzgebungsprozess solange hinauszögerte, bis die rot-grüne Koalition die Mehrheit im Bundesrat verloren hatte,so dass alle zustimmungspflichtigen Teile des Gesetzes (gerade diejenigen, in denen es um gleiche Rechte ging) scheiterten. Und wieder ein Jahrzehnt später scheiterte die Eheöffnung an der SPD, die nicht bereit war, sie in Koalitionsverhandlungen mit der Union durchzusetzen, so wie die Ausländermaut und Herdprämie (später beide als verfassungswidrig gekippt) durchsetzte.

    Die Haltung der SPD zur Sache hat wohl nie jemand besser beschrieben an der damalige Bundesjustizminister Horst Ehmke 1969 anlässlich der Aufhebung des Nazi-Paragraphen 175 i.d.F. v. 1935. Er sagte, dass man die Strafverfolgung aufhebe ,bedeute nicht, dass man Homosexualität billige. Etwa so scheint es mir weitgehend heute noch zu sein. Wenn es opportun erscheint und wahrscheinlich der Partei nicht schadet, macht man eine Reform, aber so recht mögen möchte man uns doch lieber nicht wollen.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 NuminexEhemaliges Profil
#3 goddamn liberalAnonym
  • 22.02.2020, 13:19h
  • Antwort auf #1 von Taemin
  • "Er sagte, dass man die Strafverfolgung aufhebe ,bedeute nicht, dass man Homosexualität billige."

    Das war wohl auch schon die Position von Bebel und Lasalle.

    Die Angleichung des Rechtstandards des rückschrittlichen Deutschlands an den fortschrittlichen Westen mit seinem Code Napoleon (Frankreich, Benelux).

    Auch dort hieß in der Belle Epoque Straffreiheit keineswegs gesellschaftliche Akzeptanz (siehe noch 2013 die homophoben Massendemos in Paris).

    Trotzdem gilt:

    Lieber Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit als deutsche Nationalhymne!

    www.youtube.com/watch?v=HM-E2H1ChJM
  • Antworten » | Direktlink » | zu #1 springen »
#4 AbdelkaderAnonym
#5 goddamn liberalAnonym
#6 Miguel53deProfil
  • 22.02.2020, 20:22hOttawa
  • Antwort auf #4 von Abdelkader
  • Auch wenn eine Diskussion um die Nationalhymne ein Nebengebiet ist, lohnt es sich. Über Bebel, Schmidt und andere Politiker, die SPD und deren sehr ambivalentes Verhältnis zur Homosexualität zu diskutieren, ist ohnehin ein weiteres, endloses Thema.

    Die deutsche Nationalhymne ist mit Recht äußerst umstritten. Nicht ohne Grund ist heute ausschließlich die eine, die 3. Strophe die offizielle Hymne, da sie sprachlich einigermaßen sauber ist. Der Autor ist zu Recht mehr als umstritten.

    Inwiefern die schönen Begriffe Einigkeit und Recht und Freiheit in dieser Bundesrepublik unbeachtet blieben oder sogar missbraucht wurden, kann man rückblickend leicht nachlesen. Eine Diskussion darum hat es hier ja zuletzt reichlich gegeben, als der Streit um das CSD-Motte 2020 ausbrach.

    Nach der Wiedervereinigung hatte Deutschland die große Chance, eine neue Nationalhymne zu wählen. Die Hymne der gerade untergegangenen DDR wäre eine ausgezeichnete Wahl gewesen. Eine Möglichkeit, die neuen Bundesländer wirklich zu integrieren. Der Text herausragend. Die Musik von Hans Eisler ebenso.

    Doch Kohl wollte auf keinen Fall eine kommunistische Hymne, geschrieben von Johannes R. Becher, übernehmen. Und das, obwohl der Text humanistisch und nicht parteipolitisch geprägt ist. Die Diskussion, wie angesichts rechter Gewalt, die CDU bis heute zugleich auf die der linken Seite verweist, ist da ein Nebengedanke. Noch ein weiteres, breites Diskussionsfeld

    Auch damit, mit dieser alten, nicht wirklich überzeugenden Hymne, wurde die ehemalige DDR einfach okkupiert, statt sie mit dem Westen zu vereinen und das Vaterland zu einen.

