Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?35629

Podcast-Premiere

Warum sich Schauspieler outen sollten

Im ersten QUEERKRAM-Podcast spricht Johannes Kram mit dem schwulen Theaterregisseur Falk Richter und dem heterosexuellen Schauspieler Jonas Dassler über queere Vorbilder, toxische Männlichkeit und eine "ziemlich kaputte Branche".

Podigee-Direktlink | Die erste Folge (59 Min.)

Ein kleines Tonstudio im Berliner Wedding ist der Ort, an dem es am Freitagmittag plötzlich ernst wird. Johannes Kram ist die Aufregung vor der Aufzeichnung des ersten QUEERKRAM-Podcasts nicht anzumerken, er ist betriebsam wie immer. Die Gäste sind pünktlich und gut gelaunt.

Kram, der wortgewaltige Nollendorfblogger und Buchautor, betritt heute mehrfach Neuland. Im Studio muss er spontan reagieren, ohne sich die Worte vorher zurechtzulegen, auch sein großes Thema, die Alltagshomophobie in Deutschland, steht diesmal nicht im Vordergrund. Zumindest nicht am Anfang des Gesprächs.

Passend zu den Filmfestspielen spricht Kram mit dem (heterosexuellen) Schauspieler Jonas Dassler, der auf der Berlinale als "European Shooting Star" ausgezeichnet und hofiert wurde, und dem (schwulen) Regisseur und Teddy-Preisträger Falk Richter über ihre Erfahrungen am Theater, über toxische und alternative Männlichkeit und die eigenen Biografien. Der 23-jährige Dassler steht schließlich in Richters Väter-Stück "In My Room" am Berliner Maxim Gorki Theater auf der Bühne. "Unbedingt anschauen", sagt der Gastgeber gleich zweimal.


Dreier im Tonstudio (v.l.n.r.): Falk Richter, Jonas Dassler, Johannes Kram

Der natürlich-offene Jonas Dassler, der seinen schnellen Ruhm noch nicht ganz fassen kann, und Falk Richter, der politische Kämpfer und Erklärer, ergänzen sich perfekt. Zusammen zeigen sie eindrucksvoll, wie politisch das Private ist. Da ist auf der einen Seite der Regisseur, der von seinem Vater nach dem Coming-out verprügelt wurde, auf der anderen der junge Remscheider aus einem liberalen und unterstützenden Elternhaus, der sich mehr queere Sichtbarkeit und Schulaufklärung wünscht: "Vor ein paar Jahren wusste ich auch noch nicht, was Stonewall ist."

Viel mehr sei nicht verraten aus dem lebendigen Gespräch – ein Podcast ist schließlich zum Anhören da. Nur so viel: Beide beklagen homophobe Strukturen in der Theater- und Filmwelt. Dass sich homosexuelle Schauspieler aus Angst um ihre Karriere nicht outen, sei "Symptom einer ziemlichen kaputten Branche", kritisiert Dassler. Auch Richter beklagt mit harten Worten fehlende Courage bei homosexuellen Kolleg*innen. Outen wollen sie aber niemanden.

Nach einer Stunde verabschiedet Johannes Kram seine Gäste, etwas erschöpft, aber hoch zufrieden. Eine gelungene Podcast-Premiere, die jetzt noch leicht geschnitten werden muss und dann am Abend hoffentlich auch gut bei den Hörer*innen ankommt. Im Weddinger Tonstudio wird schon mal eine Flasche Sekt aufgemacht… (mize)

Podigee-Direktlink | Die erste Folge (59 Min.)



#1 ahmadAnonym
  • 28.02.2020, 21:45h
  • nein schwule und lesbische Schauspieler sollten sich auf keinen Fall outen, es sei denn sie heissen Ulrike Folkerts oder Neil Patrick Harris oder Jim Parsons. Alle anderen vor allem jene, die newcomer sind, sollten sich auf keinen fall am anfang der Karriere outen, sonst werden sie nur noch solche Klischeerollen bekommen das ist das gleiche bei Minderheiten wie asiaten oder Türken oder anderen Südländern die dann nur gangstarollen bekommen

    moralisch ist Outing zu begrüßen doch alles andere ist kontraproduktiv
  • Antworten » | Direktlink »
#2 TheDadProfil
  • 29.02.2020, 10:28hHannover
  • Antwort auf #1 von ahmad
  • ""nein schwule und lesbische Schauspieler sollten sich auf keinen Fall outen, es sei denn sie heissen Ulrike Folkerts oder Neil Patrick Harris oder Jim Parsons.""..

