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"Homophobe homophile Priester"

Katholischer Theologe fordert Massen-Coming-out schwuler Priester

In der katholischen Kirche wird der Ruf nach Offenheit lauter: "Internalisierter Hass" verhindere aber, dass schwule Priester ihr Versteckspiel aufgeben.


Noch immer betrachtet die katholische Kirche Homosexuelle pauschal als sündhaft, sofern sie ihre sexuelle Orientierung nicht verleugnen (Bild: flickr / Cjames Fotografia / by 2.0)

Dr. Andreas Heek, der Leiter der Arbeitsstelle Männerseelsorge der Bischofskonferenz und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der LSBTIQ-Seelsorger/innen in den deutschen Diözesen, hat in einem Meinungsbeitrag für das theologische Magazin "Feinschwarz" ein "Massenouting" von homosexuellen Priestern in der katholischen Kirche gefordert. "Homosexualität muss innerkirchlich dringend enttabuisiert werden", so sein Wunsch.

Dabei kritisierte Heek "die oft fast ins Hysterische gehende Neigung mancher kirchlicher Vertreter gegen Homosexuelle". Viele Kirchenvertreter würden dabei Schwule und Lesben ablehnen, weil diese "einem ausgedachten Ideal von Natürlichkeit nicht entsprechen". Die "Homophobie kirchlicher Obrigkeit" mache ein Coming-out für schwule Priester fast unmöglich.

"Tragische Hoffnung": Schwule Priester wollen mit Homophobie weniger schwul werden

Ein großes Problem sei nach Ansicht Heeks die "internalisierte Homophobie" bei schwulen Priester – diese Thelogen hassten sich also wegen ihrer sexuellen Orientierung selbst und würden deshalb auch oft Hass auf andere Homosexuelle verbreiten. Der Düsseldorfer Theologe erklärte, schwule Priester würden mit ihrer Homophobie "eine tragische Hoffnung" verbinden: "Wenn ich Homosexualität im Außen besiegt habe, vielleicht verschwindet dann auch die eigene Homosexualität."

In seiner Analyse stützte sich Heek unter anderem auf das Buch "Sodom: Macht, Homosexualität und Doppelmoral im Vatikan" von Frédéric Martel. Darin wird beschrieben, wie ein Machtzirkel aus homosexuellen Priestern, Kardinälen und Bischöfen jede Liberalisierung der Kirche verhindert.

Laut aktuellen Vorgaben aus dem Vatikan müssen Priesterschüler gefeuert werden, falls nur der Verdacht von Homosexualität aufkomme (queer.de berichtete).

Deutsche Kirche sendet widersprüchliche Singale an Schwule und Lesben

Aus der katholischen Obrigkeit in Deutschland kommen inzwischen aber auch oft positive Signale an Homosexuelle: Vergangenen Monat kritisierte etwa der Hamburger Erzbischof Stefan Heße die pauschale Ablehnung von gleichgeschlechtlichem Sex scharf (queer.de berichtete).

Allerdings bleibt die pauschale Ablehnung gleichgeschlechtlicher Lebensweisen stets präsent: Wenige Tage nach der Äußerung von Erzbischof Heße attestierte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf heiratenden Homosexuellen eiskalt, sie würden "den Markenkern der katholischen Anthropologie" beschädigen (queer.de berichtete). In Deutschland ist es sogar wegen einer Ausnahme im Gleichbehandlungsgesetz möglich, homosexuelle Lehrer an (steuerfinanzierten) katholischen Schulen wegen ihrer sexuellen Orientierung zu feuern – und die Kirche macht von diesem Recht auch immer wieder Gebrauch (queer.de berichtete).

Derzeit dürfen in Deutschland und anderen Ländern gleichgeschlechtliche Paare nicht einmal von katholischen Priestern gesegnet werden. Tieren oder Autos dürfen Priester dagegen den katholischen Segen erteilen. (dk)



#1 Religioten-WatchAnonym
  • 02.03.2020, 18:01h
  • Zum jetzigen Zeitpunkt der Entwicklungsgeschichte können Menschen weiter sein, als an eingebildete Freunde "im Himmel" zu "glauben" - egal ob queer oder hetero.

    Jetzt noch "gläubig" zu sein, finde ich schlicht unwürdig.

    Von der Verlogenheit des Konzerns Vatikan mal ganz abgesehen.
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#2 Leon 4Anonym
  • 02.03.2020, 18:10h
  • Antwort auf #1 von Religioten-Watch
  • " "als an eingebildete Freunde "im Himmel" zu "glauben""