    Hier die Hymne mit Text.

    www.youtube.com/watch?v=b7wlz_HIqRA
  • Antworten » | Direktlink » | zu #4 springen »
#7 GerritAnonym
  • 22.02.2020, 21:19h
  • Die SPD war immer schon im Kern eine strukturkonservative Partei, die zwar gerne ein anderes Image pflegt, aber eigentlich Fortschritt eher bremst statt befördert.

    Das sieht man auch heute noch - nicht nur bei LGBTI-Themen, sondern z.B. auch beim Thema Kohleausstieg. Obwohl mittlerweile niemand mehr das leugnen kann, wovor die Wissenschaft schon seit 20 Jahren warnt, hält Deutschland dank SPD und Union noch viel zu lange an der Kohlekraft fest. Und das absurdeste ist ja, dass deutsche Kohle eigentlich gar nicht konkurrenzfähig wäre, aber massiv mit Steuergeldern subventioniert wird. Dafür werden Landschaften und Dörfer weggebaggert und weiterhin munster CO2 in die Atmosphäre geblasen.

    Und dadurch wird bei den Erneuerbaren Energien das 5-fache an Arbeitsplätzen vernichtet, was bei der Kohle künstlich erhalten bleibt.

    Und dann bekommen die Energie-Riesen auch noch Entschädigungen dafür, dass das irgendwann ein Ende haben soll.

    Wieso nicht einfach Subventionen abschaffen, dann wäre die Kohlekraft innerhalb eines Jahres obsolet und bei den Erneuerbaren Energien würden viel mehr Arbeitsplätze (auch dezentral) entstehen, als bei der Kohle verloren gehen. Und noch dazu würde alles preiswerter, weil diese Milliarden-Subventionen für die Kohle, um die künstlich am Leben zu erhalten, wegfallen würden.

    Das ist fachlisch nicht vermittelbar und nur ein Beleg, wie sehr Union und SPD in den Händen einiger Großkonzerne sind.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 Julian SAnonym
  • 22.02.2020, 22:57h
  • Danke für die fundierte Recherche. Schon damals hat die SPD es verstanden, sich ein anderes Image zu geben als es der Realität entspricht.

    Auch heute gibt die SPD sich gerne homofreundlich, setzt aber nur Dinge um, zu denen sie von Gerichten gezwungen (!) werden oder die problemlos mit dem Koalitionspartner zu machen sind.

    Aber die SPD ist nicht bereit, sich auch mal gegen Widerstand für uns einzusetzen.

    In Koalitionsverhandlungen werden die LGBTI-Versprechen regelmäßig als erstes fallen gelassen, um die homophobe Union weiterhin an der Macht zu halten.

    Wer wirklich auf unserer Seite steht, verarscht uns nicht, indem man sich selbst für etwas feiert, was problemlos war oder was eh gekommen wäre.

    Wer wirklich auf unserer Seite steht, setzt sich auch gegen Widerstand für uns ein und macht LGBTI-Gleichstellung zur Koalitionsbedingung - denn wo sonst sollte man rote Linien ziehen, als bei Grundrechten und demokratischen Grundprinzipien wie dem Gleichheitsgrundsatz?!
  • Antworten » | Direktlink »
#9 goddamn liberalAnonym
  • 23.02.2020, 00:52h
  • Antwort auf #7 von Gerrit
  • "Das sieht man auch heute noch - nicht nur bei LGBTI-Themen, sondern z.B. auch beim Thema Kohleausstieg."

    Konservativ ist hier nicht die SPD, sondern das klassistische Öko-Bürgertum, dem natürlich Arveitsplätze schnuppe sind.

    Linke Parteien sind gut beraten, sich nicht von den Bürgerkindern um Greta Thunberg vorführen zu lassen.

