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Shitstorm

Feminismus: Streit um "transphobe" Vorlesung in Berlin

Eine Feministin will einen Vortrag im taz-Gebäude halten, in der laut Ankündigungstext Transgeschlechtlichkeit als "Irrweg" dargestellt wird, der Homosexualität auslöscht.


Die Vorankündigung der "tageszeitung" (Bild: taz.de)

Eine für kommenden Monat angesetzte "Queer Lecture" mit dem Titel "Transgender: Geschlechtergerechtigkeit passé?" hat zu einem Shitstorm geführt. In der von der Initiative Queer Nations (IQN) organisierten Veranstaltung soll Gunda Schumann, eine Aktivistin der Lesben- und Frauenbewegung West-Berlins in den Siebziger- und Achtzigerjahren, über das Thema referieren. Moderieren soll der Journalist und IQN-Vorstand Jan Feddersen, der vor einem knappen Jahr bereits einen Shitstorm ausgelöst hatte, weil er der LGBTI-Community Männerfeindlichkeit attestierte und von einer "Queergida" sprach (queer.de berichtete).

In der ursprünglichen Einladung vom Montag wurde Transgeschlechtlichkeit als "vom biologischen Körper abstrahierender Irrweg" diffamiert. Die "Konsequenzen" der Anerkennung von Transpersonen seien der "Rückfall in Geschlechterstereotype, [die] Negation des homosexuellen Begehrens, [die] Sterilisierung und Verstümmelung der Körper junger Mädchen, [die] Auslöschung der Kategorie 'Frau'" und anderes. In einer älteren Ankündigung fiel auch der Begriff "Transkrake". Die Veranstaltung soll am 17. März wie frühere Lectures im Gebäude der "tageszeitung" stattfinden (siehe Ankündigung).

Über diese Beschreibung machte sich Empörung breit. In sozialen Netzwerken kam es zu einem regelrechten Shitstorm. "Ich würde mich gerne auf den Kampf gegen die Nazis konzentrieren, ohne das linke Genossinnen mich vor den Bus schubsen", schrieb eine Aktivistin. Eine andere sah TERF am Werke (trans-exclusionary radical feminists – also als radikale Feministin, die Transfrauen nicht als Frauen anerkennen wollen).

Twitter / SalivaGlance


Twitter / SalivaGlance

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Berlins Kultursenator ist beunruhigt

Auch von der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld und aus der Berliner Politik gab es Kritik: Der offen schwule Kultursenator Klaus Lederer (Linke) erklärte gegenüber dem "Tagesspiegel", der Einladungstext sei "schwer irritierend und denunziatorisch". Die Landesabgeordnete Sabine Bangert (Grüne) ergänzte auf Twitter, es müsse geprüft werden, ob die Veranstaltung mit öffentlichen Mitteln gefördert wird.

Twitter / SabineBangert

"taz": Absage möglich

Auch die "taz" ist sich nicht mehr sicher: Auf ihrer Homepage wurde der Einladungstext geändert. Außerdem heißt es dort jetzt: "Der Verlag der taz bittet – insbesondere trans* und nicht-binäre Personen – um Entschuldigung für die Wortwahl in der vorherigen Version dieses Ankündigungstextes." Derzeit werde sowohl die Überarbeitung des Veranstaltungsformats als auch eine Absage des Events intern diskutiert.

Der Queer-Nations-Partnerverein Queeres Kulturhaus (E2H) bedauerte in einer Stellungnahme vom Mittwoch "die entstandenen Irritationen von Herzen". In dem Text wurde auch Queer-Nations-Vorstandsmitglied Christiane Härdel zitiert – sie bedauerte, dass die Einladung "missverständlich formuliert" gewesen sei. "Es ist uns natürlich nicht daran gelegen, Transmänner und Transfrauen zu diffamieren oder ihre Gefühle zu verletzen. Auch soll die queere Community nicht gespalten werden", so Härdel. "Wir wollen in unseren Lectures Fragen quer zum ideologischen und zum politischen Mainstream aufwerfen. Im Vordergrund steht die mitunter schonungslose Analyse von neuen Entwicklungen." Darum halte man an der Veranstaltung fest.

Konkret solle es bei der Lecture um "die Problematik gehen, die sich aus der Transkultur ergeben kann, vor allem aus feministischer und lesbischer Perspektive", so Härdel. Der Vorwurf der Transfeindlichkeit mache sie und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter "traurig".

Trans-Organisationen beklagen immer wieder, dass schwule Aktivisten und lesbische Aktivistinnen versuchten, ihre spezifischen Interessen über die von Transpersonen zu stellen. Es gibt auch Organisationen, die sich gezielt für die Rechte von Lesben, Schwulen und Bisexuellen einsetzen, aber Rechte für Transpersonen ablehnen. Dies findet oft, aber nicht immer, im Spektrum von Rechtspopulismus statt. Ein Beispiel ist die britische "LGB Alliance", die "Gender-Extremismus" bekämpfen will (queer.de berichtete). (dk)

 Update  17.02 Uhr: Spinnboden zieht Konsequenzen

Sabine Balke vom Lesbenarchiv "Spinnboden" hat am Mittwoch angekündigt, die Partnerschaft mit dem Queeren Kulturhaus wegen dieses Streits zu kündigen. "Spinnboden" sollte Teil werden des von dem Verein geplanten Elberskirchen-Hirschfeld-Hauses, das ab 2022 im alten taz-Gebäude an der Rudi-Dutschke-Straße diverse Archive, Bibliotheken, Vortragsräume, Galerien und ein Kino und Café beherbergen soll.



