Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?35651

Mehr als "Marleen"

Sie gehört zu uns: Marianne Rosenberg wird 65

Sie war das Aushängeschild des deutschen Schlagers. Ein halbes Jahrhundert steht Marianne Rosenberg schon auf der Bühne. Aus der Musikwelt und der Gay-Community ist sie nicht wegzudenken – trotz mehrerer Imagewechsel.


Marianne Rosenberg veröffentlicht in diesem Monat ihr neues Album "Im Namen der Liebe" (Bild: GABO / Agentur Focus)

Das Autogramm von Paul McCartney hat sie verschludert. Ein Missgeschick der Jugend, sagt sie. Dabei war ihr Schmachthit über den Sunnyboy-Beatle für Marianne Rosenberg einst der Durchbruch. Mit "Mister Paul McCartney" hatte sie als 14-Jährige ihren ersten Hit. "Ich war 16 und hatte meine Single auf seinem Konzert in der Deutschlandhalle dabei. Auf die gab er mir ein Autogramm. Und ich hab sie verbummelt." Heute lacht sie darüber. Die gebürtige Berlinerin, die am 10. März 65 wird, nimmt es gelassen: "Es ist, wie es ist."

Dabei kam die Idee zu dem Lied gar nicht von Rosenberg selbst. Nach einem Gesangswettbewerb schickt ihr ein Produzent die Musikkassette mit dem Teenie-Song. Während die Beatles gerade im Begriff sind, sich aufzulösen, tritt das Mädchen 1970 damit zum ersten Mal im Fernsehen auf. "Mister Paul McCartney" wird ein Hit – nicht der ganz große, aber immerhin. Heute sagt die Sängerin: "Ich dachte, das wird immer so weitergehen."

Die Personifizierung des Schlagers

Und das tut es auch – zunächst jedenfalls. In den Siebzigern ist Rosenberg die Personifizierung des Schlagers. In dem Jahrzehnt kommen 17 Alben heraus. Sechs ihrer Songs bringt sie in den deutschen Top Ten unter, bekannte Titel wie "Lieder der Nacht" oder "Er gehört zu mir". Der frische Sound of Philadelphia und der eingängige Discobeat werden ihr Markenzeichen – und natürlich die dunkle Föhnwelle. "Damals habe ich Disco-Grooves und Streicher in die deutsche Musik eingebracht", sagt Rosenberg.

Ihr größter Erfolg ist "Marleen", ein Song über die Nebenbuhlerin, die doch bitte den Mann in Ruhe lassen solle. Aus jetziger Sicht emanzipatorisch etwas fragwürdig, schlagerpartytauglich ist das Lied von 1976 allemal – auch heute noch.

Ende der Siebzigerjahre kehrt ihr allerdings ein Großteil des Publikums den Rücken. Ihre Songs gelten seinerzeit nicht mehr als attraktiv. "Auch für mich nicht", sagt sie rückblickend. Sie sei damals nicht aus den Plattenverträgen herausgekommen. "Die wollten, dass ich immer das Gleiche wiederhole. Und ich wollte das nicht." Gelitten habe sie.

Freiräume für Wandlungen

Danach sucht sie sich Freiräume für Wandlungen. Mal kommt die Neue Deutsche Welle, mal macht sie Chanson und Jazz, mal gibt es Einflüsse von Punk und Electro. Jüngst ist es wieder verstärkt Pop – wie auf dem neuen Album "Im Namen der Liebe", das kurz nach ihrem Geburtstag erscheint. "Wenn man mit Musik arbeitet, begegnet man anderen Menschen und Themen", sagt sie. "Und dann tun sich auch neue Türen auf." Rosenberg holte sich Größen wie Rio Reiser und Inga Humpe an die Seite, später unter anderem die Söhne Mannheims. Und auch ihr Look ändert sich: mittlerweile ist sie eine Diva, aber nahbar.

Zudem ist sie eine streitbare Künstlerin. Die Tochter des Auschwitz-Überlebenden Otto Rosenberg, langjähriges Vorstandsmitglied im Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, ist eine kraftvolle Verteidigerin der Demokratie. Jüngst zeigt sie sich geschockt von dem rassistischen Anschlag Ende Februar im hessischen Hanau. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur fordert sie, "dass Ausgrenzung und Rassismus in unserem Land endlich der Vergangenheit angehören".

Ikone von Schwulen und Lesben

Durch ihren konsequenten Einsatz für Minderheiten wird sie unter anderem zur Ikone von Schwulen und Lesben, die viele ihrer Songs gleichsam als Hymnen für ihre soziale Emanzipation betrachten.

Direktlink | Homo-Hymne von 1976: "Ich bin wie du"

In diesem Jahr kann sich Rosenberg gleich drei Mal feiern lassen. Für ihren 65. Geburtstag ist eine Party für ihr neues Album geplant, im Herbst feiert sie zudem ihre fünf Jahrzehnte dauernde Bühnenkarriere. Sie spricht davon, zu den Wurzeln zurückzukehren, einen Kreis zu schließen. "Es war mir wichtig, so ein Gefühl des Nach-Hause-Kommens zu haben." Nur Schlagersängerin – so will sie nicht mehr genannt werden. Diese Schublade bleibt zu.