    Die sind nichts anderes als der bürgerlich-grünliche 'Wandervogel' unserer Zeit.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #7 springen »
#10 BockbeinAnonym
  • 23.02.2020, 01:05h
  • Antwort auf #5 von goddamn liberal
  • Vielleicht sollte man Theodor Heuss und Bert Brecht selbst in Bezug auf die umstreitbare Nationalhymne nicht in einem Atemzug nennen. Heuss, der schillernde Autor der Nazizeitschrift "Das Reich" und Befürworter von Hitlers Ermächtigungsgesetz, somit einer der Totengräber der Weimarer Republik, hat mit dem Emigranten Brecht nichts zu tun. Und seine von alten Nazis durchsetzte FDP sowieso nicht.
    Der Hinweis auf das eigene Deutschtum ist zwar nicht so gemeint, passt aber dann doch ganz gut.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #5 springen »
#11 Homonklin_NZAnonym
  • 23.02.2020, 01:33h
  • Ich bin da als untypischer Schwuler weitreichend mangelhaft belesen, was Homosexuellen-Interessenbewegung und ihre Geschichte angeht. Daher großen Dank für die Aufbereitung solcher Themen und auch die vielen Querverweise.

    Was ich nicht ganz nachvollziehe und für etwas problematisch sehe, ist dieses weiterhin replizierte Zusammenschmeißen offenbar Pädophiler mit Homosexuellen. Auch wenn die zu der Zeit vielleicht aufgrund der meist vorhandenen Hermeneutik einfach nicht differenzierungsfähig genug gewesen sein mögen. Dass das in stark religionskulturell geprägten Kreisen bzw. von Anti-LGBTIQ*-Seiten, etwa Polen, Russland ect. immer noch heute zusammen geschmissen wird, liest man öfter, auch die "Besorgten" verwenden gern diese Linse.
    Diese Sichtweise immer wieder neu zu befüllen, macht uns heute noch das Leben schwer, und die Religioten und Neo-Hostilen freut es bloß.

    Das da:
    ""Ich möchte aber auch darauf hinweisen, dass sich queere Menschen in keiner Partei sicher sein sollten, dass ihre Interessen ohne Wenn und Aber auch langfristig vertreten werden.""

    Ist einem, wenn man mit einer natürlichen Skepsis ausgestattet bleibt, aber auch klar. Das geht da in der Regel um Interessen, die vor allem erst mal dem Gewinnpotenzial und effektiven Wachstum, oder aber Kostenersparnis dienen, und die Interessen von LGBTIQ* werden hin und wieder als Randmoräne benutzt, als Anstrich für den Wahl-Fundraiser, das gerade hippe Theaterkostüm. Das Kostüm kann sich immer mal ändern, je nach Zeitgeist ist dann wieder schwarzbraungrau hip, anstatt Rainbow.

    SPD-Bashing ist auch mehr was Modernes und hängt mit entsprechenden "Verdiensten" zusammen. Das macht ein funkelndes Kostüm, ein "Sozial" im Kürzel und Pro-LGBTIQ*-Schein nicht wett, was da an Vertrauen weggeworfen wurde. Die hätten sich besser beim Vatikan abgeschaut, wie man die Leute reihenweise verarscht. Da haben die Jahrtausende an Kunst vorher. Pardon. z.v. Karottensaft geraucht.
  • Antworten » | Direktlink »
#12 goddamn liberalAnonym
  • 23.02.2020, 06:33h
  • Antwort auf #10 von Bockbein
  • Ironie scheint nicht Deine Sache zu sein.

    Sie gehört aber zur Zivilisation dazu.

    ,Deutschtum' interessiert mich nicht.

    Oberlehrerernst auch nicht.

    Mir geht es um Fakten.

    Beide waren gegen das sogenannte Deutschlandlied.

    Dass mir Brecht näher steht als Heuss, steht auf einem anderen Blatt.

    Nebenbei: Ich kann auch nichts dafür, dass Kositza, die Gattin des böhmischen Gefreiten, auf polnisch Ziege heißt.

    Wenn geborene Europäer sich zu Germanen hochstilisieren wollen, ist das ihr Problem.

