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USA

Trump-Regierung unterstützt homophobe Fotografin

Eine Fotografin klagt gegen Diskriminierungsschutz für Homosexuelle, weil dies ihre Rechte als Christin verletze. Jetzt erhält die Homo-Hasserin Unterstützung von ganz oben.


Chelsey Nelson fühlt sich durch eine Antidiskriminierungsverordnung diskriminiert

Das Justizministerium der Trump-Regierung hat am Donnerstag seine Unterstützung der Klage einer Hochzeitsfotografin bekannt gegeben, die sich aus religiösen Gründen weigert, für gleichgeschlechtliche Paare zu arbeiten. Chelsey Nelson hatte im November letzten Jahres ihre Heimatstadt Louisville in Kentucky verklagt, weil eine Stadtverordnung die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung bei Zugang zu Dienstleistungen verbietet.

In einem sogenannten "Statement of Interest" (PDF), einer juristischen Einschätzung, argumentiert das Justizministerium, dass das städtische Diskriminierungsverbot gegen das in der US-Verfassung garantierte Recht auf Gewissens- und Religionsfreiheit verstoße. Als Ministerium werde man "weiterhin das Recht aller Menschen auf ihre in der US-Verfassung garantierten Rechte verteidigen", erklärte Eric Dreiband, ein Stellvertreter von Justizminister William Barr.


Eric Dreiband argumentiert, dass es zum Grundrecht von Christen gehört, Homosexuelle zu diskriminieren (Bild: United States Department of Justice)

Die Klägerin aus Kentucky hatte in einem Schreiben an das Gericht argumentiert, dass das Diskriminierungsverbot für Homosexuelle ihre Rechte als Christin verletze. Schließlich sei sie der Überzeugung, "dass Gott die Ehe als exklusiven Bund zwischen einem Mann und einer Frau" geschaffen habe. Ihr Glaube beeinflusse "jeden Aspekt ihres Lebens". Das schließe auch "ihr geschäftlichen und künstlerischen Aktivitäten" ein.

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Nelson: Ich bin nicht homophob

In der Klage argumentierte sie auch, dass sie nicht homophob sei – mit einer kuriosen Begründung: "Ich würde natürlich sehr gerne für eine Hochzeitszeremonie arbeiten, bei der ein homosexueller Mann eine Frau heiratet." In ihrem Kampf wird sie von der millionenschweren Organisation Alliance Defending Freedom unterstützt, die von der Bürgerrechtsorganisation Southern Poverty Law Center wegen ihrer Homophobie als Hassorganisation aufgeführt wird – unter anderem neben Neonazi-Gruppen und dem rassistischen Ku-Klux-Klan.

Eigentlich ist Diskriminierung USA-weit nach dem "Civil Rights Act" von 1964 verboten – allerdings sind in dem Gesetz nur die Merkmale Rasse, Hautfarbe, Religion, Geschlecht und nationale Herkunft verankert. Damit dürfte ein Fotograf also etwa bei Ehen zwischen Angehörigen verschiedener Nationalitäten nicht die Arbeit verweigern, auch wenn er für die Ablehnung religiöse Gründe anführt. Das Merkmal "sexuelle Orientierung" ist allerdings in dem Gesetz nicht erwähnt. LGBTI-Aktivisten fordern bereits seit Jahrzehnten, diesen Schutz ins Bundesrecht aufzunehmen – allerdings scheiterte dies bislang am Widerstand der Republikaner.

LGBTI-Aktivisten besorgt über Klagen

Ungefähr die Hälfte der US-Bundesstaaten und viele weltoffene Großstädte oder Bezirke haben inzwischen lokale Gesetze eingeführt, mit denen Homo- und Transsexuelle vor Diskriminierung geschützt werden. Allerdings könnte der Supreme Court mit einem Grundsatzurteil all diese Gleichbehandlungsgesetze für ungültig erklären, wenn die Richter zur Einschätzung gelangen, dass Diskriminierung von sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten zum Grundrecht von Christen und anderen Religionsgemeinschaften gehört. LGBTI-Aktivisten sind besorgt, da der traditionell politische Oberste Gerichtshof nach der Ernennung der Richter Neil Gorsuch und Brett Kavanaugh durch Trump inzwischen eine konservative Mehrheit hat – und mehrere Fälle zum Thema vor einer möglichen Entscheidung stehen.


