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Diskriminierung

Vermieter in Bayern: Keine Wohnung für Homosexuelle!

Mit Verweis auf seinen christlichen Glauben weigerte sich ein Vermieter aus dem unterfränkischen Mainaschaff, eine Wohnung an ein lesbisches Ehepaar mit zwei Kleinkindern zu vermieten.


Evelyn (li.) und Yasemine Arslan machten ihre Diskriminierung öffentlich (Bild: privat)

Mit der Ehe für alle ist die Diskriminierung von Lesben und Schwulen in Deutschland nicht automatisch verschwunden. Yasemine und Evelyn Arslan, ein Ehepaar mit zwei kleinen Kindern aus Unterfranken, haben Ende Januar in einer regionalen Facebook-Gruppe ihre Probleme bei der Wohnungssuche öffentlich gemacht. In der vergangenen Woche berichtete die "Main-Post" über den Fall.

Nach der Geburt des jüngsten Kindes im vergangenen November musste eine größere Wohnung her, berichtete das Paar gegenüber queer.de. Bei der aktuellen Wohnungsknappheit in Deutschland sicherlich keine leichte Aufgabe, aber dennoch nicht unmöglich. Auch bei Yasemine und Evelyn Arslan sah es erst einmal so aus, als hätten sie eine passende Wohnung in Mainaschaff für ihre kleine Familie gefunden. Personalausweise, Schufa-Auskunft und Gehaltsnachweis waren nach der Besichtigung und der mündlichen Zusage des Vermieters schon abgegeben. Ebenso wurde ein Kompromiss bezüglich des Einzugstermins gefunden – der Vermieter hätte die Wohnung gerne zum 1. Februar vermietet, Familie Arslan wollte allerdings erst zum 1. April einziehen und hätte trotz allem die Kaltmiete für den Monat März schon bezahlt.

Als sie Ende Januar dann endlich den Mietvertrag unterschreiben wollte, kommt es jedoch zum Eklat. Auf die Nachfrage nach Evelyns Ehemann outeten sich die beiden und erklärten dem Vermieter, sie seien miteinander verheiratet. Dieser entgegnete, das könne er nicht mit seinen religiösen Ansichten vereinbaren. Die Vermietung war geplatzt.

"Man stelle sich vor, wir hätten schon gekündigt"

Einen knappen Monat nach dem Schock teilt Yasemine mit queer.de die Sorgen, die sie in dieser Situation "voller Stress und Hektik" begleiteten. "Man stelle sich vor, wir hätten schon gekündigt. Die Kinder hätten kein Dach über dem Kopf gehabt." Die große öffentliche Resonanz nach dem Frustablassen auf Facebook habe sie gefreut, allerdings waren nicht alle auf der Seite des lesbischen Ehepaares. "Die einen sagten 'Pech für dich – ist seine Entscheidung', die anderen hatten vollstes Verständnis und Mitgefühl."

Was Yasemine und Evelyn Arslan erleben musste, ist kein Einzelfall. Immer wieder wenden sich queere Mieter mit Diskriminierungserfahrungen an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Grundsätzlich verbietet das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) Diskriminierung beim Zugang zu Wohnraum wegen der sexuellen Identität, allerdings gibt es Einschränkungen, etwa wenn der Vermieter unter 50 Wohnungen besitzt. Betroffene können theoretisch vor Gericht auf Schadensersatz und Entschädigung klagen, oft ist der Nachweis jedoch schwierig. Ein Diskriminierungsfall eines homosexuellen Mieters landete in Deutschland bislang nicht vor Gericht.

Auch Yasemine und Evelyn Arslan sahen keinen Sinn darin, sich mit dem homophoben Vermieter um die Wohnung zu streiten. Dennoch hat die Geschichte ein gutes Ende genommen: Vor einer Woche haben sie einen neuen Mietvertrag unterschrieben – und das ganz ohne Diskriminierung, weil sie eine Regenbogenfamilie sind.



#1 Ex-KatholikAnonym
  • 26.02.2020, 12:04h
  • Wie "christlich" das doch ist, 2 Erwachsenen mit Kindern keine Wohnung zu geben, weil sie nicht nach christlichen Vorstellungen des Vermieters leben. Wahrscheinlich würde der Vermieter mit dem Verweis auf seinen Glauben auch einem unverheirateten Paar mit Kind keine Wohnung geben. Moment mal... war da nicht was vor 2000 Jahren?
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#2 tychiProfil
#3 PetterAnonym
  • 26.02.2020, 12:48h
  • Und das zeigt wieder mal, wie wichtig ein besserer Diskriminierungsschutz wäre.

    Und auch eine Ergänzung von Art. 3 GG, womit solches Verhalten grundgesetzwidrig wäre.
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#4 PetterAnonym
  • 26.02.2020, 13:02h
  • Antwort auf #1 von Ex-Katholik
  • Meisten benützen solche Leute ihre angebliche "Religion" nur, um ihre wahre Gesinnung zu verbergen und zu rechtfertigen.