    Wenn sie dabei Hass schüren, um ihre eigene Wackelidentität zu stabilisieren, muss man/frau sie bekämpfen.

    Alles klar?
  • Antworten » | Direktlink » | zu #10 springen »
#13 GerritAnonym
  • 23.02.2020, 09:11h
  • Antwort auf #9 von goddamn liberal
  • 1. Wenn es mit dem Klimawandel so weitergeht, haben wir ganz andere Probleme als ein paar Arbeitslose mehr oder weniger. Übrigens treffen die Kosten des Klimawandels als erstes die unteren und mittleren Einkommen.

    2. Würde man die Subventionen der Kohlekraft nicht an die Konzerne, sondern an deren Arbeiter auszahlen und die Kosten der CO2-Emissionen der Kraftwerke auch dafür nutzen, könnte jeder dort Beschäftigte heute in Frührente gehen und hätte jeden Monat mehr als mit der Arbeit dort.

    3. Die Kohlesubventionen vernichten bei den Erneuerbaren Energien das Fünffache dessen, was sie bei der Kohlekraft an Arbeitsplätzen bringen (Quellen: Wissenschaftlicher Rat des Bundestags, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, und weitere...)
  • Antworten » | Direktlink » | zu #9 springen »
#14 Taemin
#15 goddamn liberalAnonym
  • 23.02.2020, 11:12h
  • Antwort auf #13 von Gerrit
  • "andere Probleme als ein paar Arbeitslose mehr oder weniger. "

    Tja, das ist genau die Mentalität die dem Tyrannen Trump im traditionell demokratischen Rust Belt und in West Virginia zur Mehrheit verholfen hat.

    Jeder dieser "paar Arbeitslosen" ist ein Mensch mit existenziellen Problemen.

    Das ist den jugendbewegten Jungs und Mädeln aus 'gutem Hause' anscheinend schwer zu vermitteln.

    de.wikipedia.org/wiki/Jakob_Blasel

    Merke: Ökologischer Umbau mit sozialer Schieflage führt zu Verwerfungen!
  • Antworten » | Direktlink » | zu #13 springen »
#16 Ach jaAnonym
  • 23.02.2020, 11:55h
  • Antwort auf #15 von goddamn liberal
  • Exakt.
    Und diese Verwerfungen führen erst zu Nichtwählern und dann immer mehr zu erfolgreichen Populisten /Faschisten.
    Was die Verwerfungen so steigert. dass man sich über den Klimawandel dann auch keine Gedanken mehr machen muss, weil die Zivilisation schon den Bach runter gegangen ist bevor Greta selbst Kinder bekommt.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #15 springen »
#17 WindheimerAnonym
#18 trans naysayerAnonym
#19 goddamn liberalAnonym
  • 23.02.2020, 14:59h
  • Antwort auf #18 von trans naysayer
  • Danke für die Belehrung.

    Jetzt mal eine Belehrung in Erdkunde:

    West Virginia liegt nicht in Europa.

    Dort haben die Leute genausowenig Lust, ihre Arbeit zu verlieren wie in Bangladesh.

    Woher wir klimaschädlich unsere Hemden beziehen und das vom Klimawandel gefährlich betroffen ist.

    Also:

    Was tun?

    Nebenbei: Ich bin schon aus 'Schuldkult' gerne eurozentrisch, weil die Deutschen zu fast 100% in Europa Dutzende Millionen Menschen massakriert haben.

    Ach ja.

    Fakten, Fakten, Fakten.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #18 springen »
#20 dellbronx51069Anonym
#21 Sukram712Anonym
  • 23.02.2020, 21:27h
  • Leute, also wir reden von vor über 140 Jahren! - Vielleicht ist es ein klitzekleines bisschen unfair Leute rückwirkend 140 Jahre später mit dem Wissen von heute zu beurteilen... ;)

    Wer weiß, was die Leute in 140 Jahren uber uns alles denken und sagen, zB bezüglich Massentierhaltung und Klimawandel.