    Warum Anführungszeichen??? Das ganze Konzept des Glaubens sowie die Definition von Glauben liegt ja am Ende darin das es auf eine nicht bewiesene Annahme beruht ? Heute genauso wie vor und in 2000 Jahren...
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#3 FinnlandAnonym
  • 02.03.2020, 18:17h
  • Antwort auf #2 von Leon 4
  • Das ist das gemeinsame Kennzeichen aller Glaubenslehren. Darum heiß es ja: Glaube, und nicht Wissen. Egal, woran jemad glaubt: Götter, Karma, Reikarnation, Astrologie... Also: sei's drum. Lass doch jeden glauben, woran er will.
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#4 marbellaAnonym
#5 SchleicheRAnonym
  • 02.03.2020, 19:07h
  • Antwort auf #3 von Finnland
  • Ja, aber nur so lange, wie der Glaube sich nicht in die Lebensbereiche anderer einmischt. Da dies aber unmöglich zu sein scheint, müsste man den Glauben komplett abschaffen. Religion braucht niemand. Eine aufgeklärte Gesellschaft ist viel sinnvoller als so ein institutionalisierter Wahn. Sowas würde ich dann Erlösung und Heilung nennen ;p
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#6 TheDadProfil
#7 Leon 4Anonym
#8 Homonklin_NZAnonym
  • 02.03.2020, 23:23h
  • Imho ist der internalisierte Selbsthass da sogar kirchlich erwünscht, denn die sehen Homosexualität als Makel, den es zu "heilen", aufzulösen, wegzubekommen gilt. He mehr sie die Leute dazu kriegen, sich selber fertig und klein zu machen, so einfacher ist es, die an den Marionettenfäden zu nutzen.

    ""Wenige Tage nach der Äußerung von Erzbischof Heße attestierte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf heiratenden Homosexuellen eiskalt, sie würden "den Markenkern der katholischen Anthropologie" beschädigen""

    Ja klar. Der Markenkern, die greifen vermeintlich das Geschäftsmodell an, denn darum, ob ein Ehepaar in Liebe Verantwortung für einander übernimmt oder eine Familie gründet, geht es denen gar nicht. Auch nicht um den Kumbayah-Bullshit rund um Nächstenliebe und sonstige Rosinen.
    Das Geschäft könnte leiden, wenn die Leute heiraten, wen sie wollen, die Pläne werden durchkreuzt, sein eigenes Weltmodell in die Köpfe zu trommeln.

    Besser wäre es, die ganzen Pädophilen in der katholischen Kirche würden sich outen, und Verantwortung übernehmen, für das häufig verursachte Leid und ihre kriminellen Aktivitäten. Auf die Art Forderung von Kirchenknilchen kann man lange warten.
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#9 QueerblickAnonym
  • 03.03.2020, 07:01h
  • Massenouting? Ein guter Freund von mir hat ein Date mit einem kath. Priester. Im Gespräch, nach dem schönen Abend, die klare Aussage sich nicht innerhalb der Kirche zum Thema " Homosexualität" zu engagieren. " Ich bin auch nur Mensch" was das Zölibat betrifft. Ein anderer Spätberufener tritt in ein Kloster ein und hält sich nicht an das Zölibat. Keine Bereitschaft sich einzusetzen. Ein anderer Ordens-Priester lebt eine Beziehung. Der Orden weiß zumindest von seiner Homosexualität. So verständlich diese Forderung. Meine Hoffnung auf Änderung, auch auf einen schwulen Frühling, wird arg herausgefordert. So freue ich mich wenn es Priester gibt, die sich für den Weg der Sichtbarkeit entscheiden.
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#10 NevermindAnonym
  • 03.03.2020, 07:45h
  • Wenn ich katholisch erzogen worden wäre, wäre ich wahrscheinlich auch Priester geworden. Für mich war es damals auch eine Katastrophe, festzustellen, dass ich schwul bin. Man sucht dann nach einem Ausweg aus dieser Situation. Wenn man aus einem streng konservativen Elternhaus kommt, kann das als relativ gangbare Lösung erscheinen. Durch den Zölibat ist man das Problem der verdammten Sexualität los. Man macht ein anspruchsvolles, interessantes Studium und man kann sicher Wege finden, später irgendwie sinnvoll tätig zu sein. Und so enttäuscht man sein Umfeld nicht. Jedenfalls besser als Suizid. Aber ich war evangelisch und da wär das sinnlos gewesen, da schließlich in jedem guten Pfarrhaus auch eine Pfarrersfrau wohnte. Zum Glück, muss ich sagen, denn letztlich wäre alles nur eine große Lüge gewesen. Aus der Kirche bin ich lange ausgetreten, im Prinzip habe nicht mal als kleines Kind daran geglaubt. Und mein Outing, zu dem ich mich dann irgendwann doch durchgerungen habe, war in jeder Hinsicht positiv und hat weder mein noch irgendjemand anderes Leben gekostet. Aber ich bin bestimmt nicht der einzige, der so gedacht hat und das erklärt für mich auch den extrem hohen Anteil schwuler Priester. Und wenn man sich einmal in so eine Situation hineinmanövriert hat, ists natürlich auch schwierig, da wieder rauszukommen. Es bedeutet, Lügen einzugestehen, die das ganze bisherige Leben betreffen, noch zusätzlich zu den Belastungen, die ein Coming out eh schon mit sich bringt. Das dürfte für jeden verkappt schwulen Priester und erst recht Bischof oder Kardinal nicht so einfach sein.

    Aber die Kirchen haben noch ein größeres Problem: das kaum noch jemand glaubt, was sie überhaupt erzählen.
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