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Imotski

Karneval in Kroatien: Regenbogenfamilie aus Pappe verbrannt

Kurz nach einem Urteil, das es Homo-Paaren ermöglicht, Pflegeeltern zu werden, wählte eine Kleinstadt ein schwules Paar mit Kind als das jährliche Maskottchen des Bösen.


Karneval in Imotski am Sonntagnachmittag

Zu Update springen: Kroatiens Präsident verurteilt "unmenschlichen Akt"

Der traditionelle Straßenkarneval in der kroatischen Kleinstadt Imotski hat am Sonntag für einen Skandal gesorgt: Nach dem Umzug wurde ein Motiv aus Pappe, das ein sich küssendes schwules Paar mit Kind darstellte, öffentlich verbrannt – umgeben von einer Vielzahl von Kindern und zur Musik einer Kapelle.

Bei Umzügen in der Region wird oft eine Art "Übel des Jahres", beispielsweise ein ungeliebter Politiker, durch die Straßen getragen und dann verbrannt. "Mein Kopf dreht sich angesichts dieser Kultur des Todes", hieß es bei der Zeremonie in Imotski. "Lasst uns diese groteske Familie (…) in Brand setzen. Spielt Musik."

Direktlink | Aufzeichnung des ganzen Nachmittags mit der Verbrennung ab ca. 1h42m. Ein hier ursprünglich auch geteiltes Video der Zeitung "Slobodna Dalmacija" wurde von Youtube als "Hate Speech" und Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen bewertet und gesperrt

"Das muss einem nicht gefallen, aber für uns ist so etwas unnormal", sagte ein Gast zu dem homosexuellen Paar gegenüber der Tageszeitung "Slobodna Dalmacija". "Aber jeder hat das Recht so zu sein, wie er will." Der Organisator des Karnevals sagte: "Wir bleiben konservativ, wir halten an der Tradition fest. Gib deiner Mutter ein Baby, wie das Sprichwort sagt. Wir denken, dass es das Richtige ist", so Milivoj Duka.

Während die Papp-Männer Regenbogenschal und -schmuck trugen, zeigte das Kind das aufgeklebte Gesicht des sozialdemokratischen Parlamentsabgeordneten Nenad Stazic. Auf seinem Gesicht wurde ein fünfzackiger roter Stern angebracht. Das schwule Paar war zuvor auf einem Wagen bei dem Karnevalszug durch die Straßen gezogen worden – direkt hinter der Hass-Projektion folgte eine Gruppe von Kindern in Kindergarten- oder Grundschulalter.


Das queere Portal CroL.hr sprach am Abend von einer "kranken Parade der Gewalt". Es musste am Sonntag zudem von einer neuen Umfrage eines Meinungsforschungsinstituts berichten, wonach 63,7 Prozent von 1.400 befragten Kroaten dagegen sind, Pflegekinder an homosexuelle Paare zu geben – 31,5 Prozent sind dafür und 4,8 Prozent unentschlossen. Bei Anhängern der größten Partei im Parlament, der christdemokratischen HDZ, sind sogar 86,9 Prozent gegen Regenbogen-Pflegefamilien.

Twitter / CroL_Hr

Vor rund zwei Wochen hatte das Verfassungsgericht entschieden, dass homosexuelle Paare Pflegeeltern werden können (queer.de berichtete). Einige Medien spekulierten am Sonntag, dass die Pappmänner das durch viele Medienberichte bekannte Klägerpaar persönlich darstellen sollen. Aus Mitte-Links-Parteien folgte am Sonntagabend eine scharfe Verurteilung des Karnevalsmotivs; ein sozialdemokratischer Abgeordneter hat angekündigt, eine Strafanzeige stellen zu wollen.