    Wir sind nun mal alle die Kinder unserer Zeit. August Bebel und die SPD haben - trotz persönlicher Vorbehalte - die Homosexuellenbewegung unterstützt. Lassen wir es doch einfach dabei. *rolleyes*
  • Antworten » | Direktlink »
#22 TheDadProfil
  • 23.02.2020, 21:36hHannover
  • Antwort auf #21 von Sukram712
  • ""Leute, also wir reden von vor über 140 Jahren! - Vielleicht ist es ein klitzekleines bisschen unfair Leute rückwirkend 140 Jahre später mit dem Wissen von heute zu beurteilen... ;)""..

    Genau der Gedanke kam mir beim Lesen des Artikels auch..
    Deshalb schließe ich mich dem hier ausdrücklich an..
  • Antworten » | Direktlink » | zu #21 springen »
#23 Taemin
  • 24.02.2020, 12:07h
  • Antwort auf #17 von Windheimer
  • Vier Jahre später, als sie es versprochen hatte. Und auch dann nur, weil sich die Kanzlerin bei der "Brigitte" sprachlich heillos verstolpert und Martin Schulz erkannt hatte, dass ihr das einen einzigen Tag zu früh passiert war, weil gerade noch die Tagesordnung der BT-Sitzung ergänzt werden konnte. Ohne das Gestotter von Angela Merkel wäre die Ehe nicht geöffnet worden, und die SPD hätte sie auch bei den neuen Koalitionsverhandlungen nicht durchgedrückt, so wie sie ja auch ein diskriminierungsfreies Kindschaftsrecht gegen das eigene Versprechen nicht durchgedrückt hat.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #17 springen »
#24 Taemin
  • 24.02.2020, 12:17h
  • Antwort auf #22 von TheDad
  • Grundsätzlich ist das ja richtig. Aber diese Halbherzigkeit hat die SPD leider bis heute nicht abgelegt. Paradebeispiel meine eigene Geschichte: Der Lebenspartnerschaft hatte die SPD-geführte Landesregierung im Bundesrat zugestimmt, aber sie verschloss dafür die Standesämter und erkannte sie im Landesrecht nicht an. Erst als die SPD ihre Landtagsmehrheit verlor und auf die Grünen angewiesen war, um weiterregieren zu können, musste sie auf Druck des neuen Koalitionspartners die Lebenspartnerschaft anerkennen und die Landesgesetzgebung anpassen. Oder BW: Als dort im Beamtenrecht der Familienzuschlag nachgezahlt werden musste, weil seine Verweigerung als verfassungswidrig verurteilt worden war, kam aus der SPD Geschrei, dass schwule Paare von dem vielen Geld auf Steuerzahlerkosten Erholungsurlaub machen würden. So der damalige SPD-Finanz- oder Innenminister. Das ist die Gesinnung eines Diebes, der die gestohlene Beute an sein Opfer zurückgeben muss. Jedem von uns fallen doch sicher solche Begebenheiten ein, wenn er über die SPD nachdenkt.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #22 springen »
#25 TheDadProfil
  • 24.02.2020, 19:51hHannover
  • Antwort auf #24 von Taemin
  • Ich kann und will Deine persönlichen Erfahrungen nicht in Abrede stellen..

    Trotzdem muß man hier immer wieder anführen :
    der Niedergang der SPD als
    "Vertreter des kleinen Mannes"
    hat 1982 angefangen, als sich dieser "kleine Mann" als Wähler von der SPD abgewandt hat, und das ohne Not und Grund, denn die an die Macht gebrachte UNION hat diesem kleinem Mann bis Heute NICHTS zu bieten..

    Trotzdem hält diese so genante "Mitte der Gesellschaft" unbeirrt an der Idee fest, die "Konservativen" würden ihren Wohlstand bewahren..
  • Antworten » | Direktlink » | zu #24 springen »
#26 GerritAnonym
  • 25.02.2020, 10:05h
  • Antwort auf #15 von goddamn liberal
  • Wie gesagt:
    diese Arbeitslosen hätten gar keine "existenziellen Probleme", wenn man das Geld, das die Kohlesubventionen kosten und das der CO2-Ausstoß kostet, ihnen geben würde.