    Aber wer soll es ihnen übel nehmen, wenn die Kirchen genau das vorleben...

    Wir brauchen endlich eine echte Trennung von Staat und Kirche. Inkl. Abschaffung der Kirchensteuer (die sollen ihre Mitgliedbeiträge wie jeder Verein selbst kassieren) und der Staatsleistungen (dass die zusätzlich zu den Kirchensteuern auch noch mal Geld von allen Steuerzahlern bekommen, auch denen, die nicht mal dort Mitglied sind, ist ein Unding).
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#5 GhostbusterAnonym
  • 26.02.2020, 13:53h
  • Antwort auf #4 von Petter
  • "Meisten benützen solche Leute ihre angebliche "Religion" nur, um ihre wahre Gesinnung zu verbergen und zu rechtfertigen."

    Wieso "wahre" Gesinnung? Die Vermieter offenbaren ihre Gesinnung doch eindeutig und verbergen nichts. Sie beziehen sich auf Ihre magische Ideologie, die sogar explizit vorschreibt Homosexuelle zu töten. Bitte erkläre doch, inwiefern die Vermieter etwas verbergen?
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#6 Leon 4Anonym
  • 26.02.2020, 14:09h
  • Antwort auf #5 von Ghostbuster
  • Aufrechter Ehrenmann der dude, huh?

    Homophobie ist am Ende des Tages immer noch ne persönliche Einstellungssache, dieser Konsens das "religiös = homophob" ist Schwachsinn, du bekommst täglich Millionen Meinungen, Einflüsse und Wahrheiten präsentiert und entscheidest dann selber welche dieser Ideen du in dein Weltbild aufnimmst.... Der dude hat sich entschieden n depp zu sein und schiebt seine Religion vor um sich selbst nicht angreifbar zu machen, fertig, so ist das halt bei fehlenden eiern....
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#7 daVinci6667
  • 26.02.2020, 14:16h
  • Antwort auf #4 von Petter
  • Wie ist es möglich ungestraft, unsinnige, oftmals böse, ja teilweise gar abartige Dinge zu machen (wie z.B. kleinen Jungs gegen deren Willen die Vorhaut vom Penis zu trennen) und trotzdem als anständiger ja sogar ehrwürdiger Mensch zu gelten?

    Antwort: Man sagt einfach man sei religiös! Ein wunderbares Versteck!

    Religiös begründet wird einem immer noch fast alles entschuldigt. Selbst unter uns Schwulen sagen dann einige, Naja, der ist schon homophob, aber das MUSST DU halt verstehen, dass ist deren Religion, Kultur usw.

    Hier brauchen wir ein klares Umdenken und ein Eingreifen der Zivilgesellschaft.
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#8 Nk231Anonym
  • 26.02.2020, 14:40h
  • Hat er sich das etwa von dem ollen Bäcker in den USA abgeschaut...
    Damit sich sowas und ähnliches erst gar nicht ausbreitet, bitte dringend die sexuelle und geschlechtliche Identität im GG verankern, anstatt es hinaus zu zögern.
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#9 FckAfdAnonym
  • 26.02.2020, 15:35h
  • "Grundsätzlich verbietet das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) Diskriminierung beim Zugang zu Wohnraum wegen der sexuellen Identität, allerdings gibt es Einschränkungen, etwa wenn der Vermieter unter 50 Wohnungen besitzt"

    Wer hat sich denn diese Einschränkung ausgedacht und mit welchem Ziel?!

    Schön, dass die Familie am Ende eine neue Wohnung gefunden hat!
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#10 RuferInDerWueste
  • 26.02.2020, 15:46h
  • "Grundsätzlich verbietet das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) Diskriminierung beim Zugang zu Wohnraum wegen der sexuellen Identität, allerdings gibt es Einschränkungen, etwa wenn der Vermieter unter 50 Wohnungen besitzt."

    ...und somit ist dieses Gesetz das Papier nicht wert, auf dem es gedruckt wurde, irgendwo herumliegt und vermodert.

    Typisch für Deutschland und "Antidiskriminierung" - siehe auch das geplante Gesetz "gegen" Konversions"therapien" - die Gesetze strotzen nur so vor Ausnahmen. Und - oh Wunder! - immer wieder vor Ausnahmen religiöser Motivation. So dürfen "Klein"vermieter ungestraft ihre religiösen Gefühle geltend machen, christliche KiTas dürfen ihre Betreuer_innen feuern, sobald diese ihre_n gleichgeschlechtliche_n Partner_in heiraten wollen, etc. etc. etc.

    Diese Art von Diskriminierung MUSS WEG!

    Helfen könnte dabei durchaus die endlich überfällige Einbindung der sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität in Art. 3 GG.

    Aber da dies von der "Mitte", in der wir ja angeblich so perfekt "angekommen" sind, nicht gewollt wird, passiert genau eines:

    Nichts.
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