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Queeres Parlament

Hamburgs langjähriger SPDqueer-Chef in die Bürgerschaft gewählt

Mehrere schwule Kandidaten schafften den Einzug ins Hamburger Landesparlament. Die Bürgerschaft muss aber weiter auf ihren ersten trans Abgeordneten warten.


Seit 15 Jahren ist Arne Platzbecker SPDqueer-Chef der Hansestadt, jetzt schickten ihn die Wähler erstmals in die 123 Mitglieder zählende Bürgerschaft (Bild: SPD Hamburg)

Bei seinem vierten Anlauf hat er es endlich geschafft: Arne Platzbecker, der frühere Chef der queeren SPD-Organisation in Hamburg und heutiges Mitglied im Bundesvorstand, ist als Wahlkreis-Kandidat in Hamburg-Mitte erstmals in die Hamburgische Bürgerschaft gewählt worden. Der Rechtsanwalt hatte sich bereits 2015, 2011 und 2008 erfolglos um ein Mandat beworben. Der 47-Jährige, der unter anderem Datenschutzbeauftragter des Fußballclubs FC St. Pauli ist, hatte im Wahlkampf mit Kampagnen wie "Ich will Pommes – und deine Stimme" für Schlagzeilen gesorgt.


Es ist geschafft! Nach Auszählung aller 144 Wahllokale im Wahlkreis 1 habe ich?? es geschafft und ziehe erstmals in die…

Gepostet von Arne Platzbecker am Montag, 24. Februar 2020
Facebook / Arne Platzbecker | Platzbecker bedankt sich bei seinem Anhängern

Carola Ebhardt und Elia Scaramuzza, die kommissarischen Bundesvorsitzenden der SPDqueer, begrüßten am Dienstag die Wahl Platzbecker überschwänglich: "Mit ihm zieht ein entschiedener Kämpfer für die Rechte von LSBTIQ in die Hamburger Bürgerschaft ein", erklärten sie am Dienstag. "Seit 2005 als Vorsitzender der SPDqueer (früher Schwusos) in Hamburg und danach im Bundesvorstand, ist Arne unserer Arbeitsgemeinschaft und unseren Themen aufs engste verbunden." Ebhardt und Scaramuzza begrüßten auch das "sehr gute Ergebnis" ihrer Partei. Die SPD hatte laut dem vorläufigen Landeslisten-Gesamtergebnis mit 39,2 Prozent der Stimmen klar vor den Grünen (24,2 Prozent), der CDU (11,2 Prozent), den Linken (9,1 Prozent) und der AfD (5,3 Prozent) gewonnen. Die FDP flog knapp mit 4,96 Prozent der Stimmen aus der Bürgerschaft.

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Farid Müller zum siebten Mal in Bürgerschaft gewählt

Im Hamburg-Mitte wurde auch der offen schwule Grünenpolitiker Farid Müller wiedergewählt, der bereits seit 1997 im Hamburger Landesparlament vertreten ist. Müller war unter anderem Initiator der 1999 eingeführten "Hamburger Ehe", also der ersten offiziellen Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaft.

Ich bin mit meiner neuen Kollegin Lena Zagst (Platz 2) zusammen aus den Wahlkreis Hamburg-Mitte wieder in die Hamburger…

Gepostet von Farid Müller am Montag, 24. Februar 2020
Facebook / Farid Müller

Über die Landesliste schaffte es außerdem der 29-jährige Sozialdemokrat Simon Kuchinke aus dem Szeneviertel St. Georg ins Parlament. Der Kellner, der laut seiner Homepage gerade im Café "Gnosa" eine Ausbildung zum Restaurantfachmann macht, warb insbesondere in der Szene um Stimmen: "Als einziger Schwuler auf der SPD-Landesliste möchte ich in Zukunft der direkte Draht der Community im Rathaus sein", schrieb er kurz vor der Wahl auf Facebook.