#1 NuminexEhemaliges Profil
  • 26.02.2020, 17:39h
  • Das ist ja an Dummheit kaum zu überbieten, FALLS die Aussagen ernst gemeint sind. Denn...

    Transgeschlechtlichkeit bedingt keinesfalls Homosexualität. Folglich ist die Negation von Homosexualität durch selbe auch völliger Schwachsinn. Steckt ja (eigentlich) auch schon in den Begrifflichkeiten: ...geschlechtlichkeit| ...sexualität. Zwei paar Schuhe!

    Solche Leute sind einfach nur Hassmenschen mit akademischem Unterbau. Ich bin entsetzt, dass man ihnen ausgerechnet bei der TAZ eine Bühne bietet. Man möchte brechen.
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#2 DramaQueen24Profil
  • 26.02.2020, 17:47hBerlin
  • Jeder Mensch hat das Recht, Müll oder Scheiße zu reden, so, wie jeder Mensch das Recht hat, eine andere Meinng zu haben, und dem Paroli zu bieten.
    Es gibt halt Frauen/Lesben, die in einer Zeitschleife sind, aus der sie ohne Hilfe nicht mehr raus kommen.
    Erinnert mich grad an "The Transsexual Empire" der ehemaligen Nonne Janice Reymond, wo sie unter anderem schrieb, dass transsexuelle Frauen in Wahrheit Männer sind, die in Frauenräume eindringen (sie benutzte tatsächlich das Wort penetrate).
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#3 ElyasAnonym
  • 26.02.2020, 18:57h
  • Ich frage mich auch haben wir nicht genug mit Intoleranz durch Religion und Faschisten zu tun ... Muss man nun anfangen untereinander mit dem finger zu zeigen mit den Worten ich bin mehr wert als du .... Traurig das wir(LGBT Community) nicht mal untereinander Tolerant sind... oder geschlossen zusammen stehen gegen jede Art des Menschen Hasses ....!!!!
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#4 Nk231Anonym
  • 26.02.2020, 19:02h
  • Von dieser Sorte gibt es übrigens auch männliche Personen, die Trans diffamieren und als nicht-existent deklarieren.
    Transphobie ist nicht weniger schlimm als Homophobie.
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#5 LillyComptonAnonym
  • 26.02.2020, 19:22h
  • Ein neugieriger Arzt fragte mal: Waren sie schon vor der OP zusammen? Oh, dann waren sie ja schwul und jetzt sind sie ja lesbisch oder?

    Egal wie man es dreht oder wendet homo isset.
    Jetzt frag ich mich wie da jetzt Homosexualität verdeckt wurde?

    Meine Frau hatte gute gründe sich irgendwann einfach garnicht mehr nach cissen umzusehen.
    Die sind zu vernagelt im Kopf.
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#6 KeinFeddersenFanAnonym
  • 26.02.2020, 20:39h
  • Antwort auf #2 von DramaQueen24
  • "Jeder Mensch hat das Recht, Müll oder Scheiße zu reden"

    Die muss man dann aber nicht als "Expert*innen" auf ne "queere" Bühne stellen. Schon gar nicht mit einem ebenso ignoranten Moderator an der Seite.
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#7 BePrideAnonym
  • 26.02.2020, 21:42h
  • Es gibt Menschen, die frei im Kopf, ihre Sexualität und damit sich selbst finden können, sich nicht durch sexuelle Rollenzuschreibungen bzw. Sexismus über ein entworfenes Gegengeschlecht erheben. Es geht hier um Sexualität versus Sexismus, Selbstsein gegen Fremdbestimmung.
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#8 Ralph
  • 27.02.2020, 15:15h
  • Die Dame hat den Unterschied zwischen sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität nicht verstanden. Genauso gut ließe sich sagen, dass der Wechsel von einer Religion/Konfession zu einer anderen oder der Austritt aus einer Religion und das Bekenntnis zum Atheismus die Hautfarbe in Frage stelle. Was nichts miteinander zu tun hat, beeinflusst einander nicht.
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#9 BePrideAnonym
#10 Homonklin_NZAnonym
  • 27.02.2020, 21:11h
  • Erst mal musste ich da einfach den Kopf schütteln. Eine schonungslose Analyse kann man auch sachlich verfassen, Dann habe ich mich gefragt, ob das so ein U-Boot von dieser Anti-Genderismus-Clique sein soll, so wie das daher kommt. Da tut man sich gut drin, auf Herz und Nieren zu prüfen, was da unterstützt werden soll, aber hallo!

    So einen Schmäh muss man Leuten mit halbwegs Weltblick nicht darbieten. Was man damit erreichen will, Trans*idente gegen Homosexuelle oder vice versa aufzuhetzen, dahinter könnte man andere als die schon erwogenen Hintergründe ahnen.
    Und wo soll denn Trans* bitte Homosexualität auflösen? Diesen Duktus kennt man doch sonst eher aus der rechtslackierten Ecke, halt mit anderen Eigenschaften, wo dann angeblich Zuwanderer das Volk auflösen und noch so Quark.

    Nee, braucht der Mensch nicht. Neben einander selbst zu sein ist auch möglich.
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