    Und obendrein würden dann bei den Erneuerbaren 5x so viele Arbeitsplätze entstehen, wie bei Kohle wegfallen. Denn diese Subventionen verzerren den Markt. (Quellen: siehe oben)

    PS:
    Ein viertes mal erkläre ich Dir das nicht nochmal.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #15 springen »
#27 zundermxeAnonym
  • 25.02.2020, 11:17h
  • Antwort auf #25 von TheDad
  • Naja, was Du zu 1982, der SPD und dem sogenannten kleinen Mann schreibst, ist mMn eine höchst persönliche Meinung, die nicht wirklich wiedergibt, was war.
    Meine Erinnerung ist eine andere...

    Die SPD mit Schmidt hatte 1980 mit Hilfe der FDP äußerst knapp einen von allen Seiten sehr hart geführten Wahlkampf gegen die CdU/CsU mit Strauß als Kanzlerkandidaten gewonnen.
    Die SPD war innerhalb ihrer Partei und ihrer Wählerschaft recht zerstritten. Unter Schmidt ist die SPD nach Willy Brand eindeutig Richtung bürgerliche Mitte und hat im Prinzip das getan was die Union unter Merkel gemacht hat. Die andere sogenannte Volkspartei schwächen indem auch für diese Klientel Politik gemacht wurde.
    Hinzu kam eine immer stärkere dominierende FDP, die ihre Politik schon damals von sozial-liberal auf Markt-liberal ummünzte.

    Die wirtschaftliche Lage, die für damalige Zeiten stark wachsende Arbeitslosigkeit, die Ost-Politik und die Visionslosigkeit (wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen) der Schmidt-SPD hatten eine unverkennbare Wechselstimmung erzeugt. Hinzu kamen die Grünen, die die SPD vereinfacht gesagt quasi von links, von den Bürgerrechten her und mit Umwelt- und Friedensthemen, attackierte. Dem hatte die Schmidt-SPD inhaltlich nicht wirklich etwas entgegenzusetzen.

    Egal, wie wer zum NATO-Doppelbeschluss stand. Aber nichts symbolisiert mehr die damalige SPD und die damalige Zeit.
    Gegen einen nicht unbedeutenden Teil der eigenen Partei und gegen eine Vielzahl von Massenprotesten der Bevölkerung im ganzen Land hat die Schmidt-SPD dies durchgesetzt. Pazifisten konnten spätestens an der Stelle die SPD nie mehr wählen.
    Schmidt wurde zu der Zeit gerne von CdU/CsU als der richtige Kanzler in der falschen Partei bezeichnet.

    Der sogenannte kleine Mann hat also nicht aus einem Vakuum heraus aufgehört die SPD zu wählen (und er war es auch nicht allein, wenn man überhaupt mit diesem Begriff argumentieren will).
    Vielmehr wurde ein gewisser Herr Kohl gewählt, dem zwar niemand etwas zutraute, bei dem aber viele zumindest meinten zu wissen wofür er steht (mMn sehr fragwürdige Werte, aber Werte eben). Was dann folgte war die sogenannte geistig-moralische Wende...
    :-(

    Leider hat die SPD zu keinem Zeitpunkt erkennbar aus diesem vermeidbaren Debakel gelernt.
    Im Gegenteil, als Heilsbringer wurde ein gewisser Herr Schröder gewählt und von der Partei vorbehaltlos bis hin zur Zerstörung der eigenen Basis unterstützt. Das Aufwachen war brutal und hat bis heute nicht wirklich sein Ende genommen.
    Wer Schröder als MP von Niedersachsen beobachtet hatte, musste wissen wen man da zum Kanzler macht und dass dieser Mensch aber auch gar keine Skrupel hat die SPD hin zum Wirtschaft- und Kapitalfreundlichem Wahlverein zu verändern, praktisch sich selbst überflüssig zu machen. Nicht umsonst wird er noch heute von CdU/CsU gelobt und hofiert.

    Wenn sich also wer aktiv abgewandt hat, dann war dies an erster Stelle die SPD selbst, die bereitwillig der Macht wegen meinte ihre Politik und ihre Inhalte einem gefühlten Zeitgeist anpassen zu müssen.
    Wer sich als Genosse der Bosse feiern lässt, kann nicht wirklich erwarten, dass in einer vielschichtigen Parteienlandschaft (mit Grüne und Linke) die Menschen nur der Tradition wegen die SPD wählen. Der Tradition, die spätestens Schröder und seine Schröderianer in jedem einzelnen Politikfeld verraten haben und somit auch die Menschen für die sie vorgaben Politik zu machen.

    Wären all diese Gesetze damals unter einer CdU-geführten Regierung verabschiedet worden, hätte es Massenproteste gegeben und die Straßen hätten gebrannt.
    So haben sich Schröder und Fischer in die Geschichte eingetragen als ultimative Wegbereiter des wirtschaftlichen Neo-Liberalismus mit einhergehender Entsolidarisierung weiter Teile der Bevölkerung.
    Dies hält bis heute an und wird bis heute fortgesetzt.

    Trotz alldem halte ich persönlich die SPD für wichtig innerhalb der Parteienlandschaft.
    Nicht mehr wegen ihrer Tradition und Geschichte, die von zu vielen beschworen aber von kaum wen gelebt und somit zumindest einigermaßen glaubhaft verkörpert (personifiziert) wird.
    Will die SPD wieder eine Partei werden, die authentisch für mehr Demokratie und Gleichberechtigung auf allen Feldern der Gesellschaft steht, darf sie nicht primär auf die nächsten Wahlergebnisse und Umfragen abgezielt Politik machen.
    Sie muss sich jenseits der Tagespolitik inhaltlich erneuern und entscheiden wofür und für wen sie zukünftig Politik machen will.
    Das ist meiner Meinung nach die einzige berechtigte Perspektive für eine sozialdemokratische Partei gerade in schnellstlebigen Zeiten. Politik für Menschen und Umwelt nicht mehr als Sozialromantik verächtlich machen lassen, sondern zeigen, dass dies die Werte sind, die einzig eine demokratische, offene und freie Gesellschaft nachhaltig erschaffen und schützen.

    Kevin ist nicht allein zuhaus.
    :-)
  • Antworten » | Direktlink » | zu #25 springen »
#28 mactorProfil
  • 25.02.2020, 12:10hBerlin
  • Im Prinzip hatten alle vor den 1980-1990 Jahren was gegen Schwule.
    Ausser Schwule und manchmal selbst die.

    Also warum glaubt man ausgerechnet 2020 das ein um die Jahrhundertwende geborener Mann uns so toll fand? Ist doch absurd.

    Ich finde dieses um viele, viele Jahrzehnte zwanghaft gemachte Aufarbeiten der Einstellungen von (toten) Personen ist sinnlos.
  • Antworten » | Direktlink »
#29 goddamn liberalAnonym
#30 Homonklin_NZAnonym
  • 25.02.2020, 13:51h
  • Antwort auf #28 von mactor
  • Das ist aus der Gesamtperspektive für Historiker und Leute, welche verstehen möchten, wie sich die schwule, queere Befreiung ihre Wege bahnte, schon interessant. Zu erfahren, wie diese Leute das damals verstanden, und mit welchen Widersprüchen sie Kontakte pflegten, um Einfluss auszuwirken. Auch im Zusammenhang mit der Entwicklung einer inkludierenden, ethischen Konzeptarbeit etwa.

    Man mag vielleicht nicht den akuten Zweck für den heutigen schwulen Alltag sehen, und ohne diese Leute hätte es vermutlich andere gegeben, die eine mit einbeziehende, menschliche Betrachtungsweise voran gestoßen hätten.
    Das wissen wir nicht sicher. Ohne solche Vorherdenker des Umkreis M.Hirschfeld könnten wir auch ein Ignoranzproblem wie die Russen bekommen haben, und Angst haben müssen, in der Schwulenbar überfallen zu werden.