    Absurd..
    Denn den "Promi-Status" wird hier ein Wirkung zugeschrieben, die er bisweilen hat, er kann und soll an einigen Stellen Leute zum "Aufwachen" zwingen..

    Das ist aber nicht der eigentliche Zweck eines Coming Out, welches so selbstverständlich sein MUSS wie die "erste liebe" bei Heterosexuellen, die man dann den Eltern vorstellt..
  • Antworten » | Direktlink »
#3 homooeconomicusAnonym
  • 29.02.2020, 10:30h
  • Super Sache, der neue Podcast - bitte stellt ihn doch auch über Apple Podcasts bereit...
  • Antworten » | Direktlink »
#4 GayofcultureAnonym
  • 29.02.2020, 11:26h
  • Irgendwie gab es früher in Deutschland viele offen schwule Schauspieler, vor allem in den 1970er und 1980er Jahren, da kann man sehen- auch an behandeln solcher Dinge- wie Konservativ dieses Land geworden ist. Viele schwule deutsche oder deutschsprachige Schauspieler und Filmschaffende sind tot und auch oft vergessen: Amadeus August, Mathew Anden, Klaus Schwarzkopf, Dieter Schidor, Kurt Raab, Hans Brausewetter, Boy Gobert, Hubert von Meyerinck, Peter Kern, Fassbinder, Gustaf Gründgens, Volker Spengler, Werner Pochath, Walter Sedlmayr, O.E.Hasse, Peter Berlin, Rosa von Praunheim, Werner Schroeter, Walter Bockmeyer, Dirk Bach, Udo Kier und sicher noch der eine oder andere, der mir jetzt nicht einfällt. Es zeigt, es gab da mal eine große Gay-Community im deutschsprachigen Film-und Theatergewerbe, mit einigen, die es sogar bis ins Ausland schafften. Davon sind wir heute meilenweit entfernt...
  • Antworten » | Direktlink »
#5 Ralph
  • 29.02.2020, 12:20h
  • Antwort auf #4 von Gayofculture
  • Na ja, Leute wie Klaus Schwarzkopf, der ungeoutet erpresst wurde, bis er kein Geld mehr hatte, O.E. Hasse, der sich ein Leben lang ausschwieg, oder Walter Sedlmayr, der auch nie zu seiner Homosexualität stand und angstschlotternd fürchtete, geoutet zu werden, können nun wahrlich nicht als Vorbilder taugen. Nehmen wir lieber zwei Heterosexuelle: den Regisseur Wolfgang Petersen und den Schauspieler Jürgen Prochnow, die zusammen "Die Konsequenz" drehten, den allerersten schwulen Spielfilm, der je im deutschen Fernsehen (damals noch unter Abschaltung Bayerns) gezeigt wurde. Das war in den 70ern. Nach allgemeiner und noch heute weit verbreiteter Ansicht war/ist es für einen Regisseur und einen Schauspieler der absolute Karrierekiller, für einen solchen Film vor oder hinter der Kamera zu stehen. Weit gefehlt: Beide wurden Weltstars - und keineswegs auf irgendwas festgelegt.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 BePrideAnonym
  • 29.02.2020, 12:42h
  • Interessant am Gespräch fand ich Jonas Dasslers Feststellung der Irritationen bezüglich der Männlichkeit beim Publikum, wenn schwule Schauspieler die Rolle von Heterosexuellen auf der Bühne einnehmen. Ansonsten ergab sich aus dem Gespräch eine möglich berechtigte Zuversicht, dass sich in Schweden und in zukünftigen Generationen ein selbstverständlicherer Umgang mit der Sexualität widerspiegelt.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 Homonklin_NZAnonym
  • 29.02.2020, 15:39h
  • Das würde ich mir gern anhören, geht aber aufgrund der etwas unorganisierten Feldsituation hier grade nicht. Vielleicbt dann zurück aufm Schiff. Wenn Corona keinen Strich durch die Rechnung macht.