Die neun Richterinnen und Richter des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten haben in politischen Streitfragen stets das letzte Wort (Bild: Supreme Court of the United States)

Amerikanische LGBTI-Gegner kämpfen derzeit an mehreren Fronten dafür, das Recht auf die Diskriminierung Homo- und Transsexueller im ganzen Land durchzusetzen. Bekannt geworden sind etwa mehrere Fälle von Konditoren, die sich weigern, Hochzeitstorten an gleichgeschlechtliche Paare zu verkaufen (queer.de berichtete). Die Trump-Administration hält anders als die Vorgängerregierung von Barack Obama nichts von Diskriminierungsschutz für LGBTI. So erklärte das Justizministerium bereits im vergangenen Jahr zu einem laufenden Prozess vor dem Supreme Court, dass es Kündigungen von queeren Menschen durch homo- oder transphobe Arbeitgeber grundsätzlich für rechtens hält (queer.de berichtete).



#1 NuminexEhemaliges Profil
  • 28.02.2020, 13:19h
  • Ich kann mich gerade nicht entscheiden, was ich kranker finden soll: dass man Diskriminierung als Grundrecht ansieht oder dass man vor Gericht zieht, um sein Recht auf Diskriminierung einzuklagen.
    Mehr kann ich dazu momentan gar nicht schreiben, weil mir irgendwie die Worte fehlen. Um ehrlich zu sein, ist mir fast zum Weinen zumute.
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#2 Ex-KatholikAnonym
  • 28.02.2020, 13:34h
  • "Ihr Glaube beeinflusse "jeden Aspekt ihres Lebens""

    Wir fotografiert man denn christlich? Gibt es dafür eine Anleitung in der Bibel? Oder ein explizites Verbot, was man nicht fotografieren darf?
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#3 OfdonaldAnonym
  • 28.02.2020, 13:39h
  • Antwort auf #1 von Numinex
  • Ich find's auch zum Heulen, z.B. weil die Klägerin noch so jung ist, aber auch weil Trump das Oberste Gericht auf Jahrzehnte verändert hat. In den kommenden Zeiten werden wir vermutlich viel staatlich legitimierten und geschürten Hass in den USA erleben.
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#4 ahmadAnonym
  • 28.02.2020, 13:42h
  • wundert mich gar nicht. Ist Republikanerin

    wäre sie in Deutschland wäre sie in der AFD
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#5 Vater
  • 28.02.2020, 13:56h
  • Kann man das Spiel nicht umdrehen, indem Schwule, Lesben und queere Menschen lautstark zum Boykott dieser homophoben Tussi aufrufen?

    Würde mich ja nicht wundern wenn sie dann plötzlich rum jammert, dass sie sich benachteiligt fühlt.
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#6 DramaQueen24Profil
  • 28.02.2020, 14:07hBerlin
  • Aus Kentucky? Da muss wohl ein Nest von Fundichristen sein, denn die Standesbeamtin Davies kam auch aus dem Staat.
    Christen dürfen uns also diskrimminieren, aber Homosexuelle dürfen das nicht bei Christen? Oder etwa doch?
    Wenn ja, würde ich das bei "christlichen" Firmen tun.
    Ist sie die einzige Hochzeitsfotografin? Man kann zu jemanden gehen, die nicht so ein verbohrtes Arschloch sind.
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#7 Leon 4Anonym
  • 28.02.2020, 14:13h
  • So, im nächsten Schritt wird die Dame eine "go fund me" Seite einrichten um finanzielle Unterstützung für die Prozesshilfe zu erbitten und völlig gleich wie ein etwaiger Prozess ausgeht, n fettes plus auf dem Konto + landesweite werbung für Ihre Person sind ihr schon mal sicher... Ggf noch Auftritte bei the view, fox uä...