Mladen Kožić und Ivo Šegota hatten vor Gericht dafür gekämpft, Pflegeeltern werden zu können

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Bereits Buch zu Regenbogenfamilien verbrannt

Bereits vor zwei Jahren hatte es einen homofeindlichen Skandal im kroatischen Karneval gegeben: Beim Kinderkarneval in der Kleinstadt Kaštela verbrannten kostümierte Erwachsene vor den Augen der Kinder eine Plakatwand, die ein Bilderbuch zu Regenbogenfamilien darstellen sollte (queer.de berichtete). Auf beiden Seiten der als Regenbogenflagge bemalten Wand waren jeweils zwei Herzen mit den Aufrucken "Mutter" auf der einen und "Vater" auf der anderen Seite angebracht, darüber prangerte der Begriff "Kinderbuch". Kurz zuvor war das erste kroatische Kinderbuch zu Regenbogenfamilien erschienen.


Kinderkarneval in Kaštela 2018

Laut einer EU-weiten Umfrage aus dem Jahr 2019 (PDF) gehört Kroatien zu den homophobsten Ländern der Staatengemeinschaft, das Land ist mehrheitlich katholisch und streng konservativ geprägt. Noch 2013 hatte Kroatien die Ehe in einem Verfassungsreferendum als Verbindung zwischen Mann und Frau definiert und damit de facto gleichgeschlechtliche Ehen verboten (queer.de berichtete). Nach dem Beitritt zur EU führte Kroatien 2014 eingetragene Partnerschaften für Homosexuelle ein (queer.de berichtete). Es besteht die Möglichkeit zur Stiefkind- und Gemeinschaftsadoption. (nb)


mehrfach um Details aktualisiert


 Update  24.11.: Kroatiens Präsident verurteilt "unmenschlichen Akt"

Der Präsident Kroatiens, der sozialdemokratische Politiker Zoran Milanovic, sprach am Montag bei Facebook von der Verbrennung von einem "traurigen, unmenschlichen und völlig inakzeptablen Akt". "Die Organisatoren, die dieses schändliche Ereignis im Namen der Tradition inszeniert haben, verdienen die schärfste öffentliche Verurteilung wegen des Hasses, den sie gegenüber anderen gezeigt haben. Intoleranz und Unmenschlichkeit sind keine kroatische Tradition und werden es auch in Zukunft nicht sein." Er werde eine Entschuldigung der Organisatoren einfordern und eine Reaktion der zuständigen Stellen, da auch Kinder "Zeuge der Verbreitung von Hass und der Aufstachelung zur Gewalt wurden".

Auch mehrere aktuelle und frühere Parlamentsabgeordnete sowie Bildungsministerin Blazenka Divjak und Wirtschaftsminister Darko Horvat verurteilten die Karnevalsaktion. Der Abgeordnete Bojan Glavaševic verteidigte das schwule Paar, das vor Gericht dafür gekämpft hatte, Pflegeeltern werden zu können: Die Männer seien "patriotischer, mutiger und ein besseres Beispiel für Kroatien" als jene, die sie symbolisch verbrannten. "Wandel ist das, vor dem alle 'Brandstifter' Angst haben. Und Wandel wird kommen. Mit ihm werden Mladen und Ivo Glück finden, nicht die 'Brandstifter'."

Gestern Nachmittag haben Einheimische in Kroatien, das derzeit die EU-Präsidentschaft innehat, ein Bildnis eines…

Gepostet von CSD Deutschland e.V. am Montag, 24. Februar 2020
Facebook / CSD Deutschland e.V.

Kläger Mladen Kožic sagte am Montag, er habe nicht Angst um sich oder seinen Partner. "Aber ich habe Angst um alle unsere Freunde, die in Kroatien mit Kindern leben." Er könne es sich nicht vorstellen, was es allein für sie bedeuten muss, die Vorgänge in Imotski ihren Kindern zu erklären.