    ""Dass sich homosexuelle Schauspieler aus Angst um ihre Karriere nicht outen, sei "Symptom einer ziemlichen kaputten Branche", kritisiert Dassler. Auch Richter beklagt mit harten Worten fehlende Courage bei homosexuellen Kolleg*innen. Outen wollen sie aber niemanden. ""

    Leute, ihr müsst mal langsam verstehen, dass das Kernproblem nicht so einfach zu lösen ist, dass sich alle einfach bloß outen müssten-sollten ... dürfen können müssen ...wie auch immer, und dann geht das alles wunderbar klar. Solange der gesellschaftliche Boden diese Saat sozusagen postwendend zurück ins Gesicht des "Bauern" speit, also das Umfeld für die Art Einbettung keine Lust aufbringt, wie wollt ihr denn dann die Verantwortung für Karrieren übernehmen, die vor sich hin sinken oder abgebrochen werden müssen, weil Geoutete keine lebensfördernden Besetzungen mehr bekommen? Habt ihr die Funds dafür, die Kolleg*Innen dann alle finanziell so zu unterstützen? Fängt das die weltweite Queer-Filmbranche ab? Oder die Künstlersozialkasse? Wenn ihr schon sagt, die sollten sich outen, dann müsst ihr dafür auch bereit sein, diese Karrieren aufzufangen, falls die Gesellschaft nicht mitzieht, und die Durchsetztheit der Gesellschaft, die mit Homophobie, wie bekannt ist, nicht geizt, sich nicht wundersam bereitwillig lockern sollte.

    Darum vielleicht erst den Boden vorbereiten, das Netz aufspannen, bevor dieser "Soll" verlangt wird.
    Ein "Darf" wirkt in jedem Fall besser.

    Unter dem, was D und EU derzeit so an ReGIERenden anzubieten hat, ist es nicht so sicher, dass ein Aufbrechen der beinahe zementierten Allgemein-Homophobie möglich wird. Seid damit lieber vorsichtig. Schon einmal waren Jene zuerst an der Reihe, von denen es die Allermeisten wussten. Wer beobachtet das Geschick der Deutschen wirklich? Wenn die Neurechten zu weit gehen gelassen werden ...

    Früher dachte ich auch viel mehr Pro Möglichkeiten. Habe selbst Geschichten mit queeren Charakteren konzipiert, zwar Utopie und Sci-Fi von "Gay City" auf dem Generationenraumschiff und lauter wildes Zeugs, was soll man sagen, ich war 17 und doof-fantastisch-zuversichtlich...unwichtig. Aber ich konnte sehen, wo der Unterschied zwischen Fantasie und Wirklichkeit ist, Traum versus Realität. Verliert euch nicht in rosa Filterblasen, die platzen, wenn sich rote Schlieren wieder modern dereinst in Rauch auflösen. Mahn und warn, die 587ste.

    Oder...macht, wie ihr wollt. Denkt einfach "der Dude ist eh verrückt, eigen, voll mit Tabletten, und schon alt". ;) Das machen all die anderen auch.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 ahmadAnonym
  • 29.02.2020, 16:52h
  • Antwort auf #2 von TheDad
  • nein das ist nicht absurd.
    Schauspielerei ist ohnehin ein präkäres Geschäft und knallhart-
    NEIL PATRICK HARRIS kenne ich seit 1990 da hab ich als Kind seine Serie wo er Arzt war, geschaut. Hätte er sich damals oder wenig später geoutet dann hätten wir ihn nie in HOW I MET YOUR MOTHER gesehen.

    Die deutsche Schauspielerin NINA PETRI die mal in einem Tatort eine Lesbe gespielt hat, zum Beispiel wird aufgrund ihrer kurzen Haare und ihrer Art auch noch gerne heute nur in lesbenrollen gecastet obwohl hetero
  • Antworten » | Direktlink »
#9 Nk231Anonym
  • 29.02.2020, 19:25h
  • Antwort auf #1 von ahmad
  • Ganz verkehrt.
    Was glaubst du, was heute wäre, wenn Trans, Schwule, Lesben und Bi im Stonewall Inn so gehandelt hätten wie du es hier schreibst? Kontraproduktiv war das Verhalten der damaligen Polizei. Das einzige, was sie gerettet hat, war der Kampf nach vorne und das Aufstehen für sich selbst.
    Genau dasselbe ist heute wieder wichtig. Sowohl im Hinblick auf die AfD als auch in manchen beruflichen Bereichen wie die Filmindustrie, aber auch in manchen sozialen Bereichen.

    Also aufstehen, sich äußern, sich outen, sich durchkämpfen, sich mit anderen zusammen tun und gemeinsam gegen Trans- und Homophobie vorgehen. Das ist das einzig richtige! Und wenn das am Ende bedeutet, dass man woanders arbeitet, dann ist es halt so.
    Ich habe mich selber auch durchgekämpft und arbeite nun in einem anderen Bereich, bin aber geoutet und glücklich damit. Ich lasse mir doch nicht meine Persönlichkeit verbieten.

    Alles andere nutzt gar nichts.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 BePrideAnonym