    Naja, Geld stinkt nicht....
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#8 mactorProfil
  • 28.02.2020, 14:52hBerlin
  • Antwort auf #5 von Vater
  • Ich glaube das kann man vergessen.
    Die Dame fotografiert vermutlich nur traditionelle christliche Hochzeiten.

    Da sind möglicherweise alle Ihrer Kunden dieser Meinung. Sonst würde sie diese Klage nie anstrengen.

    Es gibt eben Ecken in den USA die denken so.
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#9 TimonAnonym
  • 28.02.2020, 15:21h
  • Diese Leute vergessen immer:
    Religionsfreiheit bedeutet, dass man nicht wegen seiner Religion diskriminiert werden darf. Es bedeutet aber nicht, dass man andere, die dieser Religion nicht folgen, diskriminieren darf.

    Ansonsten wäre das ja nur ein einseitiger Schutz. Das gilt schon in beide Richtungen, ob das diesen Leuten passt oder nicht.
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#10 Ralph
  • 28.02.2020, 15:25h
  • Bei der Religionsfreiheit besteht ein grundlegendes Missverständnis. Sie besagt nicht weniger, aber auch nicht mehr als dass jeder Mensch frei ist, eine Religion zu wählen (oder auch nicht) und sie für sich selbst auzuüben, d.h. nach ihr zu leben, und die mit ihr verbundenen Riten auszuüben. Die Religionsfreiheit gestattet indes nicht, andere Menschen zu benachteiligen, auszugrenzen, schlechterzustellen, zu verunglimpfen oder ihnen im Geschäftsverkehr Leistungen zu verweigern, die man anderen ohne Weiteres erbringt. Kurz gesagt: Religionsfreiheit ist für ihren Träger ein positives Grundrecht, das der Staat garantieren muss. Der Staat muss aber nicht sicherstellen, dass jemand auf Grund religiöser Lehren Menschenwürde und Gleichbehandlungsgebot Dritter verletzen darf. Zwar gilt ein Grundrecht an sich nur im Verhältnis zwischen Staat und Grundrechtsträger. Vorliegend geht es aber gar nicht um die Religionsfreiheit dieser Fotografin, sondern um das Gleichbehandlungsgebot, also konkret um das Grundrecht schwuler und lesbischer Paare. Dieses gilt erst mal nicht gegenüber der Fotografin, sondern ebenfalls nur zwischen diesen Paaren und dem Staat. Schwule und Lesben haben aber gegen den Staat den Anspruch, dass er sie nicht schlechterstelle als Heterosexuelle in gleicher Lebenslage. Folglich darf der Staat das Gleichbehandlungsgebot in einer den Geschäftsverkehr bzw. die Berufsausübung regelnden Rechtsnorm nicht zu Ungunsten schwuler und lesbischer Paare außer Kraft setzen, nur um jener Fotografin willfährig zu sein, die als Privatperson Schwule und Lesben hasst. Deren Religionsfreiheit wird nämlich durch das Gleichbehandlungsgebot der fraglichen Norm gar nicht berührt. Würde ihr verboten, an einer Abendmahlsfeier teilzunehmen, oder würde ihr geboten, als Trauzeugin an einer schwulen Hochzeit mitzuwirken, dann wäre ihre Glaubensfreiheit verletzt. Die Gleichbehandlung der Kundschaft unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht, Lebensalter, Religion, sexueller Orientierung, politischer Einstellung usw. regelt lediglich ihre Berufsausübung und greift in ihren Glauben nicht ein. Sieht sie sich außer Stande, ihr Gewerbe nach den füralle geltenden Regeln auszuüben, dann muss sie es eben einstellen. Dass es für einen Chrsiten heilsnotwendig sei, keine Fotos von schwulen und lesbischen Paaren zu machen, lässt sich -unabhängig vom bereits Gesagten- auch gar nicht begründen. Es geht der Dame ganz einfach nur darum, ihren persönlichen Hass zu befriedigen und sich damit öffentliche Aufmerksamkeit zu verschaffen. Hass und Geltungssucht werden jedenfalls von keinem Grundrecht geschützt.
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