Kuchinke hatte im Wahlkampf für Schlagzeilen gesorgt, weil er mit einem Logo für sich warb, das dem der in Hamburg beliebten Zuckerbrause fritz-kola ähnelt. Die Produktionsfirma des Getränkeherstellers betonte jedoch laut der "Hamburger Morgenpost", dass man den Kandidaten nicht unterstütze.

Unfassbar! Es hat wirklich geklappt. Ich weiß nicht was ich sagen soll außer: Vielenvielen Dank! ?? Ich möchte mich…

Gepostet von Simon Kuchinke am Montag, 24. Februar 2020
Facebook / Simon Kuchinke | Auf Facebook bedankte sich Kuchinke nach der für ihn erfolgreichen Wahl


Ebenfalls ins Parlament gewählt wurde der Grüne Dennis Paustian-Döscher, der im "Hinnerk"-Interview als queer identifiziert wurde. Bereits zum zweiten Mal nach 2015 konnte sich auch René Gögge, der frühere Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft QueerGrün, ein Mandat sichern.

Den Einzug in die Bürgerschaft erneut nicht geschafft hat der FDP-Politiker Robert Bläsing, der von 2011 bis 2015 Landesabgeordneter gewesen war. Er hatte dieses Mal – wie schon bei der Wahl 2015 – mit seinem nackten Oberkörper um Stimmen geworben. Dieses Mal veröffentlichte er ein Bild der Dolly-Parton-Challenge, auf dem ein Grindr-Bild zu sehen war (queer.de berichtete).

Twitter / RobertBlaesing | Auch dieses Bild half nichts

Gescheitert ist ebenfalls Adrian Hector, der als erster Transmann in die Bürgerschaft einziehen wollte. Der 36-jährige Grünenpolitiker war auf Landeslistenplatz 26 angetreten. Die Grünen kamen zwar auf 33 Mandate, 20 davon holten sie aber direkt über die Wahlkreise. Hector hatte sich bereits vor seinem politischen Engagement für LGBTI-Rechte eingesetzt; er war etwa bis vergangenen Herbst Vorstandsmitglied im Bundesverband Trans*.

Twitter / Adrian_Hec

Voraussichtlich wird in Hamburg eine gestärkte rot-grüne Koalition in den nächsten fünf Jahren weiterregieren. Bei den LSVD-Wahlprüfsteinen versprachen die beiden Parteien, sich weiter um LGBTI-Gleichbehandlung kümmern zu wollen (queer.de berichtete). (dk)

Dennis Paustian-Döscher und René Gögge nachträglich ergänzt



#1 VicvonderElbeProfil
  • 25.02.2020, 21:45hHamburg
  • 1. Schade, dass wir offenbar keine geoutete lesbische oder sonstwie queere Abgeordnete in der kommenden Bürgerschaft haben werden ( oder ist das ganz einfach eine Lücke in der Recherche ?)

    2. Schade, dass queer.de diesen Umstand weder thematisiert noch gar problematisiert.
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#2 FinnAnonym
  • 26.02.2020, 08:30h
  • Antwort auf #1 von VicvonderElbe
  • Schade, dass manche Leute meinen, ein schwuler Mann hätte nur die Interessen schwuler Männer im Blick und könnte sich nicht auch für Lesben, Bi-, Trans- und Intersexuelle einsetzen.

    Natürlich ist mehr Vielfalt immer gut, aber besser so als niemand.