Was am meisten gefeiert wird? Der Geburtstag. "Ich bin jemand, die gern Geburtstag hat. Viele meiner Freunde fahren weg, um zu vertuschen, wie alt sie werden", sagt sie. "Ich finde das albern."

Direktlink | Verliebt in einen Schwulen: Im vergangenen Jahr meldete sich Marianne Rosenberg überraschend mit dem neuen Song "Wann (Mr. 100%)" zurück



#1 PetraAnonym
  • 04.03.2020, 09:39h
  • Ich bin Jahrgang 1963, wir haben die Lieder von
    Marianne Rosenberg mit Leidenschaft nachgesungen, in der Umkleidekabine zum Sport.
    Wir haben die Lieder alle gemocht.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 Ralph
  • 04.03.2020, 10:34h
  • Ich hab nie begriffen, wie ein durch seinen Text und den Umstand, dass er von einer Frau gesungen wurde, doch vollkommen heterosexueller Schlager wie "Er gehört zu mir" zu einer Art Schwulenhymne avancieren konnte, der schließlich sogar Ralf König in einem seiner Bücher ein Denkmal gesetzt hat.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 Homonklin_NZAnonym
  • 04.03.2020, 11:28h
  • Diese Obsession mit bestimmten Sängerinnen oder deren Lieder habe ich auch nie verstanden. Ich schätze, dafür muss man mit Chanson und Schlager eine Leidenschaft verbinden, und bei mir war das eher die Art Sound mit dem man von den Eltern "gefoltert" wurde. Well, damals war ich eher bei Scarlatti und Mozart, Lully und Konsorten.
    Soll nicht heißen, dass man nicht achtet, was die Frau an Musik geschaffen und an Bekanntheit dadurch erreicht hat. Wenn man selbst Musik macht, auch gänzlich andere, weiß man das zu belobigen.

    Der Einsatz gegen Diskriminierung und für Inklusion krönt das dann mit einer besonderen Note. Die Frau weiß, was es bedeutet, anders zu sein, oder besser, als anders empfunden zu werden. Jeder, auch nur nur mit entfernten, "bunten2 Wurzeln weiß, wie das ist, und dass es nach Einsatz fragt. Da hat Frau Rosenberg eine ganze Menge dazu getan.

    Geburtstag feiern auf einem berg, umgeben von Alpenrosen, das wärte doch mal was. Und dann Frühlingserdbeeren mit Sahne. Oder auch was Fröhliches, wohin Nichtkletterer auch können.
    Herzlichen Glückwunsch vom Weltwanderer möcht man sagen.

    Bahtalo to bjandino dives!
  • Antworten » | Direktlink »
#4 Ana NymAnonym
  • 04.03.2020, 11:49h
  • Antwort auf #2 von Ralph
  • Nun ja,
    weil der Text, von einem Mann gesungen, auch passt. Schon der Titel: "ER gehört zu mir."
    "... wie mein Name an der Tür ", das könnte man als Anspielung auf die damals noch nicht mögliche Ehe lesen.
    Damals konnte man noch nicht so direkt "schwule" Texte singen. Hätte Sie es damals dennoch gemacht, würden wir dann vermutlich heute nicht (mehr) von "Marianne Rosenberg" reden. Ihre Songs wären von fast allen Sendern "nie nicht" gespielt worden.
    Dann hat sich der Song (die Songs), so wie heute bei vielen Dingen auch, in der Szene durchgesetzt ... das hat auch Ralf König live mitbekommen. Und mit seinen Comics bildet er die Szene nach.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 tchantchesProfil
  • 04.03.2020, 11:54hSonstwo
  • Ich kann mit ihrer Musik wenig anfangen, habe aber Respekt vor ernsthafter Arbeit und solidem Handwerk. Und das hat sie in all den Jahren geliefert. So lange wie sie muss man in diesem Gewerbe erst einmal durchhalten.

    Daher auch mein herzlicher Glückwunsch.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 goddamn liberalAnonym
  • 04.03.2020, 11:56h
  • Antwort auf #3 von Homonklin_NZ
  • "Die Frau weiß, was es bedeutet, anders zu sein, oder besser, als anders empfunden zu werden."

    Wohl wahr!

    Typisch für den deutschen Postfaschismus und seine Mentalität ist übrigens, dass sie zu Beginn ihrer Künstler-Karriere verschweigen musste, dass ihr Vater wg. seiner Herkunft im KZ Auschwitz war und im Gegensatz zu vielen ermordeten Verwandten nur knapp überlebte.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 Andy2Anonym
  • 04.03.2020, 12:36h
  • Die Rosenberg ist zweifelsohne eine der unverwechselbarsten Stimmen Deutschlands. Nicht nur wörtlich, sondern auch im übertragenen Sinne. Ganz abgesehen davon, dass sie musikalisch wirklich sehr talentiert ist (eine großartige Sängerin und Songschreiberin), darüber hinaus ist sie eine Künstlerin, die ihresgleichen sucht, und schon immer eine Stimme für Toleranz gewesen.