Die "Rainbow Families Croatia Association" kündigte am Montag Agenturberichten zufolge eine Strafanzeige gegen die Organisatoren wegen öffentlicher Aufstachelung zu Gewalt und Hass an. "Erschreckende Szenen aus Imotski können nicht mit Karnevalsbräuchen gerechtfertigt werden. Das ist zu verurteilen", kritisierte der Koordinator der Organisation, Daniel Martinovic. "Was für eine Botschaft wird damit unseren Kindern geschickt, die heute in Kroatien mit ihren lesbischen Müttern oder schwulen Vätern aufwachsen? Was für eine Botschaft gibt man damit Kindern ohne adäquate elterliche Fürsorge – dass es in Ordnung sei sie zu verbrennen, weil Erwachsene nicht verstehen können, dass ihnen jemand helfen will, damit sie ihre Kindheit nicht im Heim verbringen müssen?"

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#1 NuminexEhemaliges Profil
  • 24.02.2020, 00:14h
  • Wir wissen ja, dass der, der Bücher verbrennt, auch irgendwann Menschen verbrennt. Hier baut die Menschen schonmal aus Pappe nach und malt ihnen Gesichter existierender Landesbürger auf...

    Ich bin unglaublich gespannt, wie die EU auf diese Indokrination von Kindern und älteren Menschen, die Aussaat von Hass und die Verherrlichung von Gewalt gegen LGBT und diese Scheinhinrichtung kroatischer Bürger reagiert!

    Vermutung: "Wir verurteilen diesen Vorgang aufs schärfste. Tagesordnungspunkt 2: lasst uns Plastikstrohhalme verbieten."
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#2 goddamn liberalAnonym
#3 DramaQueen24Profil
  • 24.02.2020, 01:27hBerlin
  • Kroatien ist seit 2013 Mitglied der EU, und verhält sich wie unter Tito. Es war zu früh, viel zu früh, sie aufzunehmen. Sie haben nie gelernt, wie die EU-Standards sind, und die EU hat es ihnen nie beigebracht. Das Geld der EU nehmen sie gerne, aber nicht deren Werte und Normen!
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#4 lindener1966Profil
  • 24.02.2020, 02:15hHannover
  • Einst hingen bei uns auf Motivwagen an Karneval jüdische Karikaturen vom Galgen. So fängt es an.
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#5 LedErich
  • 24.02.2020, 07:32h
  • Mein Mann und ich haben uns in diesem Jahr für Kroatien als Urlaubsziel entschieden gemeinsam mit meinem Bruder und seiner Freundin. Ein Grund war es, nicht fliegen zu müssen, des Kl8mas wegen.
    Die Rechtslage für Schwule hatten wir uns auch angesehen. Jetzt bin ich schwer entsetzt. Das Symbol, Menschen und sogar Babys zu verbrennen ist so unmenschlich und inakzeptabel. Und die Religion wird wieder als Begründung bemüht. Wie meistens wahrscheinlich ohne Widerspruch von Bischöfen oder Päpsten
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#6 FliegenAnonym
  • 24.02.2020, 07:53h
  • ...was sagt unsere ach so tolle EU Präsidentin dazu ??? ......SCHWEIGEN !!! TRAURIG UND DAS IM JAHRE 2020
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#7 TheDadProfil
  • 24.02.2020, 08:46hHannover
  • Antwort auf #1 von Numinex
  • ""Vermutung: "Wir verurteilen diesen Vorgang aufs schärfste. Tagesordnungspunkt 2: lasst uns Plastikstrohhalme verbieten." ""..

    Sind sie bereits..
    Kleiner Tipp :
    "Strohhalme" waren offensichtlich früher mal aus Stroh, daher wohl auch der Name..
    Inzwischen gibt es sie dann tatsächlich ökologisch aus Stroh und auch aus Papier zu kaufen, das muß kein Plastik sein..

    Die "Tradition" im Karneval Pappfiguren zu verbrennen, vor allem am Aschermittwoch, ist schon recht alt, und so manches Mal werden dann auch Pappfiguren von Politikern oder "Kardinälen" verbrannt..
    Als "Tradition" ist das dann auch kein Fall für die EU, denn die schützt im Allgemeinem solches Brauchtum..