    Viel entscheidender als die Frage, wieviel LGBTI man in den Parlamenten hat, ist eher die Frage, wie diese sich einsetzen. Mir ist lieber ein einzler, der sich einsetzt als jemand wie Jens Spahn, der sich auch den größten Homohassern anbiedert, wie aktuell beim komplett vermasselten Gesetz gegen "Homoheiler".
  • Antworten » | Direktlink »
#3 VicvonderElbeProfil
  • 26.02.2020, 09:11hHamburg
  • Antwort auf #2 von Finn
  • Zu diesen "manchen Leuten" gehöre ich sicherlich nicht. In der vergangenen Legislaturperiode hatten wir schließlich mit Annkathrin Kammeyer und Cansu Özdemir zwei (soweit ich weiß) heterosexuelle, cissexuelle Politikerinnen für queere Politik, die sich stark eingesetzt haben. Mir geht es generell um die Sichtbarkeit. Mir fehlen nicht nur lesbische queer PolitikerInnen,sondern ebenso sichtbar lesbische Umwelt-, Innen-, Schul-, Gesundheits-, Haushalts- und sonstige Fachpolitikerinnen.
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#4 ElfolfProfil
  • 26.02.2020, 11:09hHamburg
  • Antwort auf #3 von VicvonderElbe
  • Ich brauche in Hamburg keine Politiker, deren persönliche sexuelle Identität im Vordergrund steht, sondern Politiker, die ein würdevolles Leben für alle anstreben. Unser Leben spielt sich nicht vordergründig untenrum ab, sondern mitmenschlich mit jedem. Da ist es wichtiger, dass es eben auch ein Zusammenleben unterschiedlicher Schlichten und Kulturen geben muss, in dem Vorurteile in jeder Richtung abgebaut werden. Die meisten Kontakte, die ich zu anderen Menschen habe, sind nicht von meiner Sexualität dominiert.
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#5 goddamn liberalAnonym
  • 26.02.2020, 11:24h
  • Antwort auf #4 von Elfolf
  • Trollig, drollig.

    "Unser Leben spielt sich nicht vordergründig untenrum ab, sondern mitmenschlich mit jedem."

    Mitmenschlich ist man nicht nur mit jedem, sondern v.a. mit seinen Lebenspartner*innen.

    Menschlichkeit bedeutet Gleichberechtigung für alle.

    Nebenbei: Gratulation an Hamburg für die richtige Wahl gegen rechts!
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#6 Harmloser BoyAnonym
  • 26.02.2020, 21:07h
  • CDU 11,2 %, AfD klein mit 5,3 %,
    A-FDP aus dem Parlament!
    Klare Klatsche gegen Rechts!!!

    Da wurden von den Wählern richtigerweise genau die 3 Parteien abgestraft, die in der "Thüringen-Affäre" über den Kopf der Wähler hinweg "in Überrumpelung" versucht haben, Rechtsextreme in die Regierung zu involvieren!

    CDU und A-FDP sollten dies als Warnung nehmen! - auch mit Blick auf mögliche weitere solche Wahlniederlagen!
    Man lässt sich nicht ungestraft mit Rechtsextremen ein!!!

    Und auch die rechtsextreme AfD selber hat prozentuale Verluste! - und hat ein Problem mit der Fünf-Prozent-Hürde!
    Na sowas!!!
    Sind das erste Anzeichen oder Vorboten eines Rückmarsches bei der AfD?!?

    Nach objektiver Einschätzung will die grosse Mehrheit der Bürger in Deutschland, dass die Parteien nichts mit der rechtsextremen AfD zu tun haben!!!
    Und daran sollten sich auch CDU und FDP halten!!!
    Hamburg zeigt, dass Verbindungen zwischen CDU, FDP und AfD, so wie dies bei dem Thüringen-Debakel stattfand, von den Bürgern absolut nicht gewollt sind!!!
    Und auch die AfD hat keine Vorteile von Überrumpelungsversuchen a la Thüringen!

    Und: In Hamburg ganz klar ein gutes Ergebnis für schwule Bürgerrechte, für queere Bürgerrechte.

    Die Leute in Hamburg sind sehr zu loben! - und zwar sowohl die Volksvertreter als auch die Wähler!!!
    Hamburg hat den Durchblick!
    Die Hamburger sind offenbar intelligenter als viele Ostdeutsche!

    Im Unterschied zu einem Teil der Ostdeutschen, lassen sich die Hamburger Wähler nicht von AfD und Co verhöhnen und lassen sich nicht von ihnen übers Ohr hauen!

    Solche Wahlergebnisse wie in Hamburg müsste es in der ganzen Bundesrepublik geben!!!

    ... Und ich bin schwul, und ich bin sehr stolz auf meine schwule Identität!
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