    Schon lange, bevor es modern war, gehörte sie zur LGBT-Community und war schon immer "auf unserer Seite" bzw. hat uns in Bezug auf Forderungen nach mehr Toleranz unterstützt. Und das immer ziemlich unaufgeregt und ohne viel Tamtam. Sie hat daraus nie ein großes Ding gemacht. Und als Dank dafür war ihr die Schwulen-Community immer treu und hat sicherlich auch entschieden zu ihrem Erfolg beigesteuert.
    Es gibt wenige Künstlerinnen, bei denen ich das ähnlich authentisch finde wie bei Marianne Rosenberg. Madonna und Cher sind da ähnlich, während Lady Gaga ihre Karriere meiner Meinung nach aufgebaut hat und man ihr teils auch vorwerfen könnte, die Gay-Community instrumentalisiert zu haben - für ihren eigenen Erfolg.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 PetterAnonym
  • 04.03.2020, 12:36h
  • Was haben wir damals in den 90ern als ich mein Outing hatte in den damals noch viel zahlreicheren schwulen Kneipen und Discos ihre Lieder gesungen. Egal ob "Er gehört zu mir", "Ich bin wie du", "Lieder der Nacht". Obwohl alle diese Titel aus den 70ern waren und in den 90ern schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hatten, haben wir sie geliebt.

    Alleine schon für diese Titel und die Erinnerung an diese tolle Zeit danke ich Marianne Rosenberg. Aber unabhängig davon hat sie natürlich noch viel mehr gemacht.

    Herzlichen Glückwunsch Marianne Rosenberg. Und Danke für alles.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 PetterAnonym
  • 04.03.2020, 12:39h
  • Antwort auf #2 von Ralph
  • Ganz einfach:
    weil man diese Lieder auch als Mann singen/mitsingen kann und sie dann eine ganz andere Bedeutung bekommen.

    Sowas wie "Er gehört zu mir" oder "Ich bin wie Du" sind doch (auch wenn Sie von einer Frau stammen und vielleicht nicht so gemeint waren) perfekte schwule Hymnen.

    Und dann noch der coole Disco-Sound, der britischen oder US-Produktionen in nichts nachsteht, aber deutsche, gut singbare Texte hatte, tat sein übriges. Es gibt nämlich kaum Disco-Songs mit deutschen Texten.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 UweBerlinProfil
  • 05.03.2020, 14:42hBerlin
  • Marianne Rosenberg hat ja nie wirklich so richtig typische Mitklatsch-Schlager gesungen. Da gibt es nur sehr wenige Ausnahmen wie vielleicht das Lied "Karneval".
    Ihre damaligen Hits waren am Phillysound von MFBS und Barry White angelehnt.
    Die damaligen Produktionen lebten eben auch von satten Streicher- und Percussion-Sounds.
    In Deutschland ist es schwierig, aus erfolgreichen Schubladen herauszukommen - und abgekupferte "international" anmutende Produktionen werden nicht wirklich gebraucht, weil man eben genug davon aus US und UK hat.

    Dass sie auch mal was anderes machen wollte und auch gerne Jazz, wer könnte ihr das verübeln?
    Leider kam sie doch oft auch spröde rüber in ihren Abgrenzungen - auch Schwulen - gegenüber, wenn auch letztlich nicht so gemeint.
    Bereits nach den großen "Schlager"Erfolgen versuchte sie sich auf "Spiegelbilder" mit anspruchsvollen Texten.
    Die Alben der letzten Jahre fand ich teilweise interessant und meistens waren 2 - 3 sehr gute Songs da rauf vorhanden.
    Richtig klasse fand ich das sogen. Comeback Album vor Jahren "Uns verbrennt die Nacht".
    Leider auch oft bemühte Brückenschläge in die kommerzielle Vergangenheit.
    So hört sich denn auch der neue Song "Wann?" an.

    Werde ins neue Album mal reinhören, das wohl vom inzwischen sehr erwachsenen Sohn co-produziert wurde.
    Geschmack hat Frau Rosenberg oft bewiesen. Leider hängen ihre Produktionen dann oft zwischen Baum und Borke statt wirklich mutig und komnsequent zu sein.

    So wirkt inzwischen auch Weltstar Madonna auf mich. Man schielt da immer etwas zu sehr in eine sehr erfolgreiche Vergangenheit.

    Denoch bleibt Marinne Rosenberg natürlich eine Musikgröße in Deutschland. Singen kann sie und hatte auch einige ihrer interessanten Ideen live präsentiert.
  • Antworten » | Direktlink »