    Schlimmer allerdings ist dann die zitierte Aussage im Artikel :

    ""Das muss einem nicht gefallen, aber für uns ist so etwas unnormal", sagte ein Gast zu dem homosexuellen Paar gegenüber der Tageszeitung "Slobodna Dalmacija". "Aber jeder hat das Recht so zu sein, wie er will.""..

    Natürlich nimmt man dieses
    ""jeder hat das Recht so zu sein, wie er will""
    dann wieder nur für sich selbst und seine absurden "Traditionen" in Anspruch, denn schon beim Gegenüber kommt diese vermeintliche "Toleranz" ja schon nicht mehr an..
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#8 FelixAnonym
#9 TheDadProfil
  • 24.02.2020, 09:04hHannover
  • Antwort auf #3 von DramaQueen24
  • ""Es war zu früh, viel zu früh, sie aufzunehmen.""..

    Ob nun Kroatien 2013, oder Polen und Tschechien 2005, in der Analyse war die Aufnahme ja "immer zu früh"..

    Entweder hast Du keinerlei Informationen darüber was Kandidaten für die Aufnahme in die EU alles "erledigen" müssen, und wie lange sich dieses Procedere bisweilen hinzieht, bei der Türkei sind es inzwischen mehr als 20 Jahre, oder Du schaust genauso blauäugig auf die Kandidaten für die EU, wie auf Deine Potentiellen Lover, weil sie "dir persönlich" gefallen müßten..

    Blöderweise ist es aber so :
    Wenn ein Beitrittskandidat die Kriterien für die Aufnahme in die EU erfüllt hat gibt es KEINE Möglichkeiten mehr die Aufnahme abzulehnen, oder als "ist noch zu früh" in die Zukunft zu verschieben..

    Die Krux an der EU-Aufnahme sind dann auch nicht die Beitritts-Kandidaten, sondern diese Kriterien, die sich nämlich immer noch an den Vorgaben des Jahres 1991 orientieren..

    Beurteilt man die EU-Länder nach diesen Kriterien, dann muß man ALLE Länder die weder ein AGG besitzen noch eine Ehe-Öffnung vollzogen haben aus der EU rauschmeißen, und das hätte dann für 1991 bedeutet, ALLE außer den Niederlanden und Dänemark..

    ""Sie haben nie gelernt, wie die EU-Standards sind, und die EU hat es ihnen nie beigebracht. Das Geld der EU nehmen sie gerne, aber nicht deren Werte und Normen!""..

    Wie sind denn diese "EU-Normen" ?

    Und wie kommt man dann noch auf die Idee, es hätte ihnen niemand beigebracht ?

    Deine Kroatien-Kritik ist eine gute Kritik als Antwort auf eine völlig andere Frage, denn alle Vorwürfe die Du hier Kroatien machst muß man ZUERST der EU machen !

    Kroatien hat sich inzwischen auf Platz 18 von 28 (respektive 27 ohne GB) vorangearbeitet, und kriegt daher auch gar nicht mehr soviel Geld wie die Länder Rumänien, Portugal, Griechenland, Slowakei, Estland, Polen, Bulgarien, Lettland, Litauen und Ungarn..
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#10 FinnAnonym
  • 24.02.2020, 09:21h
  • So fängt es an...

    Das ist nichts anderes, als wenn bei den Nazis die Bücher brannten oder Scheiben jüdischer Geschäfte eingeschmissen wurden.

    Zuerst brennen Puppen, dann brennen Menschen.

    Die EU muss jetzt endlich etwas gegen den Faschismus in manchen ihrer Mitgliedsstaaten unternehmen: mehr Bildung und Aufklärung, Förderung von Vielfalt und auch finanzielle Förderung von LGBTI-Projekten, volle rechtliche Gleichstellung als Zeichen, dass sowas nicht geduldet wird.
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