    Klar, ob die dann so oder anders getickt haben mögen, da kommt viel Spekulation dazu. Das kann man aus Zeitzeugnissen nur indirekt heranleiten, die lang schon Toten können nicht mehr mitreden.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #28 springen »
#31 TheDadProfil
  • 25.02.2020, 19:36hHannover
  • Antwort auf #27 von zundermxe
  • Durchaus klug analysiert..

    Aber in der Wahl von 1983 verlor die SPD gegenüber 1980 mehr als 10 Prozent der Stimmen..

    Man hätte Kohl dann auch spätestens nach 8 Jahren vom Sockel stoßen können, doch da kam die Wende dazwischen, und bei der Wahl 1990 hat dann auch die ehemalige DDR-Arbeiterbevölkerung das Kapital Kohls gewählt, welcher dieser aus leeren Händen großzügig in die Neuen Länder ausgeschüttet hat..

    Allein die Treuhand-Anstanlt des Bundes hat in der Zeit ihres Bestehens zwischen März 1990 und Dezember 1994 mehr als 244 Milliarden D-Mark in die ehemaligen Firmen der Ex-DRR transferiert, bei Verkäufen dieser Firmen aber nur 40 Milliarden erlöst, und dazu gehören solche "Sahnestücke" wie die Raffenerie-Sparte der Leuna-AG, die allein schon 40 Milliarden D-Mark wert war, und für n Appel&n Ei an Elf-Aquitaine verscherbelt worden ist..

    Das diese "geistig-moralische Wende" keine war hat auch der Arbeiter begriffen, doch selbst beim jahrenalngem ausbleiben der Lohnerhöhungen und anhaltenden Lohnkürzungen immer noch unbeirrt die UNION an der Macht gehalten..

    DAS ist der Vorwurf..
    Der Arbeiter hat sich von "seiner" Partei mindestens so einfach und so weit entfernt wie die gute alte Tante SPD von ihrem Kern-Klientel..

    Und beide sind dann "Seit an Seit" in Richtung UNION marschiert..

    Wenn also der "Wähler" will das die SPD etwas für ihn tut, dann muß er sie auch wählen, aber mindestens NICHT die UNION wählen..
  • Antworten » | Direktlink » | zu #27 springen »
#32 TheDadProfil
  • 25.02.2020, 19:38hHannover
  • Antwort auf #28 von mactor
  • ""Also warum glaubt man ausgerechnet 2020 das ein um die Jahrhundertwende geborener Mann uns so toll fand? Ist doch absurd.""..

    WELCHE Jahrhundertwende denn ?
    Was hat Dich davon abgehalten den Artikel zu lesen ?
    Da stehen eigentlich genug Informationen drin..
  • Antworten » | Direktlink » | zu #28 springen »
#33 TheDadProfil
  • 25.02.2020, 19:47hHannover
  • Antwort auf #29 von goddamn liberal
  • ""Nebenbei: Direkte Subventionen gibt es bei der Braunkohle nicht.""..

    Äh ?
    Ob man die nun "direkt subventioniert", oder die Gelder "hinten reinschiebt" ist vollständig egal..

    rp-online.de/wirtschaft/rwe-und-vattenfall-braunkohle-kostet
    -15-milliarden_aid-19710147


    Hätte man mit all den Geldern die die Braunkohle-Industrie, die Steinkohle-Industrie (auch über den verfassungswidrigen "Kohlepfennig") und die Atom-Industrie an direkten und indirekten Subventionen erhalten hat, in die Entwicklung von Batterien gesteckt, oder in die Entwicklung von Photovoltaik-Anlagen, oder von Windkraftanlagen, und das dann seit 1980 gemacht
    (da kommen dann 40 Jahre mal ca. 100 Milliarden Euro zusammen !)
    dann hätten wir längst eine "Energie-Wende" ERLEDIGT, und würden die Technik dazu massenhaft exportieren..

    Das ist doch auch so eine "Kernkompetenz" von uns, oder ?

    Und hätten Strompreise die zum "verschenken" einladen..
  • Antworten » | Direktlink » | zu #29 springen »
#34 FinnAnonym

» zurück